Rol56 schrieb:
> Hat jemand Erfahrung mit einer Beckenkorbprothese ?
Nicht als Anwender, aber als Bauer solcher. Ziemliche Geraete, etliche Spielerei
beim Einstellen, aber auf Dauer voellig problemlose "Ankoppelung" an den
Koerper. Keine Abschnuerungen, keine Randknoten, keine Durchblutungsprobleme,
keine Stumpfendprobleme mit durchspiessenden Knochen. Hueftexpatienten kommen
normalerweise nur noch zur Reparatur verschlissener Hueft- und Kniegelenke
wieder. Allerdings moechte ich
diese Aussage nicht zum Dogma erheben. ;-)
> Tumors das ganze Bein amputieren lassen und soll danach mit einer solchen
> Prothese versorgt werden
Und das sagst Du so locker...
servus,
Patrick
> Hat jemand Erfahrung mit einer Beckenkorbprothese ? Ich muß mit wegen eines
> Tumors das ganze Bein amputieren lassen und soll danach mit einer solchen
> Prothese versorgt werden
Keine eigenen Erfahrungen (im bin "nur" in der oberen Hälfte rechts
Oberschenkelamputiert, so weit ich das beurteilen kann: Gott sei dank.
Also eine Mitpatientin hat ihr gesamtes linkes Bein und einen Teil der
Hüfte durch eine Wundinfektion eingebüßt. Die wurde mit einer
Beckenkorbprothese versorgt und kann damit auch relativ gut laufen. Aus
ihrer Sicht hat die Geschichte aber mind. zwei Nachteile:
1. kann sie mit der Prothese nicht sitzen, auch nicht zur Toilette
gehen.
2. kann sie die Prothese nicht alleine anlegen und abnehmen.
Keine Ahnung, ob das allgemeine Probleme sind, oder spezifische dieser
einen Patientin.
cu,
sven
--
Sven Mueller Tel: +49-231-401550
Giessereistr. 11a Mobil: +49-179-6924084
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email: s...@ping.de http://www.ping.de/~smu/
Sven Mueller schrieb:
> aber mind. zwei Nachteile:
> 1.
[..]
> 2.
[..]
> Keine Ahnung, ob das allgemeine Probleme sind, oder spezifische dieser
> einen Patientin.
Das wuerde ich glatt mal annehmen, bislang konnten noch von alle mir erlebten
Hueftexer ihre Geraete allein bedienen. Ich haette jetzt aus der Ferne auch
keine Vorstellung, woran es bei ihr hapern koennte...
servus,
Patrick
Hm, Hemipelvektomie? Ich hatte 1996 eine, auch wegen eines Tumors. Vor
und nach der Operation redeten Ärzte und Orthopädiemeister mir
erfolgreich ein, eine Prothese sei das einzig Wahre und etwas anderes
sei praktisch gar nicht denkbar. Erst nachdem ich mich ein Jahr lang mit
der Beckenkorbprothese herumgeplagt hatte, wurde mir klar, dass dieses
Ding mich eher noch mehr behindert als daß es mein Leben erleichtert.
Ich habe die Prothese daraufhin in die Ecke gestellt und begonnen, nur
noch mit Krücken zu laufen, und erst seit diesem Zeitpunkt habe ich das
Gefühl, wieder einigermaßen zu leben.
Man *kann* mit einer solchen Prothese zwar laufen, aber das ist ein sehr
mühsames Geschäft. Man muss sie bei jedem Schritt durch eine Drehung des
Körpers nach vorne schlenkern, eine völlig unnatürliche Bewegung, die
bei mir einmal sogar zum Ausrasten eines Wirbels geführt hat. Das
Gehtempo ist durch die Physik der Prothese begrenzt, und zwar ungefähr
auf das eines tatterigen Opas. Bei unebenem Untergrund besteht ständige
Stolpergefahr, Spazierengehen über holprige Feldwege ist eine Qual, das
Überqueren von Wiesen mit hohem Gras praktisch unmöglich. Im Sommer
schwitzt man in dem Plastikkorb wie ein Hund. Richtig sitzen kann man in
dem Ding nicht, und stehen auch nicht, denn man steht letztlich doch
immer nur auf einem Bein - das Prothesenbein muss um einige cm kürzer
sein, um ein Laufen überhaupt zu ermöglichen.
Ich sage das keineswegs, weil ich zu blöd bin, um mit der Prothese
zurechtzukommen; ich habe das Gehen damit extrem schnell gelernt, und
nach der Hälfte der 3-wöchigen Gehschule mußten die Leute zugeben, daß
sie mir nichts mehr beibringen können.
Mit Unterarmstützen dagegen bewege ich mich (nachdem sich die
entsprechenden Muskeln entwickelt haben) so schnell wie ein Zweibeiner.
Weder Treppen noch holprige Feld- und Waldwege oder steile Abhänge sind
ein Problem; Vorsicht ist nur geboten bei glitschigem Untergrund. Ich
laufe bis zu 3 km am Stück, was mit der Prothese fast undenkbar wäre.
Bei längeren Strecken nehmen wir den Rollstuhl mit, und ich lasse mich
zwischendurch eine Weile von meiner Frau schieben. Auch daran muß man
sich natürlich erst - psychisch - gewöhnen, aber das ist ein anderes
Kapitel.
Die einzigen Pluspunkte einer Prothese gegenüber Krücken sind meines
Erachtens folgende:
1. Manchmal sieht es annähernd so aus, als hätte man 2 Beine (man darf
sich nur nicht bewegen);
2. sie kostet nicht 120, sondern 12000 DM, was natürlich einen
unbestreitbaren Vorteil für die Prothesenfirma darstellt.
Wenn einem der kosmetische Effekt (Vortäuschen von Zweibeinigkeit)
sehr wichtig ist, sieht die Sache natürlich anders aus. In jedem Fall
empfehle ich Dir: laß Dich von den Ärzten und Orthopädiefritzen nicht
bequatschen, sondern hole so viele Informationen wie möglich von
Betroffenen ein, und treffe dann Deine eigene Entscheidung. Ich habe
meine Argumente übrigens hinter dem Prof. vorgetragen, der mich
operiert hat, und er hat mir in allen Punkten Recht gegeben.
Wenn Du noch Fragen hast, melde Dich gerne bei mir per e-mail.
Gruß, Bernd
--
Bernd Eggink
Regionales Rechenzentrum der Uni Hamburg
egg...@uni-hamburg.de
http://www.rrz.uni-hamburg.de/eggink/BEggink.html