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DIR-ML: Dokumentation Marburger Erklaerung

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D.I.R.

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May 6, 1996, 3:00:00 AM5/6/96
to

Dokumentation:
Marburger Erklaerung

1. Studentenverbindungen in der deutschen Geschichte

Zu allen Zeiten haben an deutschen Universitaeten Studenten
Gemeinschaften gebildet, deren Ziel es war und bis heute ist, in einer
fuer das weitere Leben entscheidenden Phase unter Gleichgesinnten
Geselligkeit und Freundschaft, gegenseitige Unterstuetzung und
Gedankenaustausch zu pflegen und die dabei entstandene persoenliche
Verbundenheit ueber die Studienzeit hinaus aufrechtzuerhalten.
Studentische Verbindungen sind daher untrennbar verbunden
mit der Geschichte der deutschen Universitaeten.
Unter dem Eindruck der Aufklaerung der Franzoesischen Revolution, der
deutschen Kleinstaaterei und der napoleonischen Besetzung und
schliesslich der Befreiungskriege entstanden am Anfang des 19.
Jahrhunderts Studentenverbindungen, deren Ziele - definiert beim
Wartburgfest 1817 und beim Hambacher Fest 1832 - die UEberwindung der
deutschen Kleinstaaterei und die Durchsetzung einer freiheitlich-
demokratischen Staatsordnung waren. Das Scheitern dieser von Studenten
und Buergertum gemeinsam getragenen Bewegung wurde endgueltig im
Revolutionsjahr 1848/49 besiegelt.
Nach einer Phase des Uebergangs und der Gruendung des Deutschen
Kaiserreichs wurden auch die studentischen Korporationen - die
bestehenden, aber noch viel staerker die nun in grosser Zahl
neugegruendeten - von jener in der Gesellschaft vorherrschenden Bewegung
erfasst, die von einer wachsenden Uebersteigerung des Nationalgefuehls,
der Verherrlichung militaerischer Staerke und der Akzeptanz
obrigkeitsstaatlicher Strukturen bei gleichzeitiger Gleichgueltigkeit
gegenueber gesellschaftlichen demokratischen Defiziten sowie
durch die Missachtung nationaler und religioeser Minderheiten
(Antismitismus) gepraegt war. Daher gingen von den Korporationen, deren
Mitglieder ihrem Selbstvcerstaendnis nach zur geistigen Elite des Volkes
gehoerten, auch keine Impulse aus, die geeignet gewesen waeren, der
verhaengnisvollen Entwicklung entgegenzuwirken, die letztlich in den 1.
Weltkrieg fuehrte.
Auch der Zusammenbruch der Monarchie bei Kriegsende fuehrte nicht dazu,
dass alle Mitglieder der Korporationen nun den demokratischen Neuanfang
und die Republik von Weimar unterstuetzten. So ist die Beteiligung von
Korporationsstudenten an Militaeraktionen - wie z.B. in Thueringen 1920
- weniger als eindeutiger Beweis fuer Republiktreue zu werten, sondern
vielmehr als Hinweis auf die in hohem Masse vorhandene
Gewaltbereitschaft gegenueber der politischen Linken, die u.a. in der
Bluttat von Mechterstaedt, begangen von Angehoerigen einiger
Korporationen, sichtbaren Ausdruck fand. (Diese Feststellung wird auch
nicht dadurch relativiert, dass speziell in den Anfangsjahren die
Republik durch kommunistische Gewalt von links ebenfalls
bedroht wurde.) Auch die Bereitschaft der Marburger Korporationen, den
Kapp-Putsch zu unterstuetzen, unterstreicht die Dominanz
antidemokratischen Denkens.
Da in der Kaiserzeit ebenso wie spaeter in der Weimarer Republik bei den

Studenten die Zugehoerigkeit zu einer Korporation die Regel war, hatte
dies zur Folge, dass in Verwaltung, Justiz und Wirtschaft das
korporierte Element ebenfalls dominierte und damit zugleich die
Abwehrhaltung oder zumindes Gleichgueltigkeit gegenueber demokratischen
Erfordernissen.
Heute wissen wir, dass die weite Verbreitung antidemokratischer
Einstellungen in den Fuehrungsschichten der deutschen Gesellschaft das
Scheitern der Weimarer Republik und das Aufkommen des
Nationalsozialismus´ beguenstigte, wenn nicht sogar erst ermoeglichte.
Die teilweise erzwungene Gleichschaltung der Korporationen nach der
Machtuebernahme durch die Nationalsozialisten und schliesslich ihr
Verbot koennen daher auch nicht als Alibi fuer eine angeblich
allgemeine Widerstandshaltung der Korporationen angegeben werden, wie
dies in der Nachkriegszeit haeufig propagiert worden ist. Allerdings gab
es auch einzelne Korporierte, die ihre grundsaetzliche Abwehrhaltung
gegenueber dem Nationalsozialismus in Wort und Tat zum Ausdruck
brachten.

2. Studentenverbindungen in der Gegenwart

Wir sind uns unserer Geschichte bewusst und leiten daraus zugleich die
zwingende Verpflichtung ab, in der Gegenwart mit aller Entschiedenheit
und kompromisslos antidemokratischem Denken und Handeln
entgegenzutreten. Vor dem Hintergrund unserer Geschichte sind wir uns
unserer besonderen Verantwortung in der Gegenwart bewusst. Wir erklaeren
daher ausdruecklich:
Deutschland ist fuer uns die Bundesrepublik Deutschland in den Grenzen,
die nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Vertraege (insbesondere durch
die Ostvertraege der Regierung Brandt und den 2+4-Vertrag der Regierung
Kohl) mit unseren Nachbarstaaten eindeutig und endgueltig definiert
worden sind. Wir unterstuetzen eine Aussenpolitik, die gepraegt wird von
dem staendigen Bemuehen um einen freundschaftlichen, spannungsfreien und
vertrauensvollen Umgang mit allen unseren Nachbarstaaten. Gleichzeitig
treten wir ein fuer eine konsequente Foerderung des europaeischen
Einigungsprozesses.
Aus Verantwortung vor der deutschen Geschichte der letzten hundert Jahre

fordern wir ferner von unseren Mitgliedern den behutsamen Umgang mit
nationalen Symbolen. Die schliesst fuer uns z.B. das Singen der ersten
beiden Strophen des Deutschlandliedes oder die Verwendung der ehemaligen

Reichskriegsflagge aus.
Wir stehen zur freiheitlichen, demokratischen und sozialen Grundordnung
unseres Staates und respektieren unterschiedliche politische Meinungen,
solange sie mit den im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
festgelegten Werten, Rechtsnormen und Bestimmungen dem Sinn und Wortlaut

nach vereinbar sind. Dies setzt der weltanschaulichen und politischen
Auspraegung der Korporationen und ihrer Mitglieder klare Grenzen. Wir
fordern daher alle Mitglieder von Korporationen auf, sich aktiv gegen
jede Form von Rechts- und Linksextremismus einzusetzen.
Jegliche Diskriminierung auf Grund von Nationalitaet, Religion,
Hautfarbe, Geschlecht oder koerperlicher und geistiger Beeintraechtigung
und erst recht die Anwendung von Gewalt verurteilen wir aufs Schaerfste.

3.

Wir
- sind historisch und inhaltlich mit der Philipps-Universitaet Marburg
verbunden,
- foerdern eine intensive Auseinandersetzung mit den Fragen und
Problemen unserer Zeit,
- pflegen Geselligkeit und Freundschaft
- praktizieren gemeinsames Fach- und Interdisziplinaerstudium
- existieren durch die Prinzipien Verbindlichkeit, Eigenverantwortung
und Selbstaendigkeit,
- schaffen durch die Organisationsform der freiwilligen lebenslangen
Mitgliedschaft Gemeinschaften, in denen zwischenmenschliche Beziehungen
auch ueber die Studienzeit hinaus Bestand haben (Lebensbundprinzip) und
ausserdem Generationen in Verbindung gebracht werden.

Ziel unserer Gemeinschaften ist es, unsere Mitglieder in erster Linie zu

kritischem, selbstaendigem und verantwortungsbewusstem Handeln
anzuleiten.

Diese Grundsatzerklaerung ist fuer alle aktiven Mitglieder der
unterzeichnenden Korporationen verpflichtend.

Marburg, den 29. April 1996

Die Unterzeichner:
V.K.D.St. Rhenania Marburg im CV,
KD.St.V. Palatia Marburg im CV,
Clausthaler Wingolf zu Marburg,
ATV Amicitia zu Greifswald in Marburg,
ATV Marburg,
SBV Frankonia.

zitiert nach: Marburger Magazin Express vom 2. Mai 1996


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Informationszentrum fuer Rassismusforschung / D.I.R. e.V.
Postfach 1221, 35002 Marburg, http://www.uni-marburg.de/dir
Tel+BTX:06421-61188 FAX 06421-62588
E-Mail: d...@mailer.uni-marburg.de


Gerrit Harre

unread,
May 10, 1996, 3:00:00 AM5/10/96
to

Liebe Newsgroup Leser!

Ueber Studentenverbindungen wurde schon immer hergezogen. Ob nun aus Unkenn=
tnis oder unter Vorspielung falscher
Tatsachen um das "Feindbild" zu erhalten!

Doch dieser Artikel schlaegt dem Fass den Boden aus!

> Auch der Zusammenbruch der Monarchie bei Kriegsende fuehrte nicht dazu,
> dass alle Mitglieder der Korporationen nun den demokratischen Neuanfang
> und die Republik von Weimar unterstuetzten.

Vielleicht wird es den Scheibern von DIR grosszuegig entgangen sein, dass d=
ie Demokratie der Weimarer Republik
von den Mitgliedern dt. Korporationen begruendet wurde. Schliesslich war de=
r ueberwiegende Teil der
Gruendungsvaeter in der Pauluskirche korporiert.

> Auch die Bereitschaft der Marburger Korporationen, den
> Kapp-Putsch zu unterstuetzen, unterstreicht die Dominanz
> antidemokratischen Denkens.

Selbst wenn dem so gewesen ist, was ich nicht in Abrede stelen kann, so dar=
f ich doch nicht alle Korporationen
verteufeln, weil sich ein paar wenige einen Fehltritt geleistet haben. Ich =
werfe ja auch nicht beispielsweise
alle politischen Parteien in einen Topf und behaupte ihre Meinungen und Ans=
ichten sind identisch, egal wann und
wo sie existiert haben moegen.

> Da in der Kaiserzeit ebenso wie spaeter in der Weimarer Republik bei den
> Studenten die Zugehoerigkeit zu einer Korporation die Regel war, hatte
> dies zur Folge, dass in Verwaltung, Justiz und Wirtschaft das
> korporierte Element ebenfalls dominierte und damit zugleich die
> Abwehrhaltung oder zumindes Gleichgueltigkeit gegenueber demokratischen
> Erfordernissen.

Ich glaube es einfach nicht.

Haben sich die Artikelschreiber je mit Korporierten auseinandergesetzt? Sch=
leisslich sollte man mit- und nicht
uebereinender reden!

> Heute wissen wir, dass die weite Verbreitung antidemokratischer
> Einstellungen in den Fuehrungsschichten der deutschen Gesellschaft das
> Scheitern der Weimarer Republik und das Aufkommen des

> Nationalsozialismus=B4 beguenstigte, wenn nicht sogar erst ermoeglichte.

Schon wieder falsch! Der Nationalsozialismus fand deswegen verbreitung, wei=
l die Heerscharen der Arbeitslosen
in der Weltwirtschaftskriese der spaeten 20er Jahre jemanden suchten, der i=
hnen Hoffnung und Arbeit gibt.
Hitler tat dieses und gewann dasmit die Massen fuer sich.

> Die teilweise erzwungene Gleichschaltung der Korporationen nach der
> Machtuebernahme durch die Nationalsozialisten und schliesslich ihr
> Verbot koennen daher auch nicht als Alibi fuer eine angeblich
> allgemeine Widerstandshaltung der Korporationen angegeben werden, wie
> dies in der Nachkriegszeit haeufig propagiert worden ist. Allerdings gab
> es auch einzelne Korporierte, die ihre grundsaetzliche Abwehrhaltung
> gegenueber dem Nationalsozialismus in Wort und Tat zum Ausdruck
> brachten.

Die Korporationen hatten die Moeglichkeit sich auzuloesen oder in den Natio=
nalsozialistischen Deutschen
Studentenbund aufgenommen zu werden. Da der Freiheits- und Demokratiegedank=
e der Korporationen Hitler im Wege
stand mussten sie weg. Sicherlich gab es auch vereinzelte Korporationen, di=
e die Gleichschaltung begruessten,
doch waren sie in der Minderzahl.


+----------------------------------------------------------+
| Gerrit Harre | =

|----------------------------------------------------------|
| Email: la0...@wrcs3.urz.uni-wuppertal.de |
|----------------------------------------------------------|
| alias Merlin d:-)// |
| Technisch-wissenschaftliche Verbindung Ubia zu Wuppertal |
|----------------------------------------------------------|
| Jeder Handlung geht ein Gedanke voraus! |
+----------------------------------------------------------+

Andreas.Riese

unread,
May 10, 1996, 3:00:00 AM5/10/96
to

Gerrit Harre <la0...@wrcs3.urz.uni-wuppertal.de> writes:

>Liebe Newsgroup Leser!

>Ueber Studentenverbindungen wurde schon immer hergezogen. Ob nun aus Unkenn=
>tnis oder unter Vorspielung falscher
>Tatsachen um das "Feindbild" zu erhalten!

>Doch dieser Artikel schlaegt dem Fass den Boden aus!

[...]

>Ich glaube es einfach nicht.

>Haben sich die Artikelschreiber je mit Korporierten auseinandergesetzt?

Ich fuerchte, Du hast Dich nicht mit den Artikelschreibern auseinandergesetzt.
Es handelt sich bei ihnen naemlich um Korporierte, die den von Dir so scharf
kritisierten Text als "Marburger Erklaerung" abgefasst haben (siehe Subject).

[...]

>> Heute wissen wir, dass die weite Verbreitung antidemokratischer
>> Einstellungen in den Fuehrungsschichten der deutschen Gesellschaft das
>> Scheitern der Weimarer Republik und das Aufkommen des

>> Nationalsozialismus=B4 beguenstigte, wenn nicht sogar erst ermoeglichte.

>Schon wieder falsch! Der Nationalsozialismus fand deswegen verbreitung, wei=
>l die Heerscharen der Arbeitslosen
>in der Weltwirtschaftskriese der spaeten 20er Jahre jemanden suchten, der i=
>hnen Hoffnung und Arbeit gibt.
>Hitler tat dieses und gewann dasmit die Massen fuer sich.

Eine ziemlich vereinfachende und verharmlosende Darstellung des National-
sozialismus, finde ich. Hitler brachte Arbeit und die Autobahnen und nach
1945 stellte sich dann heraus, dasz niemand Nazi gewesen war. Das ist
erwiesenermaszen falsch. Die Korporationen hatten nunmal einen recht groszen
Anteil an der Wegbereitung fuer den Faschismus.

[...]

Andreas.
--
+ E-Mail to: Andrea...@Informatik.Uni-Oldenburg.de +
+ WWW URL: http://www.informatik.uni-oldenburg.de/~giant/ +
+ "Ich habe nichts gegen Deutsche. Neulich habe ich sogar deutsch gegessen." +

Hannes Gnad

unread,
May 10, 1996, 3:00:00 AM5/10/96
to

Gerrit Harre <la0...@wrcs3.urz.uni-wuppertal.de> wrote:

Hallole !

>Liebe Newsgroup Leser!

Man beachte, dass das hier an drei Newsgruppen geht.
Aus Erfahrung weiss ich, dass die antifa-Gruppen solche
Followups meist nicht wollen. Besser ausklinken beim
naechsten. :)


>Ueber Studentenverbindungen wurde schon immer hergezogen. Ob nun aus Unkenn=
>tnis oder unter Vorspielung falscher
>Tatsachen um das "Feindbild" zu erhalten!

Nicht nervoes werden, der Artikel war doch noch ganz ok.


>Doch dieser Artikel schlaegt dem Fass den Boden aus!

Wieso? Nerven bewahren, da gibt es viel lausigere Sachen, ehrlich.
Links auf Wunsch von mir zu haben.


>Vielleicht wird es den Scheibern von DIR grosszuegig entgangen sein, dass d=
>ie Demokratie der Weimarer Republik
>von den Mitgliedern dt. Korporationen begruendet wurde. Schliesslich war de=
>r ueberwiegende Teil der
>Gruendungsvaeter in der Pauluskirche korporiert.

Hinweis:
Der Artikel wurde vom D.I.R. nur abgetippt und gepostet, der Autor
steht am Ende des Artikels. Bleibt die Frage, wo der einzuordnen ist.


>> Auch die Bereitschaft der Marburger Korporationen, den
>> Kapp-Putsch zu unterstuetzen, unterstreicht die Dominanz
>> antidemokratischen Denkens.
>

>Selbst wenn dem so gewesen ist, was ich nicht in Abrede stelen kann, so dar=
>f ich doch nicht alle Korporationen
>verteufeln, weil sich ein paar wenige einen Fehltritt geleistet haben. Ich =
>werfe ja auch nicht beispielsweise
>alle politischen Parteien in einen Topf und behaupte ihre Meinungen und Ans=
>ichten sind identisch, egal wann und
>wo sie existiert haben moegen.

Cool bleiben. So war das damals wirklich. Und das, was damals in Muenchen
und Marburg gelaufen ist, als 'Fehltritt' zu bezeichnen, ist ein kleine
Untertreibung.
Allerdings war die Teilnahme an Kapp-Putsch u.ae. nicht allein Ausdruck
einer Demokratie-Feindlichkeit, sondern auch Ausdruck diffuser Aengste
vor einer bolschewistischen Revolution.


>Ich glaube es einfach nicht.
>

>Haben sich die Artikelschreiber je mit Korporierten auseinandergesetzt? Sch=
>leisslich sollte man mit- und nicht
>uebereinender reden!

Die Dominanz stimmt, die beschriebne Auswirkung ist stark uebertrieben
dargestellt. Es gab auch viele demokratisch gesinnte Korporierte.


>> Heute wissen wir, dass die weite Verbreitung antidemokratischer
>> Einstellungen in den Fuehrungsschichten der deutschen Gesellschaft das
>> Scheitern der Weimarer Republik und das Aufkommen des

>> Nationalsozialismus=B4 beguenstigte, wenn nicht sogar erst ermoeglichte.
>
>Schon wieder falsch! Der Nationalsozialismus fand deswegen verbreitung, wei=
>l die Heerscharen der Arbeitslosen
>in der Weltwirtschaftskriese der spaeten 20er Jahre jemanden suchten, der i=
>hnen Hoffnung und Arbeit gibt.
>Hitler tat dieses und gewann dasmit die Massen fuer sich.

Nun ja - wenn man sich die Entwicklung in manchen Korporationen und
Verbaenden ab 1890 und nachher ab 1920 ansieht, kann man schon sagen,
dass da ein gewisser Vorschub vorhaben war.


>> Die teilweise erzwungene Gleichschaltung der Korporationen nach der
>> Machtuebernahme durch die Nationalsozialisten und schliesslich ihr
>> Verbot koennen daher auch nicht als Alibi fuer eine angeblich
>> allgemeine Widerstandshaltung der Korporationen angegeben werden, wie
>> dies in der Nachkriegszeit haeufig propagiert worden ist. Allerdings gab
>> es auch einzelne Korporierte, die ihre grundsaetzliche Abwehrhaltung
>> gegenueber dem Nationalsozialismus in Wort und Tat zum Ausdruck
>> brachten.
>

>Die Korporationen hatten die Moeglichkeit sich auzuloesen oder in den Natio=
>nalsozialistischen Deutschen
>Studentenbund aufgenommen zu werden. Da der Freiheits- und Demokratiegedank=
>e der Korporationen Hitler im Wege
>stand mussten sie weg. Sicherlich gab es auch vereinzelte Korporationen, di=
>e die Gleichschaltung begruessten,
>doch waren sie in der Minderzahl.

Die Korporationen standen Hitler im Weg, aber hauptsaechlich wegen ihrem
sozialen Bewusstsein und der Forderung der Satisfaktionsfaehigkeit.
Politsch - nun ja ... hin und wieder war nur wenig Zwang notwendig.

--
Beste Gruesse, Trekking onward hanne...@rus.uni-stuttgart.de
Hannes Gnad Hv! B! Hilaritas han...@space.apl.s.shuttle.de
http://helpdesk.rus.uni-stuttgart.de:80/~zrha0111/


Detlev Franz

unread,
May 11, 1996, 3:00:00 AM5/11/96
to

Hannes Gnad wrote:

...


> Allerdings war die Teilnahme an Kapp-Putsch u.ae. nicht allein Ausdruck
> einer Demokratie-Feindlichkeit, sondern auch Ausdruck diffuser Aengste

> vor einer bolschewistischen Revolution....

An der bekanntlich der dt. Kaiser bzw. seine Strategen ja nicht ganz
unbeteiligt waren. Darf ich recht vermuten, dass es auch unter ihnen
Korporierte gab?

Gruesse ohne // und d,
Detlev


----------------------------------------------------------------
hier gebe ich allein meine privatmeinung kund!
und hier auch: http://www.Uni-Mainz.DE/~frand000/welcome.html
----------------------------------------------------------------

jean-christophe haimb

unread,
May 13, 1996, 3:00:00 AM5/13/96
to

moin auch...

Detlev Franz <fr...@verwaltung.uni-mainz.de> schrieb:

>Hannes Gnad wrote:
>> Allerdings war die Teilnahme an Kapp-Putsch u.ae. nicht allein Ausdruck
>> einer Demokratie-Feindlichkeit, sondern auch Ausdruck diffuser Aengste

>> vor einer bolschewistischen Revolution....
>An der bekanntlich der dt. Kaiser bzw. seine Strategen ja nicht ganz
>unbeteiligt waren. Darf ich recht vermuten, dass es auch unter ihnen
>Korporierte gab?

der kaiser war es meines wissens sogar selbst... genau wie karl marx
oder andere von denen man es vielleicht auf den ersten blick nicht
zugetraut haette...

und bringt uns das bei solchen diskussionen weiter? eben... also warum
kommst du damit?

mfg,
jean-christophe.

_____________________________________________
jean-christophe haimb (FIDO: 2:2476/826.2)
http://www.skylink.de/~haimb


Hannes Gnad

unread,
May 13, 1996, 3:00:00 AM5/13/96
to

Detlev Franz <fr...@verwaltung.uni-mainz.de> wrote:

Hallole !

>> Allerdings war die Teilnahme an Kapp-Putsch u.ae. nicht allein Ausdruck
>> einer Demokratie-Feindlichkeit, sondern auch Ausdruck diffuser Aengste

>> vor einer bolschewistischen Revolution....
>
>An der bekanntlich der dt. Kaiser bzw. seine Strategen ja nicht ganz
>unbeteiligt waren. Darf ich recht vermuten, dass es auch unter ihnen
>Korporierte gab?

Seine Hoheit selbst waren beim Corps.
Nur, das war Marx damals auch (oder war er Landser?), also was soll
uns das nun sagen?

Dass die deutschen Chefstrategen, als sie 1916/1917 Lenin nach Russland
lotsten, nicht ahnten, dass dieser um 1920 - 1923 eine bolschewistische
Revolution auch in Deutschland versuchen wuerde?

Detlev Franz

unread,
May 14, 1996, 3:00:00 AM5/14/96
to

Moin Volker,

> Fehlt da ein Smilie oder sind die Koorperierten jetzt an allem Schuld,
> was in der Geschichte nicht so astrein lief????

Da fehlte sicher kein Smilie aber wer sagt denn, dass ich das unter
"nicht astrein" packe? Gerade wurden mir Verbindungen echt
sympathisch:-)

Spass beiseite, es war ja wohl nicht nur die Angst vor einer
"bolschewistischen" Revoluition (einem bis heute nachdauernden
Feindbild). Es war wohl ein tiefverwurzelter Hass auf alle möglichen
auch nicht bolschewistischen linken Strömungen...

Gruesse

Hannes Gnad

unread,
May 20, 1996, 3:00:00 AM5/20/96
to

d...@mailer.uni-marburg.de (D.I.R.) wrote:

Hallole !

>wissenschaftlich belegt ist, distanzieren. Und genau als einen solchen
>Versuch verstehe ich diesen Versuch einer "Marburger Erklaerung", an dem
>sich letztendlich gerade einmal sechs Verbindungen beteiligt haben, was
>an sich schon traurig genug ist.

Die Unterzeichner der Erklaerung legen einen kompletten Verzicht auf
die Verwendung der ersten zwei Strophen des 'Lied der Deutschen' fest.
Sowas wird keine DB-Burschenschaft und wohl kaum ein CC-Bund unterschreiben,
prinzipiell nicht. Selbst die Marburger NDB-Burschenschaft hat das nicht
mitgetragen.
Da dies den Autoren der Erklaerung sicher bewusst war und ist, kann diese
Forderung nur als vorsaetzlicher Tritt vor's Knie interpretiert werden,
man haette sich sicher auf eine Formulierung wie 'vorsichtiger und
bewusster Umgang' o.ae. einigen koennen.


>Bist Du sicher. Lies mal die Geschichte des Deutschen Studentenbundes
>und die dort herrschenden Mehrheitsverhaeltnisse. Dort hatten fast
>ausschliesslich Korporierte entscheidende Posten inne. Die Geschichte
>der DB weist z.B. komplett keine Widerstaende, sondern emphatische
>Artikel zur Begruessung des Fuehrers im Verbandsblatt auf. Das war lange
>bevor sie staatlicherseits haetten gezwungen werden koennen, irgendetwas
>schreiben zu muessen. Das war schon echt Verbandsmeinung...

Was aber auch daran lag, dass seit Beginn der Dreisziger Jahre Burschen-
schaften aus der DB ausgetreten sind und Randgruppen gebildet haben.
Sicher nicht die Mehrheit, aber doch einige.


>(Gegenbeispiele bitte sofort an mich weiterleiten, danke) Die Geschichte
>des CC ist da aehnlich aufschlussreich. Also kein partikular
>auftretendes Problem, sondern eine flaechendeckende, die Universitaet
>mit "bewegendes" und faschisierendes Phaenomen. Warum gab es aus den
>Reihen der Korporationen so gut wie ueberhaupt keinen Widerstand gegen
>das, was vor 51-60 Jahren in diesem Land passiert ist. Warum finden wir
>aber jede Menge Leute, die begeistert ihre Funktionen im SS-Kampf und
>als Wissenschaftler und Juristen, der Gestapo oder wo sonst auch immer
>wahrgenommen haben. Wie verhaelt sich das zu einem von Euch geschaetzten
>Ehrbegriff. Warum habt ihr bei Euren Mutproben nicht gelernt, Euch
>solchen menschlichen Widerlichkeiten wie denen, die Menschen im Dritten
>Reich Menschen antaten zu widersetzen.

Es gab gluehende Befuerworter und Gegner von Hitler unter den Korporierten.
So wie es strikte Nazis gab, waren auch min. 5 Mitglieder des Putsches
vom 20. Juli korporiert und fanden den Tod.


>Und veroeffentlicht das dann. Ich
>war geruehrt, dass ich in ca. 2.800 Briefen, die ich im Archiv der
>Marburger Allemannia gefunden habe (Dokumente sind auf Mikrofilm in der
>UB Marburg, kleiner Tip fuer Forschergeister...) gerade zwei dabei
>waren, die sich gegen den Auschschluss von Juden aus der DB finden
>liessen. Ein Alter Herr wurde rausgeschmissen, weil er eine
>"nicht-arische" geheiratet hatte. Die anderen antisemitischen
>Schmaehungen in den Briefwechseln verbieten sich fast veroeffentlicht zu
>werden. (falls PM erwuenscht bitte Bescheid sagen)

Weia, ob wir so ein grosses Archiv haben?! :)

Kai-Uwe Clauswitz

unread,
May 21, 1996, 3:00:00 AM5/21/96
to

In article <4nhf95$g...@surz03fi.HRZ.Uni-Marburg.DE>,
d...@mailer.uni-marburg.de says...


> Und genau als einen solchen
>Versuch verstehe ich diesen Versuch einer "Marburger Erklaerung", an dem
>sich letztendlich gerade einmal sechs Verbindungen beteiligt haben, was
>an sich schon traurig genug ist.

Das hat aber zahlreiche Gruende. Man sollte zunaechst mal wirklich alle
Verbindungen auch einladen und nicht selektiv einige die einem nicht
passen herauslassen. Prinzipiell gibt es einige Verbindungen die
prinzipiell an einer solchen Erklaerung nichts auszusetzen haben,
aber sich nicht mit dem wie das alles gelaufen ist und nicht mit allen
Einzelheiten der Erklaerung einverstanden sind (B! Arminia, VDSt,
Marburger Wingolf, L! Chattia).
Die Nichtunterzeichner pauschal zu verurteilen ist hier nicht richtig.

>Warum gab es aus den
>Reihen der Korporationen so gut wie ueberhaupt keinen Widerstand gegen
>das, was vor 51-60 Jahren in diesem Land passiert ist. Warum finden wir
>aber jede Menge Leute, die begeistert ihre Funktionen im SS-Kampf und
>als Wissenschaftler und Juristen, der Gestapo oder wo sonst auch immer
>wahrgenommen haben.

In der Tat eine hochinteressante Frage. Der Widerstand fehlte aber
allgemein, nicht nur in Verbindungen. Auch die Mehrheit der uebrigen
Deutschen hat Hitler unterstuetzt.


Kai-Uwe Clauswitz
<klauswit@gauss_fb14.phys-chemie.uni-marburg.de>


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