in der Sendung Kopfball der ARD/WDR vom 27.2.2000 wurde die
Unterwäsche der Spaceshuttle Astronauten gezeigt und nach dem Zweck
der Röhrchen gefragt.
Die akzeptierte Antwort war das diese wasserdurchströmten Röhrchen als
Heizung gegen die Weltraumkälte dienen.
Ich war erstaunt über diese Antwort und habe meine Bücher über
Raumfahrt durchgesehen und auch die NASA Server durchsucht, ich fand
etliche Stellen über die Notwendigkeit einer Kühlung des Astronauten
um die Körperwärme bei der Arbeit abzuführen, aber nirgendwo einen
Hinweis auf eine Heizung im Raumanzug. Es wird auch erwähnt das der
Raumanzug für das Spaceshuttle, die EMU, maximal 2 Megajoule pro
Stunde an Wärme abführen kann, das sind immerhin 555 W was auch für
sehr starke körperliche Anstrengung reichen soll. Es werden auch die
Vorräte an Sauerstoff, Trinkwasser, Kühlwasser und die Stromversorgung
aufgeführt, aber kein Hinweis auf eine Heizung oder Verbrauchsmaterial
dafür. Eine elektrische Heizung kann es auch kaum sein, dafür sind die
Akkus zu schwach, einige 10 W würden wenig nützen wenn der menschliche
Körper in Ruhe schon 70 bis 100 W an Wärme produziert, bei
körperlicher Arbeit oder bei kälterer Umgebung können es auch mehrere
100 W Wärme werden, die Zahlen habe ich aus Sportphysiologie von Prof.
Dr. Horst de Marées entnommen. Dort ist aber auch ein Beispiel für
eine Wärmeabgabe von 750 W angeben, aber bei nur bei
ausdauertrainierten Athleten.
Ich habe dann an die Redaktion Kopfball geschrieben und dabei auch die
entsprechenden Zitate aus dem NASA Web angeführt:
The Space Suit
http://www.hq.nasa.gov/office/pao/History/SP-4026/noord47.html
Future Space Suits
http://quest.arc.nasa.gov/space/teachers/suited/8future.html
The Space Shuttle EMU
http://quest.arc.nasa.gov/space/teachers/suited/5emu1.html
The Space Shuttle Extravehicular Mobility Unit (EMU)
http://quest.arc.nasa.gov/space/teachers/suited/5emu3.html
EXTRAVEHICULAR MOBILITY UNIT (SPACE SUIT)
http://www.ksc.nasa.gov/shuttle/technology/sts-newsref/stsref-toc.html#
Daraufhin erhielt ich einen Anruf von dem Author des Beitrags, er
sagte das der Astronaut Thiele der letzten Mission ihm bei den
Aufnahmen erklärt hätte das die Röhrchen ähnlich einer
Fussbodenheizung wären, mir gelang es nicht ihn davon zu überzeugen
das diese ausschliesslich zur Kühlung dienen, aber nicht zur Heizung.
Könnt ihr mir noch Quellen nennen die eine Heizung im Raumanzug
belegen oder nur weitere Quellen für eine Kühlung des Anzugs?
Schon mal vielen Dank und bis dann,
Uwe
> in der Sendung Kopfball der ARD/WDR vom 27.2.2000 wurde die
> Unterwäsche der Spaceshuttle Astronauten gezeigt und nach dem Zweck
> der Röhrchen gefragt.
> Die akzeptierte Antwort war das diese wasserdurchströmten Röhrchen
> als Heizung gegen die Weltraumkälte dienen.
>
> Ich war erstaunt über diese Antwort und habe meine Bücher über
> Raumfahrt durchgesehen und auch die NASA Server durchsucht, ich
> fand etliche Stellen über die Notwendigkeit einer Kühlung des
> Astronauten um die Körperwärme bei der Arbeit abzuführen, aber
> nirgendwo einen Hinweis auf eine Heizung im Raumanzug.
Wahrscheinlich deshalb, weil das jeder wissen sollte.
Frage an dich: Wenn es draußen ca 0° kalt ist, schaltest
du dann in deiner Wohnung die Kühlung ein oder die Heizung?
Weitere Frage: Wenn du bei -150° im Schatten eines Shuttle
(mit Raumanzug) arbeitest, meinst du, dass du eher frierst
oder eher gekühlt werden musst?
In der Tat übernehmen die Wasserkanäle beide Aufgaben. Im
Schatten heizen, bei starker Sonneneinstrahlung kühlen sie
den Anzug (incl Astronaut).
JK
>*** QUOTE: /DE/SCI/RAUMFAHRT
>- Braucht ein Raumanzug eine Heizung?
>- 18.03.00 - by uwe.he...@gmx.de
>> Ich war erstaunt über diese Antwort und habe meine Bücher über
>> Raumfahrt durchgesehen und auch die NASA Server durchsucht, ich
>> fand etliche Stellen über die Notwendigkeit einer Kühlung des
>> Astronauten um die Körperwärme bei der Arbeit abzuführen, aber
>> nirgendwo einen Hinweis auf eine Heizung im Raumanzug.
>
>Wahrscheinlich deshalb, weil das jeder wissen sollte.
>
>Frage an dich: Wenn es draußen ca 0° kalt ist, schaltest
>du dann in deiner Wohnung die Kühlung ein oder die Heizung?
Wenn die Wohnung durch ein Vakuum isoliert ist, würdest Du die Kühlung
einschalten.
>Weitere Frage: Wenn du bei -150° im Schatten eines Shuttle
>(mit Raumanzug) arbeitest, meinst du, dass du eher frierst
>oder eher gekühlt werden musst?
Der Laderaum des Shuttles wird während einem Raumspaziergang entweder
zur Sonne oder zur Erde ausgerichtet, deshalb ist der Astronaut nie
dieser Kälte ausgesetzt.
Und die Strahlungskühlung ist selbst im absoluten Schatten geringer als
die metabolische Wärmeerzeugung des Astronauten.
--
We think one of these days the US ought to | Jens Lerch
have a permanent space station up, and the | jle...@geocities.com
Space Shuttle will allow us to do it for one- | http://jens.lerch.home.pages.de
tenth the cost. - Astronaut John Young, 1981 |
> On Sat, 18 Mar 2000 17:05:34 GMT, uwe.he...@gmx.de (Uwe Hercksen) wrote:
>
> >Daraufhin erhielt ich einen Anruf von dem Author des Beitrags, er
> >sagte das der Astronaut Thiele der letzten Mission ihm bei den
> >Aufnahmen erklärt hätte das die Röhrchen ähnlich einer
> >Fussbodenheizung wären,
>
> Dass mag auf die Anordnung zutreffen, aber doch natürlich nicht auf das
> Funktionsprinzip...
> Wäre das tatsächlich eine Heizung, würd's nicht lange dauern, und der
> Astronaut würde im eigenen Saft gedünstet bis er schön gar ist, weil die
> Wärme sich bis zum Abwinken staut.
Das heißt, es wird immer nur gekühlt und nie geheizt?
Was wäre denn, wenn der Astronaut sich in einem völlig
strahlungsfreien Vakuum aufhalten würde? Wie wäre es bei der normalen
3K-Hintergrundstrahlung?
Welchen Wert müsste die Strahlungstemperatur haben, damit sich
Körperwärmeproduktion und Abstrahlung genau die Waage halten, sodass
keine externe Temperaturregelung nötig wäre?
Olaf
>Wahrscheinlich deshalb, weil das jeder wissen sollte.
>
>Frage an dich: Wenn es draußen ca 0° kalt ist, schaltest
>du dann in deiner Wohnung die Kühlung ein oder die Heizung?
>
>
>Weitere Frage: Wenn du bei -150° im Schatten eines Shuttle
>(mit Raumanzug) arbeitest, meinst du, dass du eher frierst
>oder eher gekühlt werden musst?
>
>
>In der Tat übernehmen die Wasserkanäle beide Aufgaben. Im
>Schatten heizen, bei starker Sonneneinstrahlung kühlen sie
>den Anzug (incl Astronaut).
Hallo,
was jeder, der sich zu so einem Thema äussert wissen sollte:
Auf der Erde gibt der Körper Wärme ab durch Konduktion, also
Wärmeleitung, Konvektion, also Wärmeströmung, Wärmestrahlung und
Verdunstungskälte beim Schwitzen.
Im Weltraum bleibt nur die Wärmestrahlung übrig, aber die wird durch
eine weisse möglichst glatte Oberfläche und die äusseren isolierenden
Lagen 6 bis 14 des Raumanzuges beschränkt.
In den von mir zitierten Quellen stand genug dazu, man hätte sie nur
lesen müssen.
Auch in einem Buch von Wernher von Braun wird die Notwendigkeit einer
effektiven Kühlung betont, beim Mercury Projekt kamen die Astronauten
schweissgebadet aus dem Anzug.
Bei Sonnenbestrahlung des Astronauten wird ja nur eine Seite erwärmt,
die andere bleibt kalt, da können dann die Röhrchen auch zum
Temperaturausgleich zwischen Sonnen- und Schattenseite dienen, aber
insgesamt ist nur eine Kühlung nötig.
Tja, wer lesen kann ist klar im Vorteil ;-)
Bye
>Das heißt, es wird immer nur gekühlt und nie geheizt?
Hallo,
der menschliche Körper heizt und der Anzug kühlt, soviel wie nötig.
Die elektrische Verlustwärme der elektrisch betriebenen Einrichtungen
muss auch abgeführt werden. Ausserdem muss ja das ausgeatmete
Kohlendioxid mit Lithiumhydroxid absorbiert werden, dabei entsteht
auch Wärme, die abgeführt werden muss, bei den Anzügen vom
Spaceshuttle zirkulieren 9 kg Wasser pro Stunde durch den Behälter für
das Lithiumhydroxid um es auf seiner optimalen Arbeitstemperatur zu
halten. Auf der Erde gibt der Mensch auch einige Wärme mit der
Ausatemluft ab, diese verlässt den Körper mit 37 °C und 100 %
Luftfeuchtigkeit. Der Anzug muss auch diesen Wärmestrom abführen.
Bei sinkender Umgebungstemperatur kann der Körper bei irdischen
Verhältnissen die Wärmeabgabe in Ruhe auf das bis zu 10 fache erhöhen
um die Körpertemperatur zu halten. Natürlich steigt dabei die
Sauerstoffaufnahme entsprechend an.
>Was wäre denn, wenn der Astronaut sich in einem völlig
>strahlungsfreien Vakuum aufhalten würde? Wie wäre es bei der normalen
>3K-Hintergrundstrahlung?
Ob nun 3 K oder 0 K macht keinen grossen Unterschied mehr. Die
Abstrahlung ist proportional zur vierten Potenz der
Oberflächentemperatur, ausserdem strahlt eine schwarze, rauhe
Oberfläche mehr Wärme ab als eine weisse glatte. Der Unterschied
zwischen z.B. 0 ° C und -100 ° C Oberflächentemperatur reduziert die
Abstrahlung immerhin um den Faktor 0,16, die Strahlungszahl ist für
dunkle rauhe Oberflächen etwa 3,8 bis 4,7 , für poliertes Aluminium
dagegen nur 0,26 , durch die Oberfläche lässt sich also die
Abstrahlung auch noch erheblich reduzieren.
>
>Welchen Wert müsste die Strahlungstemperatur haben, damit sich
>Körperwärmeproduktion und Abstrahlung genau die Waage halten, sodass
>keine externe Temperaturregelung nötig wäre?
Das ist gar nicht so einfach auszurechnen, da kommt es auf die
Oberflächentemperatur des Anzugs an, die Grösse der gesamten
Oberfläche, die Strahlungszahl des Oberflächenmaterials, die
Verlustwärme der Hilfsaggregate, die vom Körper abgegebene Wärme, das
Isolationsvermögen der äusseren Schichten des Raumanzuges.
Die Wärmeabgabe des Körpers kann in einem ziemlich grossen Bereich
varieren, 70 bis 100 W in Ruhe und mittlerer Umgebungstemperatur von
etwa 20 ° C, für austrainierte Athleten bis zu 750 W bei voller
Belastung.
Bei den Anzügen für das Mercuryprogramm hat man nur über den
zirkulierenden Sauerstoff versucht die Wärme abzuführen, was sich als
unzureichend herausgestellt hat.
Bei Gemini, Apollo und dem Space Shuttle wurden ja die Anzüge mit der
Flüssigkeitskühlung über die Röhrchen in der Unterwäsche verwendet,
auch die russischen Anzüge bei der MIR haben offenbar die Kühlröhrchen
benutzt, so sah es jedenfalls bei Space Night in BR3 aus.
Bye
Hallo,
in dem Buch zur Mondlandung von Heinz Schiemann wird bei der Beschreibung der
Raumanzüge auch von einem Röhrensystem zur Kühlung, aber auch zur Heizung
berichtet. Ich nehme mal an, daß bei bestimmten Verhältnissen auch eine Heizung
erforderlich ist.
Matthias
Das ist auf Grund meiner folgenden Erfahrung ganz einfach zu beantworten:
Ich habe einmal den Fehler gemacht, bei -12°C mit meiner Gore-Tex isolierten
Motorradbekleidung Skifahren zu wollen. Diese Kleidung ist dazu gebaut,
sich in Ruhe (d.h. hier: ohne Körperliche Anstrengung) durch möglicherweise
kalte Luft zu bewegen. Beim Skifahren wäre ich beihnahe den Hitzetod
gestorben...
Vakuum dürfte noch besser isolieren als Gore-Tex.
>Weitere Frage: Wenn du bei -150° im Schatten eines Shuttle
>(mit Raumanzug) arbeitest, meinst du, dass du eher frierst
>oder eher gekühlt werden musst?
Solange Du ARBEITEST (körperlich) brauchst Du ganz sicher Kühlung.
>In der Tat übernehmen die Wasserkanäle beide Aufgaben. Im
>Schatten heizen, bei starker Sonneneinstrahlung kühlen sie
>den Anzug (incl Astronaut).
..das halte ich für ein Gerücht. Ich kenne keine Quelle, die eine Heizung
erwähnt.
--
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>Wahrscheinlich deshalb, weil das jeder wissen sollte.
>
>Frage an dich: Wenn es draußen ca 0° kalt ist, schaltest
>du dann in deiner Wohnung die Kühlung ein oder die Heizung?
>
>
>Weitere Frage: Wenn du bei -150° im Schatten eines Shuttle
>(mit Raumanzug) arbeitest, meinst du, dass du eher frierst
>oder eher gekühlt werden musst?
Hallo,
dazu noch ein Zitat aus einem Buch über Tieftemperaturphysik und
Gasverflüssigung:
Dewar scheint dieses wichtige Problem ( das Problem der Aufbewahrung
verflüssigter Gase ) irgendwann gegen Ende des Jahrs 1892 gelöst zu
haben, da er in einem Vortrag am 20. Januar 1893 seinem Auditorium
sein berühmtes Vakuumgefäß vorführte, und zwar in einer so
vollkommenen Form, daß sie bis heute unverändert blieb. ....
Dewar baute den Kryostaten um, indem er auch noch die Luft entfernte.
.... Jetzt demonstrierte er überzeugend die Überlegenheit seiner
Erfindung gegenüber dem Kryostaten alter Bauart, indem er den ruhig
wie Wasser im Vakuumgefäß stehenden flüssigen Sauerstoff zeigte und
dann den Stutzen abbrach, an dem das Gefäß hermetisch zugeschmolzen
worden war. Als Luft in den Zwischenraum der Wände eindrang, begann
der flüssige Sauerstoff heftig zu sieden. In derselben Vorlesung
zeigte Dewar auch Vakuumgefäße mit versilberten Wänden, in denen
zusätzlich die Wärmezufuhr durch Strahlung weitgehend beseitigt worden
war.
Ende des Zitats.
Die Temperaturdifferenz war beim flüssigen Sauerstoff noch einiges
grösser, die Siedetemperatur ist -218 °C, im Weltraum dagegen ja nur
-100 bis - 150 °C.
Übrigens diese Vakuumkryostaten oder auch Dewargefäße sind heute
weithin unter dem Namen "Thermosflasche oder auch Thermoskanne"
bekannt und weit verbreitet.
Vermutlich gibt es aber im Haushalt Jakob Kriegers keine derartigen
Gefäße, da sie ja seiner Meinung nach nicht funktionieren können ;-)
Beim Raumanzug für das Spaceshuttle hält ja die innere Lage Nr. 4 aus
Polyurethan beschichtetem Nylon den Innendruck, die Lagen 7 bis 13 aus
mit Aluminium bedampften Mylar kann man ja wohl als vielwandiges
Dewargefäß betrachten, den dort kann ja kein Gas eingeschlossen sein,
das würde ja sonst beim Druckabfall des Ausschleusens erhebliche
Probleme machen, wenn es nicht frei entweichen könnte.
Bye
>in dem Buch zur Mondlandung von Heinz Schiemann wird bei der Beschreibung=
> der
>Raumanz=FCge auch von einem R=F6hrensystem zur K=FChlung, aber auch zur H=
>eizung
>berichtet. Ich nehme mal an, da=DF bei bestimmten Verh=E4ltnissen auch ei=
>ne Heizung
>erforderlich ist.
Hallo,
in einem Buch von Wernher von Braun über bemannte Raumfahrt schreibt
dieser auch über die "Kleidung, die ein Astronaut auf dem Mond trägt":
"Dieser Apollo-Mondanzug läßt sich am besten beschreiben, wenn man ihn
von der Haut des Astronauten nach außen gehend betrachtet.
Um die Körperwärme wirkungsvoll zu entfernen, besteht das innerste
Kleidungsstück dieses Anzugs aus einem Paar wassergekühlter langer
Unterhosen, die unmittelbar auf der nackten Haut getragen werden.
Bilder, die schweißgebadete Merkur-Astronauten beim Herausklettern aus
ihrer Raumkapsel zeigen, haben in eindrucksvoller Weise gezeigt, daß
für einen Menschen, der hermetisch in einem Druckanzug eingeschlossen
ist, ein aktives Kühlsystem benötigt wird. Beim Raumanzug des
Merkur-Programms wurde dem Sauerstoff, der vor dem Start und während
des Fluges durch den Anzug zirkulierte, auch die Aufgabe übertragen,
die Körperwärme abzuleiten. Kunststoffröhrchen, die in Netzunterwäsche
eingebettet sind und durch die Wasser zirkuliert, haben sich jedoch
als wesentlich wirkungsvoller erwiesen - und deshalb werden sie im
Apollo-Raumanzug verwendet.
Die Wärme, die von den Kühlröhrchen absorbiert wird, wird in den
Tornister des Astronauten durch einen >Sublimator<, der aus einer
porösen Platte besteht, abgestrahlt - eine neue Art von Wärmestrahler
für Weltraumbedingungen. Hierbei wird warmes Wasser, das aus den
Kühlröhrchen zurückkehrt, in Poren einer Platte gesaugt, deren andere
Seite dem umgebenden Vakuum ausgesetzt ist. Wegen des Druckabfalls und
der Verdampfung friert das Wasser in den Poren.
Da das entstehende Eis in das außenliegende Vakuum sublimiert (das
heißt, es verdampft, ohne zu schmelzen), wird der >Eisstöpsel< in
jeder Pore sofort dünner. Schließlich wird er völlig herausgeblasen,
die Pore füllt sich erneut mit Wasser und der Zyklus beginnt von
vorne. Auf diese Weise dient die poröse Platte als eine ständige
Wärme-Abstoßvorrichtung.
Eine dünne Nylonschicht, deren Gewebe und Funktion am besten mit
derjenigen eines Hemdes verglichen werden kann, umgibt die
wassergekühlte Unterwäsche. Diese Nylonschicht trägt auch die
Sauerstoffleitungen sowie Drähte für die medizinischen Instrumente,
die am Körper des Astronauten befestigt sind.
Als nächstes kommt die robuste >Druckschicht<, eine schwere Blase
neoprenüberzogenen Nylons. Ihre Hauptfunktion besteht darin, innerhalb
des Anzugs die reine Sauerstoffatmosphäre des Astronauten, die einen
Druck von 350 Gramm pro Kubikzentimeter hat ( hier liegt ein
Übersetzungsfehler vor, den Werner Büdeler, der das Buch aus dem
amerikanischen übersetzt hat, verbrochen haben muss. Pro
Quadratzentimeter ist natürlich richtig) - etwa ein Viertel des
atmosphärischen Drucks am Erdboden -, hermetisch abzuschliessen."
Ende des Zitats
Wernher von Braun schreibt mehrmals von der Wichtigkeit der Kühlung,
aber kein einziges Mal von der Notwendigkeit einer Heizung.
Ich kann mir das nur so erklären das Heinz Schiemann sich da geirrt
hat.
Aus: Spacecraft, Suits, and Rovers
From the Apollo Lunar Surface Journal. Reproduced with the permission
of Journal editor Eric M. Jones
For Apollo 17, each of the PLSS's could hold enough oxygen (1.8
pounds), feedwater water (12 pounds), and battery power (25 amp hours)
to see an astronaut through seven to eight hours of Extravehicular
Activity (EVA). The exact length of an EVA depended on the astronaut's
level of exertion and, therefore, the rate at which he used his
supplies of "consumables". The nominal eight-hour capacity - with
about an hour's worth of cooling water in reserve and even more of
oxygen and battery power - meant that the astronauts got back in the
LM at about the time when prudence would suggest getting out of the
suits for a period of rest anyway.
Mit 25 Ah über 8 Stunden stehen im Mittel nur 3.125 A zur Verfügung,
die Spannung ist da zwar nicht angegeben, aber die wird auch nicht
wesentlich höher als beim Spaceshuttle gewesen sein. Mit ca. 20 V sind
es nur etwa 60 W an elektrischer Energie, da aber ein arbeitender
Astronaut einige 100 W an Wärme erzeugt sind für eine wirksame
Beheizung 60 W zuwenig, ausserdem müssen damit ja auch alle
elektrischen Einrichtungen des Anzugs betrieben werden.
Damit bin ich immer noch der Meinung das nur gekühlt wird, je nach
Bedarf, aber nicht zusätzlich geheizt.
Bye
Wie Markus schon sagte können kalte Hände ein Problem werden.
Siehe z.B. STS-63, wobei da, um eine "kalte" Umgebung zu bekommen,
die Astronauten am Greifarm aus der Ladebucht herausgehoben wurden:
http://www.ksc.nasa.gov/shuttle/missions/sts-63/news/sts-63-mcc-15.txt
Ähnliche Experimente wurden bei STS-69 gemacht, wobei diesmal die
Astronauten keine Probleme mit der Tempaeratur hatten. Laut
http://www.ksc.nasa.gov/shuttle/missions/sts-69/sts-69-day-09-highlights.html
kamen hier "suit heaters" zum Einsatz, aber um was es sich dabei
genau handelt, weiß ich nicht.
Tschüß, Philipp
> >> Ich war erstaunt über diese Antwort und habe meine Bücher über
> >> Raumfahrt durchgesehen und auch die NASA Server durchsucht, ich
> >> fand etliche Stellen über die Notwendigkeit einer Kühlung des
> >> Astronauten um die Körperwärme bei der Arbeit abzuführen, aber
> >> nirgendwo einen Hinweis auf eine Heizung im Raumanzug.
> >
> >Wahrscheinlich deshalb, weil das jeder wissen sollte.
> >
> >Frage an dich: Wenn es draußen ca 0° kalt ist, schaltest
> >du dann in deiner Wohnung die Kühlung ein oder die Heizung?
>
> Wenn die Wohnung durch ein Vakuum isoliert ist, würdest Du die
> Kühlung einschalten.
Hat sich erledigt: Die Heizung ist kaputt...
Ohne Ulk: Auch in frührn Raumkapseln und im Lunar Lander
wurden Raumanzüge getragen, und da herrscht kein Vakuum.
Die Lösung heißt wohl, dass dieses Schlauchsystem für
gleichmäßige Körperaußentemperatur sorgen soll und (a)
je nach Bedarf kühlt oder heizt, (b) und eben auch
ausgleicht, wenn von einer Seite die Sonne scheint.
Allerdings hab ich noch keine Kühlrippen am Lebenserhaltungs-
system gesehen.
> >Weitere Frage: Wenn du bei -150° im Schatten eines Shuttle
> >(mit Raumanzug) arbeitest, meinst du, dass du eher frierst
> >oder eher gekühlt werden musst?
>
> Der Laderaum des Shuttles wird während einem Raumspaziergang
> entweder zur Sonne oder zur Erde ausgerichtet, deshalb ist der
> Astronaut nie dieser Kälte ausgesetzt.
> Und die Strahlungskühlung ist selbst im absoluten Schatten geringer
> als die metabolische Wärmeerzeugung des Astronauten.
Das hätte ich ehrlich gesagt nicht vermutet.
JK
> Bei Sonnenbestrahlung des Astronauten wird ja nur eine Seite
> erwärmt, die andere bleibt kalt, da können dann die Röhrchen auch
> zum Temperaturausgleich zwischen Sonnen- und Schattenseite dienen,
> aber insgesamt ist nur eine Kühlung nötig.
1. Danke für diesen Teil des Beitrags
> Tja, wer lesen kann ist klar im Vorteil ;-)
2. diesen Spruch hättest du dir sparen können.
Es ist schlichtweg nicht möglich, alles, was hier an Quellen
genannt ist, jedesmal komplett zu lesen - tut mir leid, wenn
ich da etwas übersehen habe.
JK
> >Weitere Frage: Wenn du bei -150° im Schatten eines Shuttle
> >(mit Raumanzug) arbeitest, meinst du, dass du eher frierst
> >oder eher gekühlt werden musst?
>
> Solange Du ARBEITEST (körperlich) brauchst Du ganz sicher Kühlung.
Dann ist die nächste Frage, ob ein Thermometer wirklich
-150° anzeigen würde oder eher die Abstrahlungswärme
des Astronauten - wieso kann man das als einfacher Mensch
nicht ausprobieren? Das wäre irgendwie anschaulicher.
> >In der Tat übernehmen die Wasserkanäle beide Aufgaben. Im
> >Schatten heizen, bei starker Sonneneinstrahlung kühlen sie
> >den Anzug (incl Astronaut).
>
> ..das halte ich für ein Gerücht. Ich kenne keine Quelle, die eine
> Heizung erwähnt.
Ich meine, genau dies so gelesen zu haben, und ganz sicher
nicht in B**d. Angeben kann ich die Quelle allerdings nicht.
JK
> Übrigens diese Vakuumkryostaten oder auch Dewargefäße sind heute
> weithin unter dem Namen "Thermosflasche oder auch Thermoskanne"
> bekannt und weit verbreitet.
>
> Vermutlich gibt es aber im Haushalt Jakob Kriegers keine derartigen
> Gefäße, da sie ja seiner Meinung nach nicht funktionieren können
> ;-)
So habe ich das nicht gesagt.
Da geschieht euch der Mallits ganz recht...
> Beim Raumanzug für das Spaceshuttle hält ja die innere Lage Nr. 4
> aus Polyurethan beschichtetem Nylon den Innendruck, die Lagen 7 bis
> 13 aus mit Aluminium bedampften Mylar kann man ja wohl als
> vielwandiges Dewargefäß betrachten, den dort kann ja kein Gas
> eingeschlossen sein, das würde ja sonst beim Druckabfall des
> Ausschleusens erhebliche Probleme machen, wenn es nicht frei
> entweichen könnte.
Ist ja immerhin eine Info.
Ich war noch nie im Weltraum, weißt du.
JK
On Sun, 26 Mar 2000 00:00:00 +0000, j.kr...@link-m.de (Jakob
Krieger) wrote:
>2. diesen Spruch hättest du dir sparen können.
Hallo,
den Spruch :
>Wahrscheinlich deshalb, weil das jeder wissen sollte.
hattest Du dir zuerst ja auch nicht gespart.
>
>Es ist schlichtweg nicht möglich, alles, was hier an Quellen
>genannt ist, jedesmal komplett zu lesen - tut mir leid, wenn
>ich da etwas übersehen habe.
Hm, hast Du überhaupt eine einzige meiner Quellenangaben gelesen,
bevor Du Dein erstes Posting losgelassen hast?
Bye
--
Uwe Hercksen
Elektronikwerkstatt
Universität Erlangen-Nürnberg
Cauerstr. 5
D91058 Erlangen
statt den Kühlrippen gibt es ja auch eine Sublimatorplatte mit Poren
im Lebenserhaltungssystem des Anzugs, durch die Wasser in das Vakuum
verdampft wird und dabei Wärme abgegeben wird. Das Wasser gefriert in
den Poren zu Eis und geht dann direkt von Eis in Dampf über, daher der
Name Sublimatorplatte.
In den genannten Quellen wird zwar genau der Sauerstoff und
Kühlwasservorrat im Lebenserhaltungssystem des Anzugs angegeben, auch
die Stromversorgung. Aber kein Wort von einem Brennmaterial zur
Heizung. Eine elektrische Heizung kann es auch nicht sein, denn da ist
der Energievorrat der Akkus zu gering. Eine Zusatzheizung mit ca. 50 W
Wärmeleistung scheint wenig sinnvoll, wenn der menschliche Körper
bereits in Ruhe 70 bis 100 W an Wärme erzeugt. Bei Arbeit können es
auch bis zu 550 W werden, mehr kann der Spaceshuttleanzug gar nicht
abführen. In Ruhe kann die Wärmeabgabe auch noch weit höher sein, zur
Anpassung an eine kalte Umgebung kann der Grundumsatz bis zum 10
fachen ansteigen.
Was nützen also einige 10 W an elektrischer Heizung, wenn der Körper
notfalls auch einige 100 W an Wärme produzieren kann.