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Krisen- und Insolvenzticker Deutschland und Europa
1 Okt. 2022, 17:00 Uhr
Die deutsche Wirtschaft rutscht immer tiefer in die Krise. Unter dem
Druck dramatisch steigender Energiekosten und anderer ungünstiger
Rahmenbedingungen sind allein in diesem Jahr tausende Unternehmen
insolvent gegangen. Wir fassen in diesem Ticker die wichtigsten
Entwicklungen und Neuigkeiten zusammen.
1.10.2022
16:59 Uhr
Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium bleibt bei Frage
eines Abgeordneten nach Folgen der Gasmangellage für Betroffene
stumm
In der Fragestunde am 28. September 2022 im Bundestag erhielt Dr.
Franziska Brantner (Grüne), Staatssekretärin beim Bundesministerium
für Wirtschaft und Klimaschutz, laut Protokoll insgesamt 15 Fragen
und damit ein knappes Drittel aller gestellten Fragen dieser
Sitzung.
Der fraktionslose bayerische Abgeordnete Johannes Huber (parteilos,
bis 2021 bei der AfD) bemerkte zu Beginn seiner Frage, dass aktuell
die Gasspeicherbestände, "wonach es in Deutschland relativ gut
aussieht", ausreichend gefüllt seien.
Huber wollte nun von Brantner wissen, was die Staatssekretärin den
Bürgern mit Blick auf die kommende Heizsaison, eine
"prognostizierte Gasmangellage ab Dezember 2022" sowie drohende
Gas-Sanktionierungen und mögliche Arbeitslosigkeit durch
Industriestilllegungen mitteilen möchte. Die gesamte Antwort
lautete wortwörtlich:
"Erst mal möchte ich Ihnen dafür danken, dass Sie anerkennen, wie
beeindruckend es uns gelungen ist, die Gasspeicherstände auf so ein
hohes Niveau zu bringen. Das freut mich, dass das anerkannt wird."
Franziska Brantner, ihres Zeichen Staatssekretärin unter
#Habeck@BMWK wurde gestern im #Bundestag gefragt, was sie all
denen erzählen wird, die aufgrund der verfehlten Energiepolitik
#Bundesregierung die Arbeitslosigkeit droht. Antwort wird wohl
in die Zynismus-Analen eingehen:
pic.twitter.com/yFYOsjvRaN —
Florian Warweg (@FWarweg) October 1, 2022
15:18 Uhr
WDR-Journalist warnt vor "Beleuchtungsorgien im Advent"
"Weniger ist doch mehr. Ein schönes Teelicht sorgt auch für
Adventsstimmung." Videoschnipsel mit dem Plädoyer des
WDR-Journalisten Philipp Wundersee für ein Weihnachtsfest ohne
Weihnachtsbeleuchtung verbreiten sich in den sozialen Netzwerken.
Philipp Wundersee warnt im WDR vor Beleuchtungsorgien im
#Advent. "Ein schönes Teelicht sorgt auch für Adventsstimmung".
#ReformOERR#
OERRBlogpic.twitter.com/vfBgrFk9HQ — ÖRR Blog.
(@OERRBlog) September 30, 2022
Wundersee hatte in dem Video "Pro und Contra: Sollten wir auf
Weihnachtsbeleuchtung verzichten?" die Pro-Seite vertreten. Die
Argumente dagegen kamen von der WDR-Journalistin Ingrid Bertram.
Beide Seiten argumentierten unter anderem mit der "Solidarität für
die Ukraine". Die Kommentarfunktion unter dem Youtube-Video des
Tagesschau-Kanals ist abgeschaltet.
14:24 Uhr
LIVE aus Berlin: Demonstration "Schluss mit den Sanktionen –
Handwerker für den Frieden"
In Berlin haben sich mehrere Hundert Demonstranten versammelt, um
gegen die Regierungspolitik und die Sanktionen gegen Russland zu
demonstrieren.
14:20 Uhr
Eni: Russland liefert kein Gas mehr nach Italien
Russland hat nach Auskunft des italienischen Versorgers Eni seine
Gaslieferungen nach Italien vorerst eingestellt. Wie Eni am
Sonnabend erklärte, habe der russische Konzern Gazprom mitgeteilt,
kein Gas mehr durch Österreich liefern zu können. Das russische Gas
kommt normalerweise an dem italienisch-österreichischen Grenzort
Tarvisio in Italien an und wird von dort verteilt.
Ein Eni-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Ansa, dass Gazprom
mitgeteilt habe, nicht mehr nach Österreich liefern zu können.
Allerdings erhalte Österreich nach Auskünften von Eni weiterhin
russisches Gas, sagte der Sprecher weiter.
13:58 Uhr
Gerald Markel: Ernst der Lage ist der Öffentlichkeit nicht bewusst
Der österreichische Unternehmer Gerald Markel beschreibt in einem
Telegram-Post die wirtschaftliche Lage in der EU in deutlichen
Worten:
"Ich habe nicht den Eindruck gewonnen, dass der Ernst der
ökonomischen Lage der breiten Öffentlichkeit auch nur annähernd
bewusst ist.
Die europäischen Währungen Pfund und Euro stürzen ab, die
Industrieproduktion bricht massiv ein und die Handelsketten
erwartet ein Totalausfall im lebensnotwendigen Weihnachtsgeschäft!!
Die Inflation in Österreich ist auf Rekordniveau von 10,5 Prozent,
Tendenz weiter steigend, der sogenannten Warenkorb des täglichen
Lebens ist mittlerweile um 30 Prozent zum Vorjahr gestiegen!!!"
Das Kartenhaus breche bereits zusammen. Der Letzte möge das Licht
ausmachen, Strom sei zu teuer geworden.
13:45 Uhr
RBB bewirbt "Kunst zum Thema Menstruation"
Unterdessen befasst sich der RBB mit den wirklich wichtigen Themen
und bewirbt "Kunst zum Thema Menstruation", mit der die "sozialen,
kulturellen und politischen Aspekte des Blutens aus
geschlechtsübergreifenden Sichtweisen erforscht werden" sollen. Ein
Kommentar auf Twitter bezeichnet das als
"Wohlstandswokeverwahrlosung".
#Kunst zum Thema #Menstruation ist zur Zeit in der Alten Münze
in #Berlin zu sehen. Dabei sollen die sozialen, kulturellen und
politischen Aspekte des Blutens aus geschlechtsübergreifenden
Sichtweisen erforscht werden.
pic.twitter.com/pZIgKmMJKN —
rbb|24 (@rbb24) October 1, 2022
11:59 Uhr
Süßwarenhersteller Bodeta meldet Insolvenz an
Der Süßwarenhersteller Bodeta aus Oschersleben ist insolvent. Das
berichtet die Mitteldeutsche Zeitung. Bereits am Montag hat das
Unternehmen beim Amtsgericht Magdeburg ein Insolvenzverfahren in
Eigenverwaltung beantragt, wie ein Sprecher des Unternehmens am
Dienstag mitteilte.
Als Grund nannte Bodeta die steigenden Energiepreise für die
energieintensive Produktion. Auch die Preise für wichtige Rohstoffe
seien in den letzten Monaten "geradezu explodiert". Im laufenden
Verfahren soll die Produktion in vollem Umfang fortgeführt werden.
Bodeta wurde 1892 gegründet und ist vor allem für seine grün
verpackten Eukalyptus-Menthol Bonbons bekannt.
10:18 Uhr
heute-show über Nord-Stream-Sabotage: "Röhre wurde geöffnet – nur
halt von innen"
Die ZDF heute-show hat sich über die Angriffe auf die
Ostseepipelines Nord Stream 1 und 2 lustig gemacht. Auf Twitter
schrieben die ZDF-Satiriker am Freitagabend:
"Endlich gute Nachrichten für alle, die jeden Montag auf Demos die
Öffnung von Nord Stream 2 gefordert haben: Die Röhre wurde geöffnet
– nur halt von innen."
Endlich gute Nachrichten für alle, die jeden Montag auf Demos
die Öffnung von Nord Stream 2 gefordert haben:Die Röhre wurde
geöffnet – nur halt von innen. #heuteshow — ZDF heute-show
(@heuteshow) September 30, 2022
Die Reaktionen der Leser fielen überwiegend negativ aus. Ein Nutzer
schrieb (im Original):
"Was liegt noch tiefer als die Gaspipelines? Das Niveau der
heuteshow."
Eine Kommentatorin meinte:
"Über Eure welken Witzchen lacht nur noch Ihr selbst. Die Frage
ist, erkennt Ihr die Tragweite nicht, weil Ihr so dumm seid? Oder
weil Ihr so ignorant seid? Oder staatshörig? Oder alles zusammen?"
09:58 Uhr
Gaspreisbremse: Habeck bereitet Bürger auf Enttäuschung vor
Die geplante Gaspreisbremse wird laut Bundeswirtschaftsminister
Robert Habeck nur für 80 Prozent des Verbrauchs greifen. Im
Deutschlandfunk erklärte der frühere Kinderbuchautor, dass die
oberen Spitzen mit Sicherheit nicht gedeckelt würden:
"Für die oberen 20 Prozent des normalen Verbrauchs wird man
sicherlich die volle Rechnung bezahlen müssen."
Es sei zudem klar, dass auch das Preisniveau der übrigen Menge nicht
auf das von vor dem Ukrainekrieg gesenkt werde:
"Wir werden natürlich nicht den Gaspreis so runtersubventionieren
können, wie er 2021 war. Und zwar sehr lange Zeit nicht."
09:32 Uhr
Commerzbank schließt Filialen
Im Zuge eines Strategiewechsels plant die Commerzbank die Schließung
weiterer Filialen in Deutschland. Das berichtet das Handelsblatt unter
Berufung auf "mit dem Thema vertraute Personen". Der Vorstand habe
beschlossen, künftig nur noch mit 400 statt der ursprünglich geplanten
450 Niederlassungen zu operieren. Als Gründe dafür werden
Personalmangel und verstärktes Onlinebanking angeführt.
09:22 Uhr
Umfrage: Mieter fürchten Nebenkostenabrechnungen
Angesichts der hohen Gas- und Strompreise fürchten viele Mieter in
Deutschland steigende Nebenkostenabrechnungen. Manche sparen bereits
gezielt für den Fall hoher Nachforderungen, zeigt eine repräsentative
Umfrage des Energiedienstleisters Ista, die der Nachrichtenagentur dpa
vorliegt. Rund 80 Prozent der Mieter machten sich im September Sorgen,
dass sie 2023 eine hohe Nebenkostenabrechnung erwartet. Im Mai waren es
erst 68 Prozent.
09:18 Uhr
Euro gibt nach – Inflation in der Eurozone bei zehn Prozent
Der Kurs des Euro hat am Freitag etwas nachgegeben. Am Nachmittag
kostete die Gemeinschaftswährung 0,9782 US-Dollar. Am Vormittag hatte
sie noch über der Marke von 0,98 Dollar notiert. An den beiden Vortagen
hatte sich der Euro von vorherigen Verlusten erholt. Die Europäische
Zentralbank setzte den Referenzkurs am Freitag auf 0,9748 (Donnerstag:
0,9706) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0258 (1,0302) Euro.
Der starke Preisauftrieb in der Eurozone hält an. Im September legten
die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 10,0 Prozent zu.
Dies ist der stärkste Anstieg seit Einführung des Euro als Buchgeld im
Jahr 1999. Die Rate fiel etwas höher als erwartet aus.
Die höchsten Inflationsraten im Euroraum wiesen mit mehr als 20 Prozent
erneut die baltischen Staaten auf. In Estland stiegen die
Verbraucherpreise um 24,2, in Litauen um 22,5 und in Lettland um 22,4
Prozent. In Deutschland betrug die Inflationsrate 10,9 Prozent, in
Österreich 10,5 Prozent.
Umfrage
Aufnahme der Referendumsgebiete in die Russische Föderation
Russlands Präsident Wladimir Putin unterzeichnet am Freitag die
Dokumente zur Aufnahme der früheren ukrainischen Gebiete Donezk,
Lugansk, Saporoschje und Cherson in die Russische Föderation. Was
halten Sie davon?
Das ist überfällig und hätte schon 2014 passieren sollen.
39.7%
Gut so. Wenn das Kiewer Regime und die Strippenzieher im Westen so
weitermachen, folgen Charkow und Odessa bald nach. 47.1%
Ich weiß nicht. Man sollte die Bürger noch einmal unter neutraler
Aufsicht abstimmen lassen. 7.7%
Das ist eine Farce, genauso wie die Referenden! Diese Gebiete
gehören zur Ukraine. 5.5%
Wie würden Ihre Freunde abstimmen? Hier können Sie die Umfrage teilen: