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Michael Klonovsky - Acta diurna

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D. Schlenk

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Nov 14, 2016, 2:04:28 PM11/14/16
to
http://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna

Acta diurna

Sämtliche Texte in diesem Diarium geben ausschließlich
private Meinungen des Autors wieder bzw. schildern
Ereignisse aus dessen ganz privater Sicht. Der Verfasser
repräsentiert weder ein Medium noch einen Verlag noch eine
Partei, sondern einzig und allein sich selbst.



November 2016


Seinem Ende entgegenstrebender 10. November 2016

Mitunter sind Eigenzitate geboten. Am 22. Juli 2016
erinnerte ich an Napoleons Flucht aus seiner Verbannung
auf Elba, den Beginn der hundert Tage, und zwar wegen der
Kommentare der zeitgenössischen Presse. Als der Korse am
1. März 1815 in See stach, notierte eine französische
Gazette: "Der Menschenfresser hat seine Höhle verlassen."
20 Tage später sollte Napoleon in Paris einziehen. In der
Zwischenzeit produzierte die Pariser Presse unter anderem
folgende Schlagzeilen: "Der korsische Werwolf ist bei Cap
Juan gelandet." - "Der Tiger ist zu Gap angelangt." - "Das
Ungeheuer ist nach Grenoble entkommen." - "Der Tyrann
verweilte in Lyon." - "Der Usurpator hat sich Paris auf 60
Meilen genähert." - "Napoleon wird morgen unter unseren
Mauern sein." - "Der Kaiser ist zu Fontainebleau
angelangt." - "Seine Kaiserliche Majestät hielten gestern
Abend Ihren Einzug in Ihr Tuilerien-Schloss."

Meine Conclusio lautete damals: "An dieses drollige (De-)
Crescendo musste ich denken bei der Überlegung, wie wohl
die hiesige Presse auf die Nachricht reagieren würde, dass
Donald Trump der 45. Präsident der Vereinigten Staaten
wird." Das, meine Damen und Herren, werden Sie in den
kommenden Tagen und Wochen genüsslich verfolgen dürfen,
vor allem, wenn Trump mal auf einen Staatsbesuch bei
Merkels Nachfolger vorbeischauen sollte. U. Poschardt, der
wendige Oktopus unter den Chefredakteursdarstellern, hat
gestern noch via Twitter den Untergang des Westens
verkündet, um heute bereits sacht die Farbe zu wechseln
und in einem glitschigen Kommentar die heilsame Wirkung
des "Trump-Schocks" zu statuieren (hier). Und übermorgen
dann wird er, bei paralleler fingierter Amnesie, in die
Normalität wechseln und nie eine andere Farbe gezeigt
haben. Bis zum nächsten Wechsel. In zwei, drei Jahren,
wann es eben opportun ist, werden sie auch immer gegen
Merkel gewesen sein.

Apropos und übrigens: Nach Napoleon hat nun Trump ein
Datum okkupiert, welches gemeinhin als der
Verabredungstermin der Deutschen mit ihrem Schicksal gilt,
den 9. November nämlich. Die - vielleicht oder
wahrscheinlich - große amerikanische Schicksalswahl 2016
ist auf dieses Datum gefallen, und Napoleons Staatsstreich
am 18. Brumaire VIII des französischen
Revolutionskalenders fand nach traditioneller Rechnung,
wie der Archivar Gottfried Kühl im Roman "Land der Wunder"
feststellt, am 9. November 1799 statt.




10. November 2016

In Amerika haben sie eine wundersame Demokratie. Da
liefern sich erst zehn, dann fünf, dann vier, drei und
schließlich zwei Kandidaten mit zum Teil fundamental
unterschiedlichen politischen Positionen eine monatelange
öffentliche Wahlschlacht, und am Ende gewinnt einer bei
ziemlich ausgeglichenem Gesamtstimmenverhältnis. Diesmal
ein Mister Trump, ein alter, weißer Mann. Schlimm, aber
legal, ja sogar legitim. Der Mann ist leider kein Lehrer
oder Beamter, er hat auch keine Parteikarriere hinter
sich, er hat sich nie in einer Ortsgruppe bewährt. Er ist
vielmehr Milliardär, ein Kapitalist also, aber er trat
immerhin als absoluter Außenseiter und spinnerter Uhu an,
niemand setzte auch nur einen halben Dollar auf ihn, doch
gegen alle Widerstände schaffte er es und wurde 45.
Präsident der USA. In einer Demokratie solchen Zuschnitts
ist offenbar so ziemlich alles möglich.

Andere Demokratien haben daraus gelernt. Etwa im fernen
Deutschland, wo eine Art Mistress Germany vor die
Mikrophone trat und sagte: Wenn der Mann sich an die
demokratischen Spielregeln halte, werde sie mit ihm
kooperieren. (Und was wenn nicht?) Falls der neue US-
Präsident nicht ganz im Bilde ist, was die Regeln sind,
buchstabierte die Lady, Kanzlerin geheißen, sie noch mal
durch: "Demokratie, Freiheit, Respekt vor dem Recht sowie
der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe,
Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder
politischer Einstellung. Auf der Basis dieser Werte biete
ich dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von
Amerika, Donald Trump, eine enge Zusammenarbeit an." Wie
unsere Frau Holda sie unter anderem auch Sultan Recep
Tayyip dem Prächtigen beharrlich anbietet.

"Respekt vor dem Recht", bei diesen Worten mag der Donald
in Übersee, falls ihm der Sermon zugetragen wurde,
erheitert aufgegrunzt haben. Immerhin ist diese Frau
Merkel eine x-fache Rechtsbrecherin, sie brach deutsches
und EU-Recht in der Masseneinwanderungsstaatskrise wie
Strohhalme, aber sie tat dies nur im Dienste des Respekts
vor der Religion, der Würde des Menschen und des
Geschlechts (wozu womöglich auch gewisse nordafrikanische
Geschlechtsteile gehören, aber wir wollen nicht
spekulieren). Jedenfalls werden die verbindlichen
demokratischen Spielregeln inzwischen in Deutschland
festgelegt. Muss Trump noch lernen. Er kann ja mal
Beobachter nach Deutschland schicken und gucken, wie
unglaublich pluralistisch die Kanzlerinnen-Demokratur
funktioniert, wie elegant und divers in Old Germany
debattiert wird, und wie in Miss Merkels kurioserweise
noch christdemokratisch geheißener alternativloser
Einheitspartei die Kandidatenschlacht ersetzt worden ist
durch die rechtzeitige Schlachtung von Kandidaten.

Merkels Parteifreundin, die wiederum allen Ernstes
sogenannte deutsche Verteidigungsministerin Ursula von
der Leyen - das ist die Frau, die Kampfpanzer
schwangerentauglich machen will, von innen aber nur -
fühlte sich von der Wahl Trumps "schwer schockiert". Wie
quasi die gesamte CDU.

Da wollten die roten Strolche von der SPD natürlich nicht
unschockiert abseits stehen. Vor die Kamera trat Frank
Walter Ribbenmeier, und zwar um Trump ausdrücklich nicht
zu gratulieren. "Das Ergebnis ist anders als die meisten
in Deutschland sich das gewünscht haben", kommentierte der
Außenamtschef. Skandalöserweise wurden die Deutschen aber
nicht gefragt, weshalb große Teile der Wehrmacht nun von
der Ostfront nach Westen verschoben werden müssen. Man
dürfe nicht auf Trump schauen "wie das Kaninchen auf die
Schlange", sagte Steintrop. Anders als sonst immer wolle
er diesmal "nichts schönreden".

Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel kabelte, Trump
sei der "Vorreiter einer neuen autoritären und
chauvinistischen Internationalen". Der Republikaner wolle
ein "Rollback in die alten, schlechten Zeiten", als er
noch dünn und Deutschland geteilt war. Sein stets
origineller Genosse Ralf Stegner notierte: "Wenn dieser
Rechtspopulist und sexistische Hassprediger US Präsident
wird, dürfen wir uns auf einen politischen Kälteschock
gefasst machen." Ab jetzt!

Die Grünen lassen wir weg, bei denen wäre sowieso die Frau
Präsidentin geworden. Schauen wir stattdessen, was
Spitzenvertreter der Qualitäts- und Wahrheitspresse
äußerten.

Willkommen denn bei "Drei Fatzkes, eine Meinung"! (Die
Ziffer ist natürlich variabel.) "Die Wahl Trumps ist das
Ende des Westens", twitterte der Premiumjournalist Jakob
Augstein. "1776&1789 entstand der Westen, 2016
verabschiedet er sich", ließ sich sein Kollege Nils
Minkmar nicht lumpen (nebenbei: Der Westen entstand um 500
v. Chr. und wurde 1789 tödlich verletzt, aber das nur am
Rande). "Mein Kumpel Minkmar was right: the end is near",
sekundierte der andere, noch coolere Premiumjournalist,
Ulf Porschardt. Ich schließe mich diesen Hoffnungen an.
Den Dreien sofort weit voraus war übrigens der an
Fascholalie erkrankte Moritz von Uslar, Allah schenke ihm
demnächst wenigstens das Hirn einer Zikade: "Das Land, das
uns vom Faschismus befreit hat, wählt den Faschismus."
Gilt in Richtung Osten wie in Richtung Westen. Ist aber
heilbar.

Geneigter Leser, nicht böse sein, dass ich hier schon
aufhöre, aber ich will erstens weiter tanzen und die
Trump-Wahl feiern, wie es ein fröhlicher Rechtspopulist
eben tut, mit Champagner, Kaviar, Austern, Hummer, Seeigel
und so fort. Außerdem kann ich, zweitens, hier nicht jeden
Kretin zu Wort kommen lassen, denn wenn die Acta diurna
später als Buch erscheinen, bekommen sie ein Register, und
wie sieht das mit solchen Namen darin denn aus? Ich muss
schließlich auch an die asiatischen Philologen und
Historiker denken, die sich in hundert Jahren über diese
Texte beugen. Kurzum: Es langt. Obwohl ich gern die
Sängerin Cher zitieren würde, die sich wegen des
Wahlergebnisses an Deutschland 1933 erinnert fühlt,
vielleicht auch an ihre erste Schönheitsoperation im
selben Jahr. Aber gut, einer geht noch: Der Grünen-
Politiker Johannes Rehborn twitterte: "Dieser Moment, wenn
man sich fürs weiß sein schämt. Und dafür Mann zu sein."
Schau an, dieser Obszönitäts-Athlet schämt sich nicht mehr
für Auschwitz, sondern für Trump. Ich kann den Buben
allerdings beruhigen: Er ist weder als Mann noch als
Weißer bislang irgendwem aufgefallen, und strenggenommen
auch als Johannes Rehborn nicht. Und die Scham würde ich
an seiner Stelle lieber auf die Orthographie lenken.

Nein, diese Deutschen - näherhin ihre sogenannten Eliten -
, sie haben einfach einen Knall! Wenn die Kanzlerin das
Land mit Analphabeten, Frauenverächtern,
Christenverfolgern und Antänzern flutet, schreien sie
"Freiheit!" und "Menschenrechte!" und "Willkommen!" Wenn
aber in den USA in urdemokratischen und freien Wahlen ein
Mann Präsident wird, den sie für den Falschen halten, weil
er ihre kulturelle Hegemonie gefährdet, beschimpfen sie
den Mann und seine Wähler, als gäbe es kein Morgen. Berlin
hält sich für das neue Rom, doch statt Legionen entsendet
es Moralscheißer, die Welt am deutschen Wesen genesen zu
lassen. Mal sehen, an welches Hosenbein sich diese
trostlosen Figuren verkriechen, wenn Trump einmal grimmig
die Stirn runzelt. Zu Putin jedenfalls brauchen sie nicht
gehen, der wird sie verächtlich abstreifen.




9. November 2016

Für den heutigen Tag mag gelten, was Goethe 1792 bei Valmy
angeblich doch nicht gesagt hat, aber irgendetwas
Vergleichbares wird er schon geäußert haben, nämlich: "Von
hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte
aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen."

Mein Motto für heute ist einfacher: "Schweig und tanze!"
(Elektra).

God bless America!




8. November 2016

Morgen entscheidet sich - wer weiß? - vielleicht nichts,
vielleicht das Schicksal der Welt? Dass eine Robin-Hood-
oder Rienzi-Figur wie Donald Trump überhaupt so weit
steigen konnte, versöhnt mich mit den USA. Die gesammelte
moralische Minderwertigkeit Amerikas, ja des Planeten
hasst Trump: die Ganoven der Wall Street ebenso wie die
globalistischen Spitzbuben vom Schlage eines Soros, die
Nivellierungsbarbaren in ihren Bürotürmen und NGOs, die
kriegsgeilen Neocons, die feministische und die
Migrationslobby, die meisten Charaktersimulanten und
Leinwandkasper aus Hollywood, die neidzerfressenen
sogenannten Linksintellektuellen und natürlich die
Pressstrolche, die smarten opportunistischen
Faktenverdreher aus den klebrigen Medienkanälen. Egal
indes, wer morgen triumphiert, die USA sind, wie nahezu
sämtliche westlichen Länder, zutiefst gespalten, man sieht
es bei der österreichischen Präsidentenwahl, man sieht es
in Frankreich, wo der Front National zwar stärkste Partei
ist, von den vereinten Konservativen und Sozialisten
jedoch erfolgreich von der Regierungsverantwortung
ausgeschlossen wird, man sieht es an der grotesken
Blockbildung hierzulande gegen die AfD. Künftige
demokratische Voten mit 51:49 Prozent-Resultaten werden
den Riss nicht kitten können, vor allem wird sich die
große Masse der Absteiger nicht länger manipulieren und
sedieren lassen. In den Staaten der westlichen Welt tritt
seit mehr als sechzig Jahren erstmals eine Generation ins
Berufsleben ein, die genau weiß, dass es ihr schlechter
gehen wird als ihren Eltern, und dass es ihren Kindern mit
hoher Wahrscheinlichkeit schlechter gehen wird als ihnen
selbst, dass es in zwei Generationen keinen Mittelstand
mehr geben wird und wahrscheinlich auch ihre Völker nicht
mehr existieren, dass sie verarmen und verelenden und sich
in ihren ehemaligen Heimatländern, vor den Ruinen ihrer
Nationalkulturen, mit dem Lumpenproletariat der dritten
Welt und dessen halbbarbarischen Riten werden
herumschlagen müssen, während sich in den Händen einiger
weniger ungeheuere Kapitalmengen konzentrieren und genau
diese jeglicher Bindung und Verantwortung enthobenen,
mobilen Weltabmelker daran arbeiten, dass es den
sogenannten einfachen Menschen noch schlecher geht. Es
riecht nach Revolution, es riecht nach Bürgerkriegen
allüberall... Das Pendel schlägt zurück. Wir gehen rechten
Zeiten entgehen.

Dazu passt dieses mitreißende (und perfekt gemachte)
Wahlkampfvideo von Trump. Wenn Globalisierung heißt, dass
die Staaten zerfallen, dass die Völker entwurzelt und
aufgelöst und die Kulturen verramscht werden, dann spucken
wir auf sie. Wenn Globalisierung heißt, dass der Planet in
die graue Tristesse der Diversity getaucht wird, dann
pfeifen wir auf sie. Let's make the people, let's make the
nations great again!


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