mod-ki message 0817
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Tagungsbericht von der ECSQAU-91
Vom 15.-17. Oktober fand in Marseille, Frankreich, die erste European
Conference on Symbolic and Quantitative Approaches for Uncertainty
(ECSQAU) statt. Veranstaltet wurde die ECSQAU von der "ESPRIT Basic
Research Action 3085" DRUMS (Defeasible Reasoning and Uncertainty
Management Systems), die sich aus 11 aktiven europaeischen
Forschungsgruppen zusammensetzt. Hauptverantwortlich fuer Programm und
Konferenz waren Rudolf Kruse (chair des Programmkomitees) und Pierre
Siegel (lokale Organisation Marseille). Ziel der Konferenz war es, einen
Ueberblick ueber die (europaeische) Forschung zu unsicherem,
unpraezisem, vagem, unvollstaendigem, und partiell inkonsistentem Wissen
zu geben, und ein ueber die DRUMS-Aktivitaeten hinausgehendes Forum zur
Vorstellung und Diskussion von Forschungsergebnissen zu schaffen.
Die Konferenz, die einschliesslich der Vorstellung der DRUMS-Projekte
insgesamt 54 Kurz- und Langvortraege umfasste, wurde von ca. 130
Teilnehmern aus Europa, den USA, Kanada, Israel, und Japan besucht.
Die in den Vortraegen vorgestellten Ergebnisse bezogen sich u.a. auf die
nachfolgenden Formalismen und Gebiete:
- Abduktion, Deduktion, Induktion
- Nichtmonotone und Default Logiken
- Terminologische Logiken, Vererbungsnetze
- Modale und Propositionale Logiken
- Lernen
- Diagnose und Klassifikation
- Probabilistische Methoden und Bayes Theorie
- Belief Theorie
- Fuzzy Sets und Possibility Theorie
- Fuzzy Control
- Neuronale Netze.
Einen Hoehepunkt der Konferenz stellten sicherlich die eingeladenen
Hauptvortraege dar. Lotfi Zadeh von der Universitaet Berkeley
betrachtete die Verbindung zwischen neuronalen Netzen und Fuzzy Logik
("Fuzzy Logic in the Calculus of Fuzzy If-Then Rules"). Er schlaegt vor,
Optimierungstrategien einzusetzen, um Membership-Funktionen an
vorgegebene Daten oder Randbedingungen anzupassen. Dies ist insbesondere
dann erforderlich, wenn laengere Schlussketten vorliegen. Der Ansatz
wird schon in einigen Produkten verwendet ("fuzzy Waschmaschine"). Peter
Gaerdenfors, Schweden, beschrieb ein nichtmonotones System, in dem die
Prioritaeten von Defaults durch neuronale Netze generiert werden
("Nonmonotonic Inference, Expectations, and Neural Networks"). Er
schaetzt die 'Possibility' von Alternativen durch lokalistische
neuronale Netze ab und definiert hierdurch eine Totalordnung ueber den
Alternativen, welche dann zur Selektion der Defaults genutzt wird.
Dov Gabbay, London, stellte seine Theorie der Abduktion und Induktion in
'Labelled Deductive Systems' vor ("Abduction in Labelled Deductive
Systems - A Conceptual Abstract"). Die hinter seinem Ansatz stehende
Idee ist, dass abduktive Prinzipien von Beweisprozeduren abhaengen und
als Bestandteil der Wissensbasis gesehen werden koennen. Mit den drei
Vortragenden ist es den Veranstaltern gelungen, ausgezeichnete
Repraesentanten der Forschung auf diesen Gebieten zu gewinnen.
In Europa gibt es derzeit eine Reihe von teilweise isolierten
Forschungsaktivitaeten zum unscharfem Schliessen. Abe Mamdani, London,
schlug daher vor, ein "European Uncertainty Network" zu bilden, das
Forschung und Anwendung im Bereich unsicherer Schlussverfahren
koordinieren soll. Das Netzwerk soll in 5 Knoten gegliedert werden
(Uncertainty Research, Fuzzy Control, Uncertainty Software, Training in
Uncertainty for Engineers, Industrial Applications). Ein Newsletter soll
ueber laufende Projekte und Ergebnisse berichten. Im Kreis der
Konferenzteilnehmer ergab sich eine breite Zustimmung fuer diese
Initiative, welche gegebenenfalls im Rahmen des Esprit-Programms
gefoerdert werden soll.
Beachtenswert war die sehr gute Qualitaet nahezu aller Vortraege und der
entsprechenden akzeptierten Papiere. Zu erwaehnen ist weiterhin die
Tatsache, dass alle wichtigen auf den oben genannten Gebieten aktiven
Forschergruppen auf der Konferenz vertreten waren und damit ein
Ueberblick ueber die aktuellen Forschungsrichtungen und
Forschungsinstitutionen vermittelt werden konnte. Zu bemaengeln war bei
der Konferenz eigentlich nur das zeitlich zu umfangreiche Programm und
die anfaenglich lueckenhafte lokale Vorbereitung durch das dortige
Reisebuero. Bleibt nur noch, den Veranstaltern der naechsten ECSQAU
einen vergleichbar grossen Erfolg zu wuenschen. Die Proceedings sind
beim Springer-Verlag erhaeltlich und umfassen einschliesslich der
DRUMS-Praesentationen 57 Beitraege:
R. Kruse, P. Siegel (Eds.),
Symbolic and Quantitative Approaches to Uncertainty,
Lecture Notes in Computer Science 548,
Springer-Verlag, 1991.
Jochen Heinsohn, DFKI
Gerhard Paass, GMD
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