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Sie hat es in die Welt gesetzt

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Anonymous

unread,
Nov 25, 2019, 5:05:03 PM11/25/19
to
Auch wenn sie nachher nicht mehr zu dem stehen wollte, was sie gesagt hat:

"FRAUENPOWER?
Mit der Anzeige wegen angeblicher Volksverhetzung versuchte Scientology, zwei
Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Denn die Strafanzeige war gleichzeitig
gegen meine damalige Mitstreiterin Renate Hartwig gerichtet, die Vorsitzende
des vor allem in Baden-Württemberg aktiven Vereins 'Robin Direkt e. V.'
Ursprünglich als 'Schutzgemeinschaft' von ehemaligen Aussendienstmitarbeitern
eines obskuren Staubsaugervertriebs gedacht, war es schnell zu einer bekannten
Anti-Scientology-Initiative geworden.
Anfang 1992 hatte mich jemand auf Renate Hartwig aufmerksam gemacht. Der erste
telefonische Eindruck war sehr positiv. Da saß im tiefen Süden eine Powerfrau
und brachte frischen Wind in die Antiszene. Uns verband auch gleich ein
gemeinsamer Ansatz: Renate Hartwig versuchte ebenfalls, Politik, Verwaltung,
Justiz und Öffentlichkeit Baden-Württembergs zur Auseinandersetzung mit dem
Thema 'Scientology' zu zwingen. Allerdings verfügte sie nicht über mein
Startkapital: das mit dem Abgeordnetenmandat automatisch verbundene öffentliche
Interesse. Dazu gehört natürlich auch, gegenüber zögerlichen
Behörden etwa, die
Souveränität des gewählten Volksvertreters. Um der Mitstreiterin
Rückenwind zu
geben - aber auch aus dem Gefühl der erhofften Gemeinsamkeit heraus -, wurde
ich Vereinsmitglied bei 'Robin Direkt'. Um das Ende, anderthalb Jahre später,
gleich vorwegzunehmen: Ich war danach um (m)eine ganz persönliche
'Sekten'erfahrung reicher. Das war zu Beginn der gemeinsamen Tätigkeit
allerdings nicht zu ahnen.
Gleich zu unserem ersten Treffen in Hamburg, am Vortag der Expertenanhörung im
Rechtsausschuss der Bürgerschaft, veranstalteten wir im Rathaus eine gemeinsame
Pressekonferenz. Das große journalistische Interesse an diesem ersten
gemeinsamen Auftritt der schnell als 'Powerfrauen' apostrophierten
Scientology-Kritikerinnen, aber auch die unerwartet heftige Betroffenheit der
Hamburger Scientologen, die prompt zur publizistischen Gegeninitiative bliesen
- bestätigte mich in der Hoffnung, dass wir gemeinsam eine Menge bewegen
könnten.
So folgte ich nur zu gerne einer Gegeneinladung zur gemeinsamen Pressekonferenz
in Stuttgart. Da allerdings zeichnete sich bereits der erste methodische und
inhaltliche Dissens ab. Zum einen verteilte Renate Hartwig auf der
Presssekonferenz Materialien, die ohne Absprache mit mir erstellt worden waren
- aber wegen unseres gemeinsamen Auftretens auch mit meiner Person in
Verbindung gebracht werden mussten. Das allein wäre kein großes Problem
gewesen. Aber sie hatte sich in diesen Papieren in die Forderung verrannt,
Scientologen müssten vor 'Sondergerichte' gestellt werden.
Auf diesem Niveau wollte ich die Auseinandersetzung mit Scientology eigentlich
nicht führen.
Dann häuften sich die Merkwürdigkeiten. Sie stellte mir einen jungen Mann, den
Schweizer Daniel Fumagalli, als 'unehelichen Sohn von L. Ron Hubbard' vor
(tatsächlich ist seine Mutter Scientologin). 'Na ja', sagte Daniel verlegen,
'sie übertreibt manchmal ein bisschen.'
Das 'Bisschen' wuchs sich leider aus. Der gravierendste und auch peinlichste
Vorfall war die Geschichte von dem vermeintlichen 'Mordauftrag'. Der
Scientology-Geheimdienst OSA habe, so verkündete Renate Hartwig lauthals, die
angebliche Scientology-Aussteigerin Anita S. auf uns angesetzt. Konnte das
sein? Eine Killerin, die nicht einmal wusste, dass ich keine Führerschein habe,
aber mein Auto manipulieren wollte? Doch Renate Hartwig ließ sich auch durch
sorgfältigste Gegenrecherche der Polizei von der Story nicht abbringen.
Deutsche Scientologen schmieren ihre Propagandamschine noch heute mit diesem
Flop. Später wirkte Renate Hartwig noch an einer Räuberpistole mit, bei der
TV-Star Thomas Gottschalk als Scientologe geoutet wurde - und man doch nur
einen Schweizer Namensvetter des beliebten 'Wette[n], dass...'-Moderators
gefunden hatte. 'Robin Direkt' bereitete zunehmend mehr Qual als nötig.
Intrigen nahmen zu, und bei näherer Betrachtung schien das Spiel 'jeder gegen
jeden' Hauptinhalt des Vereinslebens zu sein.
Am 7. Juni 1993 formulierte ich meinen Vereinsaustritt. Der Gedanke, welche
Schadenfreude dieser Schritt bei der Organisation, gegen die wir doch gemeinsam
angetreten waren, auslösen würde, hinderte mich aber, den Brief abzuschicken.
Doch zwei Wochen später erledigte sich das Thema ohnehin von selbst: Der
Vereinsvorstand, d. h. Renate und ihr Mann Paul Hartwig kamen mir per
'Einschreiben mit Rückschein' durch Rausschmiss wegen 'vereinsschädigenden
Verhaltens' zuvor.
Schon immer war die Diskussion in der Antiszene auch geprägt von Misstrauen
untereinander und der Furcht vor den Versuchen seitens der
Scientology-Organisation, Einfluss auf ihre Arbeit zu nehmen. Darüber hinaus
können nicht alle mit der publicity umgehen, die einem in diesem Metier
entgegenschlägt. Ganz ohne Häme und Ressentiment: Wer sein Leben
hauptsächlich
in einem verschlafenen Dorf verbracht hat, erfährt womöglich schnell eine
Persönlichkeitsveränderung, wenn sich bei ihm plötzlich Fernsehteams die
Klinke
in die Hand geben, wenn Heerscharen von Betroffenen und Journalisten auf der
Jagd nach Informationen das Telefon nicht stillstehen lassen oder wenn der
eigene Name dauernd in der Zeitung zu lesen ist - solche großen Veränderungen
wirken oft nicht positiv. Im Gegenteil: Mit der Zeit können
Omnipotenzphantasien entstehen. Und leider ist es meiner alten Mitstreiterin
Renate Hartwig so ergangen. Einem dubiosen Anbieter auf dem Psychomarkt stellte
sie einen Persilschein aus, obwohl Kenner der Szene dem betreffenden
Unternehmen, der Münchener Firma 'Block-Trainings-Gesellschaft' unseriöse
Techniken vorwarfen. Was qualifiziert die Hausfrau aus Pfaffenhofen, dem
'Block'-Geschäftsführer zu attestieren, 'Ihr Unternehmen steht ausserhalb jeden
Sektenverdachts'? Und was qualifiziert die emsige, aber wissenschaftlich
unbedarfte Scientology-Kritikerin, eigene Psychoseminare anzubieten - für 2900
DM (drei Tage)? Klar, dass sie dort ihre Buchveröffentlichungen 'zur
detaillierten Vorbereitung' feilbietet, denn: 'Dies trägt zur Intensität des
Seminars bei.' Dass das Ehepaar Hartwig darüber hinaus bei seinen Seminaren
tatkräftig von einer Dame unterstützt wird, die man getrost als
laienpsychologische Quacksalberin bezeichnen kann und über die sich Experten
wie der rheinländische Sektenbeauftragte Joachim Keden nur warnend äussern,
kommt erschwerend hinzu.
So gibt es immer wieder Personen, die das Engagement gegen Scientology für
eigene, ebenfalls nicht ganz saubere Interessen nutzen. Das hilft natürlich
Scientology.
Halten wir es lieber mit dem scientology-geplagten Pfarrer Haack: 'Es gibt nun
einmal keine Freiheit ohne Kritik. Und in diesem Sinne ist unser kritisches
Eintreten ein stellvertretender Dienst für diese Gesellschaft. Es ist der
Dienst der Bewahrung und Garantierung von Freiheit.'
Diese Aussage gilt nicht nur für den Kampf gegen Scientology. Sie muss auch
innerhalb der Bewegung gelten, die sich gegen die Hubbard-Truppe wehrt."
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