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Spencer Prather

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Aug 3, 2024, 3:54:36 PM8/3/24
to detempsthetad

Auf der DVD der soeben erschienen Verlags-Schwester "AudioVideoFoto Bild" bangt man in dem Thriller "Spurlos" um Jeffs Freundin Diane, hier verschwindet auf ganz hnliche Weise die Frau eines anderen Jeff (K. Russel) whrend einer harmlosen erscheinenden Autopanne auf dem Highway. Und auch ihm glaubt niemand doch er gibt nicht auf und zerrt schlielich eine kaltbltige Bande von Kidnappern ans Tageslicht. Bis zum harten, in der deutschen Fassung leicht entschrften Finale schafft es der sptere Regisseur von "Terminator 3", uns mit einem glnzenden Kurt Russel ein ziemlich knisterndes Vergngen zu bereiten.

Bei seiner frhlichen Reise in die Welt der skurrilen, franzsischen Komdien entfhrt uns das Multimediamagazin diesmal auf eine actionreiche Hetzjagd durch franzsische Hauptstdte und afrikanische Wsten. Der tollpatschige Gefngniswrter Francis (B. Poelvoorde) und sein hart gesottener Hftling Molts (G. Lanvin) versuchen dabei als schrges Duo verzweifelt, einen fetten Lottogewinn zu retten, doch bis zum grotesk-krachigen Finale mssen sie zahlreiche Widerstnde berwinden. Mit ber drei Millionen Kinobesuchern einer der erfolgreichsten Filme in Frankreich und als waschechtes Popcornkino genau das Richtige gegen die Frhjahrsmdigkeit.

Wie schon mit "Widescreen" und "SFT" im Januar darf man auch hier wieder herzlich lachen, wenn ein Haufen alltagsbekloppter Bankangestellter in Raub und Betrug sein Glck sucht und sich derweil wegen schlechten Timings selbst in die Pfanne haut

... und auch das "PC Magazin" setzt auf eine ganz hnlich chaotische Actionkomdie, die - wie gewohnt - bereits der letzten Ausgabe des Schwestermagazins "PCgo" beilag. Als zweiten Film findet man auf der DVD brigens eine nette Dokumentation ber "Elefanten am Kilimandscharo" auch nicht schlecht.

Ebenfalls mit Michael Douglas, jedoch als diesmal als Wiederholung der "Homevision" vom Februar, liegt dem Sonderheft aus dem WEKA-Verlag das mit vier Oskars ausgezeichnete Drama vom Starregisseur Steven Soderbergh bei. In drei parallel verlaufenden Storys sehen wir sehr authentisch und packend, wie sich die Schicksale eines konservativen Richters, einer reichen Luxusdame und eines verbitterten Grenzpolizisten im Drogendschungel verstricken.

Eigentlich sollte der Psychologe Kelvin (G. Cloony) auf der Orbitalstation des Planeten Solaris traumatisierten Wissenschaftlern helfen, doch kurz nach seiner Ankunft ist er bereits vollauf mit sich selbst beschftigt, da auch sein Unterbewusstes sich materialisiert und ihn vor existentielle Probleme stellt. Wesentlich leichtfiger als Andrei Tarkovsky in seiner Version von 1972 fhrt Steven Soderbergh durch die philosophisch getrnkten Welten der gleichnamigen Novelle von Stanislav Lem, trotzdem wird daraus kein einfacher Stoff - was bleibt, ist ein khles, kammerspielartiges Experiment, in dem die Hollywoodstars etwas berfordert wirken.

Wie ihre Verlags-Schwester "SFT" beglckt auch die "Widescreen" in der aktuellen Ausgabe mit einem Doppelpack ihre Leser. Besonders der zweite Film berrascht dabei, denn er bietet mit seiner Geschichte ber die wundersame Ankunft der Fuball-Weltmeisterschaft 1998 in einem indischen Mnchskloster nicht nur einen Ausflug in die tiefen Gewsser der Programmkinokultur, sondern auch einen heiteren Einblick in die Welt der seit ber 50 Jahren im Exil lebenden tibetanischen Buddhisten.

Jahre nach dem merkwrdigen Verschwinden seiner Freundin Diane (S. Bullock) ist Jeff (K. Sutherland) endlich bereit, die Suche fr seine neue Partnerin Rita (N. Travis) aufzugeben. Da taucht pltzlich der merkwrdige Barney (J. Bridges) mit Informationen auf, die ihn selbst hchst verdchtig erscheinen lassen. Ein spannendes Spiel um menschliche Abgrnde, mit berzeugenden Charakteren.

Der zynische, whiskeygetrnkte Ex-Cop glaubt genauso wenig, dass seine Pflichtverteidigerin ihn raus haut, wie die penible Juristin an seine Unschuld, doch beide finden auf ihrem von Intrigen, Gewalt und manch skurriler Situation gepflasterten Weg ziemlich eng zueinander. Typischer Gerichtskrimi aus den spten achtziger Jahren, in dem der smarte Mr. Reynolds zeigt, dass er sein Repertoire perfekt beherrscht: Bratkartoffelkino zum geruhsamen Feierabend.

Im Leben des schchternen Broangestellten Gregoire Moulin geht es manchmal krass zur Sache, obwohl sich eigentlich alles nur darum dreht, endlich die ertrumte Liebe zu finden. Um Letzteres zu beschleunigen, veranstaltet Herr Moulin einen kleinen Brieftaschenraub, doch der dahinter von ihm ausgeheckte Plan geht mchtig daneben. Eine schne Abwechslung vom blichen Hollywood-Programm der DVD-Beileger.

Der britische Geheimdienstler und geliebte Ehemann Leo (R. Everett) lsst seine Frau Sally (S. Stone) urpltzlich sitzen und taucht als KGB-Agent im fernen Moskau wieder auf. Bei der Suche nach seiner wahren Identitt kommt die Journalistin Sally ganz schn rum und beschert uns dabei eine seichte, aber noch unterhaltsame Geschichte fr Nebenbei.

Echtes Kontrastprogramm dazu bietet der Kriegsveteran Reuben (D. Washington), als er nach seiner Dienstzeit in die Hlle einer Londoner Vorstadt gert. Obwohl er sich um Freundschaft und Liebe bemht, kommt er mit der Trostlosigkeit seiner Heimat nicht klar, die ihn immer tiefer in einen neuen Krieg hineintreibt: Dsteres, sehenswertes Drama fr stillere Stunden.

Mit dieser Satire ber den chauvinistischen Patriotismus im wilhelminischen Kaiserreich sind wahrscheinlich alle Schlergenerationen der letzen 50 Jahre irgendwann beglckt worden - entweder vor oder nach der Lektre von Heinrich Manns Buchvorlage ber das Leben des kaisertreuen Kleinfabrikanten Dietrich Heling. Diese Chance, sich an VHS-Stunden im abgedunkelten Klassenzimmer erinnern zu knnen, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Werner Seifert (52) war bester Laune. "Wenn das zwei Jahre so weitergeht", jubelte der Chef der Deutschen Brse AG im Mrz vergangenen Jahres, "dann haben wir 2000 Firmen am Neuen Markt." Der Brsenwert der Nachwuchsunternehmen, auch da war Seifert optimistisch, werde im Jahr 2002 ber dem der 30 Dax-Konzerne liegen.

Die Aktienkurse der Wachstumsfirmen hatten sich in weniger als sechs Monaten verdreifacht. 220 Unternehmen notierten am Neuen Markt, zusammen waren sie fast eine halbe Billion Mark wert. Stndig drngten neue Kandidaten nach.

Gnter Thiel, Vorstandschef des Neuer-Markt-Schwergewichts Thiel Logistik, schlgt vor, die - wenigen - etablierten Firmen der Wachstumsbrse herauszufiltern und mit ihnen einen Neuanfang zu wagen. "Ein eigenes Segment mit mehr Qualitt und hrteren Regeln" schwebt Thiel vor.

Andere Manager, deren Firmen am Neuen Markt notiert sind, tragen sich mit Abwanderungsgedanken. Singulus-Chef Roland Lacher prft "Alternativen" und schickt die wtende Frage Richtung Frankfurt: "Wie konn- te die Brse all diese Luftnummern an den Neuen Markt lassen?"

Vergebens warten Investoren und Unternehmer auf ein Machtwort von Seifert. Seit Monaten lsst sich der Brsenchef ffentlich kaum blicken. Er sei beleidigt, heit es in Frankfurt, weil viele Banker ihm bis heute vorhalten, was er Schreckliches geplant hatte: Im vergangenen Jahr, beim missglckten Fusionsversuch mit der Londoner Brse, wollte er den Handel mit den Dax-Aktien an die Brse in Grobritannien verlagern.

Seifert gehrt zu jenen, die den Neuen Markt grotesk berschtzten. Zur Selbstkritik mag er sich aber nicht hinreien lassen. Whrend Rolf-E. Breuer von der Deutschen Bank ffentlich die Rolle seiner Zunft kritisiert und "mangelnde Sorgfalt" bei der Auswahl der Brsenkandidaten eingesteht, beklagt Seifert, die Brse werde zu Unrecht an den Pranger gestellt. Es seien, so Seifert im Kreis seiner Aufsichtsrte, vor allem die Banken gewesen, die nicht genau genug hingeschaut htten.

Natrlich haben Banken, Investoren und nicht zuletzt auch die Medien wesentlich zur Blasenbildung am Neuen Markt beigetragen. Und doch ist die Brse keineswegs blo das Opfer eines Umfelds, in dem die Gier jede Vorsicht verdrngte. Die Frankfurter Betreiber des Segments haben es versumt, rechtzeitig und beherzt einzugreifen.

"Die Brse hat lange nur reagiert und mit ihrem Regelwerk lediglich nachgezogen", kritisiert Christian Strenger, Aufsichtsrat der Fondsgesellschaft DWS. Die Brsenmanager, fordert Strenger, "sollten mehr Mut zeigen und Scharlatanen am Neuen Markt energischer das Handwerk legen".

Der Brsenchef hatte die Bedeutung der Wachstumsbrse frhzeitig erkannt. Die operative Verantwortung fr das Zukunftssegment bertrug Seifert seinem Landsmann Reto Francioni. Der Schweizer Jurist machte nach Ansicht vieler Finanzprofis einen guten Job.

Rechtzeitig wollte er die Entwicklung am Neuen Markt in die richtige Richtung steuern. Unter anderem hatte Francioni vor, allen Unternehmen des Neuen Markts verbindliche Corporate-Governance-Richtlinien

Doch dazu kam es nicht; Francioni wechselte Anfang 2000 zum Onlinebroker Consors. Nachfolger im Vorstand der Brse wurde der Leiter der Rechtsabteilung, Volker Potthoff, ein Mann, der im Umfeld der Brse als "Anwalt durch und durch" beschrieben wird.

Der neue Vorstand versuchte sich mit allerlei juristischen Tricks, aber ohne rechten Erfolg. Zunchst ging Potthoff das Thema "Aktienverkufe" an, das in der Anlegergemeinde fr Emotionen gesorgt hatte, weil ehemalige Stars des Neuen Markts wie der EMTV-Chef Thomas Haffa vor ihrem Abschied krftig kassierten (siehe Seite 168). Potthoffs "Directors' Dealings"-Regel verlangt seit diesem Frhjahr von Vorstnden und Aufsichtsrten einer Neuer-Markt-Firma, Aktienverkufe zu verffentlichen. Allerdings nur im Nachhinein und auch nur von den Organmitgliedern selbst, nicht aber von Familienmitgliedern oder einer eigens gegrndeten Vermgensverwaltung.

"Kein Vorstand mit grerem Aktienbestand hlt alle seine Papiere lediglich auf einem Konto, das auf seinen Namen luft", gibt Singulus-Chef Roland Lacher zu. Die Regel, fordert er, htte den gesamten Einflussbereich der Manager einbeziehen mssen.

Zur Farce geriet der Potthoff'sche Versuch, ein "Delisting" maroder Unternehmen durchzusetzen. Insolvente Gesellschaften sollten ebenso in den Geregelten Markt verbannt werden wie Firmen mit einem Aktienkurs von unter einem Euro und einem geringen Marktwert.

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