Heinz Saathoff wrote:
> René Schuster wrote:
>> Man liest ja immer wieder dass man seinen Kühl-/Gefrierschrank
>> regelmäßig abtauen soll, da die Eisschicht zu einem höheren
>> Stromverbrauch führt. (Kühlschränke mit automatischer Abtaufunktion mal
>> außen vor)
>>
>> Bei näherer Überlegung erschließt sich mir das mit dem höheren
>> Energiebedarf nicht: Wohin sollte denn die Energie verschwinden? Wenn
>> die Kälte nicht direkt von den Kühlschlangen an die Luft im Kühlschrank
>> abgegeben werden kann trägt sie eben zur Bildung der Eisschicht bei,
>> welche dann ihrerseits die Luft kühlt. Allenfalls ist die Eisschicht ein
>> Puffer, aber ich sehe gerade nicht wo da unterm Strich der Verlust
>> herkommen soll. Übersehe ich da etwas?
>
> Nach dem Lesen einiger Antworten komme ich zum Schluss, dass sich die
> Antwort mittels Gedankenexperiment herleiten lässt.
> Worum geht's beim Gefrierfach? Die Wärme muss raus!
Full ACK. Und nicht nur beim Gefrier-/Tiefkühlfach, wobei der Effekt dort
natürlich maximal ist.
> Der einzige Weg ist über die Kühlschlangen/Kühlflächen, die eine tiefere
> Temperatur als die Umgebungsluft im Gefrierfach haben muß.
Im Prinzip richtig, aber etwas komplizierter ist der Wärmeaustausch dann
doch:
Speisen/Getränke → Luft im Kühlraum → Wände des Kühlraums → innere
Wärmeaustauscher-Rohre → (verdampfendes) Kältemittel → äussere
Wärmeaustauscher-Rohre → Luft ausserhalb des Kühlschranks.
Und genau zwischen die Phasengrenze zwischen „Luft im Kühlraum“ und „Wände
des Kühlraums“ schiebt sich das durch Resublimation entstehende Eis –
insbesondere dann, wenn man den Kühlschrank im laufenden Betrieb zu lange
geöffnet lässt, wenn er undicht ist (z. B. Türdichtung beschädigt), oder
wenn man Speisen oder Getränke offen in den Kühlschrank stellt/legt, und
damit jeweils die Luftfeuchtigkeit im Inneren erhöht (mit Abtau-Automatik
eben weniger ein Problem, siehe unten).
> Die wärmere Luft gibt ihe Wärme an der Kühlschlange ab und kühlt ab.
> Danach kann die nun gekühlte Luft wieder Wärme aus den Lebensmitteln
> aufnehmen.
Wie bei den meisten realen physikalischen Systemen findet die
Zustandsänderung kontinuierlich statt. Dein „Danach“ ist deshalb fcshal,
das passiert alles *gleichzeitig*. Die sogenannte „wärmere Luft“ hat eine
Temperatur von nicht mehr als 0 °C bis 8 °C bzw. ca. −18 °C im Tiefkühlfach
[4] (Letzteres habe ich gestern selbst gemessen, nachdem ich es im Handbuch
meines Kühlschranks gelesen hatte). Die Temperatur der gekühlten
Lebensmittel ist in der Regel höher.
Auch befinden sich die Wärmeaustauscher-Rohre gefahrenvermeidend
*ausserhalb* des Kühlraums (allerdings natürlich _nicht_ sämtlich ausserhalb
des Kühlschranks), also von innen gesehen *hinter* bzw. *in* den Wänden (aus
Deinen Ausführungen geht nicht hervor, dass Dir das klar ist). Das Isobutan
(R600a) in meinem Haushaltskühlschrank (Kompressorkühlschrank) etwa ist
hochentzündlich [1] (daher werden nur minimale Stoffmengen benutzt);
Ammoniak, wie es etwa bei Minibars eingesetzt wird (Absorberkühlschrank),
ist giftig [2]. (Hinzu kommt die Vermeidung der Gefahr des durch
Resublimation des Wassers auf der Haut an den Rohren festfrierenden
Kühlschranknutzers und mit der Berührung grundsätzlich eingehender
Erfrierungen.)
> Jetzt nehmen wir mal statt einer Eisschicht ein extremes Material wie
> Styropor als Ummantelung der Kühlschlage. Das Styropor extrem gut
> isoliert, kann kaum Wärme aus dem Innenraum zur Kühlschlange fließen.
ACK.
> Der Kompressor muß also sehr lange laufen und braucht in dieser Zeit
> eben Strom.
Das ist nicht der Grund. Es handelt sich um einen Kreislaufprozess, der
durch Energiezufuhr in Gang gehalten werden muss; der Kompressor läuft daher
bei eingeschaltetem Kompressorkühlschrank *immer*, „zieht also *immer*
Strom“. [3a][3b]
Vielmehr wird die *Leistung* des Kompressors durch einen Thermostat
geregelt, der sich jedenfalls bei Haushaltskühlschränken im Kühlraum
befindet (und nicht etwa „an den Kühlschlangen“, wie jemand behauptete).
Ein thermisch isolierendes Material an der Innenseite der Wände des
Kühlraums sorgt dafür, dass die Temperatur im Kühlraum nicht signifikant
sinkt (zumal der Thermostat bei SN-Klasse-Kühlschränken auch noch beheizt
wird [durch eine Heizung oder die Kühlschranklampe], damit es bei
gemeinsamem Kompressor im Tiefkühlfach nicht zu warm wird). [4]
Gleichzeitig verdampft das Kältemittel mangels Wärmeaufnahme nur
unvollständig.
In der Folge wird der Kompressor zu einer höheren Leistung angetrieben, die
ohne isolierendes Material nicht nötig gewesen wäre. Das heisst, es muss
von ihm je Zeiteinheit mehr mechanische Arbeit verrichtet werden, also mehr
elektrische Energie umgewandelt werden. Da die Spannung konstant bleibt,
„zieht der Kompressor mehr Strom“: P = ΔE/Δt = ΔW/Δt = U × I [5][6].
> Beim Eis ist es jetzt genauso, nur dass Eis nicht so gut isoliert wie
> Styropor. Wie man sich gut vorstellen kann, nimmt der Isolationseffekt
> mit zunehmender Dicke der Eisschicht zu, so dass sich ein Abtauen ab
> einer gewissen Eisdicke lohnt.
ACK. Der geschilderte Isolationseffekt entsteht genau deshalb, weil ein
Teil der Wärme benötigt wird, um das Eis zu schmelzen (immerhin ca.
334 kJ/kg bzw. 6 kJ/mol unter Normbedingungen [7]) oder zu sublimieren.
Diese Wärme kann dann nicht an das Kältemittel abgegeben werden (welches im
Fall von Isobutan zum Verdampfen unter *Normbedingungen* 366 kJ/kg bzw.
21 kJ/mol benötigt [8]). (Wie ich bereits schrieb.)
Eine Abtau-Automatik heizt die Wände des Kühlraums etwa einmal täglich, so
dass das Entstehen einer signifikanten Eisschicht (durch Anlagerung von
Eiskristallen) wirksam verhindert wird und ein regelmässiges manuelles
Abtauen entfallen kann (so ist es bei meinem Kühlschrank; wusste ich bis zu
dieser Diskussion auch nicht, es ist nämlich wie hierzulande üblich ein zur
Einbauküche der Wohnung gehörender Kühlschrank, den ich mir nicht aussuchen
konnte).
Dein Posting enthält im Header nicht codierte Umlaute; das ist technisch
nicht korrekt, siehe RFC 5536 [9]. Lösungen dafür findest Du in [10].
________
[1] <
https://de.wikipedia.org/wiki/Isobutan>
[2]
<
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BChlschrank#Absorberk.C3.BChlschrank> f.
[3a]
<
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BChlschrank#Kompressork.C3.BChlschrank>
f.
[3b] <
https://de.wikipedia.org/wiki/Rotationsverdichter>
[4] <
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BChlschrank#Temperaturzonen>
[5] <
https://de.wikipedia.org/wiki/Leistung_(Physik)#Definitionen>
[6] <
https://de.wikipedia.org/wiki/Leistung_(Physik)#Elektrische_Leistung>
[7] <
https://de.wikipedia.org/wiki/Schmelzw%C3%A4rme#Werte>
[8] <
http://www.wolframalpha.com/input/?i=isobutane>
[9] <
http://tools.ietf.org/html/rfc5536#section-3>
[10] <news:de.comm.software.forte-agent>
--
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