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Brandenburgischer Schweinebauer: "Wir bewegen uns auf eine DDR-Planwirtschaft zu"

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D. Schlenk

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Sep 17, 2023, 11:03:25 AM9/17/23
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https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/brandenburgischer-schweinebauer-bewegen-uns-auf-eine-ddr-planwirtschaft-zu-a4407934.html


Brandenburger Bauer: „Wir machen nationale Alleingänge, ohne
vorher über die Konsequenzen nachzudenken“


Von Erik Rusch

15. September 2023


Mehr Bürokratie, immer mehr Auflagen, Kostensteigerungen.
Berlin will die Versorgungskapazitäten bei Schweinefleisch
halbieren. Immer mehr Bauern sehen sich in ihrer Existenz
bedroht – Epoch Times sprach bei einem Treffen der Bauern im
Süden von Berlin mit einem Schweinebauer über seine Lage.

Kim Ole Daniels (34) ist selbständiger Ferkelzüchter in
Wollin (Südwestbrandenburg). Seit fast 40 Jahren betreibt
seine Familie dort Ferkelaufzucht. Der in seinem
brandenburgischen Wohnort auch politisch aktive Landwirt
nahm am 10. September an einem von Bauern organisierten
Symposium unter dem Motto „Bauern tot – alle in Not“ teil.
Dort sprach er mit Epoch Times über die aktuellen
Schwierigkeiten in seinem Berufsstand.


Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Sie als
Schweinebauer?

Die größten Herausforderungen für die Ferkelzucht, in der
ich mit rund 1.600 Sauen tätig bin, sind die neuen
Tierschutz- und Tierhaltungsverordnungen. So soll ab 2026
das Deckzentrum jeder Sau fünf Quadratmeter zur Verfügung
stellen, Kastenstandhaltung ist dann nicht mehr erlaubt,
sondern nur noch Gruppenhaltung bis fünf Tage vor
Abferkelung.

2035 soll dann der Abferkelstall eine Bewegungsbucht von
sechs Quadratmeter umfassen, was uns zwingen würde, massiv
in finanzielle Vorleistung gehen zu müssen.

Dabei stehen wir in Konkurrenz zum europäischen Ausland, das
keine solchen Auflagen hat. Doch das allergrößte Problem,
das wir momentan sehen, ist die Emissionsreduktion nach der
Verordnung „Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft
(TA Luft)“ ab einer bestimmten Betriebsgröße.

Das heißt, ab 750 Sauen, 4.500 Ferkel oder 1.500 Mastplätzen
müssen Abluftfilterungsreinigungsanlagen installiert werden.
Bei unserer Betriebsgröße würde dies momentan ein
Investitionsvolumen von 1,5 Millionen Euro an
Anschaffungskosten umfassen plus Bewirtschaftungskosten von
100.000 Kilowattstunden im Jahr. Hinzu kommt dann noch die
Lagerung des Reinigungswassers.

Denn die Luft wird mit Wasser gereinigt und wir wissen
nicht, wie und wo wir das Wasser lagern sollen. Wo sollen
wir es später abgeben? Dürfen wir es auf dem Acker
ausbringen? Es sind viele Fragen ungeklärt.

Für wie sinnvoll halten Sie diese Auflagen?

Sie sind null wichtig. Wir finden uns, egal wo im
landwirtschaftlichen Bereich, immer im globalen Wettbewerb.
Der Transport von Schweinefleisch aus Südamerika nach
Deutschland kostet heute 6 Cent pro Kilo. Da können wir als
Schweinehalter nicht gegen konkurrieren, egal in welcher
Haltungsform.

Wir machen nationale Alleingänge, ohne vorher über die
Konsequenzen nachzudenken.

Das kennen wir in der Legehennenhaltung. In Deutschland
wurde die Käfighaltung abgeschafft, in Polen wurde sie dann
wieder aufgebaut und die Eier kommen weiter aus Polen nach
Deutschland.

Nur ein Beispiel: Renate Künast rühmt sich bis heute, dass
sie die Käfighaltung abgeschafft hat. Aber eigentlich hat
sie diese nur verlagert und die deutschen Bauern hängen
gelassen.

Deutschland deckt aktuell zu 60 Prozent den eigenen Bedarf
an Ferkeln ab und der Anteil sinkt weiter. „Wir sollten doch
wenigstens Eigenversorgung anstreben.“ Unsere größte
Forderung an die Politik ist, die deutschen Betriebe frei
wirtschaften zu lassen, damit wir die deutsche Bevölkerung
selbst ernähren können.

Oft wird ja eine Überproduktion als Grund für eine
notwendige Transformation der deutschen Landwirtschaft
angeführt. Gibt es diese im Bereich der Schweinezucht?

Bei Mastschweinen gab es früher eine Überproduktion, da
waren wir mal bei 120 Prozent. Momentan sind wir bei der
Schweinefleischproduktion unter 100 Prozent. Aber die Ferkel
werden auch heute noch teilweise aus Dänemark oder Holland
importiert.

Das Problem ist: Die Deutschen essen mittlerweile weder den
Rüssel noch den Schwanz und auch nicht die Schweinepfoten.
Wir sind sehr, sehr wohlstandsbehaftet geworden und essen
lieber Filet oder Kotelett. Das heißt, wir Schweinebauern
können das gesamte Schwein gar nicht vermarkten. Das
bereitet uns momentan Schwierigkeiten, weil wir die
Afrikanische Schweinepest haben und China als Exportland
nicht mehr gewinnen können. Sie haben diese Körperteile als
Edelteile abgenommen, samt den Schweineohren.

Eine gesunde Landwirtschaft ist eine Kreislaufwirtschaft.
Den Dünger in Form des Urins und Kots der Schweine brauchen
wir unbedingt, weil die Preise für den künstlichen Dünger
durch die Corona-Zeit und auch durch den Ukraine-Krieg
massiv gestiegen sind. Wir brauchen den natürlichen Dünger,
wir brauchen die Kreislaufwirtschaft.

Im Land Brandenburg redet die Politik von zu viel Stickstoff
oder roten Gebieten – dabei liegt man hier in Brandenburg
bei den Großvieheinheiten pro Hektar bei einem Wert von 0,4.
Im Westen sind es hingegen 4,0 Großvieheinheiten pro Hektar.

Wir brauchen eigentlich im Osten mehr Tiere und nicht
weniger.

Die Regierung strebt eine Versorgungskapazität bei
Schweinefleisch von nur noch 50 Prozent an. Wie wollen wir
unsere Böden mit gutem Dünger aufwerten, wenn die
Schweinehaltung dermaßen heruntergefahren wird? Mit der
Schweinehaltung könnten wir eine ausreichende
Düngemittelversorgung gut erreichen.

Doch anscheinend wollen wir nicht nur bei der Bürokratie und
Planungsunsicherheit Vorreiter sein, sondern in allem.

Was genau meinen Sie damit?

Wir sind „sozial“ – mit unserem Sozialsystem, da sind wir
Vorreiter. Wir sind in der Energiewende Vorreiter, obwohl es
kein anderer nachmacht. Im Umweltschutz sind wir Vorreiter
und auch beim Thema Fleischverzicht sind wir wahrscheinlich
Vorreiter.

Die EU macht schon Druck, auch auf uns und andere Länder.
Doch anders als Deutschland übernehmen die anderen EU-Länder
die EU-Regelungen nur teil- oder schrittweise.

Wir in Deutschland hingegen legen uns bei der Tierhaltung
selbst extreme Vorschriften auf, die über die EU-
Regelungen noch hinausgehen.

So ist die deutsche Nutztierhaltungsverordnung als auch die
Verordnung zur Emissionsreduktion viel strenger als
EU-Recht.

Solch eine Planwirtschaft, die mit den ganzen Verordnungen
betrieben wird, kennen wir von der DDR. Auf diesem Weg
befinden wir uns anscheinend jetzt wieder. Die Politik will
anscheinend nicht mehr, dass man Fleisch isst. Man soll sich
am besten vegan ernähren, nicht mal vegetarisch. Die
Tierhaltung soll ja stark reduziert werden.

In osteuropäischen Ländern gibt es massiv Probleme, die
Bevölkerung zu ernähren und die Regierungen dort investieren
gerade oder geben Anreize, dass Bauern mehr investieren und
die Viehbestände aufstocken, damit die
Nahrungsmittelerzeugung nach oben geht. Denn sie wissen: In
schlechten Zeiten ist es immer gut, wenn ich mein Volk
selbst ernähren kann.

Welches Risiko besteht darin, dass Deutschland sein Volk
nicht mehr selbst aus eigener Kraft ernähren kann? Sollten
die Bürger nicht selbst entscheiden, was sie essen wollen?

Genau! Meiner Meinung nach muss der Verbraucher das selbst
entscheiden. Zuvor muss er aber informiert werden. Was hat
das für Auswirkungen, wenn wir auf Importe angewiesen sind?
Was hat das für Auswirkungen, wenn wir den Viehbestand
halbieren? Was ist denn, wenn es den anderen exportierenden
Ländern schlecht geht und die sich nicht mehr selbst
ernähren können? Dann sagen sie sehr wahrscheinlich: „Bevor
wir euch was exportieren, nutzen wir unsere Produkte lieber
selbst.“

Wir sind auf einem gefährlichen Pfad. Das sagen wir Bauern
ja schon ewig. Wir müssen dafür sorgen, dass wir unser Volk
wenigstens selbst ernähren können.

Wir haben Menschen, die schwere körperliche Arbeit leisten,
und die brauchen tierisches Eiweiß. Jeder soll am Ende
selber entscheiden, was er essen möchte und was nicht. Das
soll die Regierung uns auch nicht vorschreiben.

Sie sprachen an, dass es bei Ihrem Betrieb auch Probleme
gibt, Arbeitskräfte zu gewinnen. Woran liegt das und wie
ernst ist die Situation?

Die Situation ist so ernst, dass wir keinen Urlaub machen
können und unseren Mitarbeitern auch keinen Urlaub
genehmigen können. Wir haben es mit polnischen Mitarbeitern
probiert, wir haben es mit ukrainischen Mitarbeitern
probiert, wir probieren es jetzt bald mit rumänischen
Mitarbeitern aus. Es ist wirklich eine Katastrophe.

Wir haben halt harte körperliche Arbeit. Es ist immer
trocken und warm. Es stinkt. Täglich muss man sich daher
duschen. Wir müssen besamen, wir müssen waschen, wir müssen
kastrieren, wir müssen Ohrmarken anbringen, wir müssen die
Schweine durch den Stall treiben. Es sind viele Arbeiten und
die müssen 365 Tage im Jahr gemacht werden.

Der Beruf des Schweinebauern genießt in unserer Gesellschaft
leider keinen hohen Ruf – es wird auch nicht vermittelt,
dass es ein toller Beruf ist. Dabei sind wir sehr wichtig –
wir stellen mit sicher, dass die Menschen unseres Landes
versorgt sind.

Uns mangelt es an Wertschätzung und wir dringen zu wenig mit
unserem Beruf in der Wahrnehmung nach außen. Wir finden seit
acht Jahren keine Auszubildenden. Die Arbeitsämter haben
auch meiner Meinung nach kein Interesse daran, uns welche zu
vermitteln. Wir kriegen mal Praktikanten und dann wird uns
vorgeschrieben, wie wir dies und das zu tun haben.

Was in unserer Gesellschaft ein bisschen verloren geht, ist
der Respekt gegenüber dem Arbeitgeber, der Respekt gegenüber
den Tieren und auch der damit verbundenen Arbeit.

Momentan verdienen wir Geld. Aufgrund der anstehenden
Auflagen, die zu erfüllen sind, ist es schwer zu sagen, ob
wir in dieser Betriebsgröße bestehen bleiben können. Es
könnte sein, dass wir die Betriebsgröße reduzieren, damit
wir keine Luftfilter einbauen müssen. Aber momentan sieht es
so aus, dass wenn sich die Politik nicht dramatisch ändert,
wir gezwungen sind, den Betrieb ins Ausland zu verlagern.

Vielen Dank für das Gespräch!
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