Hallo,
In de.sci.mathematik Helmut Waitzmann <
nn.th...@xoxy.net> wrote:
> Axel Berger <Sp...@Berger-Odenthal.De>:
>>Detlef Wirsing wrote:
>
> [CoViD19‐Infektionsgeschehen]
>
>>> Meine Aussage bedeutet nur, dass die Werte an Neuerkrankungen
>>> inzwischen so hoch sind, dass ab jetzt das exponentielle
>>> Wachstum richtig zum Tragen kommt.
Die Zahl an N euerkrankungen an *allen* virusbedingten Atemwegserkrankungen
zusammen (egal, ob Infulenza, Corona, Rhino- oder was auch sonst nicht fuer
viren) Liegt nach allen mir bekannten Quellen auf Vorjahresniveu oder sogar
leicht darunter. Das gilt sowohl fuer Krankschreibungen als auch fuer Hos-
pitalisierungen als auch fuer intensivmedizinische Behandlungen. Solange man
sinen Fokus nicht explizit auf "nur Covid-19" und den verdammten PCR-Test
legen wuerde, kaeme man also zu dem Ergebnis "nichts los, was wir nicht auch
schon nahezu jedes Jahr hatten". Und das ist seit Monaten so.
Es gibt eigentlich keinerlei Grund anzunehmen, dass das Infektionsgeschehen
insgesamt in der kommenden Grippewelle wesentlich anders laufen wuerde als
in all den Jahren zuvor. Kritisch ist lediglich, dass man sehr viel Personal
aus Angst vor Covid-19 (das aber in der Regel nicht schwerer verlaeufgt, nicht
indektioeser ist und sogar bei einem Grossteil der Infizierten noch nicht
einmal auffallen wuerde, wenn man den Test weglassen wuerde) nach haus in
Quarantaene schickte und damit erst das Personalproblem heraufbeschwor, ueber
das man nun klagt und ueber eine moegliche (aber keineswegs wahrscheinliche9
Ueebrlastung unseres Gesundheitssystems spekuliert.
>>Das halte ich für falsch und mißverständlich. Zum Tragen kommt es
>>von Anfang an. Aber die Folgen werden erst jetzt spürbar und
>>schmerzhaft
Schmerzhafter als die Grippe und die grippalen Infekte in der Vergangenheit
sind im wesentlichen die Massnahmen und die unsaegliche Panikmache durch die
veraengstigende Berichterstatung. Ansonsten: nicht viel anderes los als in
den Vorjahren (nur dass man da nie ernsthaft nach Corona-Viren geschaut hat).
>>Aber zu behaupten, es sei überraschend gekommen oder am Anfang
>>sei alles noch ganz harmlos gewesen, ist einfach nur gelogen.
> Genau. Das ist das Wesen der (zeitlichen) Exponentialfunktion:
Wir hatten bis vor 4 oder 5 Wochen *nie* einen exponentialen Anstieg
des *anteils* an testpositiven, lediglich einen exponentiellen Anstieg
an Tests (was dann in absoluten Zahlen zu einem exponentiellen Anstieg
der testpositiven fuehrte), aber das ist eher ein typischer Fall von
"Laborpandemie" gewesen ... In den letzten Wochen sieht es auch beim
testpositiven Anteil nach exponentiellem Anstieg aus, mit testpositiveen-
Raten von 1,22%, 1,66", 2,51%, 3,62% und 5,62%. Allerdings kann das auch
mit erhoehten Fehlerraten durch Ueebrlastung der Testlabore (und moegli-
cherweise geaenderten Testmetjodiken, so gab eines der groessten deutschen
Labore auf Nachfrage an, dass testpositive i.d.R. nicht mehr zur Bestae-
tigung ein zweites mal getestet werden und das bei den Tests i.d.R.
nur das relativ unspezifische E-Gen und nicht das RdRp-Gen ausgewertet
wird).
> Von jedem beliebigen Zeitpunkt aus betrachtet (beispielsweise von
> jetzt aus) stellt sich die Zeit davor (von jetzt aus betrachtet
> also die Vergangenheit) in der Rückschau als kaum wahrnehmbares
> Anschleichen und die Zeit danach (von jetzt aus betrachtet also
> die Zukunft) in der Vorausschau als Explosion dar.
Nur gibt es i.d.R. in der Natur niemals ein ungebremstes exponentielles
Wachstum. Das Wachstum begrenzt sich ab einer bestimmten Ausbreitung
immer wieder selbst (dadurch, dass die Zahl der "immunen" zunimmt und
damit die Zahl der "potentiell infizierbaren" wieder zurueckgeht). Die
Frage waere nur, wann dieser Zeitpunkt (der uebrigens bei der "ersten
Welle" schon vor dem Lockdown erreicht war: das Wachstum ging bereits
vorher zurueck und wir hatten bereits 2 Tage vor dem Lockdown den
"R-Wert" von 9,7, den wir angeblich mit dem Lockdown erst erreichen wollten).
> Genaugenommen folgt das Infektionsgeschehen nicht exakt der
> Exponentialfunktion. Der Unterschied kommt aber erst gegen
> Schluss richtig zum Tragen: Die Exponentialfunktion wächst über
> jede Grenze hinaus.
Nicht bei Infektionen, denn dort geht das Wachstum spaetestens dann zurueck,
wenn die Zahl der "noch neu infizierbaren" so weit zurueckgeht, dass nicht
mehr genug "neu infizierbare" vorhanden sind, um ein exponentielles weiter
wachsen zu ermoeglichen ...
> Im Gegensatz dazu ist das Infektionsgeschehen
> nicht unbeschränkt: Wenn (nahezu) alle Menschen infiziert sind,
> ist (nahezu) kein noch nicht Infizierter Mensch mehr da, der noch
> infiziert werden könnte: Die Anzahl der Neuinfektionen bricht ein
> und kommt zum Erliegen.
Eben. aber oft geschieht das auch schon *deutlich* vorher. Daher die doch
vom "ungebremsten exponentiellen Wachstum" doch stark abweichenden Modelle
der Epidemiologen ...
> Das ist aber ein schwacher Trost, weil das erst eintritt, wenn
> (nahezu) alle infiziert sind.
Nein, der tritt nicht erst ann ein, wie wir auch an der sogenannten "ersten
Welle" gesehen haben, und nein, der Rueckgang lag (wie wir spaetestens seit
den epidemiologischen Bulletin 17 des RKI wissen) nicht am Lockdown sondcern
begann bereit einige Tage *vor* dem Lockdown.
Du darfst dir dein Gebrabbel ueber "mathematischen Analphabetismus" dorthin
schieben, wo die Sonne nicht hinscheint. Wenn du dir die Zahlen (auch die
von der ersten Jahreshaelfte) sorgfaeltig angesehen und wirklich statistisch
ausgewertet haettest, wuerdest du hier jetzt bei den aktuellen Zahlen keine
solch unbegruendete Panik schieben.
Tschuess,
Juergen Ilse (
jue...@usenet-verwaltung.de)