Am 27.09.2021 um 17:48 schrieb Der Habakuk.:
> Am 27.09.2021 um 08:07 schrieb Christoph Müller:
>> Am 26.09.2021 um 20:59 schrieb Heinz Brückner:
>>> am Sun, 26 Sep 2021 19:42:17 +0200 schrieb Christoph Müller
>>> <
chrnew...@astrail.de>:
>>> Deine (fast) charmant primitive Behauptung:
>>> Je einfacher, desto zutreffender ...
>>
>> Diese Behauptung stammt nicht mal von mir. Wenn ich mich recht
>> entsinne, hat schon Albert Einstein Ähnliches von sich gegeben. Viele
>> Andere auch.
>
> Haben die nicht eher gesagt: Mach es so einfach, wie *möglich*. Aber
> nicht *noch einfacher*! :-)
Die haben in etwa gesagt "je mehr Worte man braucht, desto weniger hat
man vom Thema verstanden."
> Und es gibt nun halt Sachverhalte, die kompliziert strukturiert und
> deshalb auch nur schwierig zu verstehen sind.
Stimmt. Biologie ist auch recht kompliziert. Trotzdem kann man sie in
einem einzigen kurzen Satz hinreichend beschreiben: "Biologie ist die
Lehre vom Leben." So gesehen ist meine Auffassung von Religion schon
ziemlich üppig, wenn ich sage "Religion ist das Streben nach dem guten
Überleben der Menschheit."
>>> Wenn Du das _so_ brauchst: Religion ist die Lehre von allem außer Leben.
>>> | Natürlich kann man noch weiter ins Detail gehen. (Christoph M.)
>>
>> Definitionen macht man, damit sie einem irgendwie nützen.
>
> Nö. Das wäre sicher 'nützlich' für irgendwelche Leute (aber dann meist
> auch schädlich für irgendwelche anderen Menschen.)
Kurze Definitionen sind nützlich, weil sie leicht verstanden werden.
Dann kann man sich ohne lange Umschweife direkt dem Thema widmen, ohne
dieses erst noch lang und breit erklären zu müssen.
>> Dass man z.B. nicht lang erklären muss, worüber man im Moment grade
>> spricht.
>
> Auch Zeiger müssen "wahr" sein. Ob nun in C, daß man eben die richtige
> Speicherasresse adressiert, oder in der Umgangssprache.
>
> Stell dir vor einer geht zum Schreiner, bestellt einen handgemachten
> Tisch, Eiche massiv, lasiert usw usw. Als er kommt und ihn abholen will,
> beschwert er sich: die Sitzfläche ist ja viel zu hoch, es fehlt eine
> Rückenlehne usw.
Tja - Tisch ist halt was Anderes als Stuhl. Hätte er einen Stuhl
bestellt, hätte der Schreiner einen Stuhl gebaut und geliefert.
> Naja, man sollte halt Stühle nicht Tisch nennen.
Macht man aber zur Vermeidung von Missverständnissen.
> Dann gibts weniger
> Mißverständnisse. und deine Religionsadefinition mag für dich nützlich
> sein, sie wird aber von anderen überwiegend nicht verstanden, sondern
> abgelehnt.
Nicht verstanden? WAS wird da nicht verstanden, wenn es heißt "Religion
ist das Streben nach dem guten Überleben der Menschheit."? Das einzige
Fremdwort ist hier "Religion". Dieses wird aber mit dem Rest des Satzes
erklärt. M.E. mit Worten, die eigentlich jeder verstehen sollte, der der
deutschen Sprache halbwegs mächtig ist.
Ablehnung ist eine ganz andere Sache. Diese sollte ja zumindest
voraussetzen, dass man weiß, worum es geht. Dann kann man sich darüber
unterhalten, aus welchem Grund diese Definition abgelehnt wird und
welche weshalb wie besser wäre.
> Vielleicht solltest du dich mal mit Wahrheitstheorien beschäftigen. Etwa
> mit der uralten Korrespondenztheorie der Wahrheit. Übereinstimmung von
> Erkenntnis und Gegenstand. Hat schon der olle Aristoteles was dazu
> gesagt.
Was soll ich da genau damit anfangen? Muss ich mir das jetzt alles
reinziehen? Wenn du's verstanden hast, müsstest du den Kern der Sache
kurz, kackig, treffend und leicht verständlich erklären können. Würde
mir viel Aufwand ersparen und du könntest zeigen, dass du's drauf hast.
> Oder hier:
>
> "
>
> „Ich antworte, es sei zu sagen, dass Wahrheit in der Übereinstimmung von
> Verstand und Sache besteht […]. Wenn daher die Sachen Maß und
> Richtschnur des Verstandes sind, besteht Wahrheit darin, dass sich der
> Verstand der Sache angleicht, wie das bei uns der Fall ist; aufgrund
> dessen nämlich, dass die Sache ist oder nicht ist, ist unsere Meinung
> und unsere Rede davon wahr oder falsch. Wenn aber der Verstand
> Richtschnur und Maß der Dinge ist, besteht Wahrheit in der
> Übereinstimmung der Dinge mit dem Verstand;" (Thomas von Aquin)
Was trägt das zum guten Überleben der Menschheit bei?
>> Welchen Nutzen könnte deine Definition von Religion haben?
>
> Definitionen haben was mit der Abgrenzung und Wesensbestimmung zu tun.
Richtig. Wenn ich über Religion rede, dann geht's bei mir ums Überleben
der Menschheit.
Es gibt auch Gruppierungen, die behaupten, ganz besonders religiös zu
sein, woraus sie das Recht ableiten, anderen Menschen verstümmeln und
töten zu dürfen. Für mich sind das ganz einfach schwerstkriminelle
Verbrecher, die mit Religion überhaupt nichts zu tun haben. Bei solchen
Typen muss man nur nach dem irdischen Chef fragen. Den kennt dann
vermutlich jeder. Und kaum einer kommt an ihn ran, weil seine
Privatarmee das verhindert. Trotzdem unterstützen sie ihn, weil er
ständig von heilig heilig und "Religion" erzählt (die in der erzählten
Form allerdings gar keine ist). Eine SOLCHE "Religion" dient nur dazu,
die Macht eines Einzelnen durch möglichst viele Unterstützer zu sichern.
Kämen diese Unterstützer plötzlich zu der Überzeugung, dass Religion das
Streben nach dem Überleben der Menschheit wäre, dann würden sie sehr
schnell bemerken, dass ihr irdischer Chef mit Religion überhaupt nichts
am Hut hat. Dann könnte es zum Einen vermehrt zur Befehlsverweigerung
kommen und es wäre für den Chef SEHR viel schwerer, überhaupt noch
Nachwuchs anzuheuern. Wer will sich schon freiwillig kriminellen Banden
anschließen? Ein Chef ohne Unterstützer ist nur ein Papiertiger, der
nichts mehr bewirken kann. Von einem solchen "Chef" geht keine große
Gefahr mehr aus.
Ist es nicht genau sowas, was wir für eine friedliche und lebenswerte
Welt brauchen? Wieso werden Abermilliarden in Rüstung investiert anstatt
in die gute Zukunft der Menschheit? Das wäre doch ganz wesentlich
billiger und wahrscheinlich auch noch wirksamer.
> Abgrenzung des einen Begriffes, von einem anderen, nahen Begriff. Und
> Wesensbestimmung eines Dinges, einer Sache zu beschreiben.
Die Abgrenzung ist schwierig, weil kaum jemand weiß, was Religion
überhaupt erst zur Religion macht. Ist es der gewaltveranlassende Chef?
Sind es die heiligen Bücher, von denen keiner weiß, weshalb und wozu sie
überhaupt geschrieben wurden? Sind die Geschichten darin
Handlungsempfehlungen oder Warnungen? Kann sich jeder nach Gusto und
Gelegenheit die "richtigen" Geschichten herauspicken und in seinem Sinne
frei interpretieren?
> Deine Definition von Religion soll wohl eine Wesensbestimmung
> darstellen. Da mußt du aber deine eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen
> darüber, wie diese sache am besten *wäre*, oder wie sie sein *sollte*
> zurückstellen und dich an die Wahrheit, an die real existierenden
> Zustände etc. halten.
Und? Was kommt dann dabei raus? Erklär's mir bitte!
> Und insofern als dein Religionsdefinition von so gut wie niemand anderem
> geteilt wird, ist sie sogar untauglich und eben gerade *nicht* nützlich!
Nur, weil hier nicht lauthals diese Religionsdefinition übernommen wird,
heißt das noch lange nicht, dass sie von niemandem geteilt würde. Man
sieht ja recht schön, wie mit unkonventionellen Meinungen umgegangen
wird. Entweder ist man von seiner Sache zutiefst so überzeugt, dass
einem blöde Kommentare eben nur wie blöde Kommentare vorkommen oder man
sagt besser garnichts zum Thema. Das ist in erster Linie eine Frage der
Diskussionkultur. Heult man mit den Wölfen oder denkt man selber?
Selbstunsichere Menschen bevorzugen das Heulen mit den Wölfen, damit sie
sich möglichst keinen Angriffen ausgesetzt fühlen.
> Das gibt dann nur Mißverständnisse, wie zwischen dem Schreiner und dem
> Kunden, der einen Stuhl wollte, aber Tisch sagte.
Der Eine versteht unter Religion das Streben nach dem Überleben der
Menschheit. Der Andere versteht darunter ein Machtinstrument, um Andere
damit unterdrücken zu können. Es gibt auch noch tausend weitere
Auffassungen zum Thema. Somit ist Religion im Wesentlichen UNdefiniert.
Und damit ein Paradies für durchgeknallte machtkranke Kriminelle. Aber
halt nicht nur. Möchtest du diesen Zustand aufrecht erhalten?