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Darf man "Neger" sagen?

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Melanie Fries

unread,
Jun 28, 1999, 3:00:00 AM6/28/99
to
Der Anlass fuer mein posting ist der folgende: Als am letzten
Wochenende vor unserem Haus zwei Afrikaner vorbeiliefen,
hat mein kleiner Bruder (12 Jahre) aus dem Fenster seines
Zimmers mehrmals "Neger, Neger" zu den beiden gerufen,
um sie zu aergern. Die beiden haben aber gar nicht darauf
reagiert, vielleicht haben sie auch nichts gehoert.

Es wuerde mich jetzt einfach einmal interessieren, ob es
eine Beleidigung darstellt, wenn man einen Schwarzen
"Neger" zuruft. Weiss jemand etwas dazu?


Melanie Fries


Mark Obrembalski

unread,
Jun 28, 1999, 3:00:00 AM6/28/99
to
Melanie Fries alias <fr...@web.de> schrieb:

Im konkreten Fall liegt IMHO eine Beleidigung vor, die freilich
mangels Strafmündigkeit Deines kleinen Bruders nicht verfolgt
werden könnte. Denn schließlich hat er den beiden "Neger" offenbar
als Spottbezeichnung zugerufen. Der Ausdruck ist als Spott- oder
abwertende Bezeichnung auch durchaus geeignet, weil er ja AFAIK
in den USA (dort natürlich als "Nigger") als Beschimpfung weit
verbreitet ist.

Wenn jemand einen Schwarzen sonst als "Neger" bezeichnet, gehe ich
in Deutschland davon aus, daß das keine Beleidigung ist, weil es
ein recht üblicher Begriff ist, der oft auch - speziell von älteren
Leuten - ohne jede Abwertung benutzt wird. Mensch kann z.B. für die
"armen Negerkinder in Afrika" spenden; auch in Kinderliedern wird der
Begriff aber offenbar in nicht abwertender Weise gebraucht.

Es gab vor einiger Zeit einen Fall, wo ein Richter in einer Verhandlung
von einem Schwarzen als "Mohren" gesprochen hat, worauf der Schwarze
ihn als befangen ablehnte. Der Richter hat sich entschuldigt und klar-
gestellt, daß er den Begriff nicht abwertend gemeint hat. Von einer
höheren Instanz wurde dann tatsächlich festgestellt, daß der Befangen-
heitsantrag in diesem Fall unbegründet war. Zumindest nach der Klar-
stellung des Richters halte ich diese Entscheidung für richtig, denn
"Mohr" ist IMHO ein zwar ungebräuchliches, aber in keiner Hinsicht
abwertend gebrauchtes Wort. Einer der Heiligen Drei Könige ist etwa
ein Schwarzer und wird in den entsprechenden Geschichten oder Krippen-
spielen gewöhnlich als "Mohr" bezeichnet. Allerdings halte ich den
Richter für etwas ungeschickt, denn er sollte - abgesehen von juris-
tischen Begriffen - in der Verhandlung keine im Alltag ungebräuchlichen
Wörter benutzen.

Love and Peace,
Mark

Felix Holderied

unread,
Jun 29, 1999, 3:00:00 AM6/29/99
to
Mark Obrembalski schrieb:

> weil er ja AFAIK in den USA (dort natürlich als "Nigger") als
> Beschimpfung weit verbreitet ist.

Es gibt auch noch "negro". Das Schimpfwort "Nigger" gibt es
auch in Deutschland!

Felix

Martin Trautmann

unread,
Jun 29, 1999, 3:00:00 AM6/29/99
to

In de.etc.sprache.misc bzw. den Archiven dazu findet sich sicher noch mehr.

Neger wuerde ich auch als abwertend bezeichnen. Im vorliegenden Fall wurde
es bewusst beleidigend verwendet - was ich bei Kindern aber als weniger
schlimm einstufen wuerde und gerichtlich sowas nur fuer verfolgenswert
halte, wenn sie von den Eltern dazu angestachelt werden.

'Nigger' ist sicher noch 'ne Ecke schlimmer.

Gebraeuchlich sind diese Begriffe aber durchaus, z.B. als Negerkuss oder
Mohrenkopf, statt der 'politisch korrekten' Bezeichnung 'Schoko-irgendwas'.
Selbst bei der Eis-Marke 'Nogger' vermute ich eine Anspielung der dunklen
Schokohuelle auf die Farbe.

'Negroid' wiederum ist eine wiesenschaftlich korrekte Bezeichnung, so wie
wohl auch 'mongoloid' etc.

'Mohr' kommt wohl vom 'Mauren' - eigentlich eine eher ehrende Bezeichnung,
denke ich - die Leute waren als Kaempfer hoch geachtet und gefuerchtet. Der
Sarotti-Mohr ist aber nun wohl auch schon verschwunden? Dann findet man ihn
fast nur noch im 'Struwelpeter' (in Tinte getunkt, schwaerzer als der Mohr).

'Schwarzer' mag die stolze Eigenbezeichnung sein ('Black Power', 'black is
beautiful'). Die genauen Feinheiten, wer da auf seinen besonders dunklen
oder beinahe hellen Farbton stolz ist, kenne ich leider nicht. Auch zur
Unterscheidung der 'Farbigen' bin ich mir nicht sicher.

Je nachdem kann aber alles auch beleidigend eingesetzt werden.

Ob das nun eher juristisch, paedagogisch, rassistisch oder sprachlich von
Belang ist?

Schoenen Gruss
Martin

Werner

unread,
Jun 29, 1999, 3:00:00 AM6/29/99
to
Gedenken wir unsrem lieben Ex Präsidenten heinrich Lübke:

" Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger ! "

>> Beschimpfung weit verbreitet ist.

>Es gibt auch noch "negro". Das Schimpfwort "Nigger" gibt es
>auch in Deutschland!

>Felix

Fritz Cremer

unread,
Jun 29, 1999, 3:00:00 AM6/29/99
to
In article <37784399...@web.de>, Melanie Fries <fr...@web.de> wrote:
>
>Es wuerde mich jetzt einfach einmal interessieren, ob es
>eine Beleidigung darstellt, wenn man einen Schwarzen
>"Neger" zuruft. Weiss jemand etwas dazu?

Kann ich mir nicht vorstellen. Es ist sicher nicht die feine englische
Art dergleichen zu tun, aber daraus eine Beleidigung abzuleiten halte
ich schon wegen der Genealogie des Wortes `Neger' fuer sehr
unwahrscheinlich, da dieser Begriff gerade als *nicht*
diskriminierende Bezeichnugn eingefuehrt wurde (analog zu `Farbiger'
oder `Schwarzafrikaner' oder wie das heute pol. korr. heisst).

Fritz

--
+--------------------------------------------------------------------+
| F. Cremer May the FORTH be with you! |
| Ich habe mich ENTSCHIEDEN taeglich Alkohol zu trinken! |
+--------------------------------------------------------------------+

Frank Heuser

unread,
Jun 29, 1999, 3:00:00 AM6/29/99
to

Thomas Michel schrieb

>
>|>er Ausdruck ist als Spott- oder
>|>abwertende Bezeichnung auch durchaus geeignet, weil er ja AFAIK

>|>in den USA (dort natürlich als "Nigger") als Beschimpfung weit
>|>verbreitet ist.
>
>Das ist aber doch ein Unterschied. Neger war jedenfalls früher die
>"offizielle" Bezeichnung der Deutschen Sprache (und heißt nichts
anderes
>als "Schwarzer")

Leitet das bitte einmal richtig her?!

>- während nigger immer ein Schimpfwort war.

Na super! Ich kann mich nicht erinnern, auch wenn ich nicht *soo* alt
bin, daß in diesem unserem Lande das Wort *Neger* völlig unbefangen
benutzt wurde. Kann es vielleicht sein, daß der übliche Gebrauch es
einfach innehatte, Menschen mit nicht mitteleuropäischer, sonder
darüberhinausgehender dunkler *Farbe* abwertend zu bezeichnen, und daß
sich dafür der Begriff *Neger* durchgestezt hatte? Auch in den U.S.A
wurde der Begriff Nigger alltagsmäßig gebraucht! So what?
Beleidigender Charakter entfällt doch nicht, weil *jeder* (natürlich
meist nicht Betroffener :-(() diesen Begriff benutzt. Reality please!

Gruß,

Frank

Elmar Haneke

unread,
Jun 30, 1999, 3:00:00 AM6/30/99
to
On 29 Jun 1999 15:41:18 GMT, tr...@gmx.de (Martin Trautmann) wrote:


>Neger wuerde ich auch als abwertend bezeichnen. Im vorliegenden Fall wurde
>es bewusst beleidigend verwendet - was ich bei Kindern aber als weniger
>schlimm einstufen wuerde und gerichtlich sowas nur fuer verfolgenswert
>halte, wenn sie von den Eltern dazu angestachelt werden.

Wenn man mal die ganzen Kuriositäten der "politischen Korrektheit"
beiseitelegt, ist aus dem Kontext meistens leicht zu erkennen, ob eine
beleidigende Abwertung gemeint ist. Beim Hinterherrufen ist das
sicherlich ganz was anderes, als wenn man bei einer
Personenbeschreibung "Neger" angibt - ist da ja ein typisches Merkmal.

Elmar


Jens Haug

unread,
Jun 30, 1999, 3:00:00 AM6/30/99
to
In article <slrn7nhq8...@gadget.hl.siemens.de>, tr...@gmx.de (Martin Trautmann) writes:

> In de.etc.sprache.misc bzw. den Archiven dazu findet sich sicher noch mehr.
>

> Neger wuerde ich auch als abwertend bezeichnen.

Laienhalbwissen:
IMHO ist der Begriff "Neger" urspruenglich voellig wertfrei gewesen,
wegen der pauschal abwertenden Haltung einiger Menschen gegen jeden
Schwarzen aber dann mit der Zeit eher als negativ empfunden worden.
Also hat man sich den naechsten Begriff gesucht, der den Inhalt genauso
wiedergibt, aber (noch) nicht belastet ist.
Solange es Rassismus gibt, ist das IMHO eine unendliche Geschichte.
Irgendwann ist der derzeit politisch korrekte Begriff wieder von den
entsprechenden Leuten negativ belegt worden, und man sucht sich wieder
den naechsten.
Solche Sachen gibt's in der Sprache oefters. Frueher war "Weib" ein
ganz normales Wort fuer einen weiblichen Menschen, dann musste man
"Frau" sagen, weil es hoeflicher ist. Inzwischen sind wir bei "Dame"
angelangt, aber wem das auch nicht genug ist, der sagt "Lady". Wir sind
damit eigentlich bei einem Begriff fuer ein adeliges Weib. Wahrscheinlich
muss man in 100 Jahren "Prinzessin" sagen. Oder "Koenigin", denn "Prinzessin"
ist ja so wie "Fraeulein". ;-)
Ach ja, und die Bedeutung von "Brust" und "Busen" hat sich ein paarmal
vertauscht, weil sich die Leute nicht getraut haben, das, was wir heute
als "Busen" bezeichnen, direkt beim Namen zu nennen. Also wurde so lange
der andere Begriff genommen, bis die Bedeutung verkehrt war.
Zurueck zum "Neger": Wer aus Prinzip oder aus alter Gewohnheit den alten,
urspruenglich wertfreien Begriff verwendet, der tut das i.Allg. nicht
abwertend. Andere vielleicht schon.

> 'Schwarzer' mag die stolze Eigenbezeichnung sein ('Black Power', 'black is
> beautiful'). Die genauen Feinheiten, wer da auf seinen besonders dunklen
> oder beinahe hellen Farbton stolz ist, kenne ich leider nicht. Auch zur
> Unterscheidung der 'Farbigen' bin ich mir nicht sicher.

AFAIK ist der Begriff "Farbiger" auch fuer Mulatten (und fuer Mestizen?)
zutreffend.

> Je nachdem kann aber alles auch beleidigend eingesetzt werden.

Wobei wir wieder beim juristischen "es kommt darauf an" waeren.

F'up2


Jens


Jens Haug

unread,
Jun 30, 1999, 3:00:00 AM6/30/99
to
In article <7lbcaq$ck1$1...@news.dnsg.net>, "Frank Heuser" <frank....@debitel.net> writes:

> Na super! Ich kann mich nicht erinnern, auch wenn ich nicht *soo* alt
> bin, daß in diesem unserem Lande das Wort *Neger* völlig unbefangen
> benutzt wurde.

Das kannst Du von den Begriffen "Homosexueller" oder "Psychotiker" aber
auch sagen, und trotzdem sind sie im Grunde wertfrei.

> Kann es vielleicht sein, daß der übliche Gebrauch es
> einfach innehatte, Menschen mit nicht mitteleuropäischer, sonder
> darüberhinausgehender dunkler *Farbe* abwertend zu bezeichnen, und daß
> sich dafür der Begriff *Neger* durchgestezt hatte? Auch in den U.S.A
> wurde der Begriff Nigger alltagsmäßig gebraucht! So what?
> Beleidigender Charakter entfällt doch nicht, weil *jeder* (natürlich
> meist nicht Betroffener :-(() diesen Begriff benutzt. Reality please!

Umgekehrt kann ein beleidigender Charakter doch nicht entstehen, nur
weil ein Grossteil der Bevoelkerung irgendwelche Vorbehalte gegen die
mit diesem Begriff bezeichneten Menschen hat. Sonst waere ja automatisch
jeder Begriff, der diese Menschen bezeichnet, auch beleidigend.

Jens


Martin Gerdes

unread,
Jun 30, 1999, 3:00:00 AM6/30/99
to
"Frank Heuser" <frank....@debitel.net> schrieb:

>>Das ist aber doch ein Unterschied. Neger war jedenfalls früher die
>>"offizielle" Bezeichnung der Deutschen Sprache (und heißt nichts
>>anderes als "Schwarzer")

>Na super! Ich kann mich nicht erinnern, auch wenn ich nicht *soo* alt


>bin, daß in diesem unserem Lande das Wort *Neger* völlig unbefangen
>benutzt wurde.

Wenn Du Reden von Martin Luther King hörst - dessen
Standpunkt wohl unzweifelhaft war - wirst Du feststellen,
daß er regelmäßig das Wort "negroe" verwendet. Damals muß es
wohl in Amerika noch möglich gewesen sein, das Wort
unbefangen zu verwenden.

Der Begriff "Nigger" hingegen war von Anfang an abschätzig
gemeint, es ahmt die Sprechweise der frisch aus Afrika
Entführten nach, die sich begreiflicherweise mit dem
Englischen schwertaten.

Interessanterweise erlebt just dieses Wort im Moment eine
Renaissance, Rap-Musiker (die zugegebenermaßen gern
provozieren) pflegen sich untereinander bisweilen so
anzureden, sie schreiben das Wort dann ganz bewußt "nigga".

Ich lege wert darauf, andere Leute nicht unnötig zu
verletzen; insoweit verwende ich das Wort "Nigger" nicht,
mit "Neger" bin ich vorsichtig.

Die Eierei der vermeintlich politisch Korrekten bringt
allerdings nichts. Durch Stigmatisierung eines passenden
Begriffes allein kann man einen Sachverhalt nicht
wegdefinieren. Niemand wird behaupten wollen, er würde nicht
auf Anhieb erkennen, daß unter lauter Hellhäutigen ein
Dunkelhäutiger ist (oder umgekehrt).

Mit freundlichen Grüßen

Martin Gerdes


Timo Gransch

unread,
Jun 30, 1999, 3:00:00 AM6/30/99
to
tmichel schrieb:

TM> Negroe wäre die altertümliche Bezeichnung im englischen,

So altertümlich kann sie nicht sein. In meinem Unterstufen-
Englischbuch wurde Harlem noch als "negroe quarter" von New York
bezeichnet, und das gerade mal zehn bis fünfzehn Jahre her. Wenn mich
nicht alles täuscht, wird diese Englischbuch-Reihe sogar immer noch
benutzt bzw. wurde es bis vor zwei oder drei Jahren.

Gruß, Gransch

Frank Heuser

unread,
Jul 1, 1999, 3:00:00 AM7/1/99
to

Jens Haug schrieb

>
>> Na super! Ich kann mich nicht erinnern, auch wenn ich nicht *soo*
alt
>> bin, daß in diesem unserem Lande das Wort *Neger* völlig unbefangen
>> benutzt wurde.
>
>Das kannst Du von den Begriffen "Homosexueller" oder "Psychotiker"
aber
>auch sagen, und trotzdem sind sie im Grunde wertfrei.


Ich kann Dir nicht folgen: Viele Begriffe lassen sich als wertfrei
bezeichnen, dennoch müssen sie doch nicht auch wirklich im täglichen
Sprachgebrauch wertfrei genutzt werden.

>> Kann es vielleicht sein, daß der übliche Gebrauch es
>> einfach innehatte, Menschen mit nicht mitteleuropäischer, sonder
>> darüberhinausgehender dunkler *Farbe* abwertend zu bezeichnen, und
daß
>> sich dafür der Begriff *Neger* durchgestezt hatte? Auch in den
U.S.A
>> wurde der Begriff Nigger alltagsmäßig gebraucht! So what?
>> Beleidigender Charakter entfällt doch nicht, weil *jeder*
(natürlich
>> meist nicht Betroffener :-(() diesen Begriff benutzt. Reality
please!
>
>Umgekehrt kann ein beleidigender Charakter doch nicht entstehen, nur
>weil ein Grossteil der Bevoelkerung irgendwelche Vorbehalte gegen die
>mit diesem Begriff bezeichneten Menschen hat. Sonst waere ja
automatisch
>jeder Begriff, der diese Menschen bezeichnet, auch beleidigend.


Nicht jeder bezeichnender Begriff, aber Begriffe, die typischer Weise
als abwertend verstanden werden. *Neger* ist zwar als Bezeichnung für
besonders dunkelhäutige Menschen bekannt, ist aber nicht allein
bezeichnend, sondern drückt IMO bereits eine Abwertung aus. *Bulle*
ist für Polizisten ja auch äußerst gängig, insofern bezeichnend, wird
aber zumindest von Polizisten als Beleidigung verstanden. Du scheinst
eher auf die Frage abzustellen, ob es eine Formalbeleidigung gibt.
Nach der h.L. wohl nicht, aber die Rechtswirklichkeit sieht doch
anders aus. Jedenfalls ist das meine Erfahrung.

Gruß,

Frank


Frank Heuser

unread,
Jul 1, 1999, 3:00:00 AM7/1/99
to

Martin Gerdes schrieb

>
>>>Das ist aber doch ein Unterschied. Neger war jedenfalls früher die
>>>"offizielle" Bezeichnung der Deutschen Sprache (und heißt nichts
>>>anderes als "Schwarzer")
>
>>Na super! Ich kann mich nicht erinnern, auch wenn ich nicht *soo*
alt
>>bin, daß in diesem unserem Lande das Wort *Neger* völlig unbefangen
>>benutzt wurde.
>
>Wenn Du Reden von Martin Luther King hörst - dessen
>Standpunkt wohl unzweifelhaft war - wirst Du feststellen,
>daß er regelmäßig das Wort "negroe" verwendet. Damals muß es
>wohl in Amerika noch möglich gewesen sein, das Wort
>unbefangen zu verwenden.


King wollte wohl ein *schwarzes Bewußtsein* schaffen, oder? Was soll
da die Verwendung des Wortes *negroe* mit der Verwendung des Wortes
*Neger* gemein haben?

>Interessanterweise erlebt just dieses Wort im Moment eine
>Renaissance, Rap-Musiker (die zugegebenermaßen gern
>provozieren) pflegen sich untereinander bisweilen so
>anzureden, sie schreiben das Wort dann ganz bewußt "nigga".

Ja und? Wo ist der Zusammenhang?!


>Ich lege wert darauf, andere Leute nicht unnötig zu
>verletzen; insoweit verwende ich das Wort "Nigger" nicht,
>mit "Neger" bin ich vorsichtig.


Wieso denn? Habe gerade gelernt, daß der Begriff wertneutral ist?!

>Die Eierei der vermeintlich politisch Korrekten bringt
>allerdings nichts.

Es geht nicht um political correctness.

>Durch Stigmatisierung eines passenden
>Begriffes allein kann man einen Sachverhalt nicht
>wegdefinieren.

Es wird nicht der Begriff stigmatisiert (siehe Rapper!).

>Niemand wird behaupten wollen, er würde nicht
>auf Anhieb erkennen, daß unter lauter Hellhäutigen ein
>Dunkelhäutiger ist (oder umgekehrt).

Und? Genauso erkenne ich sofort einen uniformierten Polizisten und
soll ihn auch nicht einfach als Bulle bezeichnen?! Läßt sich aber auch
nicht *wegdefinieren*, daß er auf der Straße wohl schnell auffällt.


Gruß,

Frank

Jens Haug

unread,
Jul 1, 1999, 3:00:00 AM7/1/99
to
In article <7le8mv$rm5$1...@news.dnsg.net>, "Frank Heuser" <frank....@debitel.net> writes:

> >> Na super! Ich kann mich nicht erinnern, auch wenn ich nicht *soo*
> alt
> >> bin, daß in diesem unserem Lande das Wort *Neger* völlig unbefangen
> >> benutzt wurde.
> >

> >Das kannst Du von den Begriffen "Homosexueller" oder "Psychotiker"
> aber
> >auch sagen, und trotzdem sind sie im Grunde wertfrei.
>
> Ich kann Dir nicht folgen: Viele Begriffe lassen sich als wertfrei
> bezeichnen, dennoch müssen sie doch nicht auch wirklich im täglichen
> Sprachgebrauch wertfrei genutzt werden.

Genau das wollte ich ausdruecken. Du konntest mir so gesehen besser folgen,
als Du dachtest. ;-)
Die Begriffe sind eigentlich wertfrei, obwohl sie oft anders gebraucht
werden. Man kann nicht verlangen, dass ein Begriff voellig unbefangen
benutzt wird, um ihn als im Grunde wertfrei zu betrachten.

> >Umgekehrt kann ein beleidigender Charakter doch nicht entstehen, nur
> >weil ein Grossteil der Bevoelkerung irgendwelche Vorbehalte gegen die
> >mit diesem Begriff bezeichneten Menschen hat. Sonst waere ja
> automatisch
> >jeder Begriff, der diese Menschen bezeichnet, auch beleidigend.
>
> Nicht jeder bezeichnender Begriff, aber Begriffe, die typischer Weise
> als abwertend verstanden werden. *Neger* ist zwar als Bezeichnung für
> besonders dunkelhäutige Menschen bekannt, ist aber nicht allein
> bezeichnend, sondern drückt IMO bereits eine Abwertung aus.

IMHO nicht typischerweise, wohl aber haeufig. Das liegt aber nicht daran,
dass der Begriff "Neger" an sich negativ belebt sei, sondern daran, dass
sich haeufig Leute abwertend ueber Neger aeussern. Andere, die sich nicht
abwertend aeussern wollen, meiden daher den an sich gaengigen und wertfreien
Begriff, um sich von diesen Leuten zu distanzieren.

> *Bulle*
> ist für Polizisten ja auch äußerst gängig, insofern bezeichnend, wird
> aber zumindest von Polizisten als Beleidigung verstanden.

Ist ja immerhin auch die Bezeichnung fuer ein Tier (und damit ein Vergleich
des Polizisten mit einem Tier).

> Du scheinst
> eher auf die Frage abzustellen, ob es eine Formalbeleidigung gibt.

Nein, darauf lief aber die urspruengliche Frage (im Subject) hinaus.
Man koennte auch statt dessen Fragen "Wie hoch stehen die Chancen,
dass bei Benutzung des Begriffs 'Neger' von einer Beleidigung ausgegangen
wird?". Ich wuerde dann antworten: "Kommt IMHO voll auf den Zusammenhang
an, weil man den Begriff ganz unteschiedlich verwendet. (Aber IANAL.)"

Jens


Martin Gerdes

unread,
Jul 1, 1999, 3:00:00 AM7/1/99
to
"Frank Heuser" <frank....@debitel.net> schrieb:

>Martin Gerdes schrieb

>>>bin, daß in diesem unserem Lande das Wort *Neger* völlig unbefangen
>>>benutzt wurde.

>>Wenn Du Reden von Martin Luther King hörst - dessen


>>Standpunkt wohl unzweifelhaft war - wirst Du feststellen,
>>daß er regelmäßig das Wort "negroe" verwendet. Damals muß es
>>wohl in Amerika noch möglich gewesen sein, das Wort
>>unbefangen zu verwenden.

>King wollte wohl ein *schwarzes Bewußtsein* schaffen, oder? Was soll
>da die Verwendung des Wortes *negroe* mit der Verwendung des Wortes
>*Neger* gemein haben?

Martin Luther King hat das Wort "negroe" für Leute schwarzer
Hautfarbe benutzt. Erst nach seiner Zeit galt es als
verpönt, und man sollte "black" für Schwarze sagen. Auch
dieses Wort ist in der Zwischenzeit "off limits" und man
soll "african americans" sagen.

Welches Wort Amerikaner für Leute ursprünglich afrikanischer
Herkunft sagen dürfen, die immer noch in Afrika leben, habe
ich bisher noch nicht herausbekommen.

>>Interessanterweise erlebt just dieses Wort im Moment eine
>>Renaissance, Rap-Musiker (die zugegebenermaßen gern
>>provozieren) pflegen sich untereinander bisweilen so
>>anzureden, sie schreiben das Wort dann ganz bewußt "nigga".

>Ja und? Wo ist der Zusammenhang?!

Ich finde es ungewöhnlich, daß eine Gruppe für sich selbst
das Wort adoptiert, das andere für sie in eindeutig
abschätziger Absicht verwenden, ein Wort, das man durchaus
als Schimpfwort bezeichnen kann.

>>Die Eierei der vermeintlich politisch Korrekten bringt
>>allerdings nichts.

>Es geht nicht um political correctness.

Ja? Worum dann?
Wie deutest Du das Subject dieses Threads?

Mark Obrembalski

unread,
Jul 1, 1999, 3:00:00 AM7/1/99
to
Jens Haug alias <ha...@ikff.uni-stuttgart.de> schrieb:

>> *Bulle*
>> ist für Polizisten ja auch äußerst gängig, insofern bezeichnend, wird
>> aber zumindest von Polizisten als Beleidigung verstanden.
>
>Ist ja immerhin auch die Bezeichnung fuer ein Tier (und damit ein Vergleich
>des Polizisten mit einem Tier).

Als Tier allerdings ein Symbol für Stärke - allein daraus ist der
beleidigende Charakter des Ausdrucks noch nicht abzuleiten. Wenn
Du jemanden als "Bulle" bezeichnest, der auf steigende Aktien
spekuliert, wird er auch nicht beleidigt sein. Auch hier spielt also
der Zusammenhang wieder eine Rolle.

Love and Peace,
Mark

Mark Obrembalski

unread,
Jul 1, 1999, 3:00:00 AM7/1/99
to
Martin Gerdes alias <martin...@gmx.de> schrieb:

>>Es geht nicht um political correctness.
>
>Ja? Worum dann?
>Wie deutest Du das Subject dieses Threads?

"Unter welchen Umständen ist die Bezeichnung eines Schwarzen als 'Neger'
eine nach §185 StGB strafbare Beleidigung?"

Love and Peace,
Mark

Jens Haug

unread,
Jul 1, 1999, 3:00:00 AM7/1/99
to
In article <37944dd4...@news.fu-berlin.de>, martin...@gmx.de (Martin Gerdes) writes:

> Welches Wort Amerikaner für Leute ursprünglich afrikanischer
> Herkunft sagen dürfen, die immer noch in Afrika leben, habe
> ich bisher noch nicht herausbekommen.

Wie waer's mit "african"?
;-)

Jens


Tilman Schmidt

unread,
Jul 1, 1999, 3:00:00 AM7/1/99
to
"Frank Heuser" <frank....@debitel.net> wrote:
>Na super! Ich kann mich nicht erinnern, auch wenn ich nicht *soo* alt
>bin, daß in diesem unserem Lande das Wort *Neger* völlig unbefangen
>benutzt wurde.

Ich schon.

> Kann es vielleicht sein, daß der übliche Gebrauch es
>einfach innehatte, Menschen mit nicht mitteleuropäischer, sonder
>darüberhinausgehender dunkler *Farbe* abwertend zu bezeichnen, und daß
>sich dafür der Begriff *Neger* durchgestezt hatte?

Nein.

> Auch in den U.S.A
>wurde der Begriff Nigger alltagsmäßig gebraucht! So what?

Aber eindeutig als abwertende Variante des wertneutralen "negro".

--
Tilman Schmidt E-Mail: til...@schmidt.bn.uunet.de (private)
Bonn, Germany Tilman....@sema.de (office)
- Undetected errors are handled as if no error occurred. (IBM) -

Tilman Schmidt

unread,
Jul 1, 1999, 3:00:00 AM7/1/99
to
"Frank Heuser" <frank....@debitel.net> wrote:
>Ich kann Dir nicht folgen: Viele Begriffe lassen sich als wertfrei
>bezeichnen, dennoch müssen sie doch nicht auch wirklich im täglichen
>Sprachgebrauch wertfrei genutzt werden.

Es gibt durchaus einen Unterschied zwischen wertfreien Begriffen, die
nur abwertend genutzt werden, und per se abwertenden Begriffen, z.B.
"Obdachloser" - "Penner".

>Nicht jeder bezeichnender Begriff, aber Begriffe, die typischer Weise
>als abwertend verstanden werden. *Neger* ist zwar als Bezeichnung für
>besonders dunkelhäutige Menschen bekannt, ist aber nicht allein
>bezeichnend, sondern drückt IMO bereits eine Abwertung aus.

Dem muß ich widersprechen. "Neger" war zumindest noch für meine (des
Rassismus gänzlich unverdächtigen) Großeltern die ganz normale und in
keiner Weise abwertende Bezeichnung für einen dunkelhäutigen Menschen.

> *Bulle*
>ist für Polizisten ja auch äußerst gängig, insofern bezeichnend, wird
>aber zumindest von Polizisten als Beleidigung verstanden.

Dieser Vergleich geht daneben. "Bulle" war nie die normale Bezeichnung
für einen Polizisten.

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