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Ich-Bewußtsein

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D.Schlenk

unread,
Nov 17, 2009, 2:22:20 AM11/17/09
to

http://www.gehirn-und-geist.de/artikel/1011012

Zitat

Magazin | 06.11.2009
ICH-BEWUSSTSEIN
Mein K�rper und Ich
Olaf Blanke ist Neurologe und leitet das Labor f�r Kognitive
Neurowissenschaften an der Eidgen�ssi�schen Technischen Hochschule
Lausanne.
Die Neuropsychologin Bigna Lenggenhager und der Mediziner Lukas Heydrich
forschen in seiner Arbeitsgruppe.
Olaf Blanke, Bigna Lenggenhager und Lukas Heydrich
Wenn Menschen berichten, sie k�nnten den eigenen K�rper verlassen und sich
selbst von au�en betrachten, klingt das nach Esoterik. Doch solche
"Out-of-Body"-Erlebnisse treten bei bestimmten Hirnerkrankungen in der Tat
auf und lassen sich sogar k�nstlich im Labor herbei�f�hren. Schweizer
Forscher um den Neurologen Olaf Blanke wollen mit derlei Experimenten
ergr�nden, wie Ich-Bewusstsein im subjektiven Erleben des K�rpers verankert
ist.

V�llig losgel�st
Was ist das Ich? Diese zentrale Frage der Philosophie erschien
Neurowissenschaftlern lange suspekt: Das Wesen von subjektivem Erleben und
Ich-Bewusstsein d�rfte kaum zum Gegenstand naturwissenschaftlicher
Betrachtungen taugen. Doch in den letzten Jahren vollzog sich ein
entscheidender Sinneswandel. Verschiedene interdisziplin�re
Forschungsgruppen begannen, subjektives Erleben systematisch zu
untersuchen. Daraus resultierende Studienergebnisse weisen darauf hin, dass
die Basis unseres Ich-Bewusstseins in Hirnmechanismen gr�nden k�nnte,
welche verschiedene Signale unserer Sinnesorgane zu einer stabilen,
globalen K�rperrepr�sentation zusammenf�gen.
Die Rolle solcher multisensorischen k�rperlichen Signale f�r das
Ich-Bewusstsein analy�sieren auch wir am Labor f�r Kognitive
Neurowissenschaften an der Eidgen�ssischen Techni�schen Hochschule in
Lausanne (Ecole Polytechnique F�d�rale de Lausanne). Unter Einsatz
verschiedener Methoden der Neurowissenschaften wie der
Elektroenzephalografie (EEG), der funktionellen Magnetresonanztomografie
(fMRT) sowie Techniken der virtuellen Realit�t arbeiten hier Biologen,
Psychologen, Mediziner, Physiker, Ingenieure und Informatiker Hand in Hand.
Sowohl gesunde Probanden als auch neurologische Patienten, die
beispielsweise an einer gest�rten K�rperwahrnehmung leiden, dienen als
Testpersonen bei der Suche nach der k�rperlichen Verankerung des
Ich-Bewusstseins ...

http://www.wissenschaft-online.de/artikel/1012639

Zitat Ende

D. S.


D.Schlenk

unread,
Nov 17, 2009, 12:27:02 PM11/17/09
to

"D.Schlenk" <detmar...@hotmail.de> schrieb im Newsbeitrag
news:hdtj03$qh3$1...@news.eternal-september.org...
Wir alle empfinden im t�glichen Wachzustand das Selbst - unser Ich -
innerhalb unserer k�rperlichen Grenzen. Wir erleben den K�rper als zu
uns geh�rig und nehmen die Welt aus dieser k�rpergebundenen Perspektive
wahr. zum normalen Ich-Bewu�tsein geh�rt somit:
1. Ich-Lokalisation: Das Ich wird innerhalb des K�rpers als eine r�umliche
Einheit erlebt.
2. Ich-Perspektive: Wir sehen, h�ren und f�hlen die Welt aus dem Inneren
unseres K�rpers.
3. Selbstidentifikation: Wir empfinden den K�rper als uns zugeh�rig.

Unter bestimmten Umst�nden k�nnen sich diese drei Aspekte des
Ich-Bewu�tseins ver�ndern. Ein dramatisches Beispiel daf�r ist die
au�er-k�rperliche Erfahrung, die auch unter dem englischen K�rzel OBE
(Out-of-Body Experience) bekannt ist. Hier brechen gleich alle drei Aspekte
zusammen: Die Betroffenen erleben sich als >>entk�rpert<<, sie sehen die
Welt samt dem eigenen K�rper aus einer au�erk�rperlichen Perspektive und
identifizieren sich mit dem illusion�ren statt mit ihrem physischen K�rper.

Sylvan Muldoon (1902-1969) schilderte: >>Ich schwebte in der Luft, streng
horizontal, einige Fu� �ber dem Bett ... Ich bewegte mich auf die Decke zu,
waagerecht und kraftlos ... Ich schaffte es, mich umzudrehen, und dort ...
gab es ein anderes >Ich<, das ruhig auf dem Bett lag.<<
Auch wenn Muldoon wohl unter Epilepsie litt, k�nnen derartige OBEs
ebenfalls bei v�llig gesunden Probanden in derschiedenen Situationen
auftreten, z. B. unter Vollnarkose, beim Tr�umen, unter Drogeneinflu� sowie
bei extremer Angst. H�ufiger jedoch finden sie sich bei psychiatrischen
oder neurologischen Patienten, beispielsweise bei Migr�ne oder Epilepsie.

Zuf�llige Entdeckung

Ein Zufall half uns 2002, au�erk�rperliche Erfahrungen auch k�nstlich zu
erzeugen. Eine 43-j�hrige Frau litt unter schweren epileptischen Anf�llen,
die medikament�s nicht unter den Griff zu bekommen waren. Zusammen mit
Theodor Landis und Margitta Seeck vom Genfer Universit�tsspital haben wir
im Gehirn der Patientin das anfallsausl�sende Zentrum gesucht, um es
anschlie�end operativ zu entfernen. Dabei reizten wir �ber implantierte
Elektroden auch andere Hirnareale, um deren Funktionen zu bestimmen.

Tats�chlich konnten wir so das Anfallszentrum orten (es lag im anterioren
rechten Schl�fenlappen). Doch als wir mit unseren Elektroden den rechten
Gyrus angularis - eine Hirnwindung im �bergangsgebiet zwischen Schl�fen-
und Scheitellappen - stimulierten, erlebten wir eine �berraschung: Die
Patientin hatte pl�tzlich das Gef�hl, sie sinke oder falle. Wir erh�hten
die Stromst�rke, was sie mit folgenden Worten kommentierte: >>Ich sehe mich
im Bett liegen, von oben, aber ich sehe nur meine Beine und meinen unteren
Rumpf.<< Die Frau, die niemals zuvor OBEs erlebt hatte, nahm jetzt
tats�chlich wahr, dass sie zwei Meter �ber ihrem Bett an der Decke
schwebte! Offensichtlich hatten wir ein Hirnareal gefunden, dessen
Aktivit�t direkt mit au�erk�rperlichen Erfahrungen zusammenh�ngt.

Der Gyrus angularis verarbeitet verschiedene K�rpersignale - beispielsweise
des Tast-, des Gleichgewichts- und des Sehsinns sowie der Propriorezeption,
welche die Stellung und Bewegung der Muskeln, Sehnen und Gelenke
registriert - und verrechnet sie mit anderen K�rper- und Rauminformationen.
Wir vermuten daher, dass die au�erk�rperlichen Erfahrungen zwei Ursachen
haben: Einerseits l�sen widerspr�chliche Sinnesreize durch die Stimulation
am Gyrus angularis die erlebte Einheit zwischen verschiedenen
K�rperrepr�sentationen im Gehirn auf, andererseits kappen sie auch die
Verkn�pfung zwischen diesen und den Repr�sentationen des uns umgebenden
Raums. Beide St�rungen der K�rperwahrnehmung scheinen f�r au�erk�rperliche
Erfahrungen notwendig zu sein.

Unsere Studien an Patienten mit gest�rtem k�rperlichem Ich-Bewusstsein
geben somit Hinweise, welche Hirnmechanismen hinter dem in der
K�rperwahrnehmung verankerten Ich-Bewu�tsein stecken k�nnten. Doch
derartige klinische F�lle sind selten. Zudem stellt sich die Frage,
inwieweit unsere neurologischen Befunde auf gesunde Probanden �bertragbar
sind.

Wir suchten daher nach M�glichkeiten, die neuronalen Grundlagen des
Ich-Bewu�tseins bei Gesunden unter kontrollierten Bedingungen zu
analysieren. Hierzu lie�en wir uns von einem Experiment aus dem Jahr 1899
inspirieren: Der amerikanische Psychologe George Malcolm Stratton
(1865-1957) setzte sich eine Spiegelapparatur auf den Kopf, so dass er sich
selbst mehrere Meter vor sich stehen sah. Als er damit drei Tage lang durch
die Gegend seiner Heimatstadt Berkeley lief, hatte Stratton zunehmend das
Gef�hl, er befinde sich au�erhalb seines K�rpers - er erlebte sein Ich an
der Stelle des gesehenen Selbst, dem Spiegelbild.

Etwas �hnliches - allerdings mit modernster Videotechnik - konstruierten
wir 2007 in unserem Labor: Statt mit einem Spiegel arbeiteten wir mit einer
3-D-Brille, in die wir eine Videoaufzeichnung des Probanden projizierten,
so dass dieser sich selbst zwei Meter vor sich von hinten sah. Dann
ber�hrten wir den R�cken unserer Versuchsperson mit einem Stock.
Testpersonen, die dies durch ihre Brille zeitgleich beobachten konnten,
bekamen das merkw�rdige Gef�hl, dass sie die Ber�hrung nicht nur auf ihrem
eigenen R�cken, sondern auch auf dem vor ihnen projizierten K�rper
sp�rten - so als ob der virtuelle K�rper ein Teil des eigenen Selbst
geworden w�re. Die Illusion verblasste, wenn das Kamerabild die Ber�hrungen
verz�gert zeigte, die tats�chlich gef�hlten und die virtuell gesehenen
Vorg�nge also nicht synchron abliefen.

Nicht nur die Selbstidentifikation, sondern auch die Ich-Lokalisation
ver�nderte sich unter synchronen Bedingungen: Wir f�hrten unsere
Versuchspersonen mit geschlossenen Augen einige Schritte nach hinten und
baten sie anschlie�end, an ihren urspr�nglichen Platz zur�ckzukehren.
Diejenigen, die zuvor gleichzeitig mit ihrem Alter Ego ber�hrt worden
waren, liefen zielstrebig in Richtung der virtuellen Figur. Stimmten jedoch
gef�hlte und gesehene Reize zeitlich nicht �berein, kehrten die Probanden
auf ihren wirklichen Ursprungsstandort zur�ck.

Sehen und F�hlen

Diese und weitere �hnliche Experimente zeigen, wie wichtig eine ad�quate
Integration multisensorischer K�rpersignale f�r das Ich-Bewu�tsein ist.
Au�erdem wird hier deutlich, dass die normalerweise als sehr stabil erlebte
subjektive Verortung des Ichs innerhalb des K�rpers eine aktive Leistung
des Gehirns darstellt, die auch bei gesunden Probanden manipulierbar ist
und somit systematisch untersucht werden kann.

Fast noch erstaunlicher ist, dass sich Menschen nicht nur mit einem
virtuellen K�rper identifizieren, sondern dass sich anscheinend auch
elementare Wahrnehmungen an der eigenen K�rperoberfl�che wandeln. Dies
konnten wir 2009 best�tigen, als wir untersuchten, wie sich die
Repr�sentation von Ber�hrungsreizen im Gehirn w�hrend der oben
beschriebenen Illusion ver�ndert. Dazu benutzten wir den
>>multi-sensorischen visuo-taktilen Kongruenzeffekt<< (engl. Crossmodal
Congruency Effect, CCE), mit dem sich objektiv messen l��t, wie stark
visuelle Reize unsere taktile K�rperwahrnehmung beeinflussen k�nnen.

Normalerweise reagieren wir schneller auf einen gef�hlten Reinz, wenn wir
ihn auf der K�rperoberfl�che am selben Ort sehen, wenn also die Information
verschiedener Sinnesmodalit�ten - visuell und taktil - kongruent ist. Um zu
testen, ob sich die Hirnrepr�sentation von taktilen Reizen in gleichem Ma�
in Richtung des virtuellen K�rpers verschiebt, wie wir es bereits f�r die
Ich-Lokalisation beobachtet hatten, wandelten wir unser vorheriges
Experiment ab: Wir gaben unseren Probanden am R�cken einen kurzen
Vibrationsreiz, w�hrend sie durch ihre 3-D-Brille an der entsprechenden
oder an einer versetzten Stelle auf dem R�cken des vor ihnen stehenden
virtuellen K�rpers ein L�mpchen aufleuchten sahen. Dann baten wir sie, so
schnell wie m�glich mitzuteilen, wo sie die Vibration sp�rten. Wenn nun die
Versuchspersonen zeitgleich ber�hrt wurden - und sich dadurch st�rker mit
ihrem virtuellen Alter Ego identifiziert hatten -, konnten wir auch einen
verst�rkten Kongruenzeffekt beobachten. Dies war bei einer asynchronen
Ber�hrung, bei der sich die Probanden nicht oder weniger an die Stelle des
Gegen�bers hineinversetzt hatten, nicht der Fall. Das deutet darauf hin,
dass das Gehirn auch den taktilen Raum in Richtung des virtuellen K�rpers
verschoben wahrgenommen hatte.

Nat�rlich sind die Empfindungen, die unsere Probanden unter
Laborbedingungen erlebten, nicht mit der Intensit�t von voll ausgepr�gten
au�erk�rperlichen Erfahrungen zu vergleichen. Unsere Experimente zeigen
jedoch einen Weg, wie sich das Ich-Bewu�tsein systematisch untersuchen
l��t. Auch wenn unsere bisherigen Daten auf eine Schl�sselrolle des rechten
Schl�fen- und Scheitellappens hinweisen, deutet sich jetzt bereits an, da�
zus�tzlich andere Hirnareale daran beteiligt sind. So d�rften Bereiche des
Frontallappens wie der mediale pr�-frontale Kortex oder der Pr�cuneus, der
gleicherma�en zum Scheitellappen z�hlt und eine wichtige Rolle bei der
Selbstwahrnehmung spielt, ebenfalls zum Ich-Bewu�tsein beitragen. Auch der
prim�re somato-sensorische Kortex, der Druck- und Ber�hrungsreize
verarbeitet, sowie der vestibul�re Kortex, der f�r den Gleichgewichtssinn
zust�ndig ist, mischen hierbei mit.

Wahrscheinlich werden einige dieser Areale auch dann aktiv, wenn kognitive
Aspekte des Ichs wie autobiographisches Ged�chtnis, Selbsterkenntnis und
Sprache ins Spiel kommen. Zuk�nftige Forschungen sollten uns erm�glichen,
die nur scheinbar suspekte Frage nach dem Wesen des Ichs und des
Bewu�tseins wissenschaftlich zu verkn�pfen und zu beantworten.

Quellen

Aspell, J.E. et al.: Keeping in Touch with One's Self: Multisensory
Mechanisms of Self-Consciousness. In: Public Library of Sciences One
4(8),e6488, 2009.

Blake, O. et al.: Stimulating Illusory Own-Body Perceptions. In: Natur
419(6904), S. 269-270, 2002.

Lenggenhager, B. et al.: Video Ergo Sum: Manipulating Bodily
Self-Consciousness. In: Science 317(5841), S. 1096-1099, 2007.

Weitere Quellen unter:
www.gehirn-und-geist.de/artikel/1011012

Zitat Ende.

D. S.


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