Vielen Dank schon jetzt,
Victor
Hallo Victor!
Das ist nicht wirklich so. Die magnetischen Feldlinien sind ja quasi einmal
um die Erde gewickelt, und nach denen richtet sich der
Kompass. »gewickelt« ist eigentlich falsch... z.b. bei
http://www.asn-ibk.ac.at/bildung/faecher/physik-hs/MagnetfeldderErde.htm
findest Du ein Bild... Im Süden ist nichts anders als im Norden.
Grüße,
Sebastian.
P.S.: ich würde da nicht mehr einkaufen... :)
> in einer Globetrotter-Zeitschrift stand neulich ein Interview, in dem ein
> Expeditinsausrüster davon berichtete, dass er sehr seriös sei und keinem
> Menschen für die Reise auf der Südhalbkugel einen Kompass verkaufen würde -
> denn der könnte da ja nicht funktionieren.
> Ist das wirklich so? Wenn ja, warum?
Es ist nicht so, daß ein Kompass auf der Südhalbkugel generell nicht
funktioniert, es ist nur so, daß ein für die Nordhalbkugel konstruierter
Kompass möglicherweise auf der Südhalbkugel nicht funktioniert (und
umgekehrt). Wenn du dir einmal die Feldlinien des Erdmagnetfeldes
ansiehst, dann tauchen sie nur an den magnetischen Polen senkrecht
in die Erde ein; an allen anderen Stellen sind sie mehr oder weniger
flach zur Oberfläche geneigt (Inklination), in der Nähe des magnetischen
Äquators verlaufen sie horizontal.
In unseren Breiten würde eine ohne Magnetfeld exakt ausbalancierte Nadel
sich nach der Magnetisierung mit der nordweisenden Spitze leicht nach
unten neigen, da sie der Neigung (und natürlich der Richtung) der
Magnetlinien folgt. Man kann das durch ein Gegengewicht kompensieren,
aber auf der Südhalbkugel würde das Gegengewicht auf der falschen
Seite sitzen und die Neigung verstärken.
Ein Zitat aus der Bedienungsanleitung zu meinem RECTA Kompass:
| Auch die vertikale Intensität des Magnetfeldes ist nicht überall
| gleich (Inklination)[,] was die Horizontallage der Nadel beeinflußt.
| Dank einem RECTA-Patent genügen zwei verschieden justierte Kompass-
| kapseln (N/S) zur Korrektur dieses Effektes, eingebaut je nach
| Hemisphäre (N/S), in die der Kompass geliefert wird.
| Er kann trotzdem - ohne Genauigkeitseinbusse - weltweit verwendet
| werden, solange Sie die Nadel frei schwingen lassen können. Ein
| Austausch der Kapsel empfiehlt sich nur i[n] Bereiche[n], die
| von der N- bzw. S- Hemisphäre extrem weit weg sind (z.B. Australien,
| Alaska).
Also kein Grund, keinen Kompass auf die Südhalbkugel mitzunehmen,
es muß gegebenenfalls nur der richtige sein.
Tschau,
Thomas
--
-------------------------------------------------------------------
Thomas Schmidt e-mail: sch...@hoki.ibp.fhg.de
Victor
"sebastian busch" <sebasti...@gmx.net> schrieb im Newsbeitrag
news:aldafo$1p96r5$1...@ID-115834.news.dfncis.de...
Tschüss und noch einen schönen Sonntag
Victor
"Thomas Schmidt" <sch...@hoki.ibp.fhg.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3D7A7726...@hoki.ibp.fhg.de...
> vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Dass in einem Kompass
> Ausgleichsgewichte an den Nadeln befestigt sind, um die Inklination zu
> kompensieren, wusste ich nicht. Das erklärt die ganze Geschichte.
Ich weiß nicht sicher, ob wirklich immer welche dran sind, oder ob sich
das z.B. auch durch eine geeignete Aufhängung der Nadel o.ä. umgehen
läßt, deshalb habe ich auch nur etwas diffus geschrieben "man kann".
(Im Physikunterricht hatten wir eine dieser großen rot-grünen Demon-
strationsnadeln, da war an einem Ende tatsächlich ein kleines Blech-
stück als Gewicht angebracht).
> Somit ist
> die Aussage, dass Kompasse auf der Südhalbkugel nicht funktionieren ja
> eigentlich falsch - man braucht sie ja nur etwas schräg halten.
Im Grunde ja, nur gibt es halt Grenzen, ab denen eine sinnvolle Benutzung
des Kompass' dann nicht mehr möglich ist. Dann braucht man einen, der
speziell für die Südhalbkugel konstruiert ist.
> > vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Dass in einem Kompass
> > Ausgleichsgewichte an den Nadeln befestigt sind, um die Inklination zu
> > kompensieren, wusste ich nicht. Das erklärt die ganze Geschichte.
>
> Ich weiß nicht sicher, ob wirklich immer welche dran sind, oder ob sich
> das z.B. auch durch eine geeignete Aufhängung der Nadel o.ä. umgehen
> läßt, deshalb habe ich auch nur etwas diffus geschrieben "man kann".
Noch ein Nachtrag:
| Die Inklination wird bereits bei der Herstellung dadurch ausgeglichen,
| dass man den Schwerpunkt der Nadel entsprechend verlagert; so ist
| bei einem in Deutschland gekauften Kompass z.B. das Südende der Nadel
| etwas schwerer als das Nordende. Einen solchen Kompass kann man nahezu
| auf der gesamten Nordhalbkugel verwenden. Wer jedoch jenseits des
| Äquators eine Tour plant, sollte sich beim Hersteller erkundigen,
| ob sein Kompass dort benutzt werden kann, und muß gegebenenfalls
| ein für die jeweilige Inklinationszone hergestelltes Modell kaufen.
(Rainer Höh: Orientierung mit Kompass und GPS, Rump)
Diese Verlagerung des Schwerpunkts läßt sich wohl am einfachsten so
erzielen, daß man die Nadel etwas exzentrisch lagert. Dann kann man
die Nadel einfach aus geeignetem Blech stanzen und muß nicht noch
mit Gewichten dran rumfummeln.