Ein anderes Phänomen von dem ich mal gehört habe war, dass man im
Sommer an einem See Leute von der anderen Uferseite sprechen hört. Hat
das eine Parallele zu meiner Frage ?
mfg
> Hallo NG.
> Ich wohne relativ nahe an einer Eisenbahn und mir fällt jedesmal im
> Sommer auf, dass man die vorbeirauschenden Züge im Sommer wesentlich
> lauter hören kann, als dass der Fall im Winter ist. Gleiches bei
> Autogeräuschen. Ich vermute als non Physiker, dass das etwas mit der
> Luftfeuchtigkeit und der Ausbreitung des Schalls bzw. Schallintensität
> zu tun hat. Woher kommt das ?
Die Schallintensität hängt von der Dichte des Ausbreitungsmediums und
von der Schallgeschwindigkeit im Medium an. Beides ändert sich mit
Temperatur/Luftdruck/Luftfeuchtigkeit. Außerdem kann es sein, das bei
den Wetterlagen im Sommer und Winter unterschiedliche Windrichtungen
häufiger oder weniger häufig auftreten, was dann auch gleich einen
hörbaren Einfluß auf den Schall hat (mit dem Wind lauter, gegen den
Wind: was wohl? leiser).
>
> Ein anderes Phänomen von dem ich mal gehört habe war, dass man im
> Sommer an einem See Leute von der anderen Uferseite sprechen hört. Hat
> das eine Parallele zu meiner Frage ?
>
Na das klappt sicherlich im Winter genauso ;-) Hier würde ich sagen,
liegt das einfach daran, das über dem Wasser keinerlei Hindernisse sind
(von den Anglern, Enten und spingenden Fischen mal abgesehen...), die
den Schall absorbieren/abschwächen. Der Schall kann sich ungehindert
ausbreiten und kommt somit auch noch in relativ großer intensität am
anderen Seeufern an. Wenn Gras/Büsche/Bäume/Häuser im Weg stehen, wird
die Dämpfung des Schalls dann dementsprechend großer...
Gruß
Joann
> mfg
>
> > Ich wohne relativ nahe an einer Eisenbahn und mir fällt jedesmal im
> > Sommer auf, dass man die vorbeirauschenden Züge im Sommer wesentlich
> > lauter hören kann, als dass der Fall im Winter ist. Gleiches bei
> > Autogeräuschen. Ich vermute als non Physiker, dass das etwas mit der
> > Luftfeuchtigkeit und der Ausbreitung des Schalls bzw. Schallintensität
> > zu tun hat. Woher kommt das ?
> Die Schallintensität hängt von der Dichte des Ausbreitungsmediums und
> von der Schallgeschwindigkeit im Medium an. Beides ändert sich mit
> Temperatur/Luftdruck/Luftfeuchtigkeit.
Genau. Was dadurch passiert ist ein Brechungseffekt, d.h.
die Ausbreitungsrichtung der Schallwellen ändert sich.
Nicht ganz wie an einer scharfen Grenzfläche, sondern
eben wie in einem Material mit ortsveränderlichem Brechnungsindex.
Je nach Temperaturverteilung in Abhängigkeit von der Höhe
über kann das z.B. dazu führen, daß Schallwellen zum Boden
hin abgelenkt werden, was in aller Regel (mehr oder weniger
absorbierender Boden) dazu führt, daß der Schallpegel in
größerer Entfernung abnimmt, der Schall also "nicht so weit trägt."
Bei umgekehrter Temperaturverteilung tritt der gegenteilige
Effekt auf, was IMHO durchaus so wirken kann, daß eine
entfernte Schallquelle als lauter bzw. näher wahrgenommen
wird.
Viele Grüße,
Dieter Michel
Dieter Michel schrub:
> Genau. Was dadurch passiert ist ein Brechungseffekt, d.h.
> die Ausbreitungsrichtung der Schallwellen ändert sich.
> Nicht ganz wie an einer scharfen Grenzfläche, sondern
> eben wie in einem Material mit ortsveränderlichem Brechnungsindex.
Das ist der Hauptgrund, vorallem auch wenn es um den Einfluß von
Wind geht. Die Luftbewegung unterliegt einem Gradienten, direkt am
Boden ist es Windstill (auf Ameisenniveau) und in der Höhe nimmt der
Wind zu. Auch daraus resultiert eine unterschiedliche
Schallgeschwindigkeit (über Grund) und eine Beugung. Bei Gegenwind
wird somit Schall zum Höhrer hingebeugt, der bei Windstille in die
Atmosphäre weglaufen würde.
> Je nach Temperaturverteilung in Abhängigkeit von der Höhe
> über kann das z.B. dazu führen, daß Schallwellen zum Boden
> hin abgelenkt werden, was in aller Regel (mehr oder weniger
> absorbierender Boden) dazu führt, daß der Schallpegel in
> größerer Entfernung abnimmt, der Schall also "nicht so weit trägt."
Ich glaube eher umgekehrt. Durch Gegenwind oder eine bodennahe
Inversion wird der Schall nach unten gebeugt und kommt deshalb
weiter. Aber egal, bei dem Beispiel mit dem See ist der Fall klar,
da absorbiert der Boden nicht, die Schallwellen hüpfen dann
sozusagen wie Steine auf der Wasseroberfläche lang.
CU Rollo
Du meinst jetzt aber nicht einen "Schnee"-Winter, oder? In Schnee läuft
sich Schall nämlich sehr schön tot.
Bei mir sieht es übrigens genau anders aus, weil zwischen Bahn und
meiner Wohnung ein Wald liegt: Sommer -> Laub -> Stille; Winter -> nur
Äste -> Lärm.
> Ein anderes Phänomen von dem ich mal gehört habe
> war, dass man im Sommer an einem See Leute von
> der anderen Uferseite sprechen hört. Hat
> das eine Parallele zu meiner Frage?
Du hast eigentlich keine schallschluckenden Hindernisse auf einem See;
außerdem sind dort (außer den Wellen) keine (großräumigen) Schallquellen
vorhanden, wenn der Wind einigermassen ruhig weht.
/Hannes
--
Immer auf dem aktuellen Stand mit den Newsgroups von freenet.de:
http://newsgroups.freenet.de
>
>>Die Schallintensität hängt von der Dichte des Ausbreitungsmediums und
>>von der Schallgeschwindigkeit im Medium an. Beides ändert sich mit
>>Temperatur/Luftdruck/Luftfeuchtigkeit.
>>
>
> Langsam. Die Intensität folgt zunächst ganz simpel dem r^-2-Gesetz und
> ist unabhängig von der Schallgeschwindigkeit.
Die Intensität als Funktion des Ortes. OK, aber was ist mit der
Intensität bei konstanten Ort (Also wenn du so willst: Intensität
"I-Null" für einen festen Ort). Die kann nicht nur eine Funktion von r
sein, oder? Ich würde da ehr für eine Funktion von Dichte und
Schallgeschwindigkeit plädieren. Lasse mich aber gerne eines besseren
belehren.
>>Na das klappt sicherlich im Winter genauso ;-) Hier würde ich sagen,
>>liegt das einfach daran, das über dem Wasser keinerlei Hindernisse sind
>>(von den Anglern, Enten und spingenden Fischen mal abgesehen...), die
>>den Schall absorbieren/abschwächen. Der Schall kann sich ungehindert
>>ausbreiten und kommt somit auch noch in relativ großer intensität am
>>anderen Seeufern an. Wenn Gras/Büsche/Bäume/Häuser im Weg stehen, wird
>>die Dämpfung des Schalls dann dementsprechend großer...
>>
>
> Das liegt u. a. daran, daß sich über einer Wasseroberfläche eine
> lokale Temperaturinversion ausbildet - in der Höhe liegt warme Luft
> über einer kälteren Schicht auf der Wasseroberfläche, wobei die
> kältere Luft dichter ist und eine niedrigere Schallgeschwindigkeit
> hat. Deswegen werden die am Ufer schräg nach oben abgestrahlten
> Schallsignale nach unten gebogen und treffen den Beobachter am anderen
> Ufer schräg von oben - die Luftschicht über dem Wasser wirkt als
> Schalleiter bzw. der See als akustische Linse. Mit den fehlenden
> Hindernissen hat das weniger zu tun, auf einem asphaltierten Parkplatz
> funktioniert es nicht, weil der heiß ist.
>
> Und im Winter dürfte es auch nicht funktionieren, weil dann knackig
> kalte Höhenluft über der wärmeren Eis- oder Wasseroberfläche liegt.
>
>
Hmm, da muss ich zugeben: so weit habe ich da noch garnicht gedacht.
Quasi eine "Akkustische Fatamorgana"!
Gruß
Joann
> Ich wohne relativ nahe an einer Eisenbahn und mir fällt jedesmal im
> Sommer auf, dass man die vorbeirauschenden Züge im Sommer wesentlich
> lauter hören kann, als dass der Fall im Winter ist. Gleiches bei
> Autogeräuschen. Ich vermute als non Physiker, dass das etwas mit der
> Luftfeuchtigkeit und der Ausbreitung des Schalls bzw. Schallintensität
> zu tun hat. Woher kommt das ?
Dass es im Sommer und im Winter durchaus schallschluckende Dinge
(Laub, Schnee...) gibt, wurde ja bereits beschrieben.
Nach meinem Eindruck hängt es auch vom Wind ab, wie gut man eine
Schallquelle in einiger Entfernung vernehmen kann. Nach meinem
Eindruck hilft mäßiger gleichmäßiger Rückenwind dem Schall.
[ ] richtig
[ ] quatschig
Es könnten dann auch jahreszeitlich sich ändernde Windverhältnisse
eine Rolle spielen (auch für deine See-Frage).
Sabine
in de.sci.physik c.t. <ct9...@yahoo.de> wrote:
> Ich wohne relativ nahe an einer Eisenbahn und mir fällt jedesmal im
> Sommer auf, dass man die vorbeirauschenden Züge im Sommer wesentlich
> lauter hören kann, als dass der Fall im Winter ist. Gleiches bei
> Autogeräuschen. Ich vermute als non Physiker, dass das etwas mit der
> Luftfeuchtigkeit und der Ausbreitung des Schalls bzw. Schallintensität
> zu tun hat. Woher kommt das ?
Dann wäre es eher umgekehrt.
Ich vermute: Du hast im Winter das Fenster zu.
mfg.
Gernot
--
<hi...@gmx.de> (Gernot Zander) www.kabelmax.de *Keine Mailkopien bitte!*
Anders gesagt: Deine Kritik trifft voll den wesentlichen Punkt einer
Diskussion, die hier leider nicht stattfindet. (Kristian Koehntopp)
> Die Entfernungsabhängigkeit der Intensität ist
> einfach eine direkte geometrische Folgerung aus der Energieerhaltung. Ein
> Wellenzug aus einer isotrop strahlenden Punkt- oder Kugelquelle verteilt
> seine Energie beim Fortschreiten auf immer größere Kugelschalen, deren
> Oberfläche mit dem Quadrat der Entfernung zunimmt.
OK.
> Ebene Wellen ändern ihre
> Intensität mit der zurückgelegten Entfernung übrigens gar nicht. Die
> Eigenschaften des Mediums kommen in dieser Überlegung nicht vor. Sie kommen
> erst ins Spiel, wenn das Medium dissipativ ist;
Und um ein solches Medium handelt es sich doch bei Luft, oder?
> das wiederum hängt nicht
> von dessen Dichte oder Propagationsgeschwindigkeit ab.
Wovon hängt denn die "Dämpfung" in der Luft ab? Was für Prozesse
bewirken letzendlich eine Dämpfung bei der Schallausbreitung in Luft?
Ich denke ein Punkt ist die Reibung die im Medium bei der
Schallausbreitung auftritt. Ist die nicht Dichteabhänig? Höhere Dichte
--> mehr Reibung. Was ist mit dem Wasser in der Athomsphäre? Der
Wasserdampfgehalt ist z.B. stark Temperaturabhänig.
Die nächste Frage ist jetzt natürlich noch: Wie groß ist diese Dämpfung
überhaupt? Macht sie sich bei einem "typischen" See von vielleicht 500 m
bis 2 km freier Strecke über dem Wasser überhaupt schon bemerkbar?
Gruß
Joann
das nenne ich doch mal eine ausführliche Antwort!
>
>>Wovon hängt denn die "Dämpfung" in der Luft ab? Was für Prozesse
>>bewirken letzendlich eine Dämpfung bei der Schallausbreitung in Luft?
>>
>
> Mehrere Effekte:
>
> Zum einen wird Schallausbreitung über die adiabatische
> Kompressibilität der Luft berechnet. Schall besteht aus
[..]
> Für Luft bei Normalbedingungen ist a/c ca. 50nm entsprechend einer
> Frequenz von f = 6Ghz. Hörbarer Schall wird also thermisch nicht
> bedämpft, die Annahme adiabatischer Kompression ist gerechtfertigt.
Damit fällt meine Abhänigket von c dann wohl für den Schall aus...
>
> Der wesentliche Effekt dürfte aber die frequenzabhängige Beugung der
> Schallwellen sein, die mit abnehmender Wellenlänge zunimmt. Kleine
> Partikel wie auch Dichteschwankungen in der Luft, die durch
> Mikro-Turbulenzen entstehen, streuen etwas Schall analog der
> Entstehung des blauen Himmelslichts aus der Richtung heraus, so daß
> der geradlinig sich ausbreitende Schall geschwächt wird. Das betrifft
> die hohen Töne stärker.
Und damit ist die Dichte doch nicht ganz aus dem Rennen :-)) Das ganze
ist halt doch mal wieder etwas komplexer als man mit dem ersten Blick
vermutet.
Viele Grüße
Joann
PS: habe deine Rechnungen nicht nachgerechnet. Denke mal sie stimmen... :-)