Ich habe einen Bekannten der beim Lesen von Texten grundsaetzlich die
Lippen mitbewegt. Was sagt das aus ? Wie wuerden das die Psychologie
auswerten ?
mfG MaRiO,
--
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Origin: "Dioden, Trioden, Vollidioden"
Mario Leukel schrieb am Mon, 21 Dec 1998 00:28:00 +0100:
> Ich habe einen Bekannten der beim Lesen von Texten grundsaetzlich die
> Lippen mitbewegt.
Auch dann, wenn er sich waehrend des Lesens darauf konzentriert, den Mund
geschlossen zu halten?
> Was sagt das aus ?
Das kann vieles aussagen, dazu muesste man doch mehr Details wissen. Es gibt
ja auch jede Menge Leute, die anstrengende Taetigkeiten mit den Lippen bzw.
sogar der Zunge unterstuetzen.
Wenn dagegen generell kein Mundschluss vorhanden ist, sollte das vielleicht
mal naeher untersucht werden, da damit oft eine verkehrte Atmung oder gar
falsches Schlucken einhergehen.
> Wie wuerden das die Psychologie auswerten ?
Das weiss ich allerdings auch nicht, ich kann nur als angehender Logopaede
etwas dazu schreiben...
--
tschüß
Ingo
"Zwei Freunde, der eine schnell, der andere langsam,
die kommen durch die ganze Welt."
Sten Nadolny in 'Die Entdeckung der Langsamkeit'
Dass er sich möglicherweise ganz doll konzentriert, um den Text zu
verstehen?
>Wie wuerden das die Psychologie
>auswerten ?
>
Die Psychologie würde sich fragen, warum Du Dir um sowas Gedanken machst.
Schon mal an Therapie gedacht?
ROB =)
>> Ich habe einen Bekannten der beim Lesen von Texten grundsaetzlich die
>> Lippen mitbewegt.
>Auch dann, wenn er sich waehrend des Lesens darauf konzentriert, den Mund
>geschlossen zu halten?
Das weiss ich nicht - ich wollte ihn nicht darauf ansprechen. Es kam mir
zu banal vor, aber jetzt interessiert es mich schon irgendwie.
>> Was sagt das aus ?
>Das kann vieles aussagen, dazu muesste man doch mehr Details wissen. Es gibt
>ja auch jede Menge Leute, die anstrengende Taetigkeiten mit den Lippen bzw.
>sogar der Zunge unterstuetzen.
>Wenn dagegen generell kein Mundschluss vorhanden ist, sollte das vielleicht
>mal naeher untersucht werden, da damit oft eine verkehrte Atmung oder gar
>falsches Schlucken einhergehen.
Nein kein Mundschluss - Grundsaetzlich bewegt er die lippen beim lesen
Was fuer Details werden benoetigt ?
>> Wie wuerden das die Psychologie auswerten ?
>Das weiss ich allerdings auch nicht, ich kann nur als angehender Logopaede
>etwas dazu schreiben...
gut gut - kein problem - es ist ja auch nicht sooo wichtig :-)
--
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Mfg ... / -= .:inF...@niGHT.dE #iCQ:1839916 #LiNUX.DE:. =- \
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Origin: "In Deutschland heisst es: 'Jugend Forscht' in England: 'Petting'"
>>Ich habe einen Bekannten der beim Lesen von Texten grundsaetzlich die
>>Lippen mitbewegt. Was sagt das aus ?
>Dass er sich möglicherweise ganz doll konzentriert, um den Text zu
>verstehen?
Diese Erklaerung reicht mir nicht ...
Das waehre ZU einfach ;)
Es muss mehr dahinter stecken
>>Wie wuerden das die Psychologie
>>auswerten ?
>Die Psychologie würde sich fragen, warum Du Dir um sowas Gedanken machst.
>Schon mal an Therapie gedacht?
>ROB =)
Ich denke pausenlos an eine Therapie ;-)
Warum sollte ich mir keine Gedanken darueber machen ?
Schonmal was von "Sorgen" gehoert ?
Diese mache ich mir naemlich um ihn.
mfG,
--
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> >>Ich habe einen Bekannten der beim Lesen von Texten grundsaetzlich die
> >>Lippen mitbewegt. Was sagt das aus ?
> >Dass er sich möglicherweise ganz doll konzentriert, um den Text zu
> >verstehen?
> Diese Erklaerung reicht mir nicht ...
> Das waehre ZU einfach ;)
> Es muss mehr dahinter stecken
> >>Wie wuerden das die Psychologie
> >>auswerten ?
> >Die Psychologie würde sich fragen, warum Du Dir um sowas Gedanken machst.
> >Schon mal an Therapie gedacht?
> >ROB =)
> Ich denke pausenlos an eine Therapie ;-)
> Warum sollte ich mir keine Gedanken darueber machen ?
> Schonmal was von "Sorgen" gehoert ?
> Diese mache ich mir naemlich um ihn.
Ganz offen und ehrlich: Du überpsychologisierst. Natürlich kann man das
psychologisch erklären. Die Erklärung geht allerdings nicht in Richtung
"Störung", wie du es offensichtlich gern hättest, sondern eher in
Richtung "Verarbeitungsstrategie", würde ich mal sagen. Das "laut-leise"
Mitlesen der Texte kann ihm bei der Verarbeitung derselben helfen. Du
brauchst dir also keine Sorgen zu machen, denke ich.
Ich stelle mal eine Hypothese auf, die durchaus begründet ist, wie ich
finde. Das Ganze ist vergleichbar mit den Selbstgesprächen kleiner
Kinder und macht in diesem Kontext Sinn. Früher hat man die als Zeichen
einer niedrigen Entwicklungsstufe und als etwas Minderwertiges
angesehen. Diese Sichtweise geht auf Piaget zurück. Heute weiß man, daß
sie ein Zeichen gesunder Entwicklung und für die Verinnerlichung von
kognitiven Strukturen wie Wissen, Moralvorstellungen usw. usf. bei
Kindern, also für die kognitive Entwicklung von Kindern allgemein, sogar
notwendig sind. Kinder, die Sprachstörungen haben, zeigen auch wegen der
fehlenden Selbstgespräche kognitive Entwicklungsdefizite, und wenn man
im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihre Selbstgespräche und ihre
Sprachfähigkeiten fördert, zeigen sie erhebliche Fortschritte, was bei
der Förderung von Kindern mit Sprachschwierigkeiten heute in der Praxis
bereits berücksichtigt wird. Vygotsky hat dies als erster erforscht und
mit diesen Ansichten, die sich langsam durchzusetzen scheinen, Piaget
widersprochen. Das setzt sich zum Teil bis ins Erwachsenenalter fort,
wobei in der Tat die Selbstgespräche immer leiser werden, bis sie
mitunter ganz verschwinden. Diese leisen Selbstgespräche bleiben bei
Erwachsenen jedoch zum Teil noch erhalten, wie ich neulich gelesen habe.
Die Verarbeitungsstrategie deines Freundes beim Lesen von Texten ist in
diesem Kontext also als durch und durch *gesund* und *vorteilhaft*
anzusehen!!! Auf keinen Fall ist sie eine "Störung", wie du vermutest!!!
Ich mache mir viel mehr Sorgen darüber, was in unserer Welt alles als
"Störung" angesehen wird. Der Fall ist ein Paradebeispiel. Es gibt
keinen einzigen vernünftigen Grund, das als Störung anzusehen, außer
vielleicht, daß es von der Norm abweicht. Und da hat unsere Gesellschaft
ein echtes Problem. Jede Normabweichung wird als Störung angesehen, auch
wenn sie, wie in diesem Fall, der Person vielleicht sogar einen Vorteil
bringt. Absurd sowas!!!
Alex
Ingo Leschnewsky schrieb:
> Moin Mario!
>
> Mario Leukel schrieb am Mon, 21 Dec 1998 00:28:00 +0100:
>
> > Ich habe einen Bekannten der beim Lesen von Texten grundsaetzlich die
> > Lippen mitbewegt.
>
> Auch dann, wenn er sich waehrend des Lesens darauf konzentriert, den Mund
> geschlossen zu halten?
>
> > Was sagt das aus ?
>
> Das kann vieles aussagen, dazu muesste man doch mehr Details wissen. Es gibt
> ja auch jede Menge Leute, die anstrengende Taetigkeiten mit den Lippen bzw.
> sogar der Zunge unterstuetzen.
>
> Wenn dagegen generell kein Mundschluss vorhanden ist, sollte das vielleicht
> mal naeher untersucht werden, da damit oft eine verkehrte Atmung oder gar
> falsches Schlucken einhergehen.
>
> > Wie wuerden das die Psychologie auswerten ?
>
> Das weiss ich allerdings auch nicht, ich kann nur als angehender Logopaede
> etwas dazu schreiben...
>
Na ja, also IMO kann lautes Mitlesen sehr wohl eine angemessene und
hilfreiche Strategie sein, um das Gelesene auch vernünftig zu
verarbeiten. Der Ansatz, den ich hier geschildert habe, gibt Anlaß, dies
zu vermuten. Empirische Evidenz dafür ist mir allerdings nicht bekannt.
Alex
> Na ja, also IMO kann lautes Mitlesen sehr wohl eine angemessene und
> hilfreiche Strategie sein, um das Gelesene auch vernünftig zu
> verarbeiten.
Hallo,
ich bin der Auffassung, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Wenn ich
laut lese, bzw. die Lippen beim Lesen bewege, wird ein Teil der Konzentration
vermutlich vom Inhalt des Textes stärker auf die Aussprache gelenkt.
Aufgefallen ist mir das, wenn ich fremdsprachige Texte zum Aussprachenueben
laut mitlese. Vom Inhalt krieg ich dann weniger mit als beim Leiselesen.
Kann aber auch sein, dass unbewusste Lippenbewegungen etwas ganz anderes
sind.
ciao
Benno
--
_Wirtschaftskriese ist, wenn die Abgeordneten-Diäten trotzdem erhöht werden._
ZENK schrieb am Sun, 27 Dec 1998 18:18:34 +0100:
> warum immer alles analysieren?
Nicht alles, sondern nur kontraproduktives...
> Das Lesen mit Lippen ist einfach eine Art zu lesen, leider eine
> kontraproduktive. Man sollte weder mit dem Kopf mitgehen, noch die Finger als
> Hilfe benutzen oder laut und mit Lippen mitlesen. Eine bewährte Methode ist es,
> z.b. einen Kaugummi während des lesens zu kauen.
Warum immer nur die Symptome beseitigen? ;-)
Das ist kein banales Problem.
Entwicklungsgeschichtlich steckt diese Person mit Lippenbewegungen in der
Primarschule, wo man das Lesen gerade erst erlernt.
In dieser Zeit versuchen die Schülerinnen und Schüler das gesprochene
Vorwissen mit den dargebotenen Buchstaben in einem Lesebuch zu vergleichen.
Ihnen hilft dabei das leise oder stumme Mitsprechen beim Erkennen der Wörter
aus den visuellen Buchstabenformen.
Dabei werden auditive Informationen im Gedächtnis mit visuellen
Informationen verbunden. Ich kann leider die genauen Prozessschritte im
Gedächtnis hier nicht wiedergeben. Wichtig ist jedenfalls zu wissen was für
Funktionen die Wernicke- und Broca-Gebiete auf der meist linken Hemisphäre
für die Sprachverarbeitung haben und wie die auditiven und visuellen
Informationen von den Augen und Ohren zu den Wernicke- und
Broca-Zwischenstationen gelangen.
Die Lippenbewegungen sind eng mit dem artikulatorischen Mechanismen
verbunden und diese wiederum mit den auditiven
Sprachverarbeitungsmechanismen. Lippenbewegungen zeigen die Involviertheit
der auditiven Sprachverarbeitung an.
Die sprachlichen Gedächtnisstrukturen werden entwicklungspsychologisch
zuerst über das Hören und Nachsprechen entwickelt. Diese Strukturen
ermöglichen das Verstehen der gesprochenen Sprache und die artikulatorische
Nachahmung. In einem weiteren Schritt lernen die Augen visuelle Zeichen mit
der gesprochenen Sprache zu assoziieren, d.h. Buchstabenwörter mit
gesprochenen Wörtern. In der Schule betrachten die Schülerinnen und Schüler
Buchstabenwörter und hören die Lehrerin dazu sprechen und versuchen sie
nachzusprechen. In dieser Stufe decken sich die "artikulatorische" und
visuelle Sprachverarbeitung übereinander. In der nächsten Stufe regrediert
die artikulatorische Sprachverarbeitung zugunsten einer reinen visuellen
Sprachverarbeitung. Natürlich ist das "innere Hören und Sprechen" nach wie
vor da, aber sie läuft immer schneller ab.
Bei dieser Entwicklung kann es natürlich individuelle Abweichungen ergeben,
die von persönlichen Fähigkeiten abhängen, oder von der Aufmerksamkeit und
Betreuung der Lehrpersonen.
Das alles ist schon lange wissenschaftlich erforscht.
Wenn die Lesegeschwindigkeit für die betroffene Person kein Problem
darstellt, dann besteht auch kein Handlungsbedarf.
Wenn die Lesegeschwindigkeit normalerweise so langsam ist wie die
Sprechgeschwindigkeit der betroffenen Person, dann ist eine Verbesserung
möglich.
Die betroffene Person muss eine Art "Schnell-Lestechnik" eintrainieren. Dazu
gibt es mehrere Seminare und Kurse. Im Prinzip darf man die Wörter nur so
lange betrachten, bis der Sinn entschlüsselt ist. Bei längerem Verweilen
geht man nämlich von der visuellen Sprachverarbeitung hinüber zur auditiven
Sprachverarbeitung, es laufen also zuviele und unnütze Prozesse ab. Nachdem
der Sinn eines Wortes erfasst wurde, müssen die Augen sofort zu den nächsten
Wörtern hüpfen und so weiterlesen. Diese Schnell-Lestechnik erfordert etwas
Training. Aber so kann man von einer 50-Wörter/Minute-Redegeschwindigkeit zu
einer Lesegeschwindigkeit von etwa 200 Wörter/Min. gelangen.
Viele Manager wenden diese Technik erfolgreich bei ihrer Arbeit an. Sie
lässt sich weiter durch die Trennung von wesentlichen und unwesentlichen
Textstellen verbessern.
Wenn ihre beschriebene Person für ihren Beruf nicht viel lesen muss und
vielleicht unter funktionalem Analphabetismus leidet, so sollte diese Person
einfach eine normale Leseschulung wiederholen. Auch für funktionalem
Analphabetismus gibt es spezielle Kurse.
Schliesslich ist das stumme oder laute Mitlesen sinnvoll um
schwerverständliche Textpassagen besser zu verstehen. Ich selber stolpere
manchmal über solcheTexte und lese sie mir halblaut vor um ihren Sinn besser
zu verstehen.
Weitere Informationen dazu finden Sie bei
Carroll, David W. (1986). Psychology of Language. Verlag Brooks/ Cole
Publishing Company, Belmont California.
Schwarz, Cecile (1990). Klinische Logopädie. Verlag Hans Huber: Bern,
Stuttgart, Toronto.
Beide Standardwerke befinden sich in fast allen Universitätsbibliotheken.
Freundliche Grüsse
Victor Senn
>Das ist kein banales Problem.
>
>Entwicklungsgeschichtlich steckt diese Person mit Lippenbewegungen in
der
>Primarschule, wo man das Lesen gerade erst erlernt.
Hallo Victor,
das klingt ja sehr interessant.....und gibt mir zu denken. Ich habe
nämlich eine Bekannte (ca. 50 Jahre alt), bei der ich in letzter Zeit
die Beobachtung machen muß, daß sie meine Lippenbewegungen nachahmt,
wenn ich mit ihr rede.
Besteht da ein Zusammenhang zu Deinen Ausführungen bezüglich des
Lesens?
Viele Grüße,
Elke
E.Herzog schrieb am Sun, 3 Jan 1999 03:24:23 +0100:
> das klingt ja sehr interessant.....und gibt mir zu denken. Ich habe
> nämlich eine Bekannte (ca. 50 Jahre alt), bei der ich in letzter Zeit
> die Beobachtung machen muß, daß sie meine Lippenbewegungen nachahmt,
> wenn ich mit ihr rede.
Wenn sie dabei auch auf Deine Lippen schaut, vermute
ich, dass sie vielleicht schwerhoerig sein koennte.
--
tschüß
Ingo
"Ich leide nie an Krankheiten, sondern stets an ihren Symptomen."
Stefan S in de.talk.romance
genau daran habe ich auch gedacht als ich das Betreff gelesen habe.
MfG
SCVL
Ingo Leschnewsky schrieb in Nachricht ...
>> die Beobachtung machen muß, daß sie meine Lippenbewegungen
nachahmt,
>> wenn ich mit ihr rede.
>
>Wenn sie dabei auch auf Deine Lippen schaut, vermute
>ich, dass sie vielleicht schwerhoerig sein koennte.
Tja, keine Ahnung, ob sie schwerhörig ist. Zumindest habe ich
bisher noch nichts davon bemerkt. Vielleicht sollte ich sie
einfach mal testen ;-))
Vielen Dank für Deinen Tip.
Gruß,
Elke