gUnther nanonüm wrote:
>> Naja, die Massenverteilung und Geometrie sollten eigentlich bekannt sein;
>> schließlich hat das Teil ja irgendwann mal jemand gebaut. auch der von
>> den schweizern angedachte Prototyp geht von einer bekannten Geometrie
>> aus, für die der Greifmechanismus optimiert wird.
>
> Klar, nach einem Crash von Sojus xy mit Theosat ix finden sich jede Menge
> Kofferstücke, gleich mit Henkeln und idealer Schwerpunktlage im Orbit.
Mir gehts auch erst mal um die bekannten und halbwegs unbeschädigten Teile.
Auch davon gibt es schon mehr als genug. Wenn man es schafft die aus dem
Orbit zu holen ist schon viel gewonnen, allein schon weil die Zahl der
möglichen Kollisionen mit anderen, unbekannten/unsteuerbaren Teilen
dramatisch sinkt (problematisch ist ja vor allem, dass die Anzahl der
Trümmer mit der Zeit exponentiell steigt). Damit wäre dann u.U. eine
gewisse Anzahl unbekannter oder 'uneinfangbarer' Objekte tolerierbar.
Zumindest kauft man sich damit mehr Zeit bis man sich dieser Trümmer auch
annehmen muss; Zeit in der man Gelegenheit hat sich bessere Methoden
einfallen zu lasen.
>> Aber Energie ist nicht Leistung. Erst mit der Zeit :-)
>
> Nee, die Zeit hat man vielleicht nicht. Und sowieso gilt es da mehr zu
> bedenken als Deine Fahradbastelkenntnisse.
Das selbe könnte ich auch über deine Methode vom letzten Angelausflug
sagen ;-)
Ich hab nie behauptet dass das alles sicher funktioniert, es ist erst mal
nur eine Idee, ein Denkansatz, wie man möglichst zerstörungsfrei und ohne
neue Trümmerteile zu erzeugen eine größere Menge von Altmaterial aus dem
Orbit bringt.
Sonst wäre es natürlich wesentlich leichter berechenbar den Impuls z.B.
mittels eines Projektils zu übertragen, aber da besteht halt wieder die
Gefahr neuen Schrott zu produzieren (zumindest das Projektil selbst, wenn
es in eine unbekannte Richtung abprallt). Man könnte natürlich über eine
Kombination unserer beiden Ansätze nachdenken (eine Art "Klebeprojektil").
Nachteil bleibt dabei halt, dass man ziemlich viel Masse mitschleppen muss,
die beim Einsatz verlorengeht.
Die Sache mit der Feder war hauptsächlich ein Ergebnis der Frage, wie man
Energie über einen längeren Zeitraum (=mit wenig Leistungsaufwand) sammeln
und speichern kann. Ersetze es von mir aus durch Akku+Motor; dann ist der
Impuls sehr genau dosierbar, man hat aber halt den Nachteil einer deutlich
geringeren Energiedichte im Akku.
> Erkläre bitte jemand "diesem" hier, was "Schwerelosigkeit" bedeutet.
> Und wie man ein nichtreflektierendes Schrottteil ohne Licht auf tausend
> Kilometer genau ortet, wenn man nur per Schubs dahin-"springen" kann?
> Sollte das Teil rotieren, wirds gleich noch interessanter.
> Mit Glück hat man dann eine wechselnde Helligkeit, mal zu hell für die
> Optik, mal zu dunkel. Wird bestimmt lustig, die Rechnerei.
Wie gesagt: mir ging es eigentlich erst mal um bekannte Objekte. Außerdem
hast du das Problem mit deiner Netz-Methode genauso. Einfach mal irgendwo
ein Klebenetz in den Himmel hängen und warten ob sich irgendwann mal ein
Schrottteil darin verfängt - und nebenbei noch dafür sorgen dass man nicht
versehentlich etwas noch funktionstüchtiges einfängt - erfordert genauso
eine recht genaue Kenntnis wo da oben was auf welcher Bahn herumschwirrt.
Auf gut Glück funktioniert nicht, zumindest nicht mit vertretbarem
Zeithorizont, denn wie schon Herr Adams formulierte: "space is big, you
won't believe how mindboggingly big it is". Das mit dem Zeithorizont gilt
nebenbei auch für die Idee Kleinteile per Mikrogravitation einzufangen -
ein Grund mehr sich erst mal um die großen Teile zu kümmern und damit auch
die Produktion neuer Bruchstücke zu verringern.
Außerdem hast du das Problem, dass dein Netz - wenn es leicht und
transportabel sein soll - ein etwas ungünstiges Masseverhältnis zu den
einzufangenden Objekten hat. Actio = Reactio - es ist also nicht ganz
unwahrscheinlich, dass eher das Netz von den Trümmern eingefangen wird als
umgekehrt. Auch dass rotierende Trümmer dein Netz (auf unvorhersehbare
Weise) aufwickeln erscheint mir zumindest im Bereich des Möglichen, um es
mal vorsichtig zu formulieren. Dann hast du halt einen rotierenden Haufen
mit Netz herum, juhu...
Sobald du irgendwie irgendwo "andocken" willst musst du die Möglichkeit
haben mehr Geschwindigkeitsänderung (in die von dir gewünschte Richtung!)
erzeugen zu können als das einzufangende Objekt aufgrund seiner
Masse/Rotation mitbringt. Du musst also entweder deutlich massereicher sein
und/oder genug Treibstoff mitbringen um das ganz kontrolliert und in
endlicher Zeit hinzukiegen.
Dieses Problem könnte man eben versuchen dadurch zu umgehen, dass man
versucht möglichst gar keinen oder zumindest nur kurzen mechanischen
Kontakt zu haben, und in diesem Augenblick natürlich trotzdem einen
möglichst großen Impuls zu übertragen. Eine hohe Relativgeschwindigkeit des
Stoßes hilft da bekannterweise.