Property Rights-Theorie

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Nov 22, 2005, 7:47:32 AM11/22/05
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Property Rights-Theorie

von

Daniel Schwamm

(19.03.1994)

[Aus: "Heimat des Dilettantismus", "http://www.henrys.de/daniel/"]

nach Coase (1960)

Inhalt

1. Property Rights-Theorie und herkömmliche Mikroökonomie

2. Die Verdünnung von Property Rights, Externalitäten und

Transaktionskosten

3. Ursachen der (langristigen) Spezifizierung der Property Rights

4. Grad der Spezifizierung von Property Rights

5. Der Mensch in der Theorie der Property Rights-Theorie

6. Methodologische Individualisierung

7. Erklärungen des Property Rights-Theorie

8. Unternehmen nach Sicht der Property Rights-Theorie

9. Nicht-marktliche Entscheidungsmechanismen

10. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung nach Sicht

der Property Rights-Theorie

11. Kritik der Property Rights-Theorie

1. Property Rights-Theorie und herkömmliche Mikroökonomie

Die Property Rights-Theorie (Verfügungsrecht-Theorie) ist eine relativ
neue Theorie, die sich anschickt, zum Zentralkonzept zur Erforschung
der Gesellschaft zu werden. Anders als wirtschaftliche
Architekturkritiktheorien, die radikal die gesamten bisherigen
Wirtschaftstheorien verwerfen wollen, fußt die Property Rights-Theorie
auf der herkömmlichen Mikroöknonomie, korrigiert diese aber in ihren
Prämissen. Während die Mikroökonomie von idealisierten Annahmen wie
z.B. dem vollkommenen Restkapitalmarkt u.ä. ausgeht, werden bei der
Property Rights-Theorie "realistische" Annahmen aufgeführt, die
empirische Bestätigung in der Praxis gefunden haben.

Die Property Rights-Theorie beschreibt, wie bestimmte Verfügungsrechte
an Ressourcen ökonomisch, rechtlich und sozial institutionalisiert
werden, d.h. sie gibt an, in wie weit verschiedene Wirtschaftssubjekt
Handlungsrechte und Handlungsmöglichkeiten bzgl. der vorhandenen
Ressourcen besitzen. Es wird also nicht von idealen Zuständen
ausgegangen, in dem gesagt wird, daß jemand gar keine oder alle Rechte
auf die Ressourcen besitzt, sondern es wird behauptet, daß die
jeweilige sozioökonomische Umwelt Art und Ausmaß der Property Rights
determiniert. Das zu untersuchende institutionelle Arrangement gibt
Auskunft über die Struktur der Verfügungsrechte, und macht klar, in
welcher Weise durch Sanktionen, also Belohnungen und Bestrafungen, das
menschliche Handeln kanalisiert werden kann.

Die herkömmliche Mikroöknomie kennt nur vollständige Property
Rights, bei denen der spezifizierte Wert eines Gutes (z.B. eines
Hauses) festgelegt wird. Die Property Rights-Theorie berücksichtigt
neben dem spezifizierten Wert eines Gutes (einer Ressource) auch dessen
effektiven Nutzwert, d.h. alle damit verbundenen Verfügungsrechte. So
macht es z.B. einen Unterschied, ob sich zwei spezifisch gleichwertige
Häuser einmal in der Nähe eines Atomkraftwerkes befindet und einmal
nicht - der effektive Nutzwert wäre beim zweiten Haus sicherlich
höher, weil es z.B. leichter an Touristen zu vermieten wäre.

An möglichen Verfügungsrechten werden vier Stück in graduell
anwachsender Bedeutung unterschieden:

(1) Nutzungsrechte: jemand verfügt über das Recht, eine Ressource zu
nutzen, also beispielsweise in einem Haus zu wohnen.

(2) Erträgerechte: jemand kann eine Ressource derartig benutzen, daß
er Erträge damit erwirtschaftet und diese auch behalten darf. Ein
solcher Fall wäre gegeben, wenn jemand ein Haus vermietet.

(3) Änderungsrechte: jemand besitzt das Recht, eine Substanzänderung
an einer Ressource vorzunehmen. Ein solches Recht wäre nötig, um an
einem Haus eine Garage auf Kosten des Gartens anbauen zu können.

(4) Überlassungsrechte: jemand verfügt über das Recht, die vorher
genannten Rechte an andere zu übertragen. D.h. ein Hausbesitzer
gestattet hierbei z.B. einem Vermietergesellschaft, sein Haus gegen ein
festes Entgeld zu verwalten. Es versteht sich von selbst, daß dieses
Recht das umfassenste Verfügungsrecht ist, und damit auch das höchste
Risiko für den Ressourceneigner birgt.

2. Die Verdünnung von Property Rights, Externalitäten und
Transaktionskosten

Eine Verdünnung der Property Rights bedeutet, daß gewisse spezifische
Rechte an einem Gut effektiv gemildert werden, weil bestehende
institutionelle Restriktionen eine volle Ausschöpfung der
Verfügungsrechte verhindern. Diese Restriktionen werden zum einen
durch Transaktionskosten verursacht. Transaktionskosten sind alle die
Kosten, die entstehen, um die Verfügungsrechte mehrerer Personen an
einer Ressource zu regeln, z.B. Informationskosten, Vertragskosten oder
Überwachungskosten. So werden die Property Rights an einem Haus
dadurch verdünnt, daß dem Besitzer Vertragskosten entstehen, wenn er
es an andere vermietet. Zum anderen werden Restriktionen durch
institutionelle Nutzungsbeschränkungen wirksam, wobei hier
insbesondere juristische Regelungen zum Tragen kommen. So verfügt zwar
eine Waffe über den spezifischen Nutzen, jemanden damit zu
erschießen, gleichzeitig wird dieser Nutzen aber durch das allgemeine
Tötungsverbot effektiv stark gemildert. Zu solchen
Nutzungsbeschränkungen kommt es immer dann, wenn die Verfügungsrechte
an einer Ressource mit den Verfügungsrechten an einer anderen
Ressource kollidieren. Hier sind auch die Externalitäten zu nennen,
die die Differenz zwischen den privaten und den sozialen Kosten (bzw.
Nutzen) an einer Ressource in Abhängigkeit von den Transaktionskosten
wiederspiegeln. Es gilt: je höher die Transaktionskosten sind, desto
verdünnter werden die Property Rights, d.h. umso mehr werden sie
kollektiviert, und desto höher werden die Externalitäten, weil die
private Nutznießung von kollektiven Ressourcen die sozialen Kosten in
die Höhe treibt.

3. Ursachen der (langristigen) Spezifizierung der Property Rights

Der technische Fortschritt verursacht laufend institutionelle
Innovationen, die die Verfügungsrechte an einer Ressource langfristig
erhöhen können. Die Property Right-Forscher versuchen nun, solche
Wertsteigerungen bereits im Vorfeld vorauszusehen, um die
Verfügungsrechte an den Ressourcen für bestimmte Personen langfristig
spezifizieren zu können, damit sie den maximalen Nutzen aus der
Ressource schlagen können.

Ein Beispiel: das Land eines Indianerstammes ist Gemeindeeigentum, d.h.
jeder hatte das gleiche Recht darauf zu leben, zu jagen und/oder es zu
bewirtschaften. Nun kommen die Weißen ins Land und bieten viel Geld
für die Felle erbeuteter Tiere. Infolgedessen kommt es zu Effekten wie
Raubbau und Überjagung durch einzelne Indianer, die dem Gemeindeland
irreparablen Schaden zufügen. Die Externalitäten wachsen ins
Unermeßliche. Zur Abwendung gibt es nur eine Möglichkeit (laut den
Property Rights-Forschern): Die Institutionalisierung des
Privatbesitzes. Durch die Verteilung des Landes an Einzelindianer in
Form von Privatbesitz, werden die Property Rights daran dahingehend
spezifiziert, daß jeder, der früh genug Land (oder vielmehr die
Verfügungsrechte daran) erworben hat, den maximalen Nutzen daraus für
sich schlagen kann - und auch für das Land selbst, weil es nun im
Interesse des Eigners liegt, es nicht durch übertriebenen Raubbau zu
vernichten.

4. Grad der Spezifizierung von Property Rights

Drei graduelle Pole der Spezifikation werden von den Property
Rights-Forscher beschrieben: der Privatbesitz, der Gemeindebesitz und
der Staatsbesitz. Diese werden wir uns nun einmal ansehen:

(1) Liegt Privatbesitz an einer Ressource vor, dann ist die
Spezifikation vollständig, d.h. der individuelle Einzelbenutzer
verfügt über alle Rechte daran. Sowie auch andere Individuen Rechte
an der Ressource erwerben, werden dadurch die Property Rights
verdünnt, d.h. der Grad der Spezifikation nimmt ab. Aus Sicht der
Property Rights-Theoretiker stellt der Privatsitz den Idealfall dar,
sind doch hier die Externalitäten niedrig, da es im Interesse des
Besitzers steht, seine Ressource maximal auszunutzen, sie dabei aber
nicht zu zerstören. Auch die Transaktionskosten sinken auf ein
Mindestmaß, weil der Besitzer die Verwaltung der Ressource alleine
übernimmt. Mit anderen Worten: gib jedem ein Stückchen Wald als
Privatbesitz, und er wird darin nicht mehr heimlich wildern, sondern
ihn aufopfernd hegen und pflegen, um ihn somit möglichst nutzbringend
einsetzen zu können.

(2) Falls alle Menschen die gleichen Rechte an einer Ressource
besitzen, kann man von Gemeinschaftsbesitz reden. Hier ist der Grad der
Spezifikation praktisch gleich Null. Einen solchen Gemeindebesitz
stellt beispielsweise eine öffentliche Straße dar, die de jure von
jedermann in gleicher Weise genutzt werden darf. Da nun aber nach dem
Menschenbild der Property Rights-Theorie jedermann versucht, seinen
Nutzen an der Ressource zu maximieren, entstehen hohe Externalitäten,
die sich kennzeichnen lassen mit der Aussage: Gewinne werden
privatisiert, Kosten dagegen sozialisiert - z.B. benutzt jedermann
gerne öffentliche Straße, aber keiner repariert sie auch freiwillig.
Solche Externalitäten lassen sich eindämmen durch
Überwachungsmaßnahmen (z.B. durch eine Straßenwacht), die aber
i.d.R. mit hohen Transaktionskosten verbunden ist. Eine andere
Möglichkeit wäre, die Erträge, die der einzelne aus der Ressource
erwirtschaftet, auf alle gleichmäßig zu verteilen, z.B. müßte dann
ein Hobbyjäger die erbeuteten Hasen mit der gesamten Bevölkerung
teilen. Da ein solcher Erträgeverteilunmgszwang meistens dazu führt,
daß die Motivation zur Nutzung der Ressource in den Keller geht, weil
der ökonomische Anreiz fehlt, die Ressource also letztlich ungenutzt
Brach liegt, muß der Staat häufig zentralistisch eingreifen, um die
Bevölkerung zu zwingen, die Ressource zu nutzen. Was wir dann bekommen
ist klar: die zentralistischen Planwirtschaft der kommunistischen
Länder.

(3) Gehört eine Ressource keiner Individualpersönlichkeit, dann
sprechen wir von Staatsbesitz. Auch hier ist der Grad der Spezifikation
gleich Null, weil keiner besondere Verfügungsrechte darauf geltend
machen kann. Um einen Staatsbesitz handelt es sich bei einer Ressource
genau dann, wenn sie nicht öffentlich zugänglich ist, wie dies z.B.
bei einem Militärgelände gegeben ist.

Es bleibt festzuhalten: die Position der Property Rights-Forscher ist
mit obiger Charakterisierung der Spezifikationsgrade eindeutig als
konservative erkennbar. Dem Privatbesitz wird der mit Abstand höchste
effektive Nutzen zugeschrieben, da hier die Externalitäten und die
Transaktionskosten niedrig sind. Mit anderen Worten: jede Verdünnung
der Property Rights gehen mit Effizienzverlusten einher, d.h.
vollständige Spezifikation bedeutet maximaler Nutzen für alle.

5. Der Mensch in der Theorie der Property Rights-Theorie

Auf das Menschenbild der Property Rights-Theorie wurde im vorherigem
Kapitel schon kurz eingegangen. Es entspricht nicht dem idealisierten
rein wirtschaftlich denkendem Nutzenmaximierer der Neoklassiker, also
dem Homo oeconomicus, nicht einem Anspruchsniveauanpasser und auch
nicht dem Mustermenschen der Entscheidungstheoretiker um Simon. Die
Property Rights-Theorie geht von einem sogenannten REMM aus, einem
Resourceful, Evaluating, Maximizing Man. Ein solcher REMM hat nicht nur
ausschließlich Geld im Kopf, sondern kann auch das ganz andere Ziel
haben, Liebe zu maximieren (im Ggs. zum Homo oeconomicus). Er findet
sich auch nicht mit einem bestimmten Anspruchsniveau ab, sondern
versucht immer wieder den Nutzen an einer Ressource zu maximieren (im
Ggs. zum Anspruchsnieveauanpasser). Und zuletzt ist er fähig, völlig
rational zu denken, sich also nicht von Präferenzen oder
Unbestimmtheiten der Umwelt irritieren zu lassen (im Ggs. zur
Entscheidungstheorie).

6. Methodologische Individualisierung

Die Neoklassik hat bei ihren Untersuchungen ganze Gruppen im Auge. Sie
analysiert daher z.B. eher das soziale Verhalten einer Organisation,
als das ihrer einzelnen Mitglieder. Die Property Rights-Theoretiker
dagegen schlagen sich auf die Seite der Mikroökonomiker: sie
versuchen, das soziale Verhalten einzelner Personen in mikropolitischer
Weise zu erklären.

7. Erklärungen des Property Rights-Theorie

Die Erklärungen der Property Rights-Theorie, z.B. hinsichtlich der
Entstehung und Form von Staatsverfassungen, laufen immer auf das
folgende Schema hinaus: es werden zuerst die institutionellen
Arrangments bezüglich einer bestimmten Ressource, d.h. die in der
Umwelt vorgefundenen Transaktionskosten und Externalitäten,
erläutert, und dann gezeigt, in wie weit diese die
Handlungsmöglichkeiten und Handlungsrechte der Wirtschaftssubjekte
einschränken. Danach wird der angenommene funktionelle Nutzen der
Ressource für die einzelnen Individuen dargelegt, woran deren Ziele
erkenntlich werden. Und zuletzt wird über das REMM-Modell beschrieben,
in welcher Weise die Individuen ihre Ziele bei gegebenen Property
Rights durchzusetzen suchen.

8. Unternehmen nach Sicht der Property Rights-Theorie

Nach Ansicht der Property Rights-Experten gibt die
Unternehmungs-Verfassung die Strukturen der Verfügungsrechte am besten
wieder. Aus diesem Grund wurden und werden diesen besondere
Aufmerksamkeiten geschenkt. Dabei gehen sie im Gegensatz zur
klassischen Mikroökonomie davon aus, daß die Property Rights in
verdünnter Form vorliegen, die Spezifikation der Rechte an den
Ressourcen einer Unternehmung also nicht vollständig auf die Besitzer
gerichtet ist. Tatsächlich wird das Unternehmen i.d.R. nicht von den
Besitzern, sondern von einem Management geführt. Außerdem existieren
rechtliche Einschränkungen, z.B. hinsichtlich von Monopolgeschäften,
die die Verfügungsrechte verdünnen. Unternehmen dienen nach der
Property Rights-Theorie also haupsächlich dazu, eine
institutionalisierte Trennung von Eigentum und Kontrolle vornehmen zu
können.

9. Nicht-marktliche Entscheidungsmechanismen

Lange Zeit waren die Wirtschaftswissenschaften, insbesondere die
Nationalökonomie, darauf aus gewesen, Mängel im Privatbesitz zu
erkennen und dafür nach staatlichen Eingriffen zu rufen, in dem -
naivem - Glauben, das Gemeinwohl wäre dadurch besser realisierbar.
Nach Ansicht der Property Rights-Theorie sind Menschen jedoch
unverbesserliche REMMs, die maximalen Nutzen aus institutionellen
Arrangements schlagen, und dies gilt auch - oder sogar im besonderen
Maße - für Politiker. Sichtbar wird dies immer dann, wenn wieder
einmal ein Skandal die Institution der Demokratie erschüttert. Aus
diesem Grund kann auch das Ziel des Gemeinwohls durch die
Wirtschaftspolitik kaum je erreicht werden.

Die Property Rights-Theoretiker sagen: natürlich, die Demokratie
räumt dem Volk die Möglichkeit ein, ihre Rechte an den Ressourcen
geltend zu machen. Es kann diese notfalls auch gewaltsam durchsetzen,
z.B. durch Abwanderung, d.h. Abstimmung mit den Füßen, oder
Dissidententum, also aktivem Widerstand gegen die Regierung. Doch nur
zu häufig schlägt Demokratie in Desposie um, in der die Auswanderung
verboten und das Dissidententum brutal niedergeschlagen wird.

Wieder wird die konservative Haltung der Property Rights-Theoretiker
deutlich, die an die Effizienz des Privateigentums glauben. "Nein, der
öffentlichen Hand ist nicht zu trauen, die wirtschaftet nur in die
eigene Tasche", sagen sie. "Versagen die Allokationsmechanismen des
Marktes, ist es allemal besser, die Property Rights - auch durch
eventuell erhöhte Transaktionskosten (die aber immer unter denen einer
weiteren Verdünnung durch Sozialisierung liegen) - neu zu regeln,
anstatt nach staatlichen Eingriffen, d.h. nicht-marktlichen
Entscheidungsmechanismen zu rufen."

10. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung nach Sicht der

Property Rights-Theorie

Die Property Rights-Theorie kann helfen, die neolithische und die
industrielle Revolution verständlich zu machen. Ansatt gewisse
institutionellen Zustände und Verfügungsrechte als gegeben zu
betrachten (wie dies die klassischen Wirtschaftswissenschaften tun),
werden sie in der Property Rights-Theorie als in der Zeit
veränderliche Variablen betrachtet. Beim Übergang von den
nomadisierenden Jäger- und Sammlerhorden zur Agrargesellschaft fand
ebenso eine Spezifizierung der Eigentumsrechte als Reaktion gegen
externe Effekt auf, also gegen erhöhte Externalitäten, wie beim
Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Man muß sich vor
Augen halten, daß erst im 18. Jh. das Patenrecht institutionalisiert
wurde, daß das geistige Eigentum des Einzelnen schützte und damit
für ihn ökonomisch reizvoll machte - die Folge war eine explosive
Zunahme der Erfindungen, die die industrielle Revolution ermöglicht
haben.

11. Kritik der Property Rights-Theorie

Wie bereits mehrfach erwähnt, zeichnet sich die Property
Rights-Theorie durch einen exzessivem Hang zum Konservatismus aus, der
das Privateigentum gegenüber jegliche Form der Sozialisierung
geschützt sehen will, um so einen maximalen Nutzen daraus erzielen zu
können. Kritisch ist hier v.a. anzumerken, daß die Effizienz des
Zugriffs auf eine Ressource überstark in den Vordergrund tritt, denn
schließlich gibt es noch andere wichtige Effizienzkriterien, wie z.B.
eine durchwachsene Marktdurchdringung, die bei Kollektivgütern sicher
eher gegeben ist. So ist es für die Wirtschaft wichtig, daß Straßen
überall hinführen und nicht nur an ökonomisch reizvolle Orte.
Habsucht bringt auch keine sinnvollen Kollektivgüter wie Leuchttürme
hervor, und das Privatfernsehen ist gegenüber dem
öffentlich-rechtlichem Fernsehen in nachteiliger Weise verbunden mit
(oder besser: unterbrochen von) langweiliger Werbung. Die staatliche
Eingriffe werden ebenfalls unnötig angeschwärzt, weiß doch jeder,
daß ungebremster Kapitalismus zu einer gesellschaftlichen Polarisation
in Arme und Reiche führt, der ein gehöriges Potential an sozialem
Sprengstoff inne wohnt - der Blick nach Amerika zeigt das nur zu
deutlich. Zuletzt muß noch erwähnt werden, daß der Property
Rights-Ansatz ebenso normativ wie spekulativ ist: er beschreibt in
übertriebenen Fachjargon simple Sachvorgänge, will standardisierte
Lösungen vorgeben (nämlich eine Verfünnung der Property Rights in
jedem Fall zu verhindern), kann sich dabei aber auf keinen ausgereiften
Formalismus oder empirische Bestätigungen berufen.

Als Aktiva zu verbuchen ist die Fähigkeit der Property Rights-Theorie,
das menschliche Handeln hinsichtlich gegebener institutionellen
Rahmenbedingungen zu analysieren. Hier "beweist" die Theorie, daß
Mängel im menschlichen Handeln sehr häufig auf Mängel der
Institutionen zurückzuführen sind. So kann z.B. behauptet werden,
daß eigentlich nur die Befristung von Jagterlaubnissen daran Schuld
ist, daß die Jäger so schnell möglichst viele Tiere erbeuten und
dabei oft so unnötig grausam vorgehen. Man kann sich hierbei dennoch
nicht ganz des Eindrucks erwehren, als würden die Property
Rights-Forscher - in merkwürdiger Inkonsiquenz zu ihrem REMM-Modell -
versuchen, den Menschen als von Natur aus gut darzustellen, der alleine
durch die schlechte Gesellschaft zum Raubtier gemacht wird.

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