Am 14.09.2023 um 18:17 schrieb Ronald Becker:
> Wann beginnt und endet denn die Arbeitszeit? Gibt es eine Weisung des AG
> diesbezüglich? Ich frage, weil doch die Mitarbeiter ihre Arbeitszeit
> selbst dokumentieren.
Die Arbeitszeit orientiert sich an den besuchten Klienten. Für jede
Realstunde gibt es 1 Stunde 20 min gutgeschrieben.
Bei Klienten, die in der Nähe wohnen, macht man da auch mal plus. Bei
Klienten, zu denen man weiter fahren muß, macht man minus.
Im Endeffekt mittelt es sich ganz gut weg auf die reale Arbeitszeit für
die Klienten + Autofahrt, sofern man sehr gut plant (keine übermäßigen
Pausen zwischen den Klienten) und nichts schief geht.
Steht man aber vor verschlossener Tür, weil der Klient nicht aufmacht,
hat man auf einmal 2 Stunden unbezahlte Freizeit.
Dinge wie Auto holen, wegbringen, tanken, reinigen (die Klienten fragen
immer, warum das Auto innen so dreckig ist - sagt meine Frau, weil sie
das Aussaugen nicht bezahlt bekommt), 30 min warten, bis von Sommer- auf
Winterreifen gewechselt wurde und umgekehrt... alles drumherum wird
nicht bezahlt.
Blockiert der Chef die Ladesäule, steht der Arbeitnehmer schon mal eine
Stunde rum, bis der Chef weg ist, damit das Dienstauto an die Ladesäule
kommt, damit die Kollegen am nächsten Morgen ein geladenes Auto haben
(nicht meiner Frau passiert, aber einer Kollegin).
Ich hab meiner Frau gesagt, ich wäre nach Hause gefahren, dann ist das
Auto am nächsten Morgen halt leer, PECH.
Es gibt noch 3 Bürostunden im Monat, die natürlich für den
Dokumentationsaufwand eher lächerlich sind.
Das einzige, was sonst noch bezahlt wird, sind Dienstberatungen und
Supervisionen.
Im Endeffekt bekommt der Arbeitnehmer also nur Stunden gutgeschrieben,
wo er Arbeit erledigt, die dem Unternehmen direkt und unmittelbar Geld
einbringt. Alles drumherum (bis auf die genannten Ausnahmen) wird nicht
vergütet.
Und diese nicht bezahlten Arbeiten werden halt immer mehr, mal hier was,
mal da was... nun neuerdings die Elektroautos in 1km Entfernung.
Meine Frau macht die Arbeit an sich wirklich gerne und der Stundenlohn
ist prinzipiell auch ok - man bekommt ihn halt nur nicht für seine
gesamte Arbeitszeit.
Ich bin ja kein Fachmann für Arbeitsrecht, aber ich halte das alles für
extremst fragwürdig. Und dann gibt es für 9 Mitarbeiter 5 Autos, so daß
man sich ständig um die Fahrzeuge streiten muß oder ein Fahrzeug aus
einem anderen Arbeitsbereich ausleihen muß, wenn es dort gerade nicht
gebraucht wird.
An machen Tagen geht meine Frau nicht zur Arbeit, weil sie kein Auto
hat. Das kann man bei 30 Wochenstunden ja auch mal machen, ist ja ok,
aber vielleicht würde man seine freien Tage lieber selber planen...
Ich hab schon gesagt, sie soll doch ins Büro fahren, dort 6 Stunden
Zeitung lesen und wieder nach Hause und dann 6 Stunden aufschreiben. Sie
hat ihre Arbeitskraft dann ja angeboten, aber konnte mangels
Arbeitsmittel nichts machen.
Naja, aber es wären ja noch zwei Stellen zu besetzen, aber das
Unternehmen findet niemanden. Aus Angst, daß das Amt sich für seine
Fälle einen anderern Träger sucht, wenn man mal einen Klienten ablehnt,
werden ständig neue Klienten angenommen, obwohl überhaupt keine
Kapazitäten da sind. Am Ende des Jahres werden die Arbeitnehmer
gedrängt, sich ihre Plusstunden auszahlen zu lassen, denn wenn ein
Arbeitnehmer mit mehr als 150 Stunden Plus ins neue Jahr geht, dann geht
irgendwo eine rote Lampe an und der Chef bekommt eins auf den Deckel...
Meine Frau mag die Eigenverantwortung, die Arbeit selber, die
Flexibilität sich die Zeit weitestgehend selbst einteilen zu können, die
Möglichkeit auch mal ein oder zwei Tage zu Hause bleiben zu können, weil
man lange Tage gemacht hat und seine Klienten alle schon versorgt hat -
aber inzwischen sehnt sie sich immer mehr nach einem Job mit festem
Arbeitsbeginn und -ende.