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der klassische Herrenwitz - zum *Männertag* 2016

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Wolfgang Symmank

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May 4, 2016, 4:15:45 AM5/4/16
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Das Feuilleton aus gegebenem Anlaß, heute in der Zeitung für "Männertag"
am 5.Mai 2016
"Herrenwitz" - der gute Herrenwitz ist vom Aussterben bedroht! Dabei ist
er ein Grundbedürfnis. Ihn zu erzählen ein Kunst" von Bernd Klempnow
-abgeschrieben für die DSS von olle Wolle-

Witz! „Romantik, das sind diese vier wunderbaren Stunden, bis Viagra
wirkt!“ Diese Lebensweisheit, die Entertainer Harald Schmidt in seiner
Late-Night- Show zum Besten gab, ist kein gewöhnlicher Scherz. Sie ist
ein sogenannter Herrenwitz– kein Brüller, aber ein in Maßen frivoles,
doppelbödiges und durchaus charmantes Vergnügen. Eines laut Duden, das
Männer teilen, wenn sie unter sich sind. Noch mal Schmidt:
„Hundertmeterlauf ist für mich wie Sex: monatelange Vorbereitung und
dann maximal 9,8 Sekunden.“

Wer jetzt deftige Zoten als Beispiele für Frauenmissachtung und
Diskriminierung durch Herrenwitze anführt, der irrt. Erst recht der, der
die peinlichen Äußerungen, die gerade an diesem donnerstäglichen
Herrentag von alkoholisierten Männern zu hören sein werden, als solche
nimmt. Ein guter Herrenwitz ist weder zotig noch belästigt er jemanden.
Denn er ist wie jeder gute Witz ein Kabinettstückchen – in Inhalt wie im
Vortrag. Er ist klug gebaut und balanciert das für ihn typisch leicht
Schlüpfrige gekonnt aus. Er ist pointiert und enthält jenes Körnchen
Wahrheit, das den Zuhörer zum Lachen bringt.

Ein Beispiel:Adam zu Eva: „Ich schwöre Dir – Du bist das erste Mädchen,
das ich je geliebt habe!“ Darauf Eva: „Das brauchst Du nicht schwören, das
habe ich auch so gemerkt!“Obwohl eigentlich harmlos, ist der Herrenwitz
doch in Verruf geraten.Weil in Zeiten omnipräsenter
Gleichbehandlungsgesetze mehrdeutige Äußerungen schnell als sexuelle
Belästigung ausgelegt werden. Vor allem seit der Berichterstattung über
eine Äußerung des FDP-Politikers Rainer Brüderle nachts an einer Bar
gegenüber einer jüngeren Journalistin, sie würde ihr Dirndl gut
ausfüllen, gilt er vielen als simple Anmache.

„Der Herrenwitz“ lautete die Überschrift der „Stern“-Reportage über den
Fall Brüderle, zeitgenau im Bundeswahlkampf 2013 platziert – erst ein
Jahr nach dem wirklichen Geschehen. Dieser Artikel löste eine Debatte
über Sexismus in Deutschland aus. In deren Ergebnis wurde Altherrenhumor
zu einem Killerbegriff, um unliebsame Leute unterhalb
der Gürtellinie zu attackieren und trotzdem moralisch obenauf zu sein.
Damit droht ein Stück Kulturgeschichte verloren zu gehen. Die älteste
Sammlung frivoler Witze stammt aus dem fünften Jahrhundert. Die meisten
sind artig. Ein Beispiel aus dieser Sammlung: Fragt ein Mann seine Frau.
„Herrin, was sollen wir tun? Wollen wir essen oder Liebe pflegen?“ Sie
antwortet: „Wie Du willst. Brot ist keines da.“ Es geht auch forscher:
Ein Mann zu einem anderen: „Ich habe Deine Frau umsonst gehabt.“ Der
Angesprochene: „Ich bin freilich gezwungen, dieses große Übel zu ertragen.
Du aber – wer zwingt Dich?“

Herrenwitze, die sich mehr oder minder versteckt um Sex drehten,
gehörten seit Ende des 15. Jahrhunderts zum Nürnberger Fastnachtspiel
und anderer Festtagskonversationen.
Dennoch interpretierte und definierte bereits der erste Duden vom Juli
1880 diese als „derb, obszön, zotig“. Auch Siegmund Freud half da nicht,
der in der ersten wissenschaftlichen Definition dieser Humor-Kategorie
davon sprach, dass der Mensch ein Grundbedürfnis nach einem schmutzigen
Witz habe, weil der das Unterbewusstsein entlaste. Der Erzähler kann
sein eigenes (meist sexuelles) Interesse auf den Zuhörer verlagern, ohne
soziale Sanktionen befürchten zu müssen.

Auffallend sind zwei Dinge. Erstens: Herrenwitze muten historisch an.
Tatsächlich erlebten sie ihre Blüte in Clubs und großbürgerlichen
Wohnungen, wo sich die Herren nach dem Essen in die Bibliothek
zurückzogen, um bei Cognac und Zigarre loszulegen. Wer traf sich dort?
Überwiegend reifere Männer. Zweitens: Treffliche Herrenwitze lassen die
Frauen immer gut aussehen. Sie sind eigentlich Liebeserklärungen,
preisen Schönheit, Klugheit und Kraft des Weiblichen. Während sich
Männer oft über ihre Unerfahrenheit, Sexbesessenheit oder Impotenz
lustig machen. Und da man in guten Kreisen war, erzählte man auch sprachlich
gediegen und gebildet. Kürze war gefragt, Verdichtung und ein
Aha-Effekt. Das Lachen der Älteren über nachlassende Potenz, so erklären
sich Wissenschaftler das Phänomen, erzeuge ein Gefühl der Solidarität
und Gemeinschaft.

Bis vor wenigen Jahren war der Herrenwitz noch im deutschen Fernsehen
präsent.
Neben Harald Schmidt pflegte der Germanist Jürgen von der Lippe ihn in
seinen Shows. Und Thomas Gottschalk kokettierte in der sonnabendlichen
Familiensendung von „Wetten, dass..?“ mit dem Altherrengag – obwohl
Kleidung und Gesten des Moderators das Gegenteil verrieten. Diese
Fahnenträger fehlen jetzt und damit ein geschützter Raum für jene
flotten Sprüche. Sinnliches Kompliment für jede Frau Es mag sein, dass
Männer einen anderen
Humor als Frauen haben und dass deshalb Herrenwitze nur bei einem Teil
der Menschheit ankommen. Dabei betreffen seine Wahrheiten beide
Geschlechter:Kommt ein Paar zum Weinhändler: „Welchen Wein können Sie
für unsere Silberhochzeit empfehlen?“ „Kommt drauf an.Wollen Sie feiern
oder vergessen?“

Am ehesten ist heute noch so eine Pretiose in der Sauna möglich. Man hat
sowieso nichts zu verbergen, und besser man überbrückt die quälend heiße
Zeit zwischen zweitem und drittem Aufguss lachend, als nur dumpf vor
sich hinkochend. Natürlich fragt der metrosexuell getrimmte Mann die
Anwesenden, ob auch ein sinnlicher Witz okay wäre. Der habe Niveau, sei
niedlich und ein Kompliment für jede Frau. Die Runde nickt. Also – und
damit der letzte für diesen Text: Ein älterer Herr sitzt auf einer Party
einer tiefdekolletierten Dame gegenüber, die eine Kette mit einem
Flugzeug um den Hals trägt. Er schaut sie wohlgefällig an. „Gefällt
Ihnen mein kleines Flugzeug“, fragt sie. „Ach, das habe ich noch gar
nicht gesehen. Ich bewundere gerade die Landebahn.“

PS: Der Text ist von der treu am Herd sorgenden Gattin
des Autors für gut befunden und freigegeben worden.
--
nu glorr- win doof 10 :)
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