Sven Hambacher wrote:
> Am 27.04.2018 um 23:06 schrieb Thomas 'PointedEars' Lahn:
>
> Wie gefällt dir die Einleitungszeile?
Ist OK (gut, dass Du jetzt Thunderbird verwendest). Das Datum darin ist
noch überflüssig.
>> Sven Hambacher wrote:
>>
>>> Jetzt mal ehrlich Thomas, kannst du es dir vorstellen [das vierdimensionale Kontinuum]?
>>
>> Ja, sicher, das ist nämlich – wie Du hoffentlich gleich merken wirst – sehr
>> einfach zu verstehen.
>>
>> Auch wenn sich Deine Ortskoordinaten nicht unbedingt ändern, so ändert sich
>> doch auf jeden Fall Deine Zeitkoordinate, die Du auf Deinen Uhren (wenn
>> diese funktionieren) ablesen kannst. Umgangssprachlich: „die Zeit vergeht“,
>> „es wird später“ usw.
>
> Aber verneint Einstein nicht genau das, wenn er sagt: "Für uns gläubige
> Physiker hat die Scheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
> nur die Bedeutung einer, wenn auch hartnäckigen, Illusion.“? Was ist
> damit gemeint, wenn nicht, dass das Vergehen der Zeit (von der Zukunft
> über die Gegenwart zur Vergangenheit) eine Illusion ist,
> oder hab ich was falsch verstanden?
Erstens, ich schreibe es jetzt nochmal DEUTLICH, da die Information
anscheinend immer noch nicht angekommen ist: Das sind
K O N D O L E N Z W O R T E
an die Witwe seines besten Freundes Michele Besso (Anna Besso geb. Winteler;
die Schwester von Einsteins erster grosser Liebe, Marie Winteler, und von
Paul Winteler, dem Mann seiner Schwester Maria „Maja“ Einstein; alles Kinder
von Jost Winteler, bei dessen Familie er zuerst in Aarau lebte, als er in
die Schweiz kam; siehe auch “Genius: Einstein”).
Es ist keine Aussage in einer wissenschaftlichen Arbeit Einsteins. Die
Worte drücken Einsteins tiefe Verbundenheit aus; sie sollen trösten, nicht
definieren.
Daraus ein physikalisches Verständnis Einsteins zu konstruieren, ist
bestenfalls gewagt.
Erstens sind menschliche Wissenschaftler auch nur Menschen, können also
irren. Zweitens kommt es auf den Kontext an.
Es ist ein häufiger Fehler von Laien, und leider auch Crackpots, jeden
Wortfetzen eines Wissenschaftlers, unabhängig vom Kontext, als
wissenschaftlich Aussage, als permanent, und darüberhinaus als kompetent zu
verstehen.
[Das nutzen Wissenschaftler – bewusst oder unbewusst – auch aus. Zum
Beispiel stellten sowohl Einstein als auch Hawking einige, zum Teil
gewagte, Behauptungen auf, die sie später revidieren mussten (Einstein:
Quantenmechanik; Hawking: Informationsverlust durch Schwarze Löcher),
oder solche, die weit ausserhalb ihres Fachgebiets lagen (Einstein:
Weltpolitik; Hawking: Ausserirdische), und man (Journalisten) nahmen
Letzteres trotzdem für bare Münze.]
Wenn wir aber annehmen wollen, dass diese Sentimentalität etwas mit
Einsteins physikalischem Verständnis zu tun habe, so gibt es dafür
verschiedene Interpretationen. Eine davon habe ich Dir in meiner ersten
Antwort in diesem Thread schon gegeben.
Zweitens muss man, wie Gregor Scholten schon schrieb, zwischen der
*räumlichen* und der *raumzeitlichen* Perspektive unterscheiden.
>> Selbst wenn Du im *Raum* ruhst (nach z. B. Deiner Definition), bewegst Du
>> Dich also ständig durch die Raum*zeit*. Die von Dir erwähnten
>> dreidimensionalen „Scheibchen“ (in der Physik/Mathematik spricht man von
>> _Blättern_, _Folien_, oder _Querschnitten_; der Fachbegriff für das Konzept
>> ist „Blätterung“ oder „Foliation“ [engl.: “foliation”]) sind nichts anderes
>> als der Zustand des Universums zu einem Zeitpunkt, den Du jeweils als
>> Jetzt/Gegenwart wahrnimmst/definierst.
>
> Das ist mir schon klar. Mir scheint aber, dass wenn man mit einem CT
> durch eine Zigarre der Länge nach fährt, dann sieht man auf dem
> Bildschirm zuerst eine kleine Scheibe, die sich dann vergrößert, um
> gegen Ende wieder abzunehmen bevor sie ganz verschwindet. Wir haben
> den Eindruck, dass die Zigarre sich bewegt, sich aufbläht und dann
> wieder zusammenzieht, wobei sie aber in Wirklichkeit die ganze Zeit
> unbewegt da liegt. So stelle ich mir auch das Universum vor: es liegt
> die ganze Zeit über unbewegt, bloß unser Bewusstsein gaukelt uns eine
> Bewegung vor (analog zum CT-Bildschirm).
Im Unterschied zur CT-Bildern handelt es sich beim ct-*X*-Diagramm ;-) aber
nicht um Querschnitte des *Raumes* zu *einer* Zeit, sondern der Raum*zeit*
zu *verschiedenen* Zeiten.
Man sieht also beim Vergleich zwischen den Folien der Raumzeit immer eine
*Entwicklung* (zum Beispiel die Expansion des Universums[1] oder, wie von
mir dargestellt, eine gleichförmige *Bewegung*).
Für uns als Beobachter *in* der Raumzeit heisst das: Wir bewegen uns auf
unseren zeitartigen Weltlinien _nicht_ durch eine *statische* Raumzeit, die
wir nur passiv beobachten können und wo die Zukunft bereits festgelegt ist,
sondern (hier überschreiten wir die Grenze zur Philosophie) wir können durch
unsere *Aktionen*, unsere *Entscheidungen* die Form der zukünftigen Folien
der Raumzeit, der zukünftigen Momentaufnahmen des Universums, *beeinflussen*
und tun dies *unbewusst* sogar *immer*.
> Danke für die tollen Diagramme,
Danke, gern. Ich fand es auch intellektuell anregend, die Zusammenhänge
zwischen räumlicher und raumzeitlicher Perspektive einmal so darstellen zu
können.
> erstaunlich, was man mit einfachem Text alles gestalten kann!
Das ist doch noch gar nichts :) Als es de.alt.rec.ascii-art noch gab, fand
man dort regelmässig echte *Kunstwerke*. ASCII-Art ist wohl leider eine
aussterbende Kunstform – deshalb praktiziere ich sie, so oft es sinnvoll
möglich ist.
Ich habe schon häufig bemerkt, dass, gerade in der Physik, ein gutes Bild
oft mehr sagt als tausend eloquente Worte. Die Gefahr dabei ist aber, dass
man zu stark vereinfacht (übersimplifiziert), was Missverständnisse erzeugt,
statt sie auszuräumen.
In Deinem vorherigen Posting in diesem Thread,
<
news:ff5a58c2-4c44-42cb...@googlegroups.com>.
[1] <
https://physics.stackexchange.com/a/57538/17333>