Wenn man das zeichnet, wird man dahinter wahrscheinlich rel. schnell
einen exponentiell abklingenden Prozess vermuten. Nun ist ja ein
schnelles Verfahren, x gegen ln(y) aufzutragen, um zu schauen, ob dann
eine lineare Funktion auftaucht. Soweit so gut....
Kann man sich das anschaulich auch so vorstellen: Wenn ich x gegen ln(y)
auftrage, stauche/strecke ich die x-Achse gerade genau passend, so dass
aus der e-Fkt. eine Gerade wird? Und wenn das so ist: Warum klappt das
dann nicht genausogut mit der y-Achse? Also: Warum will aus den Daten
keine lineare Fkt. herauskommen, wenn ich zB exp(-x) gegen y auftrage
(also quasi die y Achse "passend gestreckt/gestaucht")?
Bei quadratischen Funktionen scheinen mir *beide* Wege zu klappen -- bei
e/ln aber nicht. Hat einer einen Tipp parat?
M.H. wrote:
> Wenn man das zeichnet, wird man dahinter wahrscheinlich rel. schnell
> einen exponentiell abklingenden Prozess vermuten. Nun ist ja ein
> schnelles Verfahren, x gegen ln(y) aufzutragen, um zu schauen, ob dann
> eine lineare Funktion auftaucht. Soweit so gut....
>
> Kann man sich das anschaulich auch so vorstellen: Wenn ich x gegen ln(y)
> auftrage, stauche/strecke ich die x-Achse gerade genau passend, so dass
> aus der e-Fkt. eine Gerade wird?
kᅵnnte man.
> Und wenn das so ist: Warum klappt das
> dann nicht genausogut mit der y-Achse? Also: Warum will aus den Daten
> keine lineare Fkt. herauskommen, wenn ich zB exp(-x) gegen y auftrage
> (also quasi die y Achse "passend gestreckt/gestaucht")?
Das ist jetzt Mathe.
Als Deine Messdaten (oder genauer deren Erwartungswert folgt einer
allgemeinen e-Funktion:
y = y0 * exp(-x/x0)
Wenn ich jetzt transformiere:
y' = ln(y)
gibt das
y' = ln(y0) - x/x0
Das ist eine Geradengleichung in x.
Wenn ich transformiere:
x' = exp(x)
gibt das
y = y0 * exp(ln(x')/x0)
= y0 * exp(1/x0)^x'
Das ist immer noch eine Exponentialfunktion in x'. Um die passende
Transformation zu Linearisierung zu machen mᅵsste man x0 schon kennen.
Marcel
Ok, aber warum klappt das z.B. bei quadratischen Funktionen dann trotzdem?
Bsp: Messwerte:
x y sqrt(y) x^2
1 2 1,41 1
2 8 2,83 4
3 18 4,24 9
4 32 5,66 16
5 50 7,07 25
6 72 8,49 36
7 98 9,9 49
8 128 11,31 64
9 162 12,73 81
Dieses Mal liefert sowohl
x./.sqrt(y) als auch y./.x^2 eine lineare Funktion, wobei aber nur die
zweite Zuordnung die richtige Steigung hat
(ursprᅵnglicher Zusammenhang: y = 2x^2)
> Ok, aber warum klappt das z.B. bei quadratischen Funktionen dann trotzdem?
Weil es das nicht tut. :-)
Bei einer halbwegs allgemeinen quadratischen Funktion
y = a * (x-x0)^2 + y0
funktionieren beide Methoden nicht. Weder sqrt(y) als Funktion von x,
noch y als Funktion von x^2 ergeben eine lineare Funktion.
> funktionieren beide Methoden nicht. Weder sqrt(y) als Funktion von x,
> noch y als Funktion von x^2 ergeben eine lineare Funktion.
IMHO wird die Methode auch nur (?) bei Parabeln benutzt, deren
Scheitelpunkt im Ursprung liegt, benutzt??
Allmᅵhlich frage ich mich, wie brauchbar bzw allg. gᅵltig das "grafische
Linearisieren" ᅵberhaupt ist...
Dann gibt's auch noch Eureqa.
Grᅵᅵe,
Joachim
Und vor allem stellt sich dann die Frage, warum man ᅵberhaupt
linearisieren sollte. Die Zeiten, in denen man Messdaten in ein Diagramm
eingetragen und per Hand Geraden durchgelegt hat, sind doch lᅵngst
vorbei. Heute macht man das mit Computern und fᅵr die ist der Fit mit
einer quadratischen Funktion nicht komplizierter als eine lineare
Regression.
> Allmᅵhlich frage ich mich, wie brauchbar bzw allg. gᅵltig das "grafische
> Linearisieren" ᅵberhaupt ist...
Siehste, und das war genau die Lektion, die aus dieser Frage zu ziehen war.
Ja, man sollte das irgendwann mal in ein paar Fᅵllen durchgefᅵhrt haben,
um zu wissen, dass sowas grundsᅵtzlich machbar ist --- aber als
generische Methode ist es heute, 30 Jahre nach flᅵchendeckender
Einfᅵhrung des Schultaschenrechners und bei der heutigen Verbreitung von
frei verfᅵgbaren Programmen zur linearen wie nichtlinearen
Ausgleichsrechnung, kaum noch sinnvoll.
Wenn man nicht durch eher ungewᅵhnliche Umstᅵnde gezwungen ist, ein
Lineal zu benutzen, ist eine linearisierte Darstellung selten
praktischer als die originale.
Es gibt durchaus eine Anwendung fᅵr linearisierende Darstellungen, die
trotz Computer noch sinnvoll ist. Man kann damit grafisch erkennen, ob
ein bestimmtes Gesetz in einem eingeschrᅵnkten Bereich der Daten gᅵltig
ist. Beispiele sind die berᅵchtigten log-log-plots, aus denen sich
Potenzgesetze herauslesen lassen oder Arrhenius-Plots in der Chemie. Zur
quantitativen Analyse ist natᅵrlich der Fit trotzdem meist die bessere
Wahl.
Christian