Der Artikel ist wirklich nicht schlecht, daher finde ich, sollte man
ihn hier wieder geben.
/* Artikel in der Suedwest-Presse vom 20.12.1991 */
von Frau Birgit Huebner-Dick
Wenig Beifall, dafuer bissige Kommentare bekommt das
Rechenzentrum der Uni wegen der Porno-Affaere im Com-
puter zu hoeren, von der auch Ulm betroffen ist.
Zwar sind saemtliche Zugaenge zu den Sex-Dateien
von Usenet einer globalen "Informationsboerse",
mittlerweile geloescht. Aber damit ist die Diskussion
auch auf dem Oberen Eselsberg offenbar erst richtig an-
gefacht worden.
Die feminstische Zeitschrift "Emma" hatte vor kurzem
enthuellt, das in den unzaehligen Programmschubladen
von Usenet auch harte Pornografie lauert.
Unter dem Suchbegriff "alt.sex", so die Schilderung
kann man ausser harmlosen Busenbildern auch wueste
Folteranleitungen und Demonstrationen von Verkehr mit
Tieren finden.
"Emma" war darueber zurecht empoert, zumal diese
Zoten in einem Netz haengen, das an einigen deutschen
Universitaeten verbreitet ist, etwa in Leipzig, Berlin,
Freiburg, Stuttgart oder Ulm.
Der Ulmer Frauentreff hatte Uni-Rektor Wolfgang Pechhold
deshalb umgehend aufgefordert, die Bildschirme auf dem
Eselsberg fuer die Pornos sperren zu lassen. Pechold kam
diesem Wunsch nach, denn was da zu sehen sei, "ist kriminell
und im hoechsten Masze beleidigend".
So wurden im Rechenzentrum alle 21 Positionen mit dem Such-
begriff "Sex" geloescht.
Hans Peter Grossmann, der Leiter des Rechnenzentrum,
ist ueber diese Eilentscheidung nicht ganz gluecklich.
Keineswegs deshalb, weil er fuer Brutalo-Pornos waere.
Im Gegenteil. Er sei zwar ein sehr liberaler Mensch,
sagte er auf Anfrage der SUEDWEST-PRESSE,
aber "ich bin sehr streng bei Dingen, die strafbar sind".
Aber nicht alles, was bei Usenet unter der Rubrik Sex
gespeichert sei, sei harte oder gar verbotene Pornografie.
Viele Reaktionen von Studenten zeigten, das es sich hier
offenbar auch um Programme von erheblichen Informationswert,
handle. Deshalb haette man etwas differenzieren sollen.
Noch entschiedener vertritt diesen Standpunk der Chemie-
student Ulli Horlacher, der als "Hiwi" (Hilfswissenschaftler)
im Rechenzentrum jobbt.
Keiner kennt sich so bei Usenet so gut aus wie der Student
im 13. Semester (*HUST* :-) Anmerkung der Tipperin :-) ),
der den "Emma"-Artikel "zu 95 Prozent falsch" findet.
Zwar schliesst er nicht aus, das die angegriffenen Beitraege
bei Usenet gespeichert waren. Als er das Programm aufgrund
der Publikation durch gelesen habe, habe er allerdings nichts
entdecken koennen, was die ganze Aufregung rechtfertige.
Moeglicherwise seien die harten Haemmer bereits geloescht
gewesen, denn was nicht extra archiviert wird, verschwindet
nach 3 Tagen.
Auch sei an der Uni Ulm nicht das ganze Angebot zu bekommen.
Wuetend ist Horlacher aber darueber, das "Emma" nur die
Maenner angeschossen habe. Ihm haetten sogar Kommilitoninnen
gesagt, das sich auch Frauen Folterpornos ansehen.
Das eigentliche Aergernis liegt nach Ansicht des Computercracks
aber darin, das durch die Anordnung des Rektors auch der
Zugang zu vielen Informationen ueber Verhuetung oder Aids
und eine wichtige Kommunikationsmoeglichkeit fuer Randgruppen
und alle, die sich fuer Sex interessieren, verbaut worden sei.
An keiner andere n Uni sei man so restriktiv gewesen.
Durch Vertippen konnte jedenfalls niemand in den schluepfrigen
Zonen von Usenet landen. Das demonstrierte Horlacher uns
gestern im Rechenzentrum.
Wer diese Programme anschauen oder lesen wollte, musste
das System gut beherrschen und die Bilder "entschuesseln"
koennen. Das merkte Horlacher auch daran, das er nach dem
Emma-Artikel von einem knappen Dutzend Studenten gefragt
wurde, wie diese Entschuesseln den funktioniere.
Das einer der Ulmer Professoren je beim Arbeiten mit
Usenet auf pornografische Abwege geraten ist, haelt der
Chemiestudent fuer ziemlich ausgeschlossen, denn ausser
den Leuten vom Rechenzentrum und den Informatikern blicke
doch keiner bei dem System durch.
Grossmann gibt auch zu bedenken, das die Pornografie
durch das Loeschen der Zugange nicht ausgeraeumt sei.
Denn es muesste nur jemand den Suchbegriff aendern,
und schon waere das Verbot nicht mehr zu kontrollieren.
Ausserdem brauche man nicht zwingend die Uni-Leitungen,
um Usenet zu empfangen. Im Prinzip sei das mit jedem PC
moeglich, sofern man ueber ein Modem und einen Zugang
verfuege.
Vor allem aber moechte Professor Grossman nicht, das
Usenet ingesamt verunglimpft wird, "denn das ist eine
tolle Sache". Dabei handle es sich um ein Netz, das
sich selbst organisiert.
Der Chef des Rechenzentrums vergleicht es mit einem
globalen Schwarzen Brett, dan das jeder seine Bot-
schaften haengen koenne. Es bietet eine Fuelle von
Informationen in zahlreichen Sparten, angefangen von
Kochen ueber Religion und Kultur bis zu den wissen-
schaftlichen Disziplinen und Fragen des taeglichen
Lebens und "kostet praktisch nix".
Auch die Uni nuetze Usenet vor allem wegen den
technischen Informationen ueber das System "Unix".
Wie Usenet funktioniert, erhellt folgendes Beispiel:
Das Rechenzentrum hatte kuerzlich Probleme mit seinem
Rechnerpool. Staendig brach der Betrieb zusammen,
die Ursache war nicht ausfindig zu machen.
Schliesslich hab man bei Usenet eine Beschreibung
der Schwierigkeiten ein und bat um Rat. Es kam von
vier Seiten, darunter vom beruehmten Massachussetts
Institute of Technology (MIT) in Boston.
Allein in Deutschland sind Grossmann zufolge 2000
Sparten verfuegbar, bei Amerika schaetzt Horlacher
die Zahl auf mindestens 10000.
Jeden Monat wuerden 500 Millionen Zeichen - Daten fuer
Texte und Symbole fuer Bilder - einfliessen.
Entsprechend gross ist auch der Zulauf an "Lesern". Ein
wirklich gigantisches, weltumspannendes Netz.
/*end of article */
Christa
--
Hier war gerade die Chefredaktoese der Suedwest Presse. Morgen steh ich wohl
als Ulms geilster Pornokonsument in der Zeitung. (p) Ulli Horlacher,
C. Keil--...@Dbnmeb1.bitnet-zotty@guug.de-...@rzmain.rz.uni-ulm.de
MfG Michael
Newsgroups: dnet.inet
Subject: Arikel in der Suedwest-Presse vom 20.12.1991 (was Re: Uni Ulm
Message-ID: <911225002...@faui45.informatik.uni-erlangen.de>
Date: 25 Dec 91 01:12:45 +0100
Article-I.D.: faui45.9112250027.AA03517
Posted: Wed Dec 25 02:12:45 1991
Sender: win-ip...@Informatik.Uni-Erlangen.de
Organisation: Solar System, Ls 441, Oldenburg, Germany
Lines: 147
>CCC_...@rzmain.rz.uni-ulm.de (Martin Brenner) writes:
[deleted]
Newsgroups: dnet.inet,dnet.general
Subject: Arikel in der Suedwest-Presse vom 20.12.1991 (was Re: Uni Ulm
Message-ID: <91122...@DOLUNI1.Bitnet>
Date: 25 Dec 91 01:12:45 +0100
Article-I.D.: DOLUNI1.911225.4365
Posted: Wed Dec 25 02:12:45 1991
Followup-To: DNET.GENERAL
Organisation: Solar System, Ls 441, Oldenburg, Germany
Lines: 147
>CCC_...@rzmain.rz.uni-ulm.de (Martin Brenner) writes:
[deleted]
--
MAIL: Michael....@arbi.Informatik.Uni-Oldenburg.DE | ARBI: murray@gimli
HomeMail: mur...@sol.ccc.de | Bitnet: 148...@DOLUNI1.Bitnet | irc: Murray
Michael Niermann | Ammerlaender Heerstr. 389 | D2900 Oldenburg | 0441/776342
-=+* No deposit, no return. Message-Recycling, join in! *+=-