Die Bundeswehr schützt jetzt nicht mehr Deutschland, sondern das Klima

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Dec 4, 2022, 5:03:51 AM12/4/22
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Die Bundeswehr schützt jetzt nicht mehr Deutschland, sondern
das Klima


Von Mirjam Lübke

3. Dezember 2022


https://i0.wp.com/ansage.org/wp-content/uploads/2022/12/imago0093354086h.jpg?resize=696%2C505&ssl=1
Truppenbegrünung – schon vor 80 Jahren im Trend (Foto:Imago)

Das blaue Häkchen bei Twitter, mit dem sich ein Konto als
„echt“ ausweist, soll zukünftig etwas kosten – trotzdem war
ich mir zunächst nicht sicher, ob sich nicht doch ein
Spaßvogel für ein paar Euro Gebühr den Bundeswehr-Account
zugelegt hat (siehe nachfolgenden Screenshot). Da sich
allerdings die Grenzen zwischen Realität und Satire in
Deutschland immer häufiger verwischen, kam ich letztlich zum
Schluss, es müsse sich um eine authentische Äußerung aus der
PR-Abteilung unserer tapferen Recken handeln. Da dürfte sich
allerdings auch mancher gestandene Soldat verwundert die
Augen gerieben haben – Bundeswehr goes Greenpeace! Für die
Jüngeren unter uns: Letztere Organisation war die Urmutter
der Aktivisten von „Mit Uhu den Planeten vor dem Untergang
retten!”, besser bekannt als „Fridays for Future” oder
„Letzte Generation”.

https://i0.wp.com/ansage.org/wp-content/uploads/2022/12/317727170_805594353877585_4683826963531503557_n.jpeg?resize=696%2C604&ssl=1
(Screenshot:Twitter)

Im Falle einer erwartbaren aktiven Zusammenarbeit mit der
Bundeswehr könnten Aktionen dieser Gruppen bald zu extrem
effektiveren Straßenblockaden führen, denn so eine
Panzerhaubitze bekommt kein Polizist vom Asphalt gelöst,
wenn sie dort erst einmal ordentlich festgeklebt ist. Damit
legt sich auch kein verzweifelter Autofahrer an. Und an
Krankenwagen muss zukünftig wohl vorn eine Baggerschaufel
angebracht werden, um der Dringlichkeit ihres Anliegens
Nachdruck zu verleihen. Wenn die Division „Carla Hinrichs”
und das Bataillon „Luisa Neubauer” in den Umweltkampf
ziehen, kann sich der Klimawandel warm anziehen!

Aber wahrscheinlich ist das nicht das „strategische Ziel”,
vor dem im Tweet die Rede ist. „Nachhaltige Kriegsführung”…
darauf muss man erst einmal kommen: „Herr Selenskij, wir
können Ihnen die zugesagten Panzer leider nicht liefern, da
in der Ukraine keine hinreichende Ladesäulen-Infrastruktur
vorhanden ist”, könnte Olaf Scholz erklären und die Grünen
ins Schwitzen bringen. „Zudem haben wir von Ihnen bisher
keine Bestätigung bekommen, dass die Munition ordnungsgemäß
recycelt wird.” Mir kommen dabei so makabre Bilder in den
Sinn, dass ich sie nicht schriftlich niederlegen möchte.
Wenn nach einem Krieg die Trümmerfrauen jeden verwertbaren
Stein aus den Ruinen holen, um den Ausgebombten wieder ein
Dach über dem Kopf bauen zu können, ist das dann
„nachhaltig”? Gezwungenermaßen vielleicht, aber es macht die
Lage kein bisschen erträglicher für die Betroffenen.



Verharmlosung oder grüne Umnachtung?

Man fragt sich hier unwillkürlich, welche Leute da
mittlerweile in der PR-Abteilung der Bundeswehr sitzen und
sich solche Meldungen ausdenken. „Lass uns mal was mit
Umwelt machen, das liegt im Trend…!“ Ist es eine bewusste
Strategie der Verharmlosung des Krieges oder bloße grüne
Umnachtung? Zwar kämpfen auch deutsche Soldaten wieder im
Rahmen von NATO-Operationen wieder in aller Welt, aber die
meisten heute lebenden Bundesbürger kennen – zum Glück! –
Kriegshandlungen nur aus den Medien. Wenn dabei
„ressourcenschonend” vorgegangen wird, hat das Gründe, die
mit Umweltschutz nur selten etwas zu tun haben – sondern
eher mit Materialkosten. Und erhält man Infrastruktur, dann
deshalb, weil man noch selbst darauf zurückgreifen will.
Übrigens rührten internationale Umweltschutzorganisationen
keinen Finger, als die Hamas im Zuge der von ihr
verursachten Kampfhandlungen israelische Naturschutzgebiete
in Brand steckte. Das Entscheidende jedoch ist: Die
menschlichen Opfer des Krieges kann man nicht „recyceln” –
sie sind für immer verloren. Aber vielleicht sollen wir ja
auch gerade das vergessen: Was kümmern uns die Menschen,
wenn man doch wenigstens seine Ideologie ausgelebt hat? Was
zählen ein paar Menschenleben, wenn das Klima gerettet wird?
Die Frage stellt sich an diesem Punkt: Wie weit soll all
das noch getrieben werden? Tatsächlich bis zur
Öko-Atombombe? „Das Uran dafür ist ausschließlich in
solarbetriebenen Zentrifugen angereichert worden”, könnte
uns das Schwellenland stolz verkünden, welches gerade plant,
seinen Nachbarn von der Landkarte zu fegen. Und in
Deutschland nickt man dann beifällig zu dieser Entscheidung,
weil der ökologische Fußabdruck gewahrt bleibt.

Niemand mit etwas Realitätssinn will die Bundeswehr
abschaffen, denn Verteidigungsbereitschaft gehört, nüchtern
betrachtet, zu den Kernaufgaben des Staates, um seine Bürger
zu schützen – und sei es nur, um nach außen zu
signalisieren, dass man keine leichte Beute ist. Allerdings
ist die Bundeswehr selbst durch Sparmaßnahmen und
Missmanagement zur leichten Beute gemacht worden: Es fehlt
an allen Ecken und Enden. Bevor man sich dort also Sorgen um
„nachhaltige Kriegsführung“ macht, wäre es sinnvoll, erst
einmal das eigene Arsenal in einen gebrauchsfähigen Zustand
zu versetzen und fähigen Nachwuchs auszubilden. Sonst bleibt
die Bundeswehr tatsächlich nachhaltig – weil sie gar nicht
erst ausrücken kann.
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