Am 29.04.2013 13:50, schrieb SCR:
>>>> ich erinnere an mein obiges Argument: lᅵsst man ein Testteilchen durch
>>>> einen Schacht fallen, den man in einen gravitierenden Himmeskᅵrper
>>>> gebohrt hat, fᅵllt es durch den Kern des Himmelskᅵrpers hindurch und
>>>> steigt auf der anderen Seite wieder auf - vom Kern fort. Das
>>>> widerspricht deiner Raumvernichtungs-These.
>>>>
>>>
>>> Frage: Wenn ich Dir nachvollziehbar erklᅵren kᅵnnte, weshalb das Objekt
>>> hier "pendelt" - Wᅵrdest Du die Raumvernichtungsthese weiter ablehnen?
>>
>> das kommt ganz auf deine Erklᅵrung an.
>>
>
> Es hat mit "der Zeit" zu tun.
>
> Genᅵgt Dir das? ;)
>
> Ernsthaft: Ich vermute Nein.
>
> Ich ᅵberlege, wie ich das am Besten transportiere / womit ich am
> Sinnvollsten anfange ... Frage dazu zu meiner Orientierung:
> Kannst Du mir sagen WARUM unsere Welt eigentlich rᅵumlich
> dreidimensional ist (und nicht z.B. zweidimensional)?
nein, kann ich nicht.
>>> Erklᅵre mir bitte genau wie sich der nicht zu unserer Raumzeit gehᅵrende
>>> Massenpunkt durch diese "bewegen" soll:
>>
>> mit der Frage hast du dir schon ein Eigentor geschossen: indem du
>> "Massenpunkt" sagst, gestehst du ein, dir die Singularitᅵt als
>> zeitartige Weltlinie eines Massenpunkts vorzustellen.
>>
>
> Nein. Das ist wortwᅵrtlich Schwarzschild:
> Er nahm Materie konzentriert in einem MASSENPUNKT vorliegend an und
> entwickelte davon ausgehend seine Lᅵsung
vermutlich wusste er noch nicht, welche Konsequenzen sich aus
Singularitᅵten in der ART ergeben, und ging ganz unbekᅵmmert von einem
Massenpunkt aus. Du aber hast bereits zu erkennen gegeben, ᅵber die
Problematik im Bilde zu sein, und kannst dich daher nicht auf seine
Unbekᅵmmertheit berufen.
>>>>> Erklᅵre mir bitte ganz genau wie sich eine Kernsingularitᅵt durch die
>>>>> sie umgebende Raumzeit bewegen soll.
>>>>
>>>> so wie sich zwei Rᅵnder eines Blattes Papier "durch" das Papier zu der
>>>> Ecke, wo sie zusammentreffen, bewegen.
>
> So kann sich maximal der "Rand" der Raumzeit um die Kernsingularitᅵt,
> das namesgebende "Loch" bewegen: Der Rand hat noch "Verbindung" zur
> betreffenden Raumzeit - Wie der Rand eines Blattes.
das gleiche gilt die Singularitᅵten in der ART.
> Nicht so der auᅵerhalb liegende Massenpunkt:
oh doch!
> Erklᅵre mir bitte, wie sich
> dieser durch unsere Raumzeit bewegen soll
das habe ich bereits getam.
> Ich sehe da keine Chance.
ich habe sie dir gerade aufgezeigt.
>>>>>>> Die beobachtbaren Charakteristika der anziehenden Gravitation
>>>>>>> (Abstandsregel, unendliche Reichweite, Nicht-Abschirmbarkeit, ...)
>>>>>>> sind
>>>>>>> bei Annahme der Funktionsweise der Gravitation in Gestalt einer
>>>>>>> lokalen
>>>>>>> Raumvernichtung auch plausibel nachvollziehbar: Es handelt sich
>>>>>>> tatsᅵchlich nicht um eine Kraft die zwischen zwei Objekten wirkt
>>>>>>
>>>>>> um dieses Resultat zu erhalten, braucht man dein Konzept nicht, das
>>>>>> gilt
>>>>>> schon in der gewᅵhnlichen ART.
>>>>>>
>
> Selbstverstᅵndlich.
> Aber ist das erkenntnistheoretisch zu jedem durchgedrungen?
> Gravitonen, die zwischen zwei materiellen Objekten ausgetauscht werden,
> sind "Newton" und nicht "ART"
virtuelle Teilchen - im Falle der Gravitation also virtuelle Gravitonen
- treten in der Stᅵrungsrechnung auf, wenn man diese zur Ermittlung von
ᅵbergangswahrscheinlichkeiten bei wechselwirkenden quantisierten Feldern
verwendet. Das setzt jedoch voraus, dass die beteiligten Felder ein
gewisses Eigenleben haben, bei Fernwirkungstheorien wie der Newtonschen
Gravitation oder der Coulombschen Elektrostatik braucht es keine
virtuellen Teilchen, da macht man einfach nichtrelativistische
Quantenmechanik mit einem Zweiteilchenpotential.
Den Austausch virtueller Gravitonen kann es also nur in einer
Feldtheorie der Gravitation geben, z.B. einer quantisierten ART. Der
stᅵrungstheoretische Ansatz auf die ART ᅵbertragen bedeutet allerdings,
dass man die flache Raumzeit der SRT als ungestᅵrte Ausgangssituation
annimmt, in der Gravitationswirkungen, also Krᅵmmungen, als Stᅵrung
auftreten. In diese Richtung geht der sog. kovariante Ansatz der
Quantengravitation, auf den z.B. die Supergravitation und die
Superstrings zurᅵckgehen. Allerdings passt das nicht so recht mit der
Hintergrundunabhᅵngigkeit der ART zusammen. Die Alternative ist der
kanonische Ansatz, in dem die Hintergrundunabhᅵngigkeit ausdrᅵcklich
bewahrt wird, ein Kandidat hierfᅵr ist die LQG. Da dieser Ansatz
konsequent nicht-stᅵrungstheoretisch ist, ist da dann natᅵrlich auch
nicht mit virtuellen Gravitonen zu rechnen.
> Aber erklᅵre mir bitte was ich mir anschaulich unter einer
> "Raumzeitkrᅵmmung" vorzustellen habe: Ich sehe da nirgendwo Etwas
> Krummes in meiner Umwelt.
etwas krummes ist leicht zu finden: die Flugbahn beim schiefen Wurf ;-)
Um die die Krᅵmmung der Raumzeit vorzustellen, denk dir am besten
zunᅵchst 2 Raumzeitdimensionen weg, so dass nur noch ein 2D-Raum
ᅵbrigbleibt. Nimm zunᅵchst an, dieser sei flach. Es gibt dann zwei
Methoden, diese Flachheit festzustellen. Einmal kann ein 3D-Beobachter
feststellen, dass dieser 2D-Raum nicht in Richtung der dritten Dimension
verbogen ist. Andererseits aber kann ein in dem 2D-Raum lebender
2D-Beobachter, der nichts von der dritten Dimension weiᅵ, feststellen,
dass der 2D-Raum ein euklidische Geometrie hat. Er kann z.B. drei Punkte
in diesem Raum durch geradestmᅵgliche Linien - also Geraden - verbinden
und so ein Dreieck konstruieren. Misst er in jeder Ecke des Dreiecks die
Winkel zwischen den beiden dort zusammenlaufenden Dreieckseiten, und
summiert die Winkel aller drei Ecken, so erhᅵlt er als Winkelsumme stets
180 ᅵ.
Jetzt stell dir vor, der 2D-Raum ist gekrᅵmmt, er bilde z.B. eine
Kugeloberflᅵche. Der 3D-Beobachter stellt jetzt fest, dass der 2D-Raum
im ihn einbettenden 3D-Raum verbogen ist. Er stellt eine sog. ᅵuᅵere
Krᅵmmung des 2D-Raumes fest. Der 2D-Beobachter innerhalb des 2D-Raumes
weiᅵ nach wie vor nichts von der dritten Dimension, und somit auch
nichts von einer Verbiegung. Er kann aber wieder sein Dreieck
konstruieren, und stellt dieses mal fest, dass die Winkelsumme nicht
mehr 180 ᅵ betrᅵgt. Wenn das Dreieck klein ist, sehr klein gegenᅵber dem
Umfang der Kugeloberflᅵche, ist die Abweichung von 180ᅵ sehr klein. Ist
das Dreieck aber ᅵhnlich groᅵ wie der Umfang der Kugeloberflᅵche, ist
die Winkelsumme jetzt messbar grᅵᅵer als 180ᅵ. Diese erhᅵhte Winkelsumme
misst der 2D-Beobachter ganz ohne auf das Konzept der dritten Dimension
zurᅵckgreifen zu mᅵssen. Es handelt sich daher um einen Effekt der
inneren Krᅵmmung, d.h. der fᅵr die raum-internen Beobachter messbaren
Krᅵmmung.
In der ART geht es stets um solche inneren Krᅵmmungen. Bei der
4D-Raumzeit ist das ganze natᅵrlich etwas komplizierter als bei nur 3
Dimensionen, aber das Prinzip bleibt das gleiche.
> Ich nehme beschleunigte rᅵumliche Bewegungen und unterschiedlich schnell
> gehende Uhren wahr - Was soll da jetzt konkret in der Realitᅵt krumm
> sein dass diese Ergebnisse herauskommen?
zur beschleunigten rᅵumlichen Bewegung: wenn du damit die Beschleunigung
eines frei fallenden Testteilchens meinst, so ist diese Beschleunigung
nur scheinbar, weil du selbst als Beobachter nicht frei fallend bist.
Nimm wieder das obige 2D-Beispiel. Nimm eine geodᅵtische Linie in dem
gekrᅵmmten 2D-Raum. Jetzt zeichne in den Raum ein Koordinatensystem aus
nicht-geodᅵtischen Linien ein. Nimm an, die geodᅵtische Linie verlaufe
an an einer Stelle parallel zu einer der beiden Koordinatenlinien des
Koordinatensystems. Dann wirst du feststellen, dass ein Stᅵck weit von
dieser Stelle entfernt die geodᅵtische Linie nicht mehr parallel zur
Koordinatenlinie verlᅵuft, sondern die Verlaufsrichtungen beider Linien
einen von null verschiedenen Winkel einschlieᅵen. Je weiter du dich von
der Stelle entfernst, an der Paralleletᅵt herrschte, desto grᅵᅵer wird
dieser Winkel. Auf die Raumzeit ᅵbertragen entspricht das gerade der
scheinbaren Beschleunigung es frei fallenden Testteilchens. Dessen
Weltlinie ist eine Geodᅵte in der Raumzeit, die Weltlinie von dir als
nicht frei fallendem Beobachter dagegen entspricht der
nicht-geodᅵtischen Koordinatenlinie.
Zur gravitation Zeitdilatation: um die zu verstehen, reicht eine
einfache kugeloberflᅵchenartige - d.h. sphᅵrische - Krᅵmmung nicht mehr
aus. Du musst vielmehr annehmen, dass der gekrᅵmmte 2D-Raum eine
kompliziertere Krᅵmmung aufweist. Die kann so geartet sein, dass
folgendes passsiert. Durch einen Punkt in dem Raum verlaufen zwei
Geodᅵten. Diese laufen, nachdem sie sich in diesem Punkt geschnitten
haben, zunᅵchst auseinander, und schneiden sich dann in einem zweiten
Punkt. Die Bogenlᅵngen der beiden geodᅵtischen Linien zwischen den
beiden Schnittpunkten kᅵnnen dabei voneinander abweichen. D.h. wenn man
ᅵber die eine Linie vom ersten Schnittpunkt zum zweiten wandert, legt
man eine grᅵᅵere Strecke zurᅵck als wenn man ᅵber die andere Linie
wandert. Auf die Raumzeit ᅵbertragen entspricht die Bogenlᅵnge gerade
der Eigenzeit, die auf der jeweiligen geodᅵtischen Weltlinie
verstreicht. Zwei frei fallende Uhren kᅵnnen also in einem Punkt
zusammentreffen, sich auseinanderbewegen und schlieᅵlich in einem
zweiten Punkt wieder zusammentreffen, und fᅵr die eine Uhr ist dann mehr
Eigenzeit verstrichen als fᅵr die andere. Das ist gerade das Wesen der
gravitativen Zeitdilatation.
Natᅵrlich kann sich die gravitative Zeitdilatation auch bei nicht frei
fallenden Uhren auswirken. Schlieᅵlich haben in dem betrachteten 2D-Raum
auch nicht-geodᅵtische Linien eine Lᅵnge.
> Ich formuliere meine Sicht einmal abstrakt:
> Krumm ist etwas (im Ganzen betrachtet) dann wenn etwas in eine bestimmte
> Richtung schrumpft oder wᅵchst.
das dᅵrfte mit der ART kaum vertrᅵglich sein, von einigen Spezialfᅵllen
einmal abgesehen.