Die alten Kunstschulen vermochten diese Einheit nicht zu erzeugen, wie
sollten sie auch, da Kunst nicht lehrbar ist. Sie müssen wieder in der
Werkstatt aufgehen. Diese nur zeichnende und malende Welt der
Musterzeichner und Kunstgewerbler muß endlich wieder eine bauende
werden. Wenn der junge Mensch, der Liebe zur bildnerischen Tätigkeit in
sich verspürt, wieder wie einst seine Bahn damit beginnt, ein Handwerk
zu erlernen, so bleibt der unproduktive "Künstler" künftig nicht mehr zu
unvollkommener Kunstübung verdammt, denn seine Fertigkeit bleibt nun dem
Handwerk erhalten, wo er Vortreffliches zu leisten vermag.
Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! Denn
es gibt keine "Kunst von Beruf". Es gibt keinen Wesensunterschied
zwischen dem Künstler und dem Handwerker. Der Künstler ist eine
Steigerung des Handwerkers. Gnade des Himmels läßt in seltenen
Lichtmomenten, die jenseits seines Wollens stehen, unbewußt Kunst aus
dem Werk seiner Hand erblühen, die Grundlage des Werkmäßigen aber ist
unerläßlich für jeden Künstler. Dort ist der Urquell des schöpferischen
Gestaltens.
Bilden wir also eine neue Zunft der Handwerker ohne die klassentrennende
Anmaßung, die eine hochmütige Mauer zwischen Handwerkern und Künstlern
errichten wollte! Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen
Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird: Architektur und
Plastik und Malerei, der aus Millionen Händen der Handwerker einst gen
Himmel steigen wird als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden
Glaubens.
WALTER GROPIUS
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