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Hermila Farquhar

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Aug 3, 2024, 1:48:51 PM8/3/24
to diobolari

In Deutschland erleiden jhrlich ca. 270000 Patient*innen einen Schlaganfall [1]. Die Invaliditts- und Mortalittsraten sind hoch (bis zu 30%) und ein relevanter Anteil der Betroffenen muss auf der Intensivstation behandelt werden. Der Artikel thematisiert intensivmedizinische Behandlungsaspekte des ischmischen Schlaganfalls als hufigste Unterform (85% aller Schlaganflle).

Gesundheitskompetenz umfasst das Wissen, die Motivation und die Kompetenzen von Menschen in Bezug darauf, relevante Gesundheitsinformationen in unterschiedlicher Form zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag in den Bereichen der Krankheitsbewltigung, der Krankheitsprvention und der Gesundheitsfrderung Urteile fllen und Entscheidungen treffen zu knnen, die die Lebensqualitt im gesamten Lebensverlauf erhalten oder verbessern [5].

Informationen finden bzw. sich Zugang verschaffen: Dies meint die Fhigkeit, gesundheitsrelevante Informationen gezielt zu suchen und zu finden. Dabei geht es nicht in erster Linie um gedrucktes Material oder Internetseiten, gemeint ist auch, Beratungsstellen, Einrichtungen der Selbsthilfe, Professionelle im Gesundheitswesen zu finden, ebenso wie whrend eines Krankenhausaufenthalts, Informationen von rztlichem und pflegerischem Personal zu erhalten.

Das Verstehen bezieht sich auf die Fhigkeit, die eingeholten gesundheitsrelevanten Informationen zu begreifen. Hier geht es primr um grundlegende funktionale Fertigkeiten, wie Lesen, Textverstndnis und Rechnen.

Das Umsetzen bezieht sich auf die Fhigkeit, die gesundheitsrelevanten Informationen zu kommunizieren und zu nutzen, um Entscheidungen treffen zu knnen, die die eigene Gesundheit aufrechterhalten und verbessern.

Werden Laien und Experten direkt dazu befragt, verstehen sie Gesundheitskompetenz umfassender: neben der Fhigkeit, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden, bilden Motivation, Absicht und Bereitschaft, Verantwortung fr die eigene Gesundheit zu bernehmen, weitere Facetten [6].

CAVE: Gesundheitskompetenz darf nicht auf individuelle Fhigkeiten fokussiert bleiben, und niedrige Gesundheitskompetenz nicht in erster Linie als individuelles Defizit mit mangelnden Lese- und Rechen- bzw. Navigationsfhigkeiten verstanden werden. Geringe Gesundheitskompetenz reflektiert auch zu hohe Anforderungen bzw. zu geringe Bercksichtigung der patientenseitigen Fhigkeiten und Fertigkeiten seitens der gesundheitlichen Versorgung!

Die selbststndige Suche nach Informationen setzt voraus, dass Sie wissen, wie und wo Sie suchen knnten. In der Regel hilft Ihnen Google dabei.
Die Internetseiten welcher Organisationen, Einrichtungen, Verbnde etc. wrden Sie als vertrauenswrdige Quellen ansehen?

CAVE: Instrumente, die als Testinstrumente konzipiert Performanz messen, haben einen mitunter ausgeprgten Prfungscharakter. Dieser schrnkt die Akzeptanz seitens der Befragten stark ein. Zudem fokussieren die bislang vorliegenden Testinstrumente berwiegend auf grundlegende Facetten der funktionalen Gesundheitskompetenz.

CAVE: Die Selbsteinschtzung der Gesundheitskompetenz ist zwar praktikabler, weil die Befragten sich nicht so sehr geprft vorkommen. Allerdings ist bei manchen Fragen unklar, welche Antwort als Ausdruck hoher Gesundheitskompetenz gewertet werden msste. Zudem zeigt sich: im Vergleich zu objektiv beobachtetem Verhalten berschtzen Personen ihre Gesundheitskompetenz.

Gesundheitskompetenz in Deutschland. Geringe Gesundheitskompetenz ist auch und gerade in modernen Industriegesellschaften kein seltenes Phnomen. Fr Deutschland liegen reprsentative Befragungen vor, nach denen relativ konstant nur ca. die Hlfte der Bevlkerung eine ausreichende Gesundheitskompetenz besitzt und der Kenntnisstand eines Drittels problematisch und fr jede achte Person unzureichend ist [10]. Weniger als der Hlfte der bundesdeutschen Bevlkerung sind Patientenrechte auf Selbstbestimmung, Schadensersatz, Einsicht in Unterlagen, sorgfltige Behandlung sowie Beratungsmglichkeiten durch die Krankenkasse bekannt [11]. In Deutschland ist Gesundheitskompetenz in der Gesellschaft ungleich verteilt und folgt in etwa anderen sozialen Gradienten: je hher der Bildungsgrad, das verfgbare Einkommen, die soziale Stellung, desto wahrscheinlicher sind Menschen gesundheitskompetent. Eine niedrige Gesundheitskompetenz geht aber auch mit einer schlechteren krperlichen sowie psychischen Gesundheit einher [10].

Aufgaben und Verantwortung. Auf die Gesundheitskompetenz der Patienten angemessen zu reagieren bzw. diese im Behandlungsprozess angemessen und an den Fhigkeiten und Fertigkeiten der Patienten orientiert zu nutzen, ist eine Aufgabe, der sich Krankenhuser stellen mssen. Zu fragen ist beispielsweise: Wie werden Krankenhuser ihrer Verantwortung gerecht, die Gesundheitskompetenz der Menschen zu erhhen oder zumindest die Folgen geringer Gesundheitskompetenz zu minimieren? Und msste das Ziel nicht sogar sein, Krankenhuser, -abteilungen und Intensivstationen so zu gestalten, dass sie gesundheitskompetentes Handeln fr alle Nutzer, unabhngig von individuellen Voraussetzungen, maximal erleichtern?

Wie knnen Krankenhuser im Zusammenhang mit der Prvention von nosokomialen Infektionen die Gesundheitskompetenz ihrer Patienten frdern und/oder die Folgen geringer Gesundheitskompetenz so gering wie mglich halten? Entlang der Merkmale gesundheitskompetenter Organisationen haben die Autoren im Folgenden Beispiele skizziert, wie Krankenhuser diese in Bezug auf Hygiene und nosokomiale Infektionen ausgestalten knnen:

Integration von Gesundheitskompetenz in Patientensicherheit und Qualittsverbesserung: Teilnahme an Qualittszirkeln, regionalen Arbeitsgruppen, Hospitationen durch die Verantwortlichen der Krankenhaushygiene

Materialien und Angebote partizipativ entwickeln und evaluieren:
Erstellen von Informationsbroschren fr Patienten und Angehrige zur Infektionsprvention, Gestaltung von Aufklrungsbgen fr medizinische Eingriffe, immer unter Einbezug von Patienten, wenn mglich mit geringer Gesundheitskompetenz

Bedarf der Bevlkerung decken und zur Gesundheitskompetenz in der Region beitragen: MRE-Netzwerke, aktive Einbindung der Krankenhaushygiene in das Entlass-Management bei Patienten mit Infektionskrankheiten, wenn spezielle Hygienemanahmen nach Entlassung erforderlich sind

Die Teach-back-Technik wird im klinischen Kontakt mit Patienten eingesetzt. Sie dient Gesundheitsfachkrften dazu, sich zu versichern, dass Patienten angebotene Gesundheitsinformationen angemessen verstanden haben. Nach der Beschreibung einer Diagnose und/oder einer Behandlungsempfehlung bittet die Gesundheitsfachkraft den Patienten, zu wiederholen was besprochen wurde und die zentralen Elemente des Gesprchs bis zu diesem Zeitpunkt zusammenzufassen. Die Gesundheitsfachkraft sollte genau darlegen, was wiederholt werden soll und ihre Anweisung auf 1 oder 2 Hauptaspekte beschrnken. Wenn die patientenseitige Antwort unprzise oder falsch ist, sollte die Gesundheitsfachkraft die Gesundheitsinformation wiederholen und dem Patienten erneut Mglichkeit geben, zu zeigen, dass er diese verstanden hat.

Allgemeinwissen ber MRSA. Personen mit niedrigem Bildungsniveau, mnnlichem Geschlecht und aus der Altersgruppe bis 39 Jahre wissen deutlich weniger zu MRSA als hher Gebildete, Frauen und ltere Menschen [24]. Die meisten Befragten gewinnen ihre Informationen aus Massenmedien, wie Zeitung, Fernsehen und Internet [15] [16] [17]. Aber auch hier gibt es einen deutlichen sozialen Gradienten: Angehrige der oberen Bildungsschichten nutzen das Internet als Informationsquelle Internet signifikant hufiger als Angehrige der unteren Bildungsschichten.

Es gibt eine Reihe von Studien zum Wissen um nosokomiale Infektionen in der Laienbevlkerung. Allerdings untersuchten diese Studien hufig sehr selektive Stichproben und/oder konzentrierten sich auf wenige, ausgewhlte Aspekte, wie MRSA. Praktisch keine Informationen liegen ber das Wissen zu nosokomialen Infektionen in der Allgemeinbevlkerung vor. Die meisten Studien verwendeten keine geprften Fragebgen und in keiner Studien wurde ein expliziter Bezug zu Gesundheitskompetenz oder Health Literacy hergestellt.

Aufklrungsbedarf in der Allgemeinbevlkerung besteht besonders hinsichtlich der Auswirkung unsachgemen Antibiotikaeinsatzes, da hier auch das Anspruchsverhalten und die Erwartungen der Patienten einen Einfluss auf das Verschreibungsverhalten der rzte gerade im ambulanten Bereich haben.

Gesundheitskompetenz bedeutet mehr als Lese- und Schreibfhigkeit. Es werden eine Reihe von Fhigkeiten eingeschlossen: Neben dem Umgang mit gesundheitsrelevanten Informationen spricht die Definition auch die Bedeutung des Wissens, der Fhigkeiten des Individuums und des Vertrauens in die eigenen Fhigkeiten an. Als Zielgren werden die individuelle Gesundheit und die Gesundheit der Gemeinschaft definiert.

Im Bereich Prvention nosokomialer Infektionen besteht ein relativ gutes Grundverstndnis (Wissen) aber eine Diskrepanz zwischen diesem Wissen und der ngste, nosokomiale Infektionen zu erleiden oder an Familienangehrige weiterzugeben.

Programme mit dem Ziel der Verbesserung der Gesundheitskompetenz zum Thema Prvention nosokomialer Infektionen wren besonders bei Senioren, Personen mit Migrationshintergrund und niedrigerem Bildungsniveau sinnvoll und mssen zielgruppenorientiert ausgerichtet sein (akzeptierte Medien, Design, Sprache etc.)

Aufklrungsarbeit zum Thema sinnvoller Antibiotikaeinsatz in der Allgemeinbevlkerung knnte auch Erwartungshaltungen von zuknftigen Patienten und damit indirekt das Verschreibungsverhalten der rzteschaft insbesondere im ambulanten Bereich ndern.

PD Dr. med., geboren 1969 in Kln, ist Facharzt fr Hygiene und Umweltmedizin und Facharzt fr Ansthesiologie mit den Zusatzbezeichnungen Intensivmedizin, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, Psychotherapie und rztliches Qualittsmanagement. Er ist Mitgesellschafter und hauptamtlich einer der rztlichen Leiter des Deutschen Beratungszentrums fr Hygiene (BZH GmbH) in Freiburg sowie nebenberuflich als Notarzt sowie Schmerz- und Psychotherapeut ttig.

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