Ijon Tichy wrote:
>
> Am Sat, 18 Jul 2015 06:53:27 +0200 schrieb Carla Schneider:
>
> > Auch, und ich denke Habermas hat Schaeuble nicht verstanden.
> > Es gibt nur eine Loesung fuer das Griechenlandproblem:
> > Griechenland muss die Eurozone verlassen. Das geht aber nur freiwillig.
> >
> > Griechenland muss
>
> Griechenland muss eigentlich gar nichts.
>
> Es gibt aber tatsächlich nur eine Lösung des Griechenland-Problems,
> nämlich:
>
> *einen radikalen Schuldenschnitt*.
Den haette es doch bekommen, wenn es aus dem Euro austritt.
>
> Die Knete ist schlicht futsch. Die Geldgeber haben es verzockt, weil hohe
> Zinsen lockten, dann sind sie, als es brenzlig wurde ausgestiegen und
> haben sie die "faulen Kredite" der EZB und den anderen EURO-Staaten
> verkauft.
Die haben ihnen das abgekauft um den ganz grossen Crash zu verhindern.
Der Steuerzahler (auch in Deutschland) wird die Verluste uebernehmen muessen.
>
> Griechenland wurde in den letzten fünf Jahren de facto von der "Troika"
> regiert - da wurde "gespart, koste es was es wolle", genützt hat es
> nichts, im Gegenteil.
Griechland hat ausser den Staatschulden noch ein anderes Problem mit
derselben Ursache:
Die Preise und Loehne sind dort zu hoch gestiegen. Auslaendische Waren
sind billiger als griechische Erzeugnisse. Griechenland brauchte also
Deflation um als Euroland weitermachen zu koennen.
Und das ist es was Griechenland die letzten 5 jahre erlebt, und es war
offenbar immer noch nicht genug.
Deflation bedeutet aber Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit.
Das ist mit Sicherheit keine gute Loesung fuer ein Wirtschaftsproblem.
Waere Griechenland nicht im Euro haette die Waehrung abgewertet und das
Problem sich von selbst geloest.
>
> Man sollte sich vielleicht mal sprachlich von dem Begriff "Schulden" lösen
> und stattdessen von "Verbindlichkeiten" reden. Es ist kein moralisches
> Problem der *schuldhaft verschuldeten* "miesen und faulen Griechen" und
> der "aufrechten und fleißigen Deutschen".
Die Sprache ist nicht das Problem.
>
> Es ist ein finanztechnisches Problem der gierigen Banken.
Es ist ein Problem des Euros an sich.
Banken verleihen Geld, das ist ihr Geschaeft, und Staatschulden muessen
als sicher gelten, wenn das nicht so ist bricht das ganze System zusammen.
Normalerweise ist das auch so (z.B. USA GB, DM-Deutschland) denn die
Staaten haben eine Notenbank die dafuer garantiert dass Staatschulden in
der eigenen Waehrung immer zurueckgezahlt werden koennen, denn sie kann
im Notfall Geld drucken und Staatschulden aufkaufen ohne Limit.
>
> Das Problem beim "Schuldenschnitt" ist nun aber, dass das laut Reglement
> der Euro-Zone nicht geht, denn es wäre ein "verdeckter Bail-Out". Außerdem
> würde ziemlich viel "Kapital" vernichtet. Einige sehr reiche Leute würden
> ziemlich viel Geld dabei verlieren - und DAS können wir ja in einer
> "marktkonformen Demokratie" (Merkel) nicht zulassen.
Reiche Leute haben ihre griechischen Staatsanleihen schon laengst verkauft.
Allein Banken (hauptsaechlich griechische) und eben die EZB und andere Euro-Staaten
wie du oben schriebst haben welche.
Bei einem Schuldenschnitt muessten die Euro-Staaten diesen Verlust tragen.
> Lieber lassen wir zu,
> dass Griechenland sich zu einem Dritt-Welt-Land entwickelt.
>
> Wie es richtig geht, hat Island vorgemacht
>
> <
http://www.heise.de/tp/news/Island-tilgt-IWF-Kredite-
> vorzeitig-1995401.html>
>
> Island tilgt IWF-Kredite vorzeitig Rainer Sommer 16.03.2012 Die
> finanzielle Gesundung Islands scheint rasant voranzuschreiten
Island ist kein Euro-Land und Island ist klein (0.3 Mio Einwohner).
Island ist in Schwierigkeiten geraten weil islaendische Banken pleite gegangen
sind, die sich aufgrund der Subprime Krise in den USA nicht mehr am Kapitalmarkt
refinanzieren konnten. Diese Banken hatten Schulden die das Bruttoninlandsprodukt
von Island um das 10fache ueberstiegen.
Island musste die Banken verstaatlichen und Schulden uebernehmen,
die Island niemals gemacht hat, und konnte diese Schulden natuerlich nicht bezahlen.
>
> Während die finanziell gestrauchelten Eurozoneländer sich wohl auf Jahre
> hinaus immer wieder um neue "Hilfskredite" werden anstellen müssen, hat
> Island anscheinend bereits wieder genug Geld, um die Hilfskredite des IWF
> und der nordischen Staaten früher als geplant zurückzuführen.
>
>
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36305/1.html
>
> "Islands Häresie stellt einen Test der ökonomischen Doktrin da"
> Christoph Mann 31.01.2012
> Island erholt sich von der Krise - auch weil es sich weigerte, die
> Bankenschulden zu sozialisieren, und mehr Demokratie zugelassen hat. Nun
> stellt sich der IWF hinter Island
>
> Island, das im Oktober 2008 seine aufgeblähten Banken gerettet hat und
> kurz darauf selbst vor der Pleite stand, erholt sich von der Krise.
> Maßgeblich beteiligt war die Entscheidung, die Bankenschulden nicht zu
> sozialisieren, den Wohlfahrtstaat zu erhalten und die Bürger stärker in
> die Politik einzubeziehen. Während Ökonomen dies lange als sicheren Weg
> in den finanziellen Selbstmord gebrandmarkt haben, sprechen nun die
> Tatsachen für Islands Politik. Auch der IWF stellt sich hinter Island und
> will aus seinem Einsatz auf der Insel Lektionen ziehen. Das könnte ein
> Umdenken der mächtigen Institution einleiten.
> Zitat Ende.
Die Staatschulden Griechenlands sind aber keine uebernommenen Bankschulden,
sondern zum grossen Teil echte Staatschulden . D.h. der Staat hat Anleihen verkauft
und das Geld ausgegeben.
Griechenland ist fuer diese Staatschulden verantwortlich, nicht die Banken
die Griechenland diese abgekauft haben.