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Wenn Lichterketten ausbleiben

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Hansi

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Apr 29, 2001, 5:48:25 AM4/29/01
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© NATION & EUROPA · Deutsche Monatshefte - www.nationeuropa.de


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Wenn Lichterketten ausbleiben:

Falsches Opfer, falsche Täter


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"Du sollst nicht morden. Dies ist eine Verpflichtung für Deutsche wie
für Ausländer." Dieser Satz erinnert jetzt auf einer Gedenktafel am
S-Bahnhof in Frankfurt-Griesheim an eine tödliche Bluttat vom 13.
Februar 1999. Begangen wurde sie von ausländischen Jugendlichen an dem
23jährigen Robert Edelmann. Im Gegensatz zu dem am gleichen Wochenende
im brandenburgischen Guben zu Tode gekommenen Algerier Omar Ben Noui
fand der Tod von Robert Edelmann kaum Beachtung. Das Gericht stellte
später bei den Tätern aus Eritrea, der Türkei, Marokko und Jordanien
eine "deutschfeindliche Einstellung" fest.

Was die Messerstecher nicht wußten: Ihr Opfer war israelischer
Staatsbürger. Seine Familie stammt aus Rußland und hatte über Israel
den Weg nach Deutschland gefunden. Politiker und Journalisten schien
das Verbrechen an Edelmann unbeachtlich, weil sie zunächst von einem
deutschen Opfer ausgingen. Als sich später die jüdische Abstammung
herausstellte, unterblieb wegen der "falschen" - sprich:
ausländischen - Täter ebenfalls jede öffentliche Aufregung. Der Fall
paßte nicht in das "antifaschistische" Wahrnehmungsraster.

Kirchenrat Rolf Sauerzapf (Bild nächste Seite) hielt bei der
Einweihung der Gedenktafel eine Andacht für alle Opfer von Gewalt und
kritisierte die einseitigen Reaktionen: "Der Tod von Robert Edelmann
schien bald vergessen. Es gab ja auch weder Solidaritätsmärsche noch
Lichterketten noch Trauerbekundungen durch Politiker." Nicht einmal
die ansonsten für rasche Stellungnahmen bekannten Spitzenvertreter des
Zentralrats der Juden hielten einen öffentlichen Protest gegen diesen
Akt brutalster Ausländerkriminalität für geboten.

An der Trauerfeier nahmen neben der Mutter und der Schwester von
Robert Edelmann sowie Freunden noch weitere Eltern teil, deren Söhne
unter ähnlichen Umständen ums Leben kamen. Elke und Jürgen Tragelehn
kamen aus Lohfelden bei Kassel. Ihr Sohn Thorsten (20) wurde am 3.
September 1999 von Türken getötet.

Timo Hinrichs, dessen Eltern ebenfalls zugegen waren, wurde am 1. Mai
1999 in Rödermark südlich von Offenbach im Alter von 24 Jahren von
Kosovo-Albanern ermordet. Seine Mutter Monika Hinrichs macht keinen
Hehl aus ihrer Empörung, daß immer nur ausländerfeindliche Gewalt im
öffentlichen Interesse stehe. Als in der Frankfurter St.
Katharinenkirche eine "Telefonkette gegen Rechts" gegründet wurde,
schrieb sie in einem Leserbrief mit Blick auf den Initiator, Pfarrer
Hans Christoph Stoodt:

"Nun muß man doch wirklich fragen, warum deutsche Gewaltopfer bei
diesen Überlegungen überhaupt keine Rolle spielen. Wäre es nicht
christlicher, sich um alle Opfer zu kümmern? Hat Jesus Unterschiede
zwischen Menschen gemacht? In der Bibel steht, daß Gott alle Menschen
liebt - auch Deutsche, Herr Pfarrer!"


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