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Aufzeichnung Telefongespräche Polizei

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Peter King

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Jun 27, 2018, 5:00:44 PM6/27/18
to
Hallo,

werden eingehende Anrufe auf Polizeipräsidien oder
Polizeirevieren grundsätzlich aufgezeichnet, wenn die
Anschlussnummer aus dem Telefonbuch gewählt wird?

Oder werden nur die eingehenden Anrufe über die
Notrufnummer 110 aufgezeichnet?

Sind solche Aufzeichnungen gegen unbefugtes Löschen gesichert?

Unten im Thread hat Sven geschrieben, dass Jemandem die
Hilfe verweigert wurde, als er die Polizei anrief. Es stellt sich
dann die Frage, wie einfach das vertuscht werden kann?
Z.B. durch das Löschen von Aufzeichnungen oder weil es erst
gar keine Aufzeichnungen gab und die Beamten den Vorwurf
abstreiten können – weil ja das Gegenteil nicht bewiesen
werden kann.

Viele Grüße
Peter

Frank Hucklenbroich

unread,
Jun 28, 2018, 2:42:43 AM6/28/18
to
Am Wed, 27 Jun 2018 23:00:39 +0200 schrieb Peter King:

> Hallo,
>
> werden eingehende Anrufe auf Polizeipräsidien oder
> Polizeirevieren grundsätzlich aufgezeichnet, wenn die
> Anschlussnummer aus dem Telefonbuch gewählt wird?
>
> Oder werden nur die eingehenden Anrufe über die
> Notrufnummer 110 aufgezeichnet?

Soweit ich weiß, nur Notrufe auf der 110 und 112. Schließlich geht es
darum, daß man sich einen Anruf noch mal anhören kann, wenn jemand mit
letzter Kraft seinen Namen und Adresse röchelt, bevor er zusammenbricht.

Bei den Durchwahlen im Telefonbuch dürfte das nicht nötig sein, es ruft ja
niemand bei der Reiterstaffel der Polizei an, der in akuter Not ist.

> Sind solche Aufzeichnungen gegen unbefugtes Löschen gesichert?

Davon würde ich ausgehen, das sind ja im Zweifel wichtige Beweismittel.

Grüße,

Frank

Thomas Homilius

unread,
Jun 29, 2018, 3:03:39 AM6/29/18
to
Am 2018-06-27 um 23:00 schrieb Peter King:
> Oder werden nur die eingehenden Anrufe über die
> Notrufnummer 110 aufgezeichnet?
>
> Sind solche Aufzeichnungen gegen unbefugtes Löschen gesichert?

Ich habe mal eine Strafverhandlung als Zuschauer besucht, in der der
Angeklagte wegen einer Strassenverkehrssache angeklagt war. Der Zeuge
und Anzeiger der "Straftat" hat auch die Polizei per Telefon gerufen.
Die Verteidigung wollte sich die Aufzeichnung der eingehenden Anzeige
anhoeren, Ergebnis: Es gab zwar eine Aufzeichnung des Telefonats, aber
diese wurden nach 3 Monaten aus Datenschutzgruenden geloescht.


--
E-Mail: Thomas....@gmail.com | GPG-Key: 0xA5AD0637441E286F
http://pgp.mit.edu/pks/lookup?op=get&search=0xA5AD0637441E286F

Thomas Hochstein

unread,
Jun 29, 2018, 9:15:03 PM6/29/18
to
Thomas Homilius schrieb:

> Ich habe mal eine Strafverhandlung als Zuschauer besucht, in der der
> Angeklagte wegen einer Strassenverkehrssache angeklagt war. Der Zeuge
> und Anzeiger der "Straftat" hat auch die Polizei per Telefon gerufen.
> Die Verteidigung wollte sich die Aufzeichnung der eingehenden Anzeige
> anhoeren,

Muss ein Spezialist gewesen sein, wenn er ...

> Ergebnis: Es gab zwar eine Aufzeichnung des Telefonats, aber
> diese wurden nach 3 Monaten aus Datenschutzgruenden geloescht.

... erst in der Hauptverhandung und nach Ablauf der Löschungsfristen
darauf kommt. Ungefähr so sinnvoll wie der Antrag, anderthalb Jahre
nach der Tat Telekommunikationsverkehrsdaten zu erheben ...

Thomas Hochstein

unread,
Jun 29, 2018, 9:15:03 PM6/29/18
to
Peter King schrieb:

> werden eingehende Anrufe auf Polizeipräsidien oder
> Polizeirevieren grundsätzlich aufgezeichnet, wenn die
> Anschlussnummer aus dem Telefonbuch gewählt wird?

Nein.

> Oder werden nur die eingehenden Anrufe über die
> Notrufnummer 110 aufgezeichnet?

Ja.

> Sind solche Aufzeichnungen gegen unbefugtes Löschen gesichert?

Grundsätzlich ja.

Peter Veith

unread,
Jun 30, 2018, 2:37:05 AM6/30/18
to
Am 28.06.2018 um 08:42 schrieb Frank Hucklenbroich:

> Soweit ich weiß, nur Notrufe auf der 110 und 112.

Ja, soweit die offizielle Version.

In den Polizeidienstellen bzw. Innenministerien scheinen die
Telekommunikationsanlagen die Fähigkeit zu haben, Gespräche an allen
Apparaten aufzuzeichnen.

Begründung: Mögliche Drohanrufe (eine mögliche Raumüberwachung der
Dienstzimmer wird jedoch verneint).

Bereits vor dem polizeiinternen Abhörskandal gab es solche Befürchtungen
und den Hang von Polizisten und Ministerialen "heikle" Telefonate mit
dem eigenem Handy (und ggf. im Freien) zu führen.

Links:
http://www.taz.de/!5328812/
http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/18/097/1809718.pdf
http://kurzelinks.de/xl2x (Datenschutz ST)

Veith
--
Lieber Reich ins Heim, als heim ins Reich!
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com

Frank Hucklenbroich

unread,
Jun 30, 2018, 4:36:10 PM6/30/18
to
Am Sat, 30 Jun 2018 08:36:59 +0200 schrieb Peter Veith:

> Am 28.06.2018 um 08:42 schrieb Frank Hucklenbroich:
>
>> Soweit ich weiß, nur Notrufe auf der 110 und 112.
>
> Ja, soweit die offizielle Version.
>
> In den Polizeidienstellen bzw. Innenministerien scheinen die
> Telekommunikationsanlagen die Fähigkeit zu haben, Gespräche an allen
> Apparaten aufzuzeichnen.

Ich war in den 90ern im Katastrophenschutz aktiv, und habe da auch BOS-Funk
gemacht. Wir sind explizit darauf aufmerksam gemacht worden, daß der
Funkverkehr lückenlos mitgeschnitten wird (Stichwort "Funkdisziplin").

> Begründung: Mögliche Drohanrufe (eine mögliche Raumüberwachung der
> Dienstzimmer wird jedoch verneint).

Begründung war eher, daß eventuelle Fehler nachvollziehbar sind.

> Bereits vor dem polizeiinternen Abhörskandal gab es solche Befürchtungen
> und den Hang von Polizisten und Ministerialen "heikle" Telefonate mit
> dem eigenem Handy (und ggf. im Freien) zu führen.

"Kommen Sie mal über Draht". Ja. Kenne ich auch genau so.

Grüße,

Frank

Mark Obrembalski

unread,
Jun 30, 2018, 4:56:35 PM6/30/18
to
Am Sat, 30 Jun 2018 22:36:12 +0200 schrieb Frank Hucklenbroich:

> Am Sat, 30 Jun 2018 08:36:59 +0200 schrieb Peter Veith:
>
>> Am 28.06.2018 um 08:42 schrieb Frank Hucklenbroich:
>>
>>> Soweit ich weiß, nur Notrufe auf der 110 und 112.
>>
>> Ja, soweit die offizielle Version.
>>
>> In den Polizeidienstellen bzw. Innenministerien scheinen die
>> Telekommunikationsanlagen die Fähigkeit zu haben, Gespräche an allen
>> Apparaten aufzuzeichnen.
>
> Ich war in den 90ern im Katastrophenschutz aktiv, und habe da auch
> BOS-Funk gemacht. Wir sind explizit darauf aufmerksam gemacht worden,
> daß der Funkverkehr lückenlos mitgeschnitten wird (Stichwort
> "Funkdisziplin").

Der Funk ist allerdings ein rein internes Kommunikationsmittel, anders
als das Telefon.

Gruß,
Mark

Rupert Haselbeck

unread,
Jun 30, 2018, 5:50:14 PM6/30/18
to
Frank Hucklenbroich schrieb:

> Ich war in den 90ern im Katastrophenschutz aktiv, und habe da auch
> BOS-Funk gemacht. Wir sind explizit darauf aufmerksam gemacht worden, daß
> der Funkverkehr lückenlos mitgeschnitten wird (Stichwort "Funkdisziplin").

Da hat man dich allerdings falsch informiert. Es wird zwar immer wieder
behauptet, aber niemand konnte damals den Funkverkehr vollständig
"mitschneiden". Heute geschieht das in der Regel auch nicht

MfG
Rupert

Ulf.K...@web.de

unread,
Jul 1, 2018, 2:38:37 AM7/1/18
to
Glücklicherweise hat die Leitstelle für die relevante Frequenz
nie einen Sprachspeicher laufen.

Wo ich das Wort jetzt schon wieder herhabe? https://www.gesetze-im-internet.de/ebo/__16.html

Frank Hucklenbroich

unread,
Jul 1, 2018, 11:40:21 AM7/1/18
to
Am Sat, 30 Jun 2018 23:50:12 +0200 schrieb Rupert Haselbeck:

> Frank Hucklenbroich schrieb:
>
>> Ich war in den 90ern im Katastrophenschutz aktiv, und habe da auch
>> BOS-Funk gemacht. Wir sind explizit darauf aufmerksam gemacht worden, daß
>> der Funkverkehr lückenlos mitgeschnitten wird (Stichwort "Funkdisziplin").
>
> Da hat man dich allerdings falsch informiert. Es wird zwar immer wieder
> behauptet, aber niemand konnte damals den Funkverkehr vollständig
> "mitschneiden".

Inwiefern sollte das technisch nicht möglich gewesen sein? Es waren ja
zumindest für unseren Dienst nur 2 - 3 Frequenzen/Kanäle, die konnte man
problemlos per Spulen-Tonband mitschneiden. Der Funkverkehr auf 4 und 2
Meter ließ sich ja mit jedem handelsüblichem Scanner für 40 DM abhören
(auch wenn das natürlich strengstens verboten war), und da ein Tonband dran
zu hängen, war sicher kein Hexenwerk. Ich meine mich zu erinnern, in
unserer Leitstelle so ein Ding gesehen zu haben (großes Spulentonband im
Glasschrank).

Bei den Sanitätern eher uninteressant, aber bei der Polizei durchaus
relevant, da gab es in den 90ern ein paar Fälle, wo SEK-Einsätze über Funk
quasi öffentlich angekündigt worden sind, und der Täter vorab vor dem
Zugriff gewarnt war. Da geht es dann im Zweifel um Menschenleben, weil ein
Geiselnehmer sich im Zweifel nicht darum schert, gegen irgendein
Telekommunikationsgesetz zu verstoßen.

> Heute geschieht das in der Regel auch nicht

Es würde mich sehr wundern, wenn nicht. Speicherplatz kostet quasi nichts
mehr, und man will im Zweifel Beweise sichern.

Grüße,

Frank

Frank Hucklenbroich

unread,
Jul 1, 2018, 11:41:48 AM7/1/18
to
Eisenbahnfunk hat nichts mit BOS-Funk zu tun. Andere Baustelle.

Grüße,

Frank

Ulf.K...@web.de

unread,
Jul 1, 2018, 11:48:01 AM7/1/18
to
Am Sonntag, 1. Juli 2018 17:41:48 UTC+2 schrieb Frank Hucklenbroich:

> >>> Ich war in den 90ern im Katastrophenschutz aktiv, und habe da auch
> >>> BOS-Funk gemacht. Wir sind explizit darauf aufmerksam gemacht worden, daß
> >>> der Funkverkehr lückenlos mitgeschnitten wird (Stichwort "Funkdisziplin").
> >>
> >> Da hat man dich allerdings falsch informiert. Es wird zwar immer wieder
> >> behauptet, aber niemand konnte damals den Funkverkehr vollständig
> >> "mitschneiden". Heute geschieht das in der Regel auch nicht
> >
> > Glücklicherweise hat die Leitstelle für die relevante Frequenz
> > nie einen Sprachspeicher laufen.
> >
> > Wo ich das Wort jetzt schon wieder herhabe? https://www.gesetze-im-internet.de/ebo/__16.html
>
> Eisenbahnfunk hat nichts mit BOS-Funk zu tun. Andere Baustelle.

Mir ging es um Absicherung gegen Rückfragen wegen der Begrifflichkeit.

Bei BOS kannst Du das gerne "Aufzeichnungsgerät" nennen.

Gruß, ULF

Henning Koch

unread,
Jul 1, 2018, 12:28:24 PM7/1/18
to
On Sun, 1 Jul 2018 17:40:23 +0200, Frank Hucklenbroich wrote:

>Am Sat, 30 Jun 2018 23:50:12 +0200 schrieb Rupert Haselbeck:

>> Da hat man dich allerdings falsch informiert. Es wird zwar immer wieder
>> behauptet, aber niemand konnte damals den Funkverkehr vollständig
>> "mitschneiden".
>
>Inwiefern sollte das technisch nicht möglich gewesen sein? Es waren ja
>zumindest für unseren Dienst nur 2 - 3 Frequenzen/Kanäle, die konnte man
>problemlos per Spulen-Tonband mitschneiden. Der Funkverkehr auf 4 und 2
>Meter ließ sich ja mit jedem handelsüblichem Scanner für 40 DM abhören

Für den Leitstellenfunk dürfte es die Aufzeichnung schon ziemlich
lange und ziemlich flächendeckend gegeben haben.

Für den 2m-Einsatzstellenfunk (und im 4m-Bereich für temporär
zugewiesene sowie Marschkanäle usw) dagegen dürfte es schon deswegen
nur in seltenen Ausnahmefällen eine Aufzeichnung gegeben haben, weil
man schon aufgrund der geringen Reichweite oft überhaupt keine
zentrale Stelle gehabt hätte, die diese Aufzeichnung hätte durchführen
können.


Frank Hucklenbroich

unread,
Jul 2, 2018, 1:41:15 PM7/2/18
to
Das stimmt, soweit ich weiß lief 2-Meter teilweise auch über kein Relais,
sondern nur direkt von Funkgerät zu Funkgerät, das wurde gerne bei Übungen
benutzt, oder eben bei größeren Einsätzen (Rockkonzert im Stadion) zur
Kommunikation untereinander. Die wirklich "wichtigen" Sachen (RTW oder
Notarzt anforden) liefen zumindest bei uns über 4-Meter und die Leitstelle,
das wurde also in jedem Fall mitgeschnitten.

Grüße,

Frank
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