Was ist eigentlich der Sinn von News?
Nach dem was ich so mitbekommen habe (wenn es nicht stimmt, dann
betrachtet den Rest des Artikels als gegenstandslos), ist News bzw.
das zugrundeliegende Netz zu dem Zweck geschaffen worden, dass
Wissenschaftler der ganzen Welt auf einfache und schnelle Weise
miteinander kommunizieren koennen, richtig? Dass diese Kommunikation
ueberwiegend mit ihrer Arbeit zu tun haben sollte, ist auch klar, oder?
(Gigantische Teilchenbeschleuniger werden ja auch nicht finanziert,
damit die Wissenschaftler sie fuer ihr Privatvergnuegen nutzen (wie auch
immer !?!).) Dass diese Kommunikation nicht nur mit ihrer Arbeit zu tun
hat, ist natuerlich auch in Ordnung. (Auf Tagungen und Kongresse faehrt
man ja auch, um Kontakte zu knuepfen.) Es duerfte auch von vorneherein
klargewesen sein (oder sich zumindest schnell gezeigt haben), dass eine
gewisse arbeitsunabhaengige Komponente dazugehoert, sogar dazugehoeren muss.
Welche Folgen hat das fuer die Benutzer?
Die Poster, die sich hier so fuerchterlich ueber Zensur etc. aufregen,
sollten vielleicht mal darueber nachdenken, wie gross das Verhaeltnis von
(Be)Nutzern zu Finanzierern ist: Jeder Steuern zahlende Bundesbuerger
traegt dazu bei, dass News, bzw. das Netz existiert. Sofern das den
arbeitsabhaengigen Teil betrifft, duerfte dafuer auch jederzeit die
allgemeine Zustimmung vorhanden sein. Was den arbeitsunabhaengigen Teil
angeht, so sollte man davon ausgehen, dass, solange dieser Teil nicht den
Gesamtbetrieb derart stoert, dass ein sinnvolles Arbeiten mit diesem
Medium nicht mehr moeglich ist (zu lange Antwortzeiten, mangelnder
Plattenplatz (ja, sowas kommt auch in reichen (hahahahaha!!!) Universitaeten
vor)), seine Existenz geduldet wird.
Wir Benutzer koennen aber nicht erwarten, dass fuer unser persoenliches
Hobby (dazu zaehlen auf jeden Fall alt.sex.binaries.... und sicher auch
alt.sex) jeder Steuerzahler seinen Beitrag leistet (es gibt mit Sicherheit
genuegend Bereiche, in denen dieses Geld sinnvoller verwendet werden koennte,
aber das ist ein ganz anderes Thema). Was wuerden die meisten hier wohl
dazu sagen, wenn ein Soldat seinen Tornado dazu benuetzte, einfach seine
Verwandten in US zu besuchen?
Solange jeder fuer sein Vergnuegen bezahlt, gibt es keinen Grund, ihm dieses
innerhalb des gesetzlich Zulaessigen zu versagen, sobald er jedoch Geldmittel
der Allgemeinheit (oder der Gesellschaft oder des Staates) dafuer ausgibt,
muss er es sich gefallen lassen, dass an diese Ausgaben andere Massstaebe
gelegt werden. (Eigentlich sollte dies ueberhaupt kein Thema sein!!)
Was folgt daraus fuer News?
Wenn der Oeffentlichkeit bekannt wird (wie im Emma-Artikel geschehen),
dass es gewisse *Ungereimtheiten* bei der Benutzung von News gibt
(die Wertung dieser Gruppen steht mir nicht zu, darum geht es auch
gar nicht), so ist es sogar die Pflicht der zustaendigen Organe, Behoerden,
Kontrollinstanzen, herauszufinden, was tatsaechlich passiert (ist).
Sollten diese zu dem Schluss kommen, dass das Geld nicht seiner
Zweckbestimmung entsprechend verwendet wird, ist die Gefahr gross, dass
nicht die Einhaltung der Zweckbestimmung sichergestellt wird, sondern
dass das Geld einfach gestrichen wird (wenn die Wissenschaftler nicht in
der Lage sind, mit ihnen anvertrautem Geld sinnvoll umzugehen, dann wird
es halt woanders verwendet (ob sinnvoller, sei mal dahingestellt)).
Die Medien?
Da die Medien der Erfahrung nach nicht in der Lage (oder Willens) sind,
einen komplexen Sachverhalt wie News der Oeffentlichkeit sinnvoll
darzustellen, liegt die Verantwortung dafuer, dass das Kind nicht mit dem
Bade ausgeschuettet wird, bei den (Be)Nutzern UND den Administratoren.
Da es sich bei den Benutzern um eine fast ebenso heterogene Gruppe handelt,
wie bei der Gesellschaft, kann man bei diesen ebensowenig davon ausgehen,
dass sie das Problem von selbst in den Griff bekommen, wie man davon ausgehen
kann, dass die Gesellschaft sich mit diesem Problem objektiv auseinandersetzt.
Fazit?
Aus diesem Grund sollte man das Sperren der news-groups in Stuttgart
vielleicht unter dem Aspekt der Schadensbegrenzung verstehen, denn es wird
mit Sicherheit irgendwann einmal jemand auftauchen und nachpruefen, was
in News alles passiert. Und ich denke, es ist allen klar, dass unter solchen
Umstaenden eine objektive Betrachtung nahezu ausgeschlossen ist, denn es
gibt hunderte von Gruenden, die eine Abschaffung von News ermoeglichen,
aber es gibt nicht viele (dafuer aber um so gewichtigere) die fuer seine
Erhaltung sprechen. Jemand, der News ueberprueft und anschliessend verbietet,
wird mit Sicherheit ein ueberwiegend positives Echo finden, wer es
bestehen laesst, wird einen gewaltigen Aerger bekommen, so bald auch nur
etwas Anruechiges bekannt wird.
P.S.: Die Bemerkungen in dieser news-group ueber Frau Burr sind wirklich
absolut laecherlich. Wer auf Grund eines Artikels solche Aeusserungen
taetigt, ohne die Hintergruende zu kennen, sollte sein Verstaendnis von
Menschenrechten noch einmal ueberdenken.
Boese ausgedrueckt koennte ich sagen, dass Deine Meinung schon nach dem
Ergebnis zensierter Informationspolitik aussieht. Vielleicht erzaehlt Dir
Dein Informationsmanager nicht alles, weil es nicht in sein Weltbild passt.
Aber dafuer gibt es ja News: dann erzaehlt es Dir vielleicht ein anderer.
Also: News gibt es schon ewig lange. Manche sagen auch USENET-News dazu.
Das USENET ist entstanden aus einer Vereinigung von Unix-Anwendern (Hochschu-
len, Commercials, Private). Unter Unix ist es ziemlich einfach mitt UUCP,
ein paar Modems sich heftig zu vernetzen. Das wird auch heute noch so
gemacht (mir faellt als Privater zum Beispiel netmbx in Berlin ein).
Manche haben ueberhaupt nichts mit oeffentlich bezahlten Hochshulen zu tun.
Die machen das auf eigene Kosten. Wenn Dich das naeher interessiert, kannst
Du auch die Anmerkungen von Altvater Tanenbaum nachlesen, so der nicht
in Stuttgart auf dem Index steht.
Die Hochschulen haben im Wesentlichen drei Phasen durchlaufen, um Wissenschaft-
lern moderne Kommunikationsmethoden an die Hand zu geben:
1) Das IBM gesponserte BITNET (diesseits des Wassers EARN). Standleitungen
von Hochschule zu Hochschule. Mailinglisten (LISTSERV). Schon ganz
gut, aber nicht so leistungesfahig wie News, weil durch die Distribu-
tion als Einzelbriefe eine erhebliche Bandbreite verbraten wird.
2) Vom DFN-Verein kam das WIN (BMFT gesponsert). Das war frueher orthodox
OSI-getriggert (bis auf X.29). Aber da gab es auch keine geeigneten
Werkzeuge, um eine leistungsfaehige Massenkommunikation zu ermoeglichen.
Juengstes beispiel ist die zusammengebrocheneSun von Toerless in
Erlangen. Dort wurde die dnet.inet Newsgruppe in eine X.400-Mailingliste
crossgepostet. Der erhebliche verkehr (induziert durch den Emma-Artikel)
fuehrte zum Einstellen der Liste.
3.) Mit dem WIN kam auch die Moeglichkeit auf, IP auf den Netzen zu fahren.
Parallel zur Entwicklung im WAN kam auch das rapide Anwachsen von UNIX-
Maschinen im LAN-bereich. Da war es natuerlich naheliegend die leistungs-
faehigen Mechanismen der News zu nutzen. Man brauchte nur die unterliegenden
Transportprotokolle (UUCP) gegegn TCP/IP zu tauschen und hatte an zigtausend
Arbeitsplatzen schnell ein leistungsfaehiges Kommunikationsmedium.
Also haben sich die Hochschulen an vielen Orten in die seit Jahren
bstehenden Infrastrukturen eingehaengt.
Daraus jetzt zu schliessen, dass die News den von Dir erdachten Sinn haetten
ist erstmal falsch. Und wie Du schon richtig bemerkst, ist es dann muessig
auf deine Schlussfolgerungen einzugehen, die auf falschn Voraussetzungen auf-
bauen.
Aber da Du schon wieder auf absurde Kostendiskussion eingehst, moechte ich
Dich bitten auf dem Teppich zu bleiben. Was braucht man fuer einen
Newsserver fuer eine Hochshule: einen SPARC-nachbau, eine 1GBPlatte
eine Lizenz von Sun (zusammen < 20 TDM) plus die Personalkosten von
Barbara (<200 TDM/a). Fuer wieviel Tausend Studenten und Mitarbeiter?
Die Kosten von Beschleunigern liegen im Milliardenbereich. Also machen
bei meiner konservativen Schaetzung die Newskosten nur Promille von
den im Desy, Cern und sonstwo ausgegeben aus. Carola hatte auch so einen
besoffenen Vergleich.
Auch der Vergleich mit den Tornados zeigt ein recht naives Verhaeltnis zum
Geld. Wenn Du das mit den Kosten und dem Steuerzahler ernst meinst,
dann langweile uns doch mal mit nuechternen Zahlen: was zahlt die Universitaet
Stuttgart fuer den NEWS-bezug? Den Vergleich mit anderen Kosten kann ja dann
jeder fuer sich selbst machen, um die Relevanz Deiner Aussagen zu eruieren.
...
>
>Wenn der Oeffentlichkeit bekannt wird (wie im Emma-Artikel geschehen),
>dass es gewisse *Ungereimtheiten* bei der Benutzung von News gibt
Was denn fuer Ungereimheiten? Weiss man bei Euch in Stuttgart nicht, dass
da Pornos distributiert werden? In Ulm weiss es sogar der Rektor.
Wird bei Euch die Oeffentlichkeit auch so gegaengelt wie die Newsleser?
Wird bei Euch etwa in der UNI-Bibliothek Emma geschwaerzt?
...
>
>
>
>P.S.: Die Bemerkungen in dieser news-group ueber Frau Burr sind wirklich
>absolut laecherlich. Wer auf Grund eines Artikels solche Aeusserungen
>taetigt, ohne die Hintergruende zu kennen, sollte sein Verstaendnis von
>Menschenrechten noch einmal ueberdenken.
Welche Bemerkungen jetzt? Die zur Ehrenrettung, Deine oder die wegen der
Zensur von sexuellen und militaerischen Themen?
Auf jeden fall besteht noch Hoffnung: Noch hat Dir Dein Rektor ja nicht
verboten, zu gewissen Themen deine Meinung zu sagen. Und, haste schon
einen Account in einer privaten Mailbox, wenn das bei Euch mit den News
noch schlimmer wird?
Gruss
Wolfgang Ksoll
Zur Definition von USENET ein Zitat aus Anderson/Costales/Henderson,
UNIX(r) Communications, Indianapolis 19(87,88)91, S.(138) 215
(Zahlen in Klammern beziehen sich auf die 1. Auflage, unauthorized
translation by myself):
"USENET kann am besten beschrieben werden als eine Art alternatives
Netzwerk (a kind of grass roots network) basierend auf kontrollierter
Anarchie. Im Unterschied zu den formalen Computernetzwerken, wie sie
vom Verteidigungsministerium und anderen Regierungsbehoerden sowie
grossen Firmen betrieben werden, viele von ihnen seit Jahren, enstand
und wuchs USENET von Anfang an (USENET grew from the ground) ohne
eine formale Struktur."
In der Tat ist USENET (resp. netnews) als eine Sammlung von Shellskripten
entstanden, mit denen zunaechst (1979) der Informationsaustausch zwischen
der Duke University und der University of North Carolina ermoeglicht
wurde. Schon nach kurzer Zeit haben sich nicht nur weitere Universitaeten,
sondern auch Firmen, Organisationen und Privatleute, zunaechst fast aus-
schliesslich aus dem Bereich der UNIX-Benutzergemeinde, daran beteiligt.
USENET war zu keiner Zeit ein Regierungsprojekt oder eine formal
administrierte wissenschaftliche Institution.
Gerade das macht (im Unterschied zu formalen Netzwerken) seine Staerke und
Flexibilitaet aus. Nochmal das zitierte Werk - S. 224 (146):
"In einem sehr realen Sinn ist USENET ein Marktplatz der Ideen. Und im
allgemeinen ist es ein Marktplatz der einen hohen Grad an Freiheit ge-
waehrt und dafuer ein vernuenftiges Mass an Verantwortung und Hoeflich-
keit erwartet."
>Die Poster, die sich hier so fuerchterlich ueber Zensur etc. aufregen,
>sollten vielleicht mal darueber nachdenken, wie gross das Verhaeltnis von
>(Be)Nutzern zu Finanzierern ist: Jeder Steuern zahlende Bundesbuerger
>traegt dazu bei, dass News, bzw. das Netz existiert. Sofern das den
>arbeitsabhaengigen Teil betrifft, duerfte dafuer auch jederzeit die
>allgemeine Zustimmung vorhanden sein. Was den arbeitsunabhaengigen Teil
>angeht, so sollte man davon ausgehen, dass, solange dieser Teil nicht den
>Gesamtbetrieb derart stoert, dass ein sinnvolles Arbeiten mit diesem
>Medium nicht mehr moeglich ist (zu lange Antwortzeiten, mangelnder
>Plattenplatz (ja, sowas kommt auch in reichen (hahahahaha!!!) Universitaeten
>vor)), seine Existenz geduldet wird.
Das mit den "reichen Unis" war sicher daneben. Gerade heute sind die Mittel
an den Unis sicher knapp und die wuenschenswerte neue Platte laesst auf sich
warten ebenso wie die Buecher in den Instituten etc. Dass die Buerger mit
ihren Steuern die Universitaeten, die Stipendien der Studenten (nicht nur
waehrend der Vorlesungszeiten) usw. finanzieren, stimmt. Solange die Uni-
versitaeten ihren Lehr- und Forschungsauftrag erfuellen, ist das auch ok.
Und wenn man das USENET nur als ein Mittel des wissenschaftlich-techni-
schen Informationsaustauschs betrachtet, kann man alle nichttechnischen
Gruppen, auch soc.culture.* *.politics.* talk.* etc. (einschschliesslich
soc.women, soc.feminism usw.) als Luxus und Geldverschwendung ansehen.
Betrachtet man hingegen dieses Medium als eine hochinnovative Form grenz-
ueberschreitender Kommunikation, zieht das Argument nicht mehr. Die Uni-
versitaeten haben die Innovation auf den von ihr beackerten Bereichen zu
foerdern (d a f u e r kriegen sie das Geld naemlich - neben der Berufsaus-
bildung von Studenten auch). Dass grosse Teile des USENET fuer Sozial- und
Medienwissenschaftler interessanter sind als fuer Informatiker, ist eine
ander Sache und habe ich schon erwaehnt.
Das USENET bietet - gerade durch seine informelle Struktur - Moeglichkeiten
der Feldforschung und -beobachtung fuer eine ganze Reihe von Wissenschafts-
gebieten, die das zum Teil noch gar nicht entdeckt haben. Diese Bedeutung
duerfte in den naechsten Jahren zunehmen. Nur zur Anmerkung: Das zitierte
Buch nennt eine weltweite Leserschaft des USENET von 250.000 (1987).
Heute sind wir bei zwei Millionen, in 4 oder 5 Jahren vielleicht bei 20
oder 50 Millionen.
Wenn Sozialwissenschaftler die Leserschaft des USENET einmal (auf Grundlage
von Umfragen/Stichproben) erforscht haben, koennen sie auf Basis dieses
Samples weltweite Meinungsbilder zu einem Hundertstel der gegenwaertigen
Kosten ermitteln. Fuer das Geld kann sich jede Uni einen Haufen neuer
Gigabyte-Platten leisten, auf denen der Traffic von Monaten gespeichert werden
koennte (Die USENET-Beteiligung steigt immer noch langsamer, als die Kosten
der Speichermedien sinken, btw.).
>Wir Benutzer koennen aber nicht erwarten, dass fuer unser persoenliches
>Hobby (dazu zaehlen auf jeden Fall alt.sex.binaries.... und sicher auch
>alt.sex) jeder Steuerzahler seinen Beitrag leistet (es gibt mit Sicherheit
>genuegend Bereiche, in denen dieses Geld sinnvoller verwendet werden koennte,
>aber das ist ein ganz anderes Thema). Was wuerden die meisten hier wohl
>dazu sagen, wenn ein Soldat seinen Tornado dazu benuetzte, einfach seine
>Verwandten in US zu besuchen?
Aber niemand sagt was dagegen, dass ich meinem Hobby Geschichte und Sozial-
wissenschaften (sogar als Nicht-Uniangehoeriger) durch Besuch von Uni- und
Institutsbibliotheken froene. An Yank-Unis gibt es schon freien Access zu
Gastaccounts (zu nichtkommerziellen Zwecken) fuer jede/n interessierte/n
Buerger/in, teilweise mit ftp und telnet.
Dahin muessen wir kommen, dass Unis Motoren innovativer Kommunikationsstruk-
turen werden - und das nicht nur fuer Studis.
Ich moechte auch darauf hinweisen, dass das UNIX (tm :-)) Betriebssystem
durch die Spielwut einiger Freaks an den Bell-Labs zustande kam, nicht
durch bierernste "Arbeit" und Forschung auf der Basis von Genehmigungen
und Bewilligungen, und auch das ist ein nicht unbedeutender Teil der
Innovation auf dem EDV-Sektor.
>
>Wenn der Oeffentlichkeit bekannt wird (wie im Emma-Artikel geschehen),
>dass es gewisse *Ungereimtheiten* bei der Benutzung von News gibt
>(die Wertung dieser Gruppen steht mir nicht zu, darum geht es auch
>gar nicht), so ist es sogar die Pflicht der zustaendigen Organe, Behoerden,
>Kontrollinstanzen, herauszufinden, was tatsaechlich passiert (ist).
>Sollten diese zu dem Schluss kommen, dass das Geld nicht seiner
>Zweckbestimmung entsprechend verwendet wird, ist die Gefahr gross, dass
>nicht die Einhaltung der Zweckbestimmung sichergestellt wird, sondern
>dass das Geld einfach gestrichen wird (wenn die Wissenschaftler nicht in
>der Lage sind, mit ihnen anvertrautem Geld sinnvoll umzugehen, dann wird
>es halt woanders verwendet (ob sinnvoller, sei mal dahingestellt)).
>
Die Gefahr sehe ich auch. Ich halte aber die Schlussfolgerung fuer falsch.
Man muss klar machen, dass es hier nicht um den Versuch gehen kann, entweder
das USENET in ein stinklangweiliges Informatik-Journal zu verwandeln (was
auch scheitern wird). Ein Abklemmen der Unis von den News wird nicht die
News verschwinden lassen, sondern die Provinzialitaet der Unis foerdern
und der wissenschaftlichen Innovation nicht nur in der Informatik Schaden
zufuegen. In zehn Jahren, wenn die weltweite gesellschaftliche Relevanz
dieses Mediums unuebersehbar sein wird, wird es dann mit Trara und oeffent-
lichen Mitteln den Unis wieder zur Verfuegung gestellt, nur dass dann die
seit dem Ende des 2. Weltkrieges andauernde Mittelmaessigkeit und Provinziali-
taet des deutschen akademischen Lebens wieder einmal unter Beweis gestellt
ist. Die Pionierarbeiten und Know-Howvorspruenge auf dem Gebiet der weltwei-
ten elektronischen Kommunikation werden dann woanders erreicht sein, die
qualifizierten Leute, die sich unter EDV was anderes vorstellen, als einen
Antrag auf Protokollaenderung in OSI-Layer 7, Unterabschnitt 3.25 in dreifacher
Ausfertigung mit Stempel einzureichen, werden woanders arbeiten.
>Die Medien?
>
>Da die Medien der Erfahrung nach nicht in der Lage (oder Willens) sind,
>einen komplexen Sachverhalt wie News der Oeffentlichkeit sinnvoll
>darzustellen, liegt die Verantwortung dafuer, dass das Kind nicht mit dem
>Bade ausgeschuettet wird, bei den (Be)Nutzern UND den Administratoren.
>Da es sich bei den Benutzern um eine fast ebenso heterogene Gruppe handelt,
>wie bei der Gesellschaft, kann man bei diesen ebensowenig davon ausgehen,
>dass sie das Problem von selbst in den Griff bekommen, wie man davon ausgehen
>kann, dass die Gesellschaft sich mit diesem Problem objektiv auseinandersetzt.
Nach Deiner Schlussfolgerung bleiben nur die Administratoren als Traeger der
hoeheren Weisheit. Ich bin dagegen der Meinung, dass die Administratoren,
selbst die Informatik als ganze, damit ebenfalls ueberfordert sind.
Denn Erforschung gesellschaftlicher Relevanz von Technologie und Medien
ist keine primaere Aufgabe der Informatik. Dass meine (Ex-)Kollegen
Sozialwissenschaftler, Medienwissenschaftler, Psychologen pipapo in
Sachen EDV immer noch im Tiefschlaf liegen, wundert mich nicht (Sie
haben wohl grade den PC und den Atari als Replacement der Schreibmaschine
entdeckt). Es waere aber Zeit, sie aufzuwecken und von dort Unterstuetzung
zu verlangen. Zugegeben, dass in der Ecke auch mit Technikfeindlichkeit
und Vorurteilen zu rechnen ist, aber trotzdem..
>
>Fazit?
>
>Aus diesem Grund sollte man das Sperren der news-groups in Stuttgart
>vielleicht unter dem Aspekt der Schadensbegrenzung verstehen, denn es wird
>mit Sicherheit irgendwann einmal jemand auftauchen und nachpruefen, was
>in News alles passiert. Und ich denke, es ist allen klar, dass unter solchen
>Umstaenden eine objektive Betrachtung nahezu ausgeschlossen ist, denn es
>gibt hunderte von Gruenden, die eine Abschaffung von News ermoeglichen,
>aber es gibt nicht viele (dafuer aber um so gewichtigere) die fuer seine
>Erhaltung sprechen. Jemand, der News ueberprueft und anschliessend verbietet,
>wird mit Sicherheit ein ueberwiegend positives Echo finden, wer es
>bestehen laesst, wird einen gewaltigen Aerger bekommen, so bald auch nur
>etwas Anruechiges bekannt wird.
>
Ich stimme Dir voellig zu, dass die News-Sperrungen haeufig unter diesem
Aspekt (retten, was zu retten ist) durchgefuehrt werden. Ich bin auch der
letzte, der hier die boesen Administratoren beschimpft.
Ich bin nur der Meinung, dass diese defensive, angstbeladene Haltung grund-
falsch ist. Die Informatikfachbereiche und Rechenzentren haben allen ver-
dammten Grund, stolz zu sein, dass sie in eigener Initiative ein Medium
wie das USENET mit seinen immensen Moeglichkeiten fuer Wissenschaft,
Forschung und Gesellschaft eingefuehrt und den Universitaetsangehoerigen
zugaenglich gemacht zu haben.
Die richtige Methode waere m.E., hierfuer Werbung zu machen und Mittel zu
fordern sowie andere Fachbereiche auf die Moeglichkeiten des Mediums hin-
zuweisen und ihre (auch finanzielle) Beteiligung zu fordern und zu foerdern.
Die Tatsache, dass zu 0.was % fragwuerdiger Kram in diesem Medium rumfliegt,
kann offen und ehrlich zugegeben werden. Deswegen auf dieses Medium zu ver-
zichten, waere aehnlich hirnrissig wie die Unis wegen ihrer Klosettsprueche
abzureissen.
regards, es
[Ausfuehrungen zur Usenet-Historie geloescht]
Ich stimme mit Wolfgang ueberein - nur eine kleine Korrektur
>Das USENET ist entstanden aus einer Vereinigung von Unix-Anwendern (Hochschu-
>len, Commercials, Private). Unter Unix ist es ziemlich einfach mitt UUCP,
>ein paar Modems sich heftig zu vernetzen. Das wird auch heute noch so
>gemacht (mir faellt als Privater zum Beispiel netmbx in Berlin ein).
Ausgerechnet netmbx ist ein kommerzieller Anwender/Anbieter. Aber dennoch
gibt es in Berlin etliche private Rechner, die die News auf eigene Kosten
beziehen, so z.B. die anderen Rechner der Domain in-berlin.de.
Tschuess, Vera
--
|~| Vera Heinau (+49 30 8382677) | Freie Universitaet Berlin
/ \ hei...@Harpo.Chemie.FU-Berlin.DE | hei...@methan.chemie.fu-berlin.de
/FUB\ Institut fuer Kristallographie | Institut fuer Organische Chemie
`---' D-1000 Berlin 33, Takustr. 6 | D-1000 Berlin 33, Takustr. 3
Private Sites haben am Anfang nicht dazugehoert. An der Wand hinter meinem
Schreibtisch haengt die `USENET Logical Map' vom 1. Juni 1981. Sie enthaelt
ca. 40 Sites, die meisten davon in Universitaeten (UCB, UCSD, Toronto), sowie
einige Sites in den Bell-Labs, bei DEC und Tektronix, und im SRI. Private
oder andere kommerzielle Sites gab es zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht.
Was soll das? Wieso diese Haarspalterei um den Ursprung von News?
Tatsache ist doch, dass heute etliche Privatleute -- sei's ueber
Telefon oder ueber Datex-P -- im Verteilungssystem mit drin haengen.
Dass die Universitaeten mit ihrer (noch) ueberlegenen Technik ein
beliebter Newsfeed geworden sind, gibt ihnen meiner Meinung noch lange
nicht das Recht, ueber Inhalte des Mediums News zu bestimmen.
Wenn Sysadmin A meint: ,,Ich fuehre ab heute nicht mehr Gruppe
comp.abc, weil der Inhalt mich nicht interessiert.'' Und dann Sysadmin
B auf die Idee kommt: ,,Na dann brauche ich ja auch sci.xyz (uebrigens
die Lieblingsgruppe von A) nicht mehr zu fuehren.'' Was passiert denn
dann? Wenn jede(r) so daechte, wieviele News koennten wir denn da noch
lesen?
Und seien wir doch mal ehrlich: Wenn die Yankees auf die Idee kaemen,
,,ihre'' News nur noch innerhalb von den USA zu verteilen, dann saehe
es ziemlich mau aus in sci.* und comp.*. Oder nicht? Hat jemand
vielleicht mal einen Blick auf die weltweite Karte der News-Sites
geworfen? Die USA sind schwarz vor Punkten. Die paar europaeischen
Knoten kommen da gar nicht mit. Reicht uns denn dnet.* und eunet.*?
Ich hatte eine Frage zu C++ in den News gepostet. Und hatte innerhalb
von 24 Stunden drei Antworten dazu. Alle drei kamen aus den Staaten.
Meine Hoffnung ist die, dass in 50 Jahren dieses Medium alltaeglich
sein wird. Und das solche Leute wie Herr Scheurich und Frau Burr dann
als einsame Rufer in der Wueste dastehen. Sollen sie doch in ihrem
universitaeren Elfenbeinturm ihre elitaere Forschung betreiben. Wenn
das noch moeglich ist.
Nur meine fuer 2 Pfennig werten Gedanken zu diesem Thema.
Gruesse,
-Arnulf
--
Arnulf Guenther a...@gmdtub.uucp
Ich bezahle meine News aus eigener Tasche. Mein Broetchengeber auch.
Dieser, unserer Staat gibt erheblich mehr von meinen Steuergeldern fuer
weitaus schwachsinnigere Sachen aus.
Cheers,
<CB>
--
// <CB> aka Christian Balzer, P.O. Box 1348, D-6108 Weiterstadt, Germany
\X/ - The Software Brewery - US-Bang: {uunet}!cbmvax!cbmger!brewas!CB
SWB C...@frambo.enet.dec.com | C...@brewhq.swb.de | C...@brewhq.swb.sub.org
a.) MIR gefallen ca 50% der Bilder in alt.sex.xxxx auch nicht
(Arm beim Partner in diversen Oeffnungen etc. pp.) - d.h.
fuer mich, das ich diese Bilder NICHT auspacke bzw. nach
Anschauen (und wuergen) wieder loesche. Deswegen gehe ich
aber NICHT hin und stelle diese NewsGroups anderen NICHT
zur Verfuegung - nadia.stgt.sub.org erhaelt zur Zeit diese
Newsgroups von public.sub.org fuer das Stuttgarter Netz.
b.) Diverse Behauptungen "Steuerzahler loehnen das Netz" sind
einfach laecherlich (und hoffentlich NICHT SO gemeint).
Wenn die Unis meinen "no", dann gibt es auch andere Wege.
c.) NICHT DIE UNIS haben hier in Deutschland ein Netz enstehen
lassen - fuer mich ist das "alte" SubNet der beste Beweis,
das mit VIEL Privatengagement auch viel geht.
d.) Wie ein "Vorschreiber" hier schon meinte, wenn man mit Zensur
bei alt.sex anfaengt, dann kann man bei anderen NewsGroups
gleich weitermachen...
Das war's dazu, wie geschrieben - das lokale stgt.sub.org-Netz bekommt
diese Newsgroups seit ein paar Tagen wieder.
--
Bernd Hennig | Eibenweg 4| 6500 Mainz | 06131/362779 | be...@pfm.rmt.sub.org
" Fuellen die das Bier in Faesser ? "
" Ja, aber vorher nehmen sie die Katzen raus !" - ALF