Skepsis, Wissenschaft und Skeptikerbewegung

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Manfred Feodor Koerkel

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May 19, 2018, 12:13:48 PM5/19/18
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Skepsis, Wissenschaft und Skeptikerbewegung
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Die Online-Version mit Verlinkung der Fußnoten befindet sich auf
http://feodor.de/node/25

Pankritizismus selbstwidersprüchlich?
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In der Literatur streiten Autoren darüber, ob die Aussage “alles ist
kritisierbar” selbstwidersprüchlich [1] ist und ob dies auch für das
Münchhausen-Trilemma [2] gilt [3]. Ich umgehe dieses Problem einfach
dadurch, indem ich sage: *Bislang* ist fast alles kritisierbar, da
*noch* kein Letztbegründungsverfahren [4] bekannt ist. Um die
Lesbarkeit nicht zu beeinträchtigen, erwähne ich dies im Folgenden
aber nicht in jedem Satz.

Skepsis, Zetetik und Agnostizismus
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Im Altertum wurde mit dem Begriff Skepsis [5] systematisches
Hinterfragen, Betrachten und Untersuchen verbunden. Eine damit
verwandte Vokabel aus dieser Zeit ist Zetetik [6], womit eine
theoretische Einstellung gemeint ist, bei der das Suchen im
Vordergrund steht. Betont wird hierbei aber jeweils die fehlende
Möglichkeit zu sicheren Ergebnissen gelangen zu können.
Neusprachlich wird mit dem Wort Skepsis [7] daher auch meist einfach
nur eine zweifelnde Haltung bezeichnet. Agnostizismus [8] bedeutet
Nichtwissen, welches ohne verfügbare sichere Erkenntnis verbleibt.
Das Wort Skeptizismus findet sehr allgemeine Verwendung, während der
Begriff Agnostizismus eher selektiv hinsichtlich religiöser
Fragestellungen gebraucht wird.

Werden die Ansätze aber jeweils *konsequent* angewendet, führen sie
zu der gleichen Schlussfolgerung, dass nämlich bei allen nicht
letztbegründeten Aussagen nur die *Urteilsenthaltung* (Epoché) [9]
angemessen ist. Damit ist es beispielsweise nicht möglich, zwischen
einer Aussage A und ihrer logischen Negation ¬A zu wählen, solange
weder A noch ¬A letztbegründet wurden. Ich verwende im Folgenden
meist den allgemeiner gebrauchten Begriff Skepsis.

Konsequenter Skeptizismus
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Wenn faktisches Wissen als die Menge der letztbegründeten Aussagen
über die Welt verstanden wird, bleibt kaum noch oder vielleicht
sogar überhaupt kein derartiges Wissen übrig. [10] Im Rahmen eines
*konsequenten* Skeptizismus lässt sich noch nicht einmal der
metaphysische Solipsismus [11] (“es gibt nur meine Vorstellungen”)
rational ausschließen. Eine solipsistische Vorstellungswelt bräuchte
auch nicht logisch konsistent oder kohärent zu sein. [12] Selbst bei
einer so intuitiv evidenten Aussage, wie “ich fühle, also gibt es da
irgend etwas”, könnte vielleicht auch nur noch ein passendes
Gegenargument fehlen.

Strikte Skepsis ist *rein destruktiv* und betrifft fast alle
Theorien über die Welt gleichermaßen. Skeptizismus liefert
insbesondere keinerlei Kriterien für eine Theorieauswahl, denn alle
nicht-trivialen Theorien über die Welt müssen (bislang) als
fehleranfällig gelten. Schlimmer noch, diese Urteilsenthaltung ist
nicht nur hinsichtlich der positiven Adäquatheit von Theorien
relevant, sondern sie betrifft auch die empirische Falsifizierung
von Theorien. Schließlich ist auch das experimentelle Widerlegen von
Theorien eine fehlbare menschliche Aktivität. Die Skepsis ist ein
großer Gleichmacher: Praktisch alle Theorien über die Welt sind im
Lichte der Skepsis eben nicht letztbegründet und stellen daher kein
Wissen im obigen Sinne dar.

- Konsequenter Skeptizismus praktizierbar?
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Radikale Skepsis in Form strenger Urteilsenthaltung ist allerdings
keine überlebensfördernde Haltung. Es ist schlicht lebenspraktisch
undurchführbar, ständig alles anzuzweifeln. Unter den Überlebenden
findet man daher auch kaum derartig rigorose Skeptiker.

So zitiert Diogenes Laertius [13] den Schriftsteller Antigonos von
Karystos, der berichtet, dass der Skeptiker Pyrrhon von Elis der
Wahrnehmung keinen Einfluss auf sein Verhalten zugestanden habe und
sich weigerte, entgegenkommenden Wagen, steilen Abhängen oder
bissigen Hunden auszuweichen. Er habe sein Überleben nur seinen
(weniger skeptischen) Schülern zu verdanken, die ihn begleiteten.
Andere Autoren stellen diesen Bericht wiederum in Frage [14], was
dann bedeuten könnte, dass Pyrrhons Urteilsenthaltung vielleicht
doch nicht so weit ging. Andererseits soll der antike Skeptiker
Timon von Phleius über Pyrrhon gesagt haben [15], dass letzterer die
Dinge für gleichermaßen indifferent, unmessbar und unbeurteilbar
hielt. Daher würden weder unsere Sinneswahrnehmungen noch unsere
Meinungen uns etwas Wahres oder Falsches sagen und wir sollten ihnen
deswegen auch nicht trauen. [16] Im Ergebnis führe dies, so Timon,
über die Sprachlosigkeit schließlich zur Gemütsruhe. [17]

Wie dem auch sei, mit *pyrrhonischer Skepsis* ist daher im Folgenden
nicht die historische Person aus der Antike gemeint [18], sondern
lediglich das *Konzept der Urteilsenthaltung bei fehlender
Letztbegründung*.

Da es kaum einleuchtet, wie etwa *handlungsrelevante* Zweifel
hinsichtlich der Effekte der Schwerkraft oder Impulsübertragung mit
guten Überlebenschancen kompatibel sein könnten, scheint evident:
Die allermeisten Menschen sind in diesem Sinne wohl höchstens
partielle Skeptiker, denn sie hängen am Leben.

- Problemlösen ohne Urteile zu fällen?
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Könnte überlebenskompatibles Handeln möglich sein, auch ohne bewusst
Urteile zu fällen? Das ist hoch plausibel. Schmeißfliegen bringen
das wohl fertig. Deren Verhaltensrepertoire ist jedoch eher
begrenzt. Wie sollten aber Architekten Gebäude entwerfen, Ingenieure
Maschinen konstruieren oder Wissenschaftler verbesserte Theorien
entwickeln, ohne dabei (vorläufige) Urteile zu fällen? Die große
Flexibilität, die Homo sapiens bislang beim Bearbeiten derartiger
Probleme zeigte, scheint gerade auf der Fähigkeit zu beruhen,
lösungsadäquate Urteile der Form “Konzept A funktioniert” oder
“Konzept B funktioniert nicht” fällen zu können.

Der antike Skeptiker Arkesilaos [19] versuchte zu erläutern, warum
es plausibel sein könne, dass auch ein Skeptiker durch die Tür und
nicht etwa durch die Wand zu gehen versuche, ohne dabei aber die
Voraussetzung “dort ist eine Tür” zu machen. Eine Schwierigkeit
besteht hierbei darin, menschliches Agieren nicht auf reines
Instinkthandeln oder automatisches Reagieren zu reduzieren. Auch der
Skeptiker möchte als Mensch mit Bewusstsein aufgefasst werden.
Arkesilaos meinte, der Skeptiker brauche der Sinneswahrnehmung nicht
zuzustimmen, er habe aber eine Sinneswahrnehmung und das reiche, um
nicht gegen eine Wand zu laufen. [20] Um seine Gemütsruhe nicht zu
gefährden, stimmt der Skeptiker also folgendem Satz *nicht* (auch
nicht vorläufig) zu: “Wenn ich versuche, durch die Wand zu gehen,
wird das wohl nicht klappen. Dort ist aber eine Tür und wenn ich
hindurch gehe, kann ich wohl den Raum verlassen.” Dennoch geht er
immer durch die Tür, möchte aber gleichzeitig auch nicht für einen
Roboter ohne Bewusstsein gehalten werden, der das schließlich auch
schafft. Wie man mit dieser Einstellung erfolgreich Forschung
treiben können sollte, ist höchst unplausibel. [21] Der strenge
Skeptiker muss ein derartiges Unterfangen aber ohnehin für sinnlos
halten, denn solange kein Letztbegründungsverfahren bekannt ist,
steht das Forschungsergebnis bereits vorher fest: die
Urteilsenthaltung.

Skeptikerbewegung
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Für ein Netzwerk von Personen, die eine kritische Einstellung
gegenüber Behauptungen haben, die sowohl empirisch unzureichend
belegt als auch inkompatibel mit bewährten Ergebnissen der
Wissenschaften sind, hat sich der Begriff Skeptikerbewegung [22]
eingebürgert. Zu den einschlägig kritisierten Thesen gehören u.a.
Homöopathie, Wünschelrutengehen, Astrologie, Parapsychologie, Spuk,
Kreationismus oder Entführungen durch Außerirdische. Um die hierbei
vertretene Haltung zu bezeichnen, wird auch der Terminus
“wissenschaftlicher Skeptizismus” [23] verwendet, der auf Carl Sagan
[24] zurückgeführt wird.

Wie dies bei den meisten anderen Menschen der Fall ist, vertreten
die Mitglieder der Skeptikerbewegung mehrheitlich auch keine
rigorose pyrrhonische Skepsis. Es dürfte unkontrovers sein, dass
sich der Zweifel in der Skeptikerbewegung von der strengen
pyrrhonischen Skepsis deutlich unterscheidet. Zweifel gegenüber
empirisch gehaltvollen Behauptungen, die sowohl höchst ungewöhnlich
als auch noch nicht ausreichend belegt sind, stellen jedoch auch
eine Form von Skepsis dar, wenn auch eine erheblich mildere Form.

Wahre Skeptiker?
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**Argument:** “Kein Skeptiker fällt vorläufige Urteile.”
**Replik:** “Aber ich kenne einen Skeptiker, der fällt sehr wohl
vorläufige Urteile.”
**Widerlegung:** “Kein wahrer Skeptiker fällt irgendwelche Urteile!“

Diese Form der Argumentation ist ein bekannter Trugschluss [25], da
die Menge, die in der Voraussetzung (hier: Skeptiker) zugrunde
gelegt wird, in der Schlussfolgerung (hier: wahre Skeptiker)
implizit neu festgelegt wird. Ein konsequenter Skeptiker dürfte
allerdings sowieso nicht vom “wahren Skeptiker” sprechen, sondern
müsste sich des Urteils enthalten.

- Sprachgebrauch flexibel
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Dass sich Wortbedeutungen historisch verändern, gilt in der
Sprachwissenschaft als gut belegt und ist nicht umstritten. [26]

Daneben wird manchmal aber auch argumentiert, dass eine bestimmte
Bedeutung B1 eines Wortes deswegen die einzig zulässige sein müsse,
weil sich diese Bedeutung in besonders alten Quellen nachweisen
lasse. Hingegen seien neuere Bedeutungen B2 und B3 ein Zeichen für
Sprachverfall und müssten ausgemerzt werden. [27] Darin drückt sich
ein gewisser platonischer Essenzialisimus aus. Die Adäquatheit
dieses Konzeptes lässt sich jedoch nicht belegen und ist eine
Minderheitenmeinung. Es lässt sich kaum zeigen, dass ein bestimmtes
Symbol notwendig mit einer bestimmten Bedeutung versehen werden
müsste. So wird die Bedeutung von Symbolen eher als Konvention einer
Sprechergemeinschaft in einer bestimmten historischen Situation
angesehen. [28]

- Skeptikerbegriff als Vereinbarung
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Daraus folgt: Ob nun jemand als Skeptiker oder Nicht-Skeptiker zu
bezeichnen ist, hängt vom jeweiligen Skeptizismus-Verständnis ab.
Wenn zwei Parteien hierbei auf ihrem unterschiedlichen
Sprachgebrauch beharren und die jeweils unterstellte
Begriffsbedeutung auch nicht erläutern, kann eine Kommunikation
nicht gelingen. Begriffsbedeutung als Konvention muss vereinbart
werden. Das Kommunikationsproblem kann noch dadurch verschärft
werden, dass zwar Begriffserläuterungen gegeben werden, diese aber
vom Gesprächspartner ignoriert werden. Das verhindert tatsächlich
effektiv jeden sinnvollen Disput.

- Pseudoskeptiker?
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Um die Skeptikerbewegung zu kritisieren oder gar zu diskreditieren,
wird manchmal die Vokabel “Pseudoskeptiker” eingesetzt. Nach Duden
[29] lässt sich das als Scheinskeptiker auffassen: Es wird in
implizit abwertender Weise unterstellt, dass die Mitglieder nur den
Anschein erwecken wollen, konsequente Skeptiker zu sein, es in
Wirklichkeit jedoch nicht sind.

Es handelt sich jedoch um einen etymologischen Fehlschluss [30],
denn die Personen innerhalb der Skeptikerbewegung wollen sich
mehrheitlich überhaupt nicht als radikal pyrrhonische Skeptiker
verstehen. Der Streit um “wahre” oder “scheinbare” Skeptiker ist
daher ziemlich gehaltlos, der Diskurs muss sich vielmehr darum
drehen, welche Urteile denn in welcher Form bezweifelt werden
sollten.

Der Disput darüber, was alles zu bezweifelt werden müsse, ist alt.
So soll der Pyrrhoneer [31] Ainesidemos den akademischen Skeptikern
vorgehalten haben, dass ihre Behauptung “nichts kann gewusst werden”
negativ dogmatisch sei. [32]

Folgerung aus dem konsequenten Skeptizismus
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Obwohl sich die pyrrhonische Skepsis lebenspraktisch kaum
durchhalten lässt, ergibt sich aus ihr bislang dennoch die
praktische Konsequenz, dass Theorien über die Welt Fehler enthalten
können und ggf. revidiert werden müssen. Der Fallibilismus
(Irrtumsvorbehalt) gehört daher zum Mainstream der
Wissenschaftstheorie. [33] Auch *in diesem Sinne* dürften Personen
in der Skeptikerbewegung wohl überwiegend adäquat als Skeptiker
bezeichnet werden dürfen.

Irrtumsvorbehalt ist aber etwas anderes als völlige
Urteilsenthaltung, denn um sich irren zu können, müssen zumindest
vorläufige Urteile gefällt werden. Ein rigoroser Skeptiker kann sich
nur deshalb nicht irren, weil er überhaupt keine Urteile fällt.

- Skepsis in der Forschung?
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Warum sollten pyrrhonische Skeptiker überhaupt Forschung treiben
wollen? Das einzige Forschungsthema eines Pyrrhoneers kann die
Letztbegründung sein, da nur letztere überhaupt zu Erkenntnissen
führen kann. Dazu braucht es insbesondere keine empirische
Forschung, denn diese führt ohne Letztbegründung sowieso nur zu
Nicht-Erkenntnis und Urteilsenthaltung.

Eine fallibilistische Haltung mildert dieses Problem. Zwar bleibt
die Irrtumsmöglichkeit bestehen, aber es lassen sich immerhin
vorläufige Urteile fällen, indem provisorisch am Bewährten
festgehalten wird, bis es durch Besseres ersetzt wird. Absolute
Urteilsenthaltung mag zur Gemütsruhe führen, aber sie ist kaum von
Gleichgültigkeit zu unterscheiden und resultiert in Stillstand. [34]

Mario Bunge merkte an, dass radikaler und konsequenter Zweifel zum
skeptischen Paradoxon führt: Da der Skeptiker keine Argumente
abwägen kann, weil ihm nichts als unmöglich gilt, sind ihm naivste
Vorstellungen und bewährteste Theorien völlig gleichwertig. [35]

Struktur von Aussagen
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Neben dem vorläufigen Befund, dass alle menschliche
wissenschaftliche Aktivität als fehlerbehaftet zu gelten hat, lässt
sich noch die logische Struktur [36] von Aussagen betrachten, die
unabhängig vom konkreten semantischen oder empirischen Gehalt
besteht.

- Allaussagen
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Zwischen dem Bestätigen und dem Widerlegen von Allaussagen gibt es
eine Asymmetrie: Allaussagen lassen sich nämlich schon aus logischen
Gründen nicht sicher verifizieren, denn hierzu wären unendlich viele
Bestätigungen nötig, was unerreichbar ist. Im Falle der Widerlegung
reicht jedoch ein valides Gegenbeispiel. Es ist deswegen
erkenntnistheoretisch wünschenswert, wenn Aussagen über die Welt
prinzipiell empirisch widerlegbar oder wenigstens kritisierbar sind.
Empirisch prüfbar sind Aussagesysteme, wenn sich daraus deduktiv
etwas ableiten lässt, das empirisch entweder der Fall sein muss oder
nicht der Fall sein darf. Des weiteren ist es bereits aus
methodischen Gründen erstrebenswert, Hypothesen aufzustellen, die in
empirischer Hinsicht möglichst viel sowohl vorhersagen als auch
ausschließen.

- Existenzaussagen
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Anders gelagert ist die Situation bei Existenzaussagen. Hier reicht
ein valides Beispiel, um die Aussage zu belegen. [37] Nicht näher
qualifizierte Existenzaussagen lassen sich aber kaum widerlegen,
denn ein Untersucher ist mit praktisch unlimitierten
Suchmöglichkeiten konfrontiert. Aus diesem Grunde liegt hier die
Last Belege beizubringen beim Behauptenden. Bei negativen
Existenzaussagen, wie “es gibt kein X”, kehren sich die logischen
Verhältnisse um: Diese Aussagen können durch einen entsprechenden
Existenznachweis widerlegt, aber nicht generell bewiesen werden.
Nichtexistenzaussagen haben also empirischen Gehalt, wenn sie
prinzipiell empirisch scheitern können.

Kritischer Rationalismus
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Der kritische Rationalismus [38] ist ein gemäßigt skeptizistisch
ausgerichtetes Konzept, das auf Verbesserung von Theorien mittels
Kritik setzt und auf jede Letztbegründung verzichtet. Die
Möglichkeit von Irrtümern wird ausdrücklich anerkannt, nach
möglichen Fehlern wird gesucht. Wissenschaftliche Theorien lassen
sich wegen der Problematik der Allaussagen nicht verifizieren,
sondern können sich in Rahmen einer strengen empirischen Prüfung
höchstens vorläufig bewähren. Das Wissen über die Welt ist
hypothetisch und nicht apodiktisch. Es handelt sich aber nicht um
eine pyrrhonische Resignationslösung, sondern um einen vorsichtig
optimistischen Blickwinkel: Durch Beseitigen von Fehlern kann
immerhin eine größere Wahrheitsnähe erreicht werden.

- Starke Thesen versus Kritikimmunität
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Aus methodischen Gründen bevorzugt man im kritischen Rationalismus
möglichst starke Thesen, die an der Erfahrung eher scheitern können
als schwache Thesen, die wenig vorhersagen und kaum etwas
ausschließen. Thesen, die alles vorhersagen und scheinbar erklären,
gelten als kritikimmunisiert. Etwas, das Beliebiges erklärt, hat
weder explanatorischen Wert noch empirischen Gehalt und wird daher
verworfen oder modifiziert. Als Korollar erhält man die Aussage,
dass die Wissenschaft scheitert, wenn beliebige Ereignisfolgen
möglich sind. Wissenschaft scheitert aber nicht schon daran, dass
Zufallsereignisse (wie etwa beim Atomkernzerfall) vorkommen, die
vorhersagbare stochastische Muster aufweisen.

- Scheitern versus Bewähren
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Wissenschaftler stehen nicht morgens auf und fragen sich: “Welche
Theorie widerlege ich denn heute?” Eher wird versucht, die
Genauigkeit von Vorhersagen zu erhöhen, neue Vorhersagen zu
ermöglichen, Fehler zu beseitigen, bessere Erklärungen zu finden
oder unbekannte Zusammenhänge und Effekte zu entdecken. Im Zuge
dieser Aktivitäten werden bekannte Theorien erweitert oder
modifiziert oder neue Theorien entwickelt.

Auch wenn im kritischen Rationalismus wegen der obigen strukturellen
Asymmetrie die Möglichkeit des empirischen Scheiterns besonders
betont wird, verliert Bewährung nicht an Relevanz, denn ohne
empirische Bewährung gäbe es nichts, mit dem man weiterarbeiten
könnte. Bewährte Theorien bleiben, untaugliche werden entweder
modifiziert oder durch neue Theorien ersetzt. Das entspricht einem
Prozess der Fehlerkorrektur, der historisch mal graduell oder
schubweise erfolgt, mal stagniert oder auch Rückschläge erleidet.

“Pseudoskeptizismus” in der Praxis
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Wenn mit Skepsis nur die strikte pyrrhonische Urteilsenthaltung
gemeint ist, so gibt es - wie wir gesehen haben - kaum Skeptiker. In
der Vergangenheit wurden mit “Pseudoskeptizismus” sehr
unterschiedliche Haltungen verbunden:

- Faktenleugnung (“denialism”) [39]
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Zum einen kann es sich dabei um die Leugnung [40] von
Weltereignissen, wie AIDS [41], NS-Völkermord [42] oder Klimawandel
[43], handeln, die im wissenschaftlichen Mainstream als gut
gesichert gelten. Ein interessanter Fall ist auch die “Flat Earth
Society”, die sich selbst ernsthaft [44] als “zetetisch” [45]
bezeichnet und behauptet, die Erde sei flach und nicht rund. [46] Es
dreht sich hier also um einen Haltung, bei der geleugnet oder
zumindest stark bezweifelt wird, dass sich gewisse von der
Wissenschaft beschriebene Sachverhalte adäquat auf Tatsachen
beziehen. Im Mainstream der Wissenschaft gibt es jedoch breiten
Konsens, dass die vorgetragenen Zweifel angesichts der Befundlage
unangemessen sind. [47]

- Zu wenig Skepsis in der Mainstream-Wissenschaft?
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Zum anderen wird der Begriff “Pseudoskeptizismus” auch auf den
Carl-Sagan’schen wissenschaftlichen Skeptizismus selbst angewendet.
Prominent [48] ist die Kritik [49] Marcello Truzzis [50], einem der
CSICOP-Gründungsmitglieder. Truzzi unterscheidet den wahren
(zetetischen [51]) vom Pseudo-Skeptiker. Wie wir gesehen haben, ist
der Begriff des “wahren Skeptikers” aber problematisch, denn der
Begriff des Skeptikers wird bislang nicht einheitlich verstanden. Es
kann also nur darum gehen, welche Form des Zweifelns Truzzi für
nötig erachtet, die er wiederum bei der Skeptikerbewegung vermisst.

Truzzi geht es bei seiner Kritik vor allem um negative Aussagen über
paranormale Effekte [52], wie Hellsehen, Telepathie o.ä. Er meint,
man dürfe nicht behaupten, dass paranormale Effekte Ψ *wegen
fehlender Plausibilität* nicht funktionieren könnten, dafür sei
vielmehr ein empirischer Beleg (“proof”) nötig. Mehr noch:
Experimentelle Mängel, wie unzureichende Absicherung gegen Betrug
oder ungenügende Randomisierung, könnten nicht belegen, dass die
Probanden nicht doch paranormale Fähigkeiten hätten. Wenn gezeigt
würde, dass Belege für das Paranormale nicht überzeugten, sei dies
kein Grund diese Belege zu verwerfen. Der “wahre Skeptiker” würde in
dieser Situation nur davon sprechen, dass das Paranormale lediglich
nicht bewiesen jedoch keineswegs widerlegt sei. Im übrigen setzt
Truzzi auch voraus, dass Kritiker von Experimenten die Beweislast
trügen, wenn sie experimentelle Mängel anführten. Wenn also jemand
die negative Hypothese aufstellt: “Wir gehen bis auf weiteres davon
aus, dass es den Effekt Ψ nicht gibt”, so muss diese Person laut
Truzzi auch belegen können, dass es den Effekt Ψ wirklich nicht
gibt. Solange Ψ nicht widerlegt sei, so Truzzi, müsse weiter
geforscht werden.

Robert Carroll [53] bemerkt [54], dass die Schlussfolgerung, die
Truzzi und sein Koautor in “The Blue Sense: Psychic Detectives and
Crime” zögen, typisch für ihn seien: Nach über hundert Seiten
Belegen für Täuschung und Selbsttäuschung bei den Hellsehern zögen
sie das Resümee, dass vielleicht doch noch irgendwo jemand mit
hellseherischen Fähigkeiten existiere. Carroll stimmt dem zwar zu
und morgen könne die Sonne auch im Westen aufgehen, für derartige
Annahmen gebe es aber dennoch keinen hinreichenden Anlass. Anhand
der ausführlich dokumentierten Korrespondenz [55] zwischen Martin
Gardner [56] und Marcello Truzzi lassen sich die unterschiedlichen
Positionen nachvollziehen. Ray Ward bemerkt in seiner Rezension
[57], dass Truzzi wohl zu schnell zu dem Schluss komme, dass es da
ein Geheimnis gebe, das nun gelöst werden müsse, während Gardner
frage, ob es da überhaupt ein Geheimnis gebe oder eher nur ein
Artefakt in den Daten.

Des weiteren wird auch die Parapsychologin Susan Blackmore [58]
zitiert [59], die es als Pseudoskeptizismus kritisiert, wenn einige
Anhänger der Skeptikerbewegung empirische Untersuchungen für
verzichtbar halten, da sie die Ergebnisse schon vor aller Erfahrung
zu kennen glauben. [60] Allerdings ist das, was Blackmore bemängelt,
nach Ray Hyman ohnehin “ill-considered criticism”. [61] Nach Carl
Sagan gibt es in der Skeptikerbewegung - wie überall sonst auch -
menschliche Unvollkommenheit. [62] Die investigative Arbeit von
Blackmore wird im übrigen in der Skeptikerbewegung geschätzt, was
die Verleihung des “CSICOP Distinguished Skeptic Award” an Blackmore
veranschaulicht. [63] Nach 25 Jahren gab Blackmore die
experimentelle Untersuchung des Paranormalen schließlich auf, da sie
nicht mehr erwartete, noch Belege für anomale Effekte zu finden.
[64]

- “Kein Ψ” als Standardhypothese der Normal-Wissenschaft
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Für den Begriff des Paranormalen bzw. Anomalen, kurz Ψ, gibt es
keinerlei positive Charakterisierung [65]. Ψ ist etwas, was zu
*irgendwelchen* naturgesetzinkompatiblen Ereignissen führt.

- N sei die Hypothese *“es gibt nur naturgesetzförmige Ereignisse”*
und
- P sei die Hypothese *“es gibt Ψ”*.

Aus der Annahme P folgt ¬N, die Negation von N, also *“es gibt
**nicht** nur naturgesetzkonforme Ereignisse”*. Aus N folgt wiederum
¬P. Kurz: Es gilt P ⇒ ¬N sowie N ⇒ ¬P. Aus ¬N folgt aber nicht P,
denn es könnte auch andere (etwa supranatürliche Σ) Anlässe für
fehlende Naturgesetzlichkeit geben. N und P sind zu einander
*konträre*\ [66] Annahmen.

Die Hypothese P ist daher mit dem Ansatz der Normal-Wissenschaft
nicht verträglich, denn dort setzt man N voraus. Bei
normal-wissenschaftlichen Experimenten nimmt man kaum an, dass
jemand per Psychokinese [67] eine Messwertanzeige verfälschen oder
per Präkognition die Verblindung [68] unterlaufen kann. Aus der
Voraussetzung der Naturgesetzlichkeit N und der Anwendbarkeit der
klassischen Logik, d.h. der Annahme, dass nicht sowohl eine Aussage
als auch ihre Negation adäquat sein können, entsteht nämlich
implizit ¬P als die Standard-Hypothese der Normal-Wissenschaft: *“Es
gibt kein Ψ.”*

Bei ¬P handelt es sich um eine negative Existenzaussage, welche nach
Truzzi bewiesen werden müsste, was aber nicht funktioniert, da sie
schon aus strukturellen Gründen nicht bewiesen, sondern nur
widerlegt werden kann. Der Versuch der Umkehrung der Beweislast
scheitert daher, es liegt an den Parapsychologen bzw. Anomalistikern
überzeugende Belege für Ψ beizubringen, was aber in den letzten über
100 Jahren noch nicht gelang [69]. Solange Ψ nicht bewiesen sei,
gesteht auch Truzzi der Wissenschaft zu, dass sie *“just goes on
using the established theories of ‘conventional science’ as usual.”*
Das impliziert aber die Hypothese N und damit ¬P.

Die Annahme N der Naturgesetzlichkeit und damit auch die
Wissenschaft könnte freilich empirisch scheitern. U.a. auch im
Rahmen technischer Anwendungen hat sich N aber immerhin
millionenfach empirisch bewährt und wird daher nicht nur aufgrund
apriorischer Lehnstuhlüberlegungen, sondern gerade wegen ihrer
Bewährung in der Erfahrung vorausgesetzt. So ist Truzzi durchaus
zuzustimmen, wenn er resümiert: *“Absolute truth [...] is seldom
obtainable. We can only do our best to approximate them.”* Die
bislang verfügbare Approximation besagt aber, dass die Hypothese N
der Naturgesetzlichkeit sich gut bewährt hat, während die dazu
konträre Annahme P des Paranormalen kaum belegt ist.

- Naturgesetzlichkeit für die Wissenschaft notwendig?
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Der “undogmatische” oder “agnostische” Wissenschaftler sollte Ψ oder
Σ nicht ausschließen. Eine *streng agnostische Annahme A* lautete
daher: Ereignisse sind entweder naturgesetzkonform (normal) oder
anomal (paranormal oder supranatural). Taugt dies als
wissenschaftliche Arbeitshypothese?

Gehen wir davon aus, dass eine naturgesetzliche Theorie T unter der
allgemeinen Voraussetzung A experimentell getestet werden soll. Die
Ergebnisse können nun wie von der Theorie T vorhergesagt sein oder
auch nicht:

- Im ersten Fall hätte sich die Theorie T zwar anscheinend bewährt,
dies brauchte aber nicht an der Theorie T zu liegen, sondern könnte
auch aufgrund einer unbekannten Ψ-Wirkung zustande gekommen sein.
- Analog können wir wegen A im zweiten Fall auch nicht auf ein
Versagen der Theorie T oder experimentelle Fehler schließen, denn es
könnte sich wieder um einen Ψ-Effekt gehandelt haben, welcher die
Theorie T überlagerte.

Anders formuliert: Die Annahme A ist mit beliebigen Ereignissen in
der Welt vereinbar und daher völlig kritikimmun. A kann empirisch
nicht scheitern und taugt daher nicht als generelle
Arbeitshypothese. Aus A lässt sich schließlich nichts ableiten, was
der Fall sein muss oder was nicht der Fall sein darf. Die stärkere
Annahme N der universellen Naturgesetzlichkeit kann jedoch praktisch
scheitern, wenn starke Phänomene auftauchen, die sich
naturgesetzlich nicht fassen lassen. N hat empirischen Gehalt, denn
nicht alle vorstellbaren Ereignisse sind auch naturgesetzkompatibel.
Wenn etwa der radioaktive Zerfall von Radium plötzlich nicht mehr
zufällig, sondern im Rumba-Rhythmus erfolgte, wäre die These N
äußerst fragwürdig geworden.

Naturgesetzlichkeit lässt sich auch nicht einfach dadurch mit
beliebigen Vorkommnissen in Einklang bringen, dass es möglich ist,
jede beliebige Ereignisfolge *im Nachhinein* irgendwie formal zu
beschreiben. Es kommt vielmehr darauf an, dass sich aus
Naturgesetzen mögliche und unmögliche *zukünftige* Ereignisse
ableiten lassen. Wenn letzteres nicht (mehr) gelingt, scheitert mit
dem Konzept der Naturgesetzlichkeit auch die Wissenschaft, die
dieses Konzept voraussetzt.

Wer Naturgesetze ernsthaft anzweifelt oder sich eines Urteils
hierüber vollständig enthält, sollte eigentlich weder einen Computer
benutzen noch Auto fahren, geschweige denn ins Flugzeug steigen.

Resümee
=======

Bis jetzt steht kein Verfahren zur Verfügung, mit dem sich Aussagen
über die Welt apodiktisch letztbegründen ließen. Daher bleibt das
Wissen über die Welt fehlbar. Dies hat zur Entwicklung
skeptizistischer Haltungen geführt. Grob lassen sich zwei Arten der
*Skepsis* unterscheiden:

1. Die *pyrrhonische Skepsis* argumentiert dafür, sich bei allen
Aussagen über die Welt vollständig des Urteils zu enthalten, solange
ihre Letztbegründung fehlt.
2. Die *fallibilistische Skepsis* betont zwar die
Irrtumsanfälligkeit wissenschaftlicher Aussagen, lässt aber
vorläufige Urteile hinsichtlich empirisch bewährter Hypothesen oder
Theorien zu.

Die pyrrhonische Haltung ist mit dem Betreiben von Wissenschaft
inkompatibel, denn Wissenschaft bleibt nach ihrer Voraussetzung
erfolglos, solange eine Letztbegründungsmethode fehlt. Die
gemäßigtere fallibilistische Skepsis ist mit Wissenschaft
verträglich, da sie das Konzept der (vorläufigen) Bewährung enthält,
so dass noch etwas bleibt, um weiterzuarbeiten.

Der zweite Ansatz ist der des *kritischen Rationalismus*. Er
verzichtet auf Letztbegründung und setzt stattdessen auf Versuch und
Irrtum bzw. Konstruktion und Kritik. Durch Kritik und empirische
Prüfung lassen sich immerhin Fehler aufzeigen, so dass es durch
einen Prozess der wiederholten Fehlerbeseitigung prinzipiell möglich
ist, leistungsfähigere Hypothesen und Theorien zu entwickeln.

Die *Skeptikerbewegung* knüpft ebenfalls an den Begriff der Skepsis
an. Hierbei handelt es sich um ein Netzwerk von Personen, die sich
kritisch mit außergewöhnlichen Behauptungen auseinandersetzen, die
von diversen naturgesetzinkompatiblen Effekten handeln, wie etwa
Homöopathie, Wünschelrutengehen, Astrologie, Parapsychologie etc. In
der Skeptikerbewegung wird mangels besserer Alternativen eine
wissenschaftliche Methodik (kritische Analyse und experimentelle
Prüfung) vertreten. Sie steht daher nicht der pyrrhonischen, sondern
der fallibilistischen Skepsis nahe.

Der Begriff *“Pseudoskepsis”* wird unterschiedlich gebraucht. Zum
einen handelt es sich um eine Bezeichnung für die schlichte Leugnung
gut belegter Fakten, wie AIDS, Klimawandel etc. Davon zu
unterscheiden ist die Kritik an der Skeptikerbewegung, worin es vor
allem um negative Aussagen über unbelegte paranormale Effekte geht:

- So wird etwa bemängelt, dass paranormale Ereignisse bereits wegen
ihrer Unplausibilität und Unverträglichkeit mit den Naturgesetzen
ausgeschlossen würden. Diese Kritik vernachlässigt aber die lange
erfolglose experimentelle Suche nach derartigen Effekten. Zusätzlich
wurden auch Preisgelder in beträchtlicher Höhe für die erfolgreiche
praktische Demonstration paranormaler Fähigkeiten ausgeschrieben.
[70] Alle Probanden scheiterten bislang. Die Praxis der
Überprüfungen wird auch fortgesetzt. [71]
- Des weiteren wird gelegentlich gefordert, dass die Unmöglichkeit
paranormaler Vorkommnisse bewiesen werden müsse. So lange dies nicht
geschehen sei, gälten diese weiter als möglich. Die Nichtexistenz
nicht näher qualifizierter Effekte lässt sich aber schon aus
prinzipiellen Gründen nicht belegen, geschweige denn beweisen. Die
propagierte Beweislastumkehr ist daher unangemessen.

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob als
*wissenschaftliche Arbeitshypothese* die *strenge
Naturgesetzlichkeit der Welt* unterstellt werden muss oder ob auch
die Möglichkeit beliebiger naturgesetzinkompatibler Effekte
zugelassen werden kann. Die zweite Annahme erweist sich jedoch als
völlig kritikimmun, da sie mit beliebigen Ereignissen vereinbar ist.
Die erste Annahme ist hingegen kritisierbar, denn sie kann
prinzipiell scheitern, wenn starke Phänomene auftauchen, die sich
naturgesetzlich nicht fassen lassen.

Der kritische Rationalismus bevorzugt starke Thesen, die möglichst
viel vorhersagen und ausschließen. Nur so lassen sich Irrtümer in
den Thesen auffinden und korrigieren. Thesen, die mit Beliebigen
vereinbar sind, können prinzipiell nicht scheitern. Sie sind leer
und deswegen untauglich.

[1] Armando Cíntora: “Miller’s Defence of Bartley’s Pancritical
Rationalism”, SORITES 15, 2004, S.50-55, `html
<http://www.sorites.org/Issue_15/cintora.htm>`, `pdf
<http://www.sorites.org/Issue_15/sorites15.pdf>`

[2] “Münchhausen-Trilemma”, `de.wikipedia.org
<https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnchhausen-Trilemma>`. Enthält
drei der “fünf Tropen des Agrippa”, `en.wikipedia.org
<https://en.wikipedia.org/wiki/Pyrrhonism#The_five_modes_of_Agrippa>`

[3] Apel und Hösle behaupten die Widersprüchlichheit des
Münchhausen-Trilemmas, welches aussagt, dass Begründungsverfahren im
Dogmatismus, im unendlichen Regress oder im logischen Zirkel enden
müssten. Siehe dazu Karl-Otto Apel: “Auseinandersetzungen in
Erprobung des transzendentalpragmatischen Ansatzes”, Suhrkamp 1998,
S.166-179 sowie Vittorio Hösle: “Die Krise der Gegenwart und die
Verantwortung der Philosophie” Beck, 1997, S.153-155.

[4] Letztbegründung, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Letztbegr%C3%BCndung>`

[5] “Skeptizismus”, Wikipedia, `deutsch
<https://de.wikipedia.org/wiki/Skeptizismus>`, `englisch
<https://en.wikipedia.org/wiki/Skepticism>`

[6] “Zetetik”, Wikipedia, `deutsch
<https://de.wikipedia.org/wiki/Zetetik>`, `englisch
<https://en.wikipedia.org/wiki/Z%C3%A9t%C3%A9tique>`

[7] “Skepsis”, `duden.de
<https://www.duden.de/rechtschreibung/Skepsis>`

[8] “Agnostizismus”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Agnostizismus>`

[9] “Epoché”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Epoche_(Philosophie)>`

[10] In den folgenden Videos wird eine radikal skeptische Haltung
demonstriert: *“Doubting ‘I Think Therefore I Am’ (The Cogito)”*,
`youtu.be
<https://youtu.be/6ORH1dXLUx0?list=PLz0n_SjOttTdlkvD7wDXbK1XjUdXh9dut>`,
*“How to Doubt Absolutely Everything (Complete Skepticism)”*,
`youtu.be
<https://youtu.be/Xn0Ns_8DXAg?list=PLz0n_SjOttTcyjg1s7mrBZSW-QKTSVLrB>`

[11] “Solipsismus”, Wikipedia, `deutsch
<https://de.wikipedia.org/wiki/Solipsismus>`, `englisch
<https://en.wikipedia.org/wiki/Solipsism>`

[12] Wenn `Kohärenz
<https://de.wikipedia.org/wiki/Koh%C3%A4renztheorie>` nicht
notwendig ist, so hat es auch weiter keine Relevanz, wenn etwa, wie
bei Stephen Thornton in `“Solipsism and the Problem of Other Minds”
<http://www.iep.utm.edu/solipsis/#H7>`, feststellt wird, dass der
Solipsismus inkohärent sei. Abgesehen davon, beruht auch der Schluss
auf Inkohärenz wiederum auf Prämissen, die einfach abgelehnt werden
können.

[13] “Diogenes Laertios”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Diogenes_Laertios>`

[14] Siehe “Pyrrhon von Elis - Leben”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Pyrrhon_von_Elis#Leben>` und Richard
Bett: “Reports on Pyrrho’s Demeanor and Lifestyle”, `Stanford
Encyclopedia of Philosophy
<https://plato.stanford.edu/archives/win2014/entries/pyrrho/#RepPyrDemLif>`,
2014

[15] “Pyrrhonische Skepsis”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Pyrrhon_von_Elis#Pyrrhonische_Skepsis>`

[16] Deutsche Übersetzung nach Rosario La Sala: “Des Skeptikers
Klugheit”, in Gerhard Ernst (Hrsg.): “Philosophie als Lebenskunst -
Antike Vorbilder, moderne Perspektiven”, Suhrkamp, 2016, S.209.
Englische Übersetzung von Richard Bett in “Ancient Skepticism” von
Katja Vogt, `Stanford Encyclopedia of Philosophy
<https://plato.stanford.edu/archives/win2016/entries/skepticism-ancient/#EarFigPyrTim>`,
2016

[17] “Ataraxie in der pyrrhonischen Skepsis”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Ataraxie#Die_Ataraxie_in_der_pyrrhonischen_Skepsis>`

[18] *“Even though he discussed tranquility and adherence to
appearances, Pyrrho was arguably no Pyrrhonian skeptic (Richard
Bett:”Pyrrho, his Antecedents, and his Legacy“, Oxford University
Press, 2000, 14-62). That is, it is likely that he put forward a
dogmatic position, in the sense that he had positive philosophical
views about the character of reality.”*, in Katja Vogt: “Ancient
Skepticism”, `Stanford Encyclopedia of Philosophy
<https://plato.stanford.edu/archives/win2016/entries/skepticism-ancient/#EarFigPyrTim>`,
2016)

[19] “Arkesilaos”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Arkesilaos>`

[20] “Arcesilaus” in Katja Vogt: “Ancient Skepticism”, `Stanford
Encyclopedia of Philosophy
<https://plato.stanford.edu/archives/win2016/entries/skepticism-ancient/#Arc>`,
2016

[21] Sextus Empiricus: *“The Skeptic simply goes along with the
appearance just as ‘a child is persuaded by […] his teacher.’”*,
`Wikipedia <https://en.wikipedia.org/wiki/Sextus_Empiricus>`, aus
Sextus Empiricus: “Pyrrhoniae Hypotyposes 1” (Grundriss der
pyrrhonischen Skepsis Buch 1).

[22] “Skeptikerbewegung”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Skeptikerbewegung>`, “Skeptical
movement”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Skeptical_movement>`

[23] “Scientific skepticism”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Skeptical_movement#Scientific_skepticism>`

[24] Carl Sagan: “Wonder and Skepticism”, Skeptical Inquirer Volume
19.1, 1995 `csicop.org
<https://www.csicop.org/si/show/wonder_and_skepticism>` und “The
Skepticism of Carl Sagan”, `centerforinquiry.net
<http://www.centerforinquiry.net/blogs/entry/the_skepticism_of_carl_sagan/>`

[25] “Kein wahrer Schotte”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Kein_wahrer_Schotte>`

[26] “Semantic change”, `en.wikipedia.org
<https://en.wikipedia.org/wiki/Semantic_change>`,
“Bedeutungswandel”, `de.wikipedia.org
<https://de.wikipedia.org/wiki/Bedeutungswandel>`,

[27] “Sprachnörgler”, `scilogs.spektrum.de
<https://scilogs.spektrum.de/sprachlog/die-unverbesserliche-seichtigkeit-der-sprachn-rgler-teil-1/>`

[28] “Conventions of language”, in Michael Rescorla: “Convention”,
`Stanford Encyclopedia of Philosophy
<https://plato.stanford.edu/archives/sum2017/entries/convention/#ConLan>`,
2017

[29] “Pseudo-”, `duden.de
<https://www.duden.de/rechtschreibung/pseudo_>`

[30] “Etymological fallacy”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Etymological_fallacy>`

[31] Sprich pyʀɔn̩eːɐ (püronnee-er). Auch Pyrrhöner, Pyrrhönier oder
Pyrrhoniker.

[32] “Aenesidemus - Pyrrhoneia”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Aenesidemus#Pyrrhoneia>`, “Pyrrhon
von Elis - Abgrenzung zur Akademischen Skepsis”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Pyrrhon_von_Elis#Abgrenzung_zur_Akademischen_Skepsis>`,
Peter Klein: “Two Basic Forms of Philosophical Skepticism”,
`Stanford Encyclopedia of Philosophy
<https://plato.stanford.edu/archives/sum2015/entries/skepticism/#TwoBasForPhiSke>`,
2015

[33] “Fallibilismus”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Fallibilismus>`. *“We are all
fallibilists now, but we are not all skeptics, or antirealists or
nihilists. Most of us think inquiries can and do progress even when
they fall short of their goal of locating the truth of the matter.
We think that an inquiry can progress by moving from one falsehood
to another falsehood, or from one imperfect credal state to
another.”*, aus Graham Oddie: “Truthlikeness”, `Stanford
Encyclopedia of Philosophy
<https://plato.stanford.edu/archives/win2016/entries/truthlikeness/#Conclusion>`,
2016

[34] Diese Kritik am radikalen Skeptizismus ist bereits aus der
Antike bekannt. Siehe “Karneades von Kyrene”, “Plausibilität und
Handlungsmodell”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Karneades_von_Kyrene#Plausibilit%C3%A4t_und_Handlungsmodell>`

[35] Mario Bunge: “Skeptisches zum Skeptizismus”, Skeptiker 1, 2000,
`gwup.org
<https://www.gwup.org/infos/themen/113-skeptikerorganisationen/1371-skeptisches-zum-skeptizismus>`

[36] Hierbei wird die klassische Logik unterstellt, die
widersprüchliche Aussagen nicht zulässt.

[37] Karl Popper hat in “Logik der Forschung”, 10. Auflage, 1994,
Mohr, S.378 darauf hingewiesen, dass sich auch Aussagen über
Einzelgegenstände nicht verifizieren lassen, denn *“selbst
gewöhnliche singuläre Sätze sind stets **Interpretationen der
‘Tatsachen’ im Lichte von Theorien**. (Und das gilt sogar für die
jeweiligen ‘Tatsachen’. Sie enthalten **Universalien**, und wo
Universalien gelten, liegt immer **gesetzmäßiges** Verhalten vor.)”*
Das berührt jedoch nicht die hier untersuchte *logische Struktur*
der Aussagen.

[38] “Kritischer Rationalismus”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Kritischer_Rationalismus>`

[39] Mit “Faktenleugnung” soll der englische Begriff “denialism”
übersetzt werden. Im Deutschen wird auch der Anglizismus
“Denialismus” verwendet.

[40] “Denialism”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Denialism>`, `rationalwiki.org
<https://rationalwiki.org/wiki/Denialism>`

[41] “AIDS denial”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/AIDS_denial>`

[42] “Holocaust denial”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Holocaust_denial>`

[43] “Climate change denial”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Climate_change_denial>`

[44] Flat earth: “Is this site a joke?”, `tfes.org
<https://wiki.tfes.org/Frequently_Asked_Questions#Is_this_site_a_joke.3F>`

[45] Zetetizismus bei der Flat Earth Society, `tfes.org
<https://wiki.tfes.org/Zeteticism>`

[46] Flat Earth Society, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Flat_Earth_Society>`; `Psiram
<https://www.psiram.com/de/index.php/Flache_Erde>`; Ralf Nowotny:
“Die Flachwelt-Theorie”, Skeptiker 31, Heft 1, 2018, S.4-8,
`gwup.org
<https://www.gwup.org/zeitschrift-skeptiker/archiv/147-wurzel/archiv-zeitschrift-skeptiker/1985-skeptiker-1-2018>`.

[47] Pascal Diethelm und Martin McKee: “Denialism: what is it and
how should scientists respond?”, European Journal of Public Health
19(1), 2009, S.2-4, `academic.oup.com
<https://academic.oup.com/eurpub/article/19/1/2/463780>`

[48] Marcello Truzzi and Pseudoskepticism, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Pseudoskepticism#Truzzi>`

[49] Marcello Truzzi: “On Pseudo-Skepticism”, Zetetic Scholar 12&13,
1987, S.3, `PDF
<http://tricksterbook.com/truzzi/ZS-Issues-PDFs/ZeteticScholarNos12-13.pdf>`,
`HTML <http://www.anomalist.com/commentaries/pseudo.html>`

[50] Marcello Truzzi, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Marcello_Truzzi>`

[51] Marcello Truzzi: “Zeteticism” as an alternative to
“skepticism”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Marcello_Truzzi#Biography>`, Truzzis
Zeitschrift “Zetetic Scholar”, `tricksterbook.com
<http://tricksterbook.com/truzzi/ZeteticScholars.html>`

[52] *Paranormal* wurde später in *anomal* umgetauft. Siehe: “Was
ist Anomalistik?”, `anomalistik.de
<https://www.anomalistik.de/ueber-gfa/was-ist-anomalistik>`

[53] Robert Todd Carroll, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Todd_Carroll>`

[54] Robert T. Carroll über Truzzi: “Typical of Marcello’s approach
to paranormal subjects is the conclusion he and co-author Arthur
Lyons drew in The Blue Sense: Psychic Detectives and Crime (New
York: The Mysterious Press, 1991). After hundreds of pages of
evidence of deception and self-deception by so-called psychic
detectives, they concluded that there still might be some psychic
somewhere who has genuine paranormal abilities. True. And the sun
might rise in the west tomorrow, but what are the odds?”,
`skepdic.com <http://www.skepdic.com/refuge/memoriam.html>`

[55] Dana Richards (Hrsg.): “Dear Martin / Dear Marcello: Gardner
And Truzzi On Skepticism”, World Scientific Publishing Company,
2017, 492 Seiten.

[56] Martin Gardner on Pseudoscience and skepticism, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Martin_Gardner#Pseudoscience_and_skepticism>`

[57] Ray Ward: “The Martin Gardner Correspondence with Marcello
Truzzi”, Sceptical Inquirer, Vol. 41.6, Nov/Dec 2017, S.57-59.

[58] Susan Blackmore, Wikipedia, `deutsch
<https://de.wikipedia.org/wiki/Susan_Blackmore>`, `englisch
<https://en.wikipedia.org/wiki/Susan_Blackmore>`

[59] “Pseudoskepticism” in “Skeptical movement”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Skeptical_movement#Pseudoskepticism>`

[60] *“There are some members of the skeptics’ groups who clearly
believe they know the right answer prior to inquiry. They appear not
to be interested in weighing alternatives, investigating strange
claims, or trying out psychic experiences or altered states for
themselves (heaven forbid!), but only in promoting their own
particular belief structure and cohesion … I have to say it - most
of these people are men. Indeed, I have not met a single woman of
this type.”* Aus Susan Blackmore: “Women skeptics”, in L. Coly & R.
White (Hrsg.): “Women and parapsychology”\*, S.234-236, New York,
Parapsychology Foundation, S.235.

[61] Ray Hyman: “Proper criticism”, `csicop.org
<https://www.csicop.org/si/show/proper_criticism>`

[62] Carl Sagan über Kritik an CSI, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Committee_for_Skeptical_Inquiry#General_criticism_and_reply>`

[63] Susan Blackmore und der CSICOP Distinguished Skeptic Award,
`Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Committee_for_Skeptical_Inquiry#Distinguished_Skeptic_Award>`,
`skepticalinvestigations.org
<https://web.archive.org/web/20080417064537/http://www.skepticalinvestigations.org/whoswho/index.htm>`

[64] “Why I have given up”, `susanblackmore.co.uk
<https://www.susanblackmore.co.uk/chapters/why-i-have-given-up/>`

[65] James E. Alcock: “Give the null hypothesis a chance: reasons to
remain doubtful about the existence of psi”, in J.E. Alcock, J.E.
Burns & A. Freeman (Hrsg.): “Psi wars: Getting to grips with the
paranormal”, Imprint Academic, Charlottesville, 2003, S.29-50.

[66] Konträr sind zwei Aussagen genau dann, wenn beide zwar nicht
zugleich wahr, jedoch zugleich falsch sein können. Es gilt (P ⇒ ¬N)
= (¬P ∨ ¬N) = ¬(P∧N) sowie (N ⇒ ¬P) = (¬N ∨ ¬P) = ¬(P∧N). Siehe
`“Square of opposition”
<https://en.wikipedia.org/wiki/Square_of_opposition>` und
`“Kategorisches Urteil”
<https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kategorisches_Urteil&oldid=160811227#Kontradiktorische,_kontr%C3%A4re_und_subkontr%C3%A4re_Gegens%C3%A4tze,_Sub-_und_Superalternation>`
auf Wikipedia.

[67] Telekinese, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Telekinese>`

[68] Blindstudie, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Blindstudie>`

[69] Inge Hüsgen und Wolfgang Hell: “Parapsychologie” auf `gwup.org
<https://www.gwup.org/infos/themen/334-parapsychologie>` und Martin
Mahner: “Der Tod der Parapsychologie”, Skeptiker 2, 2010, `gwup.org
<https://www.gwup.org/component/content/article/63/998-der-tod-der-parapsychologie>`.
Siehe auch `Psiram
<https://www.psiram.com/de/index.php/Parapsychologie#Experimente>`
und `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Parapsychologie#Kritik>`

[70] “One Million Dollar Paranormal Challenge”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/One_Million_Dollar_Paranormal_Challenge>`

[71] “Die mit 50000 Euro dotierte Homöopathie-Challenge”, `gwup.org
<https://www.gwup.org/challenge-startseite>`, `blog.gwup.net
<https://blog.gwup.net/2018/05/16/video-dr-norbert-aust-erklaert-die-mit-50-000-euro-dotierte-homoeopathie-challenge/>`,
`ruhrbarone.de
<https://www.ruhrbarone.de/die-globuli-challenge/154735>`.

--
"Alles läuft nach Wunsch."
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http://grausig.info

Manfred Feodor Koerkel

unread,
Dec 27, 2018, 6:36:23 AM12/27/18
to
Manfred Feodor Koerkel expressed:

> ================================================================
> Skepsis, Wissenschaft und Skeptikerbewegung
> ================================================================

Ich habe die erste Fassung des Artikels "Skepsis, Wissenschaft und
Skeptikerbewegung" leicht erweitert (was sich wegen unfangreicher
privater Erledigungen stark verzögerte), um einige mögliche
Missverständnisse auszuräumen:

Eine hinzugefügte Literaturstelle dient nun als als Beleg dafür,
dass sich Truzzi tatsächlich explizit auf die pyrrhonische Skepsis
bezog, denn dies wurde bezweifelt. Sich konsequent eines Urteils zu
enthalten ist zwar lebenspraktisch schwierig aber nicht
selbstwidersprüchlich, wie jemand behauptet hatte. Die pyrrhonische
oder konsequente Skepsis wird im übrigen immer dann relevant, wenn
von Pseudoskepsis die Rede ist, denn die pyrrhonische Skepsis ist
die einzige Skepsis, von der bekannt ist, dass sie sich nicht als
Pseudoskepsis (im Sinne von zu wenig Skepsis) bezeichnen lässt.

Der Gegensatz zur Anomalistik ist im Kontext meines Artikels *nicht*
die Normal-Wissenschaft nach Thomas Kuhn sondern die
Mainstream-Wissenschaft, in der sich auch der von Kuhn dargestellte
wissenschaftliche Wandel erfolgreicher Theorien ereignete.
Anomalistik beschäftigt sich laut Truzzi mit dem Paranormalen, das
der Mainstream-Wissenschaft nachhaltig und gravierend widerspricht.
Anomalistik ist schlicht eine Umbenennung von Grenzwissenschaft bzw.
fringe science. Im Gegensatz zum Mainstream hat die Anomalistik
bislang noch keine nennenswerten Ergebnisse gebracht. Ich habe
Bemerkungen zu Kuhn als Fußnoten eingefügt und Truzzis Verständnis
von Anomalistik erläutert und auch belegt. Des weiteren habe ich
Mainstream und Anomalistik charakterisiert. Ich hatte den Mainstream
vorher leichtsinnig als "normale" Wissenschaft bezeichnet.

Jemand meinte, dass bei Truzzi von Psi nicht die Rede sei. Ich habe
daher explizit definiert, dass ich den Buchstaben Psi nur als
bequeme Abkürzung für *alle* paranormalen naturgesetzinkompatiblen
Effekte gebrauche. Dass es Psi gibt, ist natürlich lediglich eine
bislang unbelegte Behauptung.

Es wird nun auch erläutert, dass Naturgesetzlichkeit eine
metatheoretische Voraussetzung für Wissenschaft über die Welt
darstellt. Diese Voraussetzung ist hypothetisch, notwendig und
indirekt kritisierbar. Ohne Naturgesetzlichkeit der Welt lässt sich
nichts vorhersagen.

Der aktualisierte Artikel (frei von jeglicher Werbung):
http://feodor.de/node/25

Der Artikel als PDF:
http://beginnersmind.de/doc/Skepsis1-v2.pdf

Ein maschineller Vergleich der Versionen:
http://beginnersmind.de/doc/Skepsis1-v2-diff.html

--
"Die Sporen waren zu laut."
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http://grausig.info

Manfred Feodor Koerkel

unread,
Dec 27, 2018, 7:01:22 AM12/27/18
to
Manfred Feodor Koerkel expressed:
> Manfred Feodor Koerkel expressed:
>
>> ================================================================
>> Skepsis, Wissenschaft und Skeptikerbewegung
>> ================================================================
>
> Ich habe die erste Fassung des Artikels "Skepsis, Wissenschaft und
> Skeptikerbewegung" leicht erweitert (was sich wegen unfangreicher
> privater Erledigungen stark verzögerte), um einige mögliche
> Missverständnisse auszuräumen:

Nachdem es in dieser Gruppe aktuell eher wenig Traffic gibt, der zum
Thema passt, erlaube ich mir, auch die zweite gegenüber der ersten
Version leicht erweiterte und korrigierte Version im Volltext zu
posten. HTML auf http://feodor.de/node/25

Einleitung
==========

Der Beitrag behandelt die Frage, welche Form des Skeptizismus im
Rahmen der Wissenschaft adäquat ist, und betrachtet hierzu zwei
wesentliche Ausprägungen des Skeptizismus, die Urteilsenthaltung und
den Irrtumsvorbehalt. Gibt es einen wahren Skeptizismus? Dazu wird
der unterschiedliche Gebrauch des Begriffs Pseudoskeptizismus
analysiert, der insbesondere auch auf die Skeptikerbewegung
angewendet wurde. Eine abschließende Erörterung untersucht, ob die
Naturgesetzlichkeit der Welt als hypothetische Annahme für
Wissenschaft notwendig ist oder ob es sich hierbei um ein nicht
kritisierbares willkürliches Dogma handelt.

Inhalt [1]
===========

- Pankritizismus selbstwidersprüchlich?
- Skepsis, Zetetik und Agnostizismus
- Konsequenter Skeptizismus
-- Konsequenter Skeptizismus praktizierbar?
-- Problemlösen ohne Urteile zu fällen?
- Skeptikerbewegung
- Wahre Skeptiker?
-- Sprachgebrauch flexibel
-- Skeptikerbegriff als Vereinbarung
-- Pseudoskeptiker?
- Folgerung aus dem konsequenten Skeptizismus
-- Skepsis in der Forschung?
- Struktur von Aussagen
-- Allaussagen
-- Existenzaussagen
- Kritischer Rationalismus
-- Starke Thesen versus Kritikimmunität
-- Scheitern versus Bewähren
- “Pseudoskeptizismus” in der Praxis
-- Faktenleugnung (“denialism”)
-- Zu wenig Skepsis in der Mainstream-Wissenschaft?
-- Anomalistik versus Mainstream-Wissenschaft
-- “Kein Ψ” als Standardhypothese der Mainstream-Wissenschaft
-- Naturgesetzlichkeit für die Wissenschaft notwendig?
- Naturgesetzlichkeit als metatheoretische Voraussetzung
- Resümee

Pankritizismus selbstwidersprüchlich?
=====================================

In der Literatur streiten Autoren darüber, ob die Aussage “alles ist
kritisierbar” selbstwidersprüchlich [2] ist und ob dies auch für das
Münchhausen-Trilemma [3] gilt [4]. Ich umgehe dieses Problem einfach
dadurch, indem ich sage: *Bislang* ist fast alles kritisierbar, da
*noch* kein Letztbegründungsverfahren [5] bekannt ist. Um die
Lesbarkeit nicht zu beeinträchtigen, erwähne ich dies im Folgenden
aber nicht in jedem Satz.

Skepsis, Zetetik und Agnostizismus
==================================

Im Altertum wurde mit dem Begriff Skepsis [6] systematisches
Hinterfragen, Betrachten und Untersuchen verbunden. Eine damit
verwandte Vokabel aus dieser Zeit ist Zetetik [7], womit eine
theoretische Einstellung gemeint ist, bei der das Suchen im
Vordergrund steht. Betont wird hierbei aber jeweils die fehlende
Möglichkeit zu sicheren Ergebnissen gelangen zu können.
Neusprachlich wird mit dem Wort Skepsis [8] daher auch meist einfach
nur eine zweifelnde Haltung bezeichnet. Agnostizismus [9] bedeutet
Nichtwissen, welches ohne verfügbare sichere Erkenntnis verbleibt.
Das Wort Skeptizismus findet sehr allgemeine Verwendung, während der
Begriff Agnostizismus eher selektiv hinsichtlich religiöser
Fragestellungen gebraucht wird.

Werden die Ansätze aber jeweils *konsequent* angewendet, führen sie
zu der gleichen Schlussfolgerung, dass nämlich bei allen nicht
letztbegründeten Aussagen nur die *Urteilsenthaltung* (Epoché,
ἐποχή) [10] angemessen ist. Damit ist es beispielsweise nicht
möglich, zwischen einer Aussage A und ihrer logischen Negation ¬A zu
wählen, solange weder A noch ¬A letztbegründet wurden. Ich verwende
im Folgenden meist den allgemeiner gebrauchten Begriff Skepsis.

Konsequenter Skeptizismus
=========================

Wenn faktisches Wissen als die Menge der letztbegründeten Aussagen
über die Welt verstanden wird, bleibt kaum noch oder vielleicht
sogar überhaupt kein derartiges Wissen übrig. [11] Im Rahmen eines
*konsequenten* Skeptizismus lässt sich noch nicht einmal der
metaphysische Solipsismus [12] (“es gibt nur meine Vorstellungen”)
rational ausschließen. Eine solipsistische Vorstellungswelt bräuchte
auch nicht logisch konsistent oder kohärent zu sein. [13] Selbst bei
einer so intuitiv evidenten Aussage, wie “ich fühle, also gibt es da
irgend etwas”, könnte vielleicht auch nur noch ein passendes
Gegenargument fehlen.

Strikte Skepsis ist *rein destruktiv* und betrifft fast alle
Theorien über die Welt gleichermaßen. Skeptizismus liefert
insbesondere keinerlei Kriterien für eine Theorieauswahl, denn alle
nicht-trivialen Theorien über die Welt müssen (bislang) als
fehleranfällig gelten. Schlimmer noch, diese Urteilsenthaltung ist
nicht nur hinsichtlich der positiven Adäquatheit von Theorien
relevant, sondern sie betrifft auch die empirische Falsifizierung
von Theorien. Schließlich ist auch das experimentelle Widerlegen von
Theorien eine fehlbare menschliche Aktivität. Die Skepsis ist ein
großer Gleichmacher: Praktisch alle Theorien über die Welt sind im
Lichte der Skepsis eben nicht letztbegründet und stellen daher kein
Wissen im obigen Sinne dar.

- Konsequenter Skeptizismus praktizierbar?
------------------------------------------

Radikale Skepsis in Form strenger Urteilsenthaltung ist allerdings
keine überlebensfördernde Haltung. Es ist schlicht lebenspraktisch
undurchführbar, ständig alles anzuzweifeln. Unter den Überlebenden
findet man daher auch kaum derartig rigorose Skeptiker.

So zitiert Diogenes Laertius [14] den Schriftsteller Antigonos von
Karystos, der berichtet, dass der Skeptiker Pyrrhon von Elis der
Wahrnehmung keinen Einfluss auf sein Verhalten zugestanden habe und
sich weigerte, entgegenkommenden Wagen, steilen Abhängen oder
bissigen Hunden auszuweichen. Er habe sein Überleben nur seinen
(weniger skeptischen) Schülern zu verdanken, die ihn begleiteten.
Andere Autoren stellen diesen Bericht wiederum in Frage [15], was
dann bedeuten könnte, dass Pyrrhons Urteilsenthaltung vielleicht
doch nicht so weit ging. Andererseits soll der antike Skeptiker
Timon von Phleius über Pyrrhon gesagt haben [16], dass letzterer die
Dinge für gleichermaßen indifferent, unmessbar und unbeurteilbar
hielt. Daher würden weder unsere Sinneswahrnehmungen noch unsere
Meinungen uns etwas Wahres oder Falsches sagen und wir sollten ihnen
deswegen auch nicht trauen. [17] Im Ergebnis führe dies, so Timon,
über die Sprachlosigkeit schließlich zur Gemütsruhe. [18]

Wie dem auch sei, mit *pyrrhonischer bzw. konsequenter Skepsis* ist
daher im Folgenden nicht die historische Person aus der Antike
gemeint [19], sondern lediglich das *Konzept der Urteilsenthaltung
bei fehlender Letztbegründung*.

Da es kaum einleuchtet, wie etwa *handlungsrelevante* Zweifel
hinsichtlich der Effekte der Schwerkraft oder Impulsübertragung mit
guten Überlebenschancen kompatibel sein könnten, scheint evident:
Die allermeisten Menschen sind in diesem Sinne wohl höchstens
partielle Skeptiker, denn sie hängen am Leben.

- Problemlösen ohne Urteile zu fällen?
--------------------------------------

Könnte überlebenskompatibles Handeln möglich sein, auch ohne bewusst
Urteile zu fällen? Das ist hoch plausibel. Schmeißfliegen bringen
das wohl fertig. Deren Verhaltensrepertoire ist jedoch eher
begrenzt. Wie sollten aber Architekten Gebäude entwerfen, Ingenieure
Maschinen konstruieren oder Wissenschaftler verbesserte Theorien
entwickeln, ohne dabei (vorläufige) Urteile zu fällen? Die große
Flexibilität, die Homo sapiens bislang beim Bearbeiten derartiger
Probleme zeigte, scheint gerade auf der Fähigkeit zu beruhen,
lösungsadäquate Urteile der Form “Konzept A funktioniert” oder
“Konzept B funktioniert nicht” fällen zu können.

Der antike Skeptiker Arkesilaos [20] versuchte zu erläutern, warum
es plausibel sein könne, dass auch ein Skeptiker durch die Tür und
nicht etwa durch die Wand zu gehen versuche, ohne dabei aber die
Voraussetzung “dort ist eine Tür” zu machen. Eine Schwierigkeit
besteht hierbei darin, menschliches Agieren nicht auf reines
Instinkthandeln oder automatisches Reagieren zu reduzieren. Auch der
Skeptiker möchte als Mensch mit Bewusstsein aufgefasst werden.
Arkesilaos meinte, der Skeptiker brauche der Sinneswahrnehmung nicht
zuzustimmen, er habe aber eine Sinneswahrnehmung und das reiche, um
nicht gegen eine Wand zu laufen. [21] Um seine Gemütsruhe nicht zu
gefährden, stimmt der Skeptiker also folgendem Satz *nicht* (auch
nicht vorläufig) zu: “Wenn ich versuche, durch die Wand zu gehen,
wird das wohl nicht klappen. Dort ist aber eine Tür und wenn ich
hindurch gehe, kann ich wohl den Raum verlassen.” Dennoch geht er
immer durch die Tür, möchte aber gleichzeitig auch nicht für einen
Roboter ohne Bewusstsein gehalten werden, der das schließlich auch
schafft. Wie man mit dieser Einstellung erfolgreich Forschung
treiben können sollte, ist höchst unplausibel. [22] Der strenge
Skeptiker muss ein derartiges Unterfangen aber ohnehin für sinnlos
halten, denn solange kein Letztbegründungsverfahren bekannt ist,
steht das Forschungsergebnis bereits vorher fest: die
Urteilsenthaltung.

Skeptikerbewegung
=================

Für ein Netzwerk von Personen, die eine kritische Einstellung
gegenüber Behauptungen haben, die sowohl empirisch unzureichend
belegt als auch inkompatibel mit bewährten Ergebnissen der
Wissenschaften sind, hat sich der Begriff Skeptikerbewegung [23]
eingebürgert. Zu den einschlägig kritisierten Thesen gehören u.a.
Homöopathie, Wünschelrutengehen, Astrologie, Parapsychologie, Spuk,
Kreationismus oder Entführungen durch Außerirdische. Um die hierbei
vertretene Haltung zu bezeichnen, wird auch der Terminus
“wissenschaftlicher Skeptizismus” [24] verwendet, der auf Carl Sagan
[25] zurückgeführt wird.

Wie dies bei den meisten anderen Menschen der Fall ist, vertreten
die Mitglieder der Skeptikerbewegung mehrheitlich auch keine
rigorose pyrrhonische Skepsis. Es dürfte unkontrovers sein, dass
sich der Zweifel in der Skeptikerbewegung von der strengen
pyrrhonischen Skepsis deutlich unterscheidet. Zweifel gegenüber
empirisch gehaltvollen Behauptungen, die sowohl höchst ungewöhnlich
als auch noch nicht ausreichend belegt sind, stellen jedoch auch
eine Form von Skepsis dar, wenn auch eine erheblich mildere Form.

Wahre Skeptiker?
================

**Argument:** “Kein Skeptiker fällt vorläufige Urteile.”
**Replik:** “Aber ich kenne einen Skeptiker, der fällt sehr wohl
vorläufige Urteile.”
**Widerlegung:** “Kein wahrer Skeptiker fällt irgendwelche Urteile!”

Diese Form der Argumentation ist ein bekannter Trugschluss [26], da
die Menge, die in der Voraussetzung (hier: Skeptiker) zugrunde
gelegt wird, in der Schlussfolgerung (hier: wahre Skeptiker)
implizit neu festgelegt wird. Ein konsequenter Skeptiker dürfte
allerdings sowieso nicht vom “wahren Skeptiker” sprechen, sondern
müsste sich des Urteils enthalten.

- Sprachgebrauch flexibel
-------------------------

Dass sich Wortbedeutungen historisch verändern, gilt in der
Sprachwissenschaft als gut belegt und ist nicht umstritten. [27]

Daneben wird manchmal aber auch argumentiert, dass eine bestimmte
Bedeutung B1 eines Wortes deswegen die einzig zulässige sein müsse,
weil sich diese Bedeutung in besonders alten Quellen nachweisen
lasse. Hingegen seien neuere Bedeutungen B2 und B3 ein Zeichen für
Sprachverfall und müssten ausgemerzt werden. [28] Darin drückt sich
ein gewisser platonischer Essenzialisimus aus. Die Adäquatheit
dieses Konzeptes lässt sich jedoch nicht belegen und ist eine
Minderheitenmeinung. Es lässt sich kaum zeigen, dass ein bestimmtes
Symbol notwendig mit einer bestimmten Bedeutung versehen werden
müsste. So wird die Bedeutung von Symbolen eher als Konvention einer
Sprechergemeinschaft in einer bestimmten historischen Situation
angesehen. [29]

- Skeptikerbegriff als Vereinbarung
-----------------------------------

Daraus folgt: Ob nun jemand als Skeptiker oder Nicht-Skeptiker zu
bezeichnen ist, hängt vom jeweiligen Skeptizismus-Verständnis ab.
Wenn zwei Parteien hierbei auf ihrem unterschiedlichen
Sprachgebrauch beharren und die jeweils unterstellte
Begriffsbedeutung auch nicht erläutern, kann eine Kommunikation
nicht gelingen. Begriffsbedeutung als Konvention muss vereinbart
werden. Das Kommunikationsproblem kann noch dadurch verschärft
werden, dass zwar Begriffserläuterungen gegeben werden, diese aber
vom Gesprächspartner ignoriert werden. Das verhindert tatsächlich
effektiv jeden sinnvollen Disput.

- Pseudoskeptiker?
------------------

Um die Skeptikerbewegung zu kritisieren oder gar zu diskreditieren,
wird manchmal die Vokabel “Pseudoskeptiker” eingesetzt. Nach Duden
[30] lässt sich das als Scheinskeptiker auffassen: Es wird in
implizit abwertender Weise unterstellt, dass die Mitglieder nur den
Anschein erwecken wollen, konsequente Skeptiker zu sein, es in
Wirklichkeit jedoch nicht sind.

Wenn hierbei der Begriff “Pseudoskepsis” ohne nähere Erläuterung
verwendet wird, lässt sich daraus nur ableiten, dass die damit
kritisierte Haltung wohl nicht mit der pyrrhonischen Skepsis
übereinstimmen kann. Die pyrrhonische Skepsis ist nämlich die
konsequenteste Form der Skepsis, d.h. mehr Skepsis geht nicht und es
wäre daher grob inadäquat, die pyrrhonische Variante als
Pseudoskepsis im Sinne von “zu wenig Skepsis” zu qualifizieren.

Durch dieses Begriffsverständnis entstünde jedoch ein etymologischer
Fehlschluss [31], denn die Personen innerhalb der Skeptikerbewegung
wollen sich mehrheitlich überhaupt nicht als radikal pyrrhonische
Skeptiker verstehen. Ein Streit um “wahre” oder “scheinbare”
Skeptiker ist daher gehaltloses Wortgeklingel, der Diskurs muss sich
vielmehr darum drehen, welche Urteile denn in welcher Form
bezweifelt werden sollten.

Der Disput darüber, was alles zu bezweifelt werden müsse, ist alt.
So soll der Pyrrhoneer [32] Ainesidemos den akademischen Skeptikern
vorgehalten haben, dass ihre Behauptung “nichts kann gewusst werden”
negativ dogmatisch sei. [33]

Folgerung aus dem konsequenten Skeptizismus
===========================================

Obwohl sich die pyrrhonische Skepsis lebenspraktisch kaum
durchhalten lässt, ergibt sich aus ihr bislang dennoch die
praktische Konsequenz, dass Theorien über die Welt Fehler enthalten
können und ggf. revidiert werden müssen. Der Fallibilismus
(Irrtumsvorbehalt) gehört daher zum Mainstream der
Wissenschaftstheorie. [34] Auch *in diesem Sinne* dürften Personen
in der Skeptikerbewegung wohl überwiegend adäquat als Skeptiker
bezeichnet werden dürfen.

Irrtumsvorbehalt ist aber etwas anderes als Urteilsenthaltung, denn
um sich irren zu können, müssen zumindest vorläufige Urteile gefällt
werden. Ein rigoroser Skeptiker kann sich nur deshalb nicht irren,
weil er überhaupt keine Urteile fällt.

- Skepsis in der Forschung?
---------------------------

Warum sollten pyrrhonische Skeptiker überhaupt Forschung treiben
wollen? Das einzige Forschungsthema eines Pyrrhoneers kann die
Letztbegründung sein, da nur letztere überhaupt zu Erkenntnissen
führen kann. Dazu braucht es insbesondere keine empirische
Forschung, denn diese führt ohne Letztbegründung sowieso nur zu
Nicht-Erkenntnis und Urteilsenthaltung.

Eine fallibilistische Haltung mildert dieses Problem. Zwar bleibt
die Irrtumsmöglichkeit bestehen, aber es lassen sich immerhin
vorläufige Urteile fällen, indem provisorisch am Bewährten
festgehalten wird, bis es durch Besseres ersetzt wird. Absolute
Urteilsenthaltung mag zur Gemütsruhe führen, aber sie ist kaum von
Gleichgültigkeit zu unterscheiden und resultiert in Stillstand. [35]

Mario Bunge merkte an, dass radikaler und konsequenter Zweifel zum
skeptischen Paradoxon führt: Da der Skeptiker keine Argumente
abwägen kann, weil ihm nichts als unmöglich gilt, sind ihm naivste
Vorstellungen und bewährteste Theorien völlig gleichwertig. [36]

Struktur von Aussagen
=====================

Neben dem vorläufigen Befund, dass alle menschliche
wissenschaftliche Aktivität als fehlerbehaftet zu gelten hat, lässt
sich noch die logische Struktur [37] von Aussagen betrachten, die
unabhängig vom konkreten semantischen oder empirischen Gehalt
besteht.

- Allaussagen
-------------

Zwischen dem Bestätigen und dem Widerlegen von Allaussagen gibt es
eine Asymmetrie: Allaussagen lassen sich nämlich schon aus logischen
Gründen nicht sicher verifizieren, denn hierzu wären unendlich viele
Bestätigungen nötig, was unerreichbar ist. Im Falle der Widerlegung
reicht jedoch ein valides Gegenbeispiel. Es ist deswegen
erkenntnistheoretisch wünschenswert, wenn Aussagen über die Welt
prinzipiell empirisch widerlegbar oder wenigstens kritisierbar sind.
Empirisch prüfbar sind Aussagesysteme, wenn sich daraus deduktiv
etwas ableiten lässt, das empirisch entweder der Fall sein muss oder
nicht der Fall sein darf. Des weiteren ist es bereits aus
methodischen Gründen erstrebenswert, Hypothesen aufzustellen, die in
empirischer Hinsicht möglichst viel sowohl vorhersagen als auch
ausschließen.

- Existenzaussagen
------------------

Anders gelagert ist die Situation bei Existenzaussagen. Hier reicht
ein valides Beispiel, um die Aussage zu belegen. [38] Nicht näher
qualifizierte Existenzaussagen lassen sich aber kaum widerlegen,
denn ein Untersucher ist mit praktisch unlimitierten
Suchmöglichkeiten konfrontiert. Aus diesem Grunde liegt hier die
Last Belege beizubringen beim Behauptenden. Bei negativen
Existenzaussagen, wie “es gibt kein X”, kehren sich die logischen
Verhältnisse um: Diese Aussagen können durch einen entsprechenden
Existenznachweis widerlegt, aber nicht generell bewiesen werden.
Nichtexistenzaussagen haben also empirischen Gehalt, wenn sie
prinzipiell empirisch scheitern können.

Kritischer Rationalismus
========================

Der kritische Rationalismus [39] ist ein gemäßigt skeptizistisch
schubweise erfolgt, mal stagniert oder auch Rückschläge [40]
erleidet. [41]

“Pseudoskeptizismus” in der Praxis
==================================

Wenn mit Skepsis nur die strikte pyrrhonische Urteilsenthaltung
gemeint ist, so gibt es - wie wir gesehen haben - kaum Skeptiker. In
der Vergangenheit wurden mit “Pseudoskeptizismus” sehr
unterschiedliche Haltungen verbunden:

.. _faktenleugnung-denialismdenialism:

- Faktenleugnung (“denialism”) [42]
------------------------------------

Zum einen kann es sich dabei um die Leugnung [43] von
Weltereignissen, wie AIDS [44], NS-Völkermord [45] oder Klimawandel
[46], handeln, die im wissenschaftlichen Mainstream als gut
gesichert gelten. Ein interessanter Fall ist auch die “Flat Earth
Society”, die sich selbst ernsthaft [47] als “zetetisch” [48]
bezeichnet und behauptet, die Erde sei flach und nicht rund. [49] Es
dreht sich hier also um eine Haltung, bei der geleugnet oder
zumindest stark bezweifelt wird, dass sich gewisse von der
Wissenschaft beschriebene Sachverhalte adäquat auf Tatsachen
beziehen. Im Mainstream der Wissenschaft gibt es jedoch breiten
Konsens, dass die vorgetragenen Zweifel angesichts der Befundlage
unangemessen sind. [50]

- Zu wenig Skepsis in der Mainstream-Wissenschaft?
--------------------------------------------------

Zum anderen wird der Begriff “Pseudoskeptizismus” auch auf den
Carl-Sagan’schen wissenschaftlichen Skeptizismus selbst angewendet.
Prominent [51] ist die Kritik [52] Marcello Truzzis [53], einem der
CSICOP-Gründungsmitglieder. Truzzi unterscheidet den wahren
(zetetischen [54]) vom Pseudo-Skeptiker. Wie wir gesehen haben, ist
der Begriff des “wahren Skeptikers” aber problematisch, denn der
Begriff des Skeptikers wird bislang nicht einheitlich verstanden. Es
kann also nur darum gehen, welche Form des Zweifelns Truzzi für
nötig erachtet, die er wiederum bei der Skeptikerbewegung vermisst.

Truzzi geht es bei seiner Kritik vor allem um negative Aussagen über
paranormale [55] Effekte, wie Hellsehen, Telepathie, Astrologie o.ä.
Er meint, man dürfe nicht behaupten, dass paranormale Effekte -
abgekürzt [56] Ψ - *wegen fehlender Plausibilität* nicht vorkommen
könnten, dafür sei vielmehr ein empirischer Beleg (“proof”) nötig.
Mehr noch: Experimentelle Mängel, wie unzureichende Absicherung
gegen Betrug oder ungenügende Randomisierung, könnten nicht belegen,
dass z.B. Probanden nicht doch paranormale Fähigkeiten hätten. Wenn
gezeigt würde, dass Belege für das Paranormale nicht überzeugten,
sei dies kein Grund diese Belege zu verwerfen. Der “wahre Skeptiker”
würde in dieser Situation nur davon sprechen, dass das Paranormale
lediglich nicht bewiesen, jedoch keineswegs widerlegt sei. Im
übrigen setzt Truzzi auch voraus, dass Kritiker von Experimenten die
Beweislast trügen, wenn sie experimentelle Mängel anführten. Wenn
also jemand die negative Hypothese aufstellt: “Wir gehen bis auf
weiteres davon aus, dass es den Effekt Ψ nicht gibt”, so muss diese
Person laut Truzzi auch belegen können, dass es den Effekt Ψ
wirklich nicht gibt. Solange Ψ nicht widerlegt sei, so Truzzi, müsse
weiter geforscht werden.

Truzzi hält den pyrrhonischen Skeptizismus für höchst wertvoll
*(“most valuable”)* und kongruent *(“congruent”)* mit dem
Fallibilismus [57]. Wie weit Truzzis Forderung nach
Urteilsenthaltung insgesamt geht, wird nicht ganz klar, er fordert
aber offenbar dann eine Urteilsenthaltung, wenn es um unbelegte
paranormale Effekte geht. Wenn “congruent” mit “deckungsgleich”
übersetzt wird, ist Truzzis Einordnung aber sicher falsch, denn wie
wir oben gesehen haben, muss die Urteilsenthaltung vom
Irrtumsvorbehalt unterschieden werden.

Robert Carroll [58] bemerkt [59], dass die Schlussfolgerung, die
Truzzi und sein Koautor in “The Blue Sense: Psychic Detectives and
Crime” zögen, typisch für ihn seien: Nach über hundert Seiten
Belegen für Täuschung und Selbsttäuschung bei den Hellsehern zögen
sie das Resümee, dass vielleicht doch noch irgendwo jemand mit
hellseherischen Fähigkeiten existiere. Carroll stimmt dem zwar zu
und morgen könne die Sonne auch im Westen aufgehen, für derartige
Annahmen gebe es aber dennoch keinen hinreichenden Anlass. Anhand
der ausführlich dokumentierten Korrespondenz [60] zwischen Martin
Gardner [61] und Marcello Truzzi lassen sich die unterschiedlichen
Positionen nachvollziehen. Ray Ward bemerkt in seiner Rezension [62]
, dass Truzzi wohl zu schnell zu dem Schluss komme, dass es da ein
Geheimnis gebe, das nun gelöst werden müsse, während Gardner frage,
ob es da überhaupt ein Geheimnis gebe oder eher nur ein Artefakt in
den Daten.

Des weiteren wird auch die Parapsychologin Susan Blackmore [63]
zitiert [64], die es als Pseudoskeptizismus kritisiert, wenn einige
Anhänger der Skeptikerbewegung empirische Untersuchungen für
verzichtbar halten, da sie die Ergebnisse schon vor aller Erfahrung
zu kennen glauben. [65] Allerdings ist das, was Blackmore bemängelt,
nach Ray Hyman ohnehin “ill-considered criticism”. [66] Nach Carl
Sagan gibt es in der Skeptikerbewegung - wie überall sonst auch -
menschliche Unvollkommenheit. [67] Die investigative Arbeit von
Blackmore wird im übrigen in der Skeptikerbewegung geschätzt, was
die Verleihung des “CSICOP Distinguished Skeptic Award” an Blackmore
veranschaulicht. [68] Nach 25 Jahren gab Blackmore die
experimentelle Untersuchung des Paranormalen schließlich auf, da sie
nicht mehr erwartete, noch Belege für paranormale Effekte zu finden.
[69]

- Anomalistik versus Mainstream-Wissenschaft
--------------------------------------------

Nach Truzzi [70] untersucht die Anomalistik *“angebliche
außergewöhnliche Ereignisse, die durch gegenwärtig akzeptierte
wissenschaftliche Theorien nicht erklärbar scheinen”.* An anderer
Stelle [71] erläutert Truzzi diese Nichterklärbarkeit als *“lack of
fit with [an] accepted theory”.* Das Fehlen einer Passung
unterscheidet Truzzi dort jedoch [72] vom Widerspruch. Es leuchtet
aber nicht ein, warum eine fehlende Passung kein Widerspruch sein
soll, denn das außergewöhnliche Ereignis wird ja durch die Theorie
gerade ausgeschlossen.

Des weiteren differenziert Truzzi [73] zwischen verschiedenen Typen
außergewöhnlicher Ereignisse bzw. Anomalien: *abnormale* Ereignisse
sind selten aber erklärbar, *paranormale* Ereignisse widersprechen
aktuellen wissenschaftlichen Theorien, sind aber nicht
*übernatürlich* verursacht. [74] Die Anomalistik beschäftigt sich
dezidiert mit dem Paranormalen. Truzzi teilt dieses Fachgebiet noch
in zwei Unterbereiche auf: *Kryptowissenschaften* untersuchen
außergewöhniche Dinge, wie Bigfoot oder UFOs, während
*Parawissenschaften* außergewöhnliche Prozesse oder Beziehungen
zwischen gewöhnlichen Dingen thematisieren, wie etwa Telepathie oder
astrologische Korrelationen. Die in den Parawissenschaften
studierten Effekte - hier mit dem Buchstaben Ψ bezeichnet -
widersprechen gut bewährten Naturgesetzen oft und deutlich.

Die Anomalistik unterscheidet sich vom wissenschaftlichen
Mainstream. Unter dem letzteren Begriff sei im Folgenden die
Hauptströmung der Wissenschaft verstanden, innerhalb der sich der
Wandel erfolgreicher Wissenschaft ereignet. Der Begriff Anomalie
[75] wird auch im Mainstream gebraucht. Dabei fallen sogleich [76]
Anomalien auf, wie die Dichteanomalie des Wassers,
quantenfeldtheoretische Anomalien, astronomische Winkel-Anomalien,
geowissenschaftliche Schwereanomalien, geologische Strukturanomalien
oder meteorologische Anomalien, die bereits theoretisch erklärt
sind. Die Wiki-Liste der ungelösten Probleme der Physik [77] enthält
immerhin ca. 80 Punkte, der Begriff Anomalie taucht dort aber nur 5
mal [78] auf, wobei es sich zum Teil auch schlicht um Messfehler
handelt (wie bei den vermeintlich überlichtschnellen Neutrinos). Es
gibt aber auch Forschungsprogramme, wie das Experiment “Large Hadron
Collider beauty” [79], in deren Rahmen aktiv nach Effekten gesucht
wird, die laut Standard-Modell der Physik nicht vorkommen dürften.

Anomalien im Sinne von “im Widerspruch zur Standard-Theorie stehend”
betreffen im Mainstream aktuell vor allem die mikrophysikalische und
die astronomische Ebene, d.h. die kleinsten und die größten
Dimensionen, während die Disziplin Anomalistik nach paranormalen
Ereignissen eher in der mittleren Dimension sucht. Die Forscher am
LHCb-Experiment verstehen sich allerdings nicht als Anomalistiker,
sondern als Physiker, obwohl sie durchaus nach anomalen
Zerfallsereignissen suchen. Das liegt am bereits bestehenden,
äußerst erfolgreichen Theoriegebäude der Physik. Im Gegensatz dazu
ist die Anomalistik durch das praktisch völlige Fehlen [80] einer
positiven Theorie gekennzeichnet, so dass nur die Suche nach dem
Paranormalen verbleibt.

Prüft man nun die Art der in der Anomalistik betrachteten Anomalien
[81], so fällt auf, dass es sich dabei offenbar primär um Berichte,
Effekte oder Objekte handelt, deren Faktizität regelmäßig ganz
erheblich in Frage [82] gestellt wird, wie Wünschelrutengehen,
Astrologie, Hellsehen, Psychokinese, Reinkarnation, Spuk usw.

Im Mainstream haben möglichst exakte apparategestütze Messungen
immer wieder einen theoretischen Wandel befördert, wobei ältere
Theorien oft noch als unter bestimmten Randbedingungen brauchbare
Näherungslösungen [83] erhalten bleiben. Die Anomalistik führt in
ihrem Namen zwar die Anomalie, die nach Thomas Kuhn einen schubweise
verlaufenden wissenschaftlichen Wandel im Mainstream auslöst. Trotz
intensiver Beschäftigung mit (behaupteten) anomalen Vorkommnissen
entstand innerhalb der Fachrichtung der Anomalistik bislang aber
noch überhaupt keine erfolgreiche Theorie, so dass die Anomalistik
praktisch keinen Einfluss auf die Theorieentwicklung genommen hat.

Bei genauem Hinsehen stellt sich die Anomalistik schlicht als neuere
Bezeichnung für Grenzwissenschaft [84] heraus, die von jeher
erheblich vom wissenschaftlichen Mainstream abweicht. Der
wissenschaftliche Wandel ereignete sich im Mainstream, die
Anomalistik tritt bisher auf der Stelle. [85]

- “Kein Ψ” als Standardhypothese der Mainstream-Wissenschaft
------------------------------------------------------------

Wenn “außergewöhnliche Ereignisse” sich nicht “gewöhnlich”, d.h.
mittels bewährter wissenschaftlicher Konzepte erklären ließen, sei
es - so Truzzi - wissenschaftlich angemessen auf “außergewöhnliche
Erklärungen” zurückzugreifen. Wenn etwa eine Versuchsperson
sensorisch unzugängliche Informationen replizierbar überzufällig
errate, sei ein paranormaler Psi-Prozess wie Telepathie durchaus als
adäquate Erklärung für diesen Effekt zu betrachten. [86] Für den
Begriff des Paranormalen, hier mit Ψ abgekürzt, gibt es aber
keinerlei positive Charakterisierung [87]. Ψ ist daher etwas, was zu
*irgendwelchen* naturgesetzinkompatiblen [88] (“außergewöhnlichen”)
Ereignissen führt.

Wir vergleichen nun zwei Grundannahmen:

- N sei die Hypothese *“es gibt nur naturgesetzförmige Ereignisse”*
und
- P sei die Hypothese *“es gibt Ψ”*.

Aus der Annahme P folgt ¬N, die Negation von N, also *“es gibt
**nicht** nur naturgesetzkonforme Ereignisse”*. Aus N folgt wiederum
¬P. Kurz: Es gilt P ⇒ ¬N sowie N ⇒ ¬P. Aus ¬N folgt aber nicht P,
denn es könnte auch andere (etwa supranatürliche Σ) Anlässe für
fehlende Naturgesetzlichkeit geben. N und P sind zu einander
*konträre*\ [89] Annahmen.

Die Hypothese P ist daher mit dem Ansatz der Mainstream-Wissenschaft
nicht verträglich, denn dort setzt man N voraus. Bei
naturwissenschaftlichen Experimenten nimmt man kaum an, dass jemand
per Psychokinese [90] eine Messwertanzeige verfälschen oder per
Präkognition die Verblindung [91] unterlaufen kann. Aus der
Voraussetzung der Naturgesetzlichkeit N und der Anwendbarkeit der
klassischen Logik, d.h. der Annahme, dass nicht sowohl eine Aussage
als auch ihre Negation adäquat sein können, entsteht nämlich
implizit ¬P als die Standard-Hypothese der Mainstream-Wissenschaft:
*“Es gibt kein Ψ.”*

Bei ¬P handelt es sich um eine negative Existenzaussage, welche nach
Truzzi bewiesen werden müsste, was aber nicht funktioniert, da sie
schon aus strukturellen Gründen nicht bewiesen, sondern nur
widerlegt werden kann. Der Versuch der Umkehrung der Beweislast
scheitert daher, es liegt an den Parapsychologen bzw. Anomalistikern
überzeugende Belege für Ψ beizubringen, was aber in den letzten 130
Jahren noch nicht gelang [92]. Solange Ψ nicht bewiesen sei, gesteht
auch Truzzi der Wissenschaft zu, dass sie *“just goes on using the
established theories of ‘conventional science’ as usual.”*\ [93]
Das impliziert aber die Hypothese N und damit indirekt ¬P.

Die Annahme N der Naturgesetzlichkeit und damit auch die
Wissenschaft könnte freilich empirisch scheitern. U.a. auch im
Rahmen technischer Anwendungen hat sich N aber immerhin
millionenfach empirisch bewährt und wird daher nicht nur aufgrund
apriorischer Lehnstuhlüberlegungen, sondern gerade wegen ihrer
Bewährung in der Erfahrung vorausgesetzt. So ist Truzzi durchaus
zuzustimmen, wenn er resümiert: *“Absolute truth […] is seldom
obtainable. We can only do our best to approximate them.”*\ [94]
Die bislang verfügbare Approximation besagt aber, dass die Hypothese
N der Naturgesetzlichkeit sich gut bewährt hat, während die dazu
konträre Annahme P des Paranormalen kaum belegt ist.

- Naturgesetzlichkeit für die Wissenschaft notwendig?
-----------------------------------------------------

Der “undogmatische” und “agnostische” Wissenschaftler sollte Ψ oder
Σ nicht ausschließen. Eine *streng skeptische Annahme A* lautete
daher: Ereignisse sind entweder naturgesetzkonform oder stehen
außerhalb jeder Naturgesetzlichkeit, d.h. können paranormal oder
supranatural sein. Taugt dies als wissenschaftliche
Naturgesetzlichkeit als metatheoretische Voraussetzung
======================================================

Die Naturgesetzlichkeit aller direkt erfahrbaren oder indirekt
erschließbaren nicht aber aller imaginierbaren Vorgänge in unserem
Universum stellt ein metatheoretisches Postulat dar, da es
*unabhängig von konkreten Naturgesetzen* formuliert ist. Bei der
Naturgesetzlichkeit handelt es sich daher um eine metaphysische
Voraussetzung. Manchmal wird versichert, dass Wissenschaft völlig
unabhängig von metaphysischen Voraussetzungen sei, denn Metaphysik
sei schließlich nicht empirisch prüfbar, wissenschaftliche Theorien
aber schon.

Bislang konnte jedoch noch nicht erläutert werden, wie denn
empirische Wissenschaft, die von der Welt handelt und die mehr sein
soll als bloße Nacherzählung subjektiver Erlebnisse oder praktische
Lebensbewältigung, ohne die Voraussetzung der Naturgesetzlichkeit
überhaupt möglich sein soll. Wenn nämlich erst einmal
naturgesetzinkompatible Effekte etabliert sind, so sind diese nicht
eindämmbar, wie wir im letzten Abschnitt gesehen haben, da es
schließlich keine positive Theorie über das nicht Naturgesetzliche
geben kann. In anderen Worten: Ohne Naturgesetzlichkeit lassen sich
Vorkommnisse weder ausschließen noch vorhersagen, d.h. alles ist
möglich.

Schließlich lässt sich die Naturgesetzlichkeit der Welt zwar *nicht
direkt prüfen*, sie steht aber *indirekt ständig auf dem Prüfstand.*
Wenn sich beispielsweise das Verhalten physischer Systeme auf
kapriziöse Weise plötzlich und *deutlich wahrnehmbar* so veränderte,
dass eine *erhebliche Abweichung* zu bislang ausgezeichnet bewährten
Naturgesetzaussagen entstünde, so erwiese sich das aktuelle
wissenschaftliche Weltmodell zumindest als *grob* unvollständig. Mit
dem Weltmodell wären dann auch seine logischen Voraussetzungen
äußerst fragwürdig geworden. Die (vorläufige) Annahme der
Naturgesetzlichkeit der Welt ist somit zwar nicht letztbegründet
oder direkt prüfbar aber wissenschaftlich notwendig und indirekt
kritisierbar.
Der Begriff *“Pseudoskepsis”* legt nahe, dass es eine generelle
Übereinkunft darüber gibt, was unter Skepsis zu verstehen ist und
was nicht. Diese Übereinkunft existiert aber nicht. Wenn nun der
Begriff Pseudoskepsis ohne nähere Erläuterung verwendet wird, lässt
sich daraus lediglich ableiten, dass damit alles außer der stärksten
Form der Skepsis, d.h. der pyrrhonischen, gemeint sein kann.

In der Praxis wird der Begriff Pseudoskepsis unterschiedlich
gebraucht. Zum einen handelt es sich um eine Bezeichnung für die
schlichte Leugnung gut belegter Fakten, wie AIDS, Klimawandel etc.
Davon zu unterscheiden ist die Kritik an der Skeptikerbewegung, bei
der es vor allem um negative Aussagen über unbelegte paranormale
Effekte geht:

- So wird etwa bemängelt, dass paranormale Ereignisse wegen der
immer noch fehlenden Existenzbelege sowie ihrer Unverträglichkeit
mit den Naturgesetzen hypothetisch (und nicht etwa apodiktisch)
ausgeschlossen würden. Diese Kritik vernachlässigt die lange
ergebnislose experimentelle Suche nach derartigen Effekten. Auch
Preisgelder in beträchtlicher Höhe für eine praktische Demonstration
paranormaler Fähigkeiten führten nicht zum Erfolg. [95] Alle
Probanden scheiterten bislang. Die Praxis der Überprüfungen wird
fortgesetzt. [96]
- Des weiteren wird gelegentlich gefordert, dass die Unmöglichkeit
paranormaler Vorkommnisse bewiesen werden müsse. So lange dies nicht
geschehen sei, gälten diese weiter als möglich. Die Nichtexistenz
nicht näher qualifizierter Effekte lässt sich aber schon aus
prinzipiellen Gründen nicht belegen, geschweige denn beweisen. Die
propagierte Beweislastumkehr ist daher unangemessen.

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob als
*metatheoretische wissenschaftliche Arbeitshypothese* die *strenge
Naturgesetzlichkeit der Welt* unterstellt werden muss oder ob auch
die Möglichkeit beliebiger naturgesetzinkompatibler Effekte
zugelassen werden kann. Die zweite Annahme erweist sich jedoch als
völlig kritikimmun, da sie mit beliebigen Ereignissen vereinbar ist.
Die erste Annahme ist hingegen kritisierbar, denn sie kann
prinzipiell scheitern, wenn starke Phänomene auftauchen, die sich
naturgesetzlich nicht fassen lassen.

Der kritische Rationalismus bevorzugt starke Thesen, die möglichst
viel vorhersagen und ausschließen. Nur so lassen sich Irrtümer in
den Thesen auffinden und korrigieren. Thesen, die mit Beliebigem
vereinbar sind, können prinzipiell nicht scheitern. Sie sind leer
und deswegen untauglich.

.. [1]
Zweite Version, die gegenüber der ersten Version nur leicht
erweitert ist.

.. [2]
Armando Cíntora: “Miller’s Defence of Bartley’s Pancritical
Rationalism”, SORITES 15, 2004, S.50-55, `html
<http://www.sorites.org/Issue_15/cintora.htm>`, `pdf
<http://www.sorites.org/Issue_15/sorites15.pdf>`.

.. [3]
“Münchhausen-Trilemma”, `de.wikipedia.org
<https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnchhausen-Trilemma>`. Enthält
drei der “fünf Tropen des Agrippa”, `en.wikipedia.org
<https://en.wikipedia.org/wiki/Pyrrhonism#The_five_modes_of_Agrippa>`.

.. [4]
Apel und Hösle behaupten die Widersprüchlichheit des
Münchhausen-Trilemmas, welches aussagt, dass Begründungsverfahren im
Dogmatismus, im unendlichen Regress oder im logischen Zirkel enden
müssten. Siehe dazu Karl-Otto Apel: “Auseinandersetzungen in
Erprobung des transzendentalpragmatischen Ansatzes”, Suhrkamp 1998,
S.166-179 sowie Vittorio Hösle: “Die Krise der Gegenwart und die
Verantwortung der Philosophie” Beck, 1997, S.153-155.

.. [5]
Letztbegründung, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Letztbegr%C3%BCndung>`.

.. [6]
“Skeptizismus”, Wikipedia, `deutsch
<https://de.wikipedia.org/wiki/Skeptizismus>`, `englisch
<https://en.wikipedia.org/wiki/Skepticism>`.

.. [7]
“Zetetik”, Wikipedia, `deutsch
<https://de.wikipedia.org/wiki/Zetetik>`, `englisch
<https://en.wikipedia.org/wiki/Z%C3%A9t%C3%A9tique>`.

.. [8]
“Skepsis”, `duden.de
<https://www.duden.de/rechtschreibung/Skepsis>`.

.. [9]
“Agnostizismus”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Agnostizismus>`.

.. [10]
“Epoché”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Epoche_(Philosophie)>`.

.. [11]
In den folgenden Videos wird eine radikal skeptische Haltung
demonstriert: *“Doubting ‘I Think Therefore I Am’ (The Cogito)”*,
`youtu.be
<https://youtu.be/6ORH1dXLUx0?list=PLz0n_SjOttTdlkvD7wDXbK1XjUdXh9dut>`,
*“How to Doubt Absolutely Everything (Complete Skepticism)”*,
`youtu.be
<https://youtu.be/Xn0Ns_8DXAg?list=PLz0n_SjOttTcyjg1s7mrBZSW-QKTSVLrB>`.
Auf Facebook existiert eine Gruppe `“Pyrrhonism”
<https://www.facebook.com/groups/Pyrrhonism/about/>`, die im Juni
2018 über 1000 Mitglieder hatte. Facebook-Gruppen sind leider ohne
Registrierung nicht sichtbar.

.. [12]
“Solipsismus”, Wikipedia, `deutsch
<https://de.wikipedia.org/wiki/Solipsismus>`, `englisch
<https://en.wikipedia.org/wiki/Solipsism>`.

.. [13]
Wenn `Kohärenz
<https://de.wikipedia.org/wiki/Koh%C3%A4renztheorie>` nicht
notwendig ist, so hat es auch weiter keine Relevanz, wenn etwa, wie
bei Stephen Thornton in `“Solipsism and the Problem of Other Minds”
<http://www.iep.utm.edu/solipsis/#H7>`, feststellt wird, dass der
Solipsismus inkohärent sei. Abgesehen davon, beruht auch der Schluss
auf Inkohärenz wiederum auf Prämissen, die einfach abgelehnt werden
können.

.. [14]
“Diogenes Laertios”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Diogenes_Laertios>`.

.. [15]
Siehe “Pyrrhon von Elis - Leben”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Pyrrhon_von_Elis#Leben>` und Richard
Bett: “Reports on Pyrrho’s Demeanor and Lifestyle”, `Stanford
Encyclopedia of Philosophy
<https://plato.stanford.edu/archives/win2014/entries/pyrrho/#RepPyrDemLif>`,
2014.

.. [16]
“Pyrrhonische Skepsis”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Pyrrhon_von_Elis#Pyrrhonische_Skepsis>`.

.. [17]
Deutsche Übersetzung nach Rosario La Sala: “Des Skeptikers
Klugheit”, in Gerhard Ernst (Hrsg.): “Philosophie als Lebenskunst -
Antike Vorbilder, moderne Perspektiven”, Suhrkamp, 2016, S.209.
Englische Übersetzung von Richard Bett in “Ancient Skepticism” von
Katja Vogt, `Stanford Encyclopedia of Philosophy
<https://plato.stanford.edu/archives/win2016/entries/skepticism-ancient/#EarFigPyrTim>`,
2016.

.. [18]
“Ataraxie in der pyrrhonischen Skepsis”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Ataraxie#Die_Ataraxie_in_der_pyrrhonischen_Skepsis>`.

.. [19]
*“Even though he discussed tranquility and adherence to
appearances, Pyrrho was arguably no Pyrrhonian skeptic (Richard
Bett:”Pyrrho, his Antecedents, and his Legacy“, Oxford University
Press, 2000, 14-62). That is, it is likely that he put forward a
dogmatic position, in the sense that he had positive philosophical
views about the character of reality.”*, in Katja Vogt: “Ancient
Skepticism”, `Stanford Encyclopedia of Philosophy
<https://plato.stanford.edu/archives/win2016/entries/skepticism-ancient/#EarFigPyrTim>`,
2016).

.. [20]
“Arkesilaos”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Arkesilaos>`.

.. [21]
“Arcesilaus” in Katja Vogt: “Ancient Skepticism”, `Stanford
Encyclopedia of Philosophy
<https://plato.stanford.edu/archives/win2016/entries/skepticism-ancient/#Arc>`,
2016.

.. [22]
Sextus Empiricus: *“The Skeptic simply goes along with the
appearance just as ‘a child is persuaded by […] his teacher.’”*,
`Wikipedia <https://en.wikipedia.org/wiki/Sextus_Empiricus>`, aus
Sextus Empiricus: “Pyrrhoniae Hypotyposes 1” (Grundriss der
pyrrhonischen Skepsis Buch 1).

.. [23]
“Skeptikerbewegung”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Skeptikerbewegung>`, “Skeptical
movement”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Skeptical_movement>`.

.. [24]
“Scientific skepticism”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Skeptical_movement#Scientific_skepticism>`.

.. [25]
Carl Sagan: “Wonder and Skepticism”, Skeptical Inquirer Volume
19.1, 1995 `csicop.org
<https://www.csicop.org/si/show/wonder_and_skepticism>` und “The
Skepticism of Carl Sagan”, `centerforinquiry.net
<http://www.centerforinquiry.net/blogs/entry/the_skepticism_of_carl_sagan/>`.

.. [26]
“Kein wahrer Schotte”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Kein_wahrer_Schotte>`.

.. [27]
“Semantic change”, `en.wikipedia.org
<https://en.wikipedia.org/wiki/Semantic_change>`,
“Bedeutungswandel”, `de.wikipedia.org
<https://de.wikipedia.org/wiki/Bedeutungswandel>`.

.. [28]
“Sprachnörgler”, `scilogs.spektrum.de
<https://scilogs.spektrum.de/sprachlog/die-unverbesserliche-seichtigkeit-der-sprachn-rgler-teil-1/>`.

.. [29]
“Conventions of language”, in Michael Rescorla: “Convention”,
`Stanford Encyclopedia of Philosophy
<https://plato.stanford.edu/archives/sum2017/entries/convention/#ConLan>`,
2017.

.. [30]
“Pseudo-”, `duden.de
<https://www.duden.de/rechtschreibung/pseudo_>`.

.. [31]
“Etymological fallacy”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Etymological_fallacy>`.

.. [32]
Sprich pyʀɔn̩eːɐ (püronnee-er). Auch Pyrrhöner, Pyrrhönier oder
Pyrrhoniker.

.. [33]
“Aenesidemus - Pyrrhoneia”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Aenesidemus#Pyrrhoneia>`, “Pyrrhon
von Elis - Abgrenzung zur Akademischen Skepsis”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Pyrrhon_von_Elis#Abgrenzung_zur_Akademischen_Skepsis>`,
Peter Klein: “Two Basic Forms of Philosophical Skepticism”,
`Stanford Encyclopedia of Philosophy
<https://plato.stanford.edu/archives/sum2015/entries/skepticism/#TwoBasForPhiSke>`,
2015.

.. [34]
“Fallibilismus”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Fallibilismus>`. *“We are all
fallibilists now, but we are not all skeptics, or antirealists or
nihilists. Most of us think inquiries can and do progress even when
they fall short of their goal of locating the truth of the matter.
We think that an inquiry can progress by moving from one falsehood
to another falsehood, or from one imperfect credal state to
another.”*, aus Graham Oddie: “Truthlikeness”, `Stanford
Encyclopedia of Philosophy
<https://plato.stanford.edu/archives/win2016/entries/truthlikeness/#Conclusion>`,
2016.

.. [35]
Diese Kritik am radikalen Skeptizismus ist bereits aus der Antike
bekannt. Siehe “Karneades von Kyrene”, “Plausibilität und
Handlungsmodell”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Karneades_von_Kyrene#Plausibilit%C3%A4t_und_Handlungsmodell>`.

.. [36]
Mario Bunge: “Skeptisches zum Skeptizismus”, Skeptiker 1, 2000,
`gwup.org
<https://www.gwup.org/infos/themen/113-skeptikerorganisationen/1371-skeptisches-zum-skeptizismus>`.

.. [37]
Hierbei wird die klassische Logik unterstellt, die
widersprüchliche Aussagen nicht zulässt.

.. [38]
Karl Popper hat in “Logik der Forschung”, 10. Auflage, 1994,
Mohr, S.378 darauf hingewiesen, dass sich auch Aussagen über
Einzelgegenstände nicht verifizieren lassen, denn *“selbst
gewöhnliche singuläre Sätze sind stets **Interpretationen der
‘Tatsachen’ im Lichte von Theorien**. (Und das gilt sogar für die
jeweiligen ‘Tatsachen’. Sie enthalten **Universalien**, und wo
Universalien gelten, liegt immer **gesetzmäßiges** Verhalten vor.)”*
Das berührt jedoch nicht die hier betrachtete *logische Struktur*
der Aussagen.

.. [39]
“Kritischer Rationalismus”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Kritischer_Rationalismus>`.

.. [40]
Wissenschaftliche Rückschläge sind etwa durch den Einfluss
religiöser oder politischer Gruppen möglich. So wurde 2017
beispielsweise die Evolutionstheorie aus den Lehrplänen in der
Türkei gestrichen. Siehe:
“Aufschrei über Streichung von Evolutionstheorie”, 11.07.2017,
`faz.net
<http://www.faz.net/aktuell/wissen/tuerkei-aufschrei-ueber-streichung-von-evolutionstheorie-15101602.html>`,
“Türkei streicht die Evolution aus dem Lehrplan”, 23. Juni 2017,
`zeit.de
<https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2017-06/evolutionstheorie-tuerkei-schulen-gestrichen-lehrplaene>`,
“Darwin verschwindet aus türkischen Schulbüchern”, 23.06.2017,
`welt.de
<https://www.welt.de/politik/ausland/article165878515/Darwin-verschwindet-aus-tuerkischen-Schulbuechern.html>`,
“Erdogan streicht Evolutionslehre aus türkischen Lehrplänen”, 23.
Juni 2017, `sueddeutsche.de
<http://www.sueddeutsche.de/politik/tuerkei-erdoanstreicht-evolutionslehre-aus-tuerkischen-lehrplaenen-1.3558899>`,
“Re-Islamisierung in der Türkei”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkei#Re-Islamisierung>`.

.. [41]
Thomas S. Kuhn (1969) führte die Begriffe “normale” und
“außerordentliche” Wissenschaft ein. Bei der 1. Variante geht es
nach Kuhn nicht um theoretische Neuerungen, sondern nur um die
Feststellung von Tatsachen, die genauere Erfassung spezieller
experimenteller Nebenbedingungen oder die bessere Darstellung von
Theorien. Nur in einer Phase der “außerordentlichen” bzw.
“revolutionären” Wissenschaft kommt es gemäß Kuhn zur Entwicklung
modifizierter oder neuer Theorien.

Im Rahmen dieses Beitrags spielt es keine Rolle, ob die Dynamik
des Wissenschaftsprozesses homogen, diskontinuierlich oder als
komplexe Mischform verläuft. Wesentlich ist hier nur, ob eine
Korrektur theoretischer Irrtümer historisch stattfand und auch
zukünftig möglich erscheint.

In diesem Zusammenhang ist die These Kuhns relevant, dass
konkurrierende Theorien angeblich inkommensurabel, d.h.
unvergleichbar seien. Die Inkommensurabilitätshypothese wurde
praktisch nicht akzeptiert und wird bis heute stark kritisiert.
Einige Verwirrung hat Kuhn gestiftet, als er nicht zwischen Welt und
Weltsicht (siehe Kuhn, 1969, S.161 sowie Hoyningen-Huene, 1990)
unterschied. Kuhn schwächte sein Inkommensurabilitätspostulat später
ab, sprach nur noch von “lokaler” Inkommensurabilität und gab zu,
dass letztere einen Leistungsvergleich konkurrierender Theorien
nicht prinzipiell verhindere.

- Thomas S. Kuhn bei `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_S._Kuhn>`.
- Thomas S. Kuhn, “Die Struktur wissenschaftlicher
Revolutionen”, Suhrkamp, 2. revidierte Auflage, 1969.
- Paul Hoyningen-Huene: “Inkommensurabilität bei Kuhn und
Theorienvergleich”, in E. Agazzi (Hrsg.): “Die Vergleichbarkeit
wissenschaftlicher Theorien”, Universitätsverlag, Freiburg 1990,
S.97-108.

.. [42]
Mit “Faktenleugnung” soll der englische Begriff “denialism”
übersetzt werden. Im Deutschen wird auch der Anglizismus
“Denialismus” verwendet.

.. [43]
<https://rationalwiki.org/wiki/Denialism>`.

.. [44]
“AIDS denial”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/AIDS_denial>`.

.. [45]
“Holocaust denial”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Holocaust_denial>`.

.. [46]
“Climate change denial”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Climate_change_denial>`.

.. [47]
Flat earth: “Is this site a joke?”, in den FAQ von tfes.org vom
24.7.2018, `archive.org
<https://web.archive.org/web/20180724001212/https://wiki.tfes.org/Frequently_Asked_Questions#Is_this_site_a_joke.3F>`.
In späteren Versionen der FAQ fehlt diese Frage.

.. [48]
Zetetizismus bei der Flat Earth Society, `tfes.org
<https://wiki.tfes.org/Zeteticism>`.

.. [49]
.. [50]
Pascal Diethelm und Martin McKee: “Denialism: what is it and how
should scientists respond?”, European Journal of Public Health
19(1), 2009, S.2-4, `academic.oup.com
<https://academic.oup.com/eurpub/article/19/1/2/463780>`.

.. [51]
Marcello Truzzi and Pseudoskepticism, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Pseudoskepticism#Truzzi>`.

.. [52]
Marcello Truzzi: “Editorial - On Pseudo-Skepticism”, Zetetic
`HTML <http://www.anomalist.com/commentaries/pseudo.html>`.

.. [53]
Marcello Truzzi, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Marcello_Truzzi>`.

.. [54]
Marcello Truzzi: “Zeteticism” as an alternative to “skepticism”,
`Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Marcello_Truzzi#Biography>`, Truzzis
Zeitschrift “Zetetic Scholar”, `tricksterbook.com
<http://tricksterbook.com/truzzi/ZeteticScholars.html>`.

.. [55]
Der `Duden <https://www.duden.de/rechtschreibung/paranormal>`
definiert “paranormal” als “nicht auf natürliche Weise erklärbar”.
Jedoch ist hier “übernatürlich” als Synonym angegeben. Truzzi
unterscheidet jedoch ausdrücklich “paranormal” von “übernatürlich”
(supranatural). Siehe auch `Wikipedia “paranormal”
<https://de.wikipedia.org/wiki/Paranormal>` und `Wikipedia
“Category:Paranormal”
<https://en.wikipedia.org/wiki/Category:Paranormal>`.

.. [56]
Der Buchstabe Ψ wird im Folgenden als bequeme Abkürzung für alle
paranormalen Effekte gebraucht. Es sind hierbei nicht nur (wie
traditionell üblich) hypothetische psychische Fähigkeiten gemeint,
sondern alle behaupteten paranormalen Effekte, die im Widerspruch zu
bewährten wissenschaftlichen Theorien stehen. Nach dieser Definition
sind auch in der Astrologie und Homöopathie paranormale Effekte
präsent.

.. [57]
*“I find its practical function in avoiding dogmatism is most
valuable. […] But perhaps most important of all, I find this form of
skepticism congruent with the fallabilism of modern philosophies”*
auf S.8 in Marcello Truzzi: “Zetetic ruminations on skepticism and
anomalies in science”, Zetetic Scholar 12&13, 1987, S.7-20, `PDF
<http://tricksterbook.com/truzzi/ZS-Issues-PDFs/ZeteticScholarNos12-13.pdf>`.

.. [58]
Robert Todd Carroll, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Todd_Carroll>`.

.. [59]
Robert T. Carroll über Truzzi: “Typical of Marcello’s approach to
paranormal subjects is the conclusion he and co-author Arthur Lyons
drew in The Blue Sense: Psychic Detectives and Crime (New York: The
Mysterious Press, 1991). After hundreds of pages of evidence of
deception and self-deception by so-called psychic detectives, they
concluded that there still might be some psychic somewhere who has
genuine paranormal abilities. True. And the sun might rise in the
west tomorrow, but what are the odds?”, `skepdic.com
<http://www.skepdic.com/refuge/memoriam.html>`.

.. [60]
Dana Richards (Hrsg.): “Dear Martin / Dear Marcello: Gardner And
Truzzi On Skepticism”, World Scientific Publishing Company, 2017,
492 Seiten.

.. [61]
Martin Gardner on Pseudoscience and skepticism, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Martin_Gardner#Pseudoscience_and_skepticism>`.

.. [62]
Ray Ward: “The Martin Gardner Correspondence with Marcello
Truzzi”, Sceptical Inquirer, Vol. 41.6, Nov/Dec 2017, S.57-59.

.. [63]
Susan Blackmore, Wikipedia, `deutsch
<https://de.wikipedia.org/wiki/Susan_Blackmore>`, `englisch
<https://en.wikipedia.org/wiki/Susan_Blackmore>`.

.. [64]
“Pseudoskepticism” in “Skeptical movement”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Skeptical_movement#Pseudoskepticism>`.

.. [65]
*“There are some members of the skeptics’ groups who clearly
believe they know the right answer prior to inquiry. They appear not
to be interested in weighing alternatives, investigating strange
claims, or trying out psychic experiences or altered states for
themselves (heaven forbid!), but only in promoting their own
particular belief structure and cohesion … I have to say it - most
of these people are men. Indeed, I have not met a single woman of
this type.”* Aus Susan Blackmore: “Women skeptics”, in L. Coly & R.
White (Hrsg.): “Women and parapsychology”\*, S.234-236, New York,
Parapsychology Foundation, S.235.

.. [66]
Ray Hyman: “Proper criticism”, `csicop.org
<https://www.csicop.org/si/show/proper_criticism>`.

.. [67]
Carl Sagan über Kritik an CSI, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Committee_for_Skeptical_Inquiry#General_criticism_and_reply>`.

.. [68]
Susan Blackmore und der CSICOP Distinguished Skeptic Award,
`Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/Committee_for_Skeptical_Inquiry#Distinguished_Skeptic_Award>`,
`skepticalinvestigations.org
<https://web.archive.org/web/20080417064537/http://www.skepticalinvestigations.org/whoswho/index.htm>`.

.. [69]
“Why I have given up”, `susanblackmore.co.uk
<https://www.susanblackmore.co.uk/chapters/why-i-have-given-up/>`.

.. [70]
Marcello Truzzi: “Was ist Anomalistik?”, `anomalistik.de
<https://www.anomalistik.de/ueber-gfa/was-ist-anomalistik>`,
`archive.org
<https://web.archive.org/web/20180613123941/https://www.anomalistik.de/ueber-gfa/was-ist-anomalistik>`
ursprünglich veröffentlicht in W.F. Williams (Hrsg.): “Encyclopedia
of Pseudoscience”, Facts on File, 2000. Eine Rezension dieser
`Enzyklopädie
<https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Encyclopedia_of_Pseudoscience&oldid=854448957>`
siehe David Bloomberg: “Encylopedia of Pseudoscience a Terrible
Reference”, 10 Juli 2002, `archive.org
<https://web.archive.org/web/20030126002449/http://www.nonfictionreviews.com:80/cgi-bin/ae.pl?mode=4&article=article1210.art&page=1>`.

.. [71]
Marcello Truzzi: “Zetetic ruminations on skepticism and anomalies
in science”, Zetetic Scholar 12&13, 1987, S.7-20, `PDF
<http://tricksterbook.com/truzzi/ZS-Issues-PDFs/ZeteticScholarNos12-13.pdf>`

.. [72]
Truzzi: “Zetetic ruminations”, S.13.

.. [73]
Marcello Truzzi: “Editorial - A Word on Terminology”, Zetetic
Scholar 1, No. 2, 1978, S.64-65, `PDF
<http://tricksterbook.com/truzzi/ZS-Issues-PDFs/ZeteticScholarNo2.pdf>`.

.. [74]
Die dort auch genannten außernatürlichen (“preternatural”)
Ereignisse spielen hier praktisch keine Rolle.

.. [75]
“Anomalie (allgemein)”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Anomalie_(allgemein)>`.

.. [76]
“Anomalie (Begriffsklärung)”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anomalie&oldid=177849459>`.

.. [77]
“List of unsolved problems in physics”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_unsolved_problems_in_physics>`.

.. [78]
“Anomales magnetisches Dipol-Moment”
<https://en.wikipedia.org/wiki/Anomalous_magnetic_dipole_moment>`,
“Flyby-Anomalie” <https://en.wikipedia.org/wiki/Flyby_anomaly>`,
“Überlichtschnelle Neutrinos”
<https://en.wikipedia.org/wiki/Faster-than-light_neutrino_anomaly>`,
“Pleyaden-Distanz-Anomalie”
<https://en.wikipedia.org/wiki/Hipparcos#The_Pleiades_distance_controversy>`,
“Pioneer-Anomalie”
<https://en.wikipedia.org/wiki/Pioneer_anomaly>`.

.. [79]
Guy Wilkinson: “Standardmodell - Schöne neue Teilchenwelt”,
Spektrum der Wissenschaft 2.18, 2018, S.12-19. “Experiment Large
Hadron Collider beauty”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/LHCb>`.

.. [80]
Das von Lucadou entwickelte “Modell der pragmatischen
Information” ist eher ein Instrument zur Kritikimmunisierung als
eine positive Theorie. Siehe “Walter von Lucadou”, `psiram.com
<https://www.psiram.com/de/index.php/Walter_von_Lucadou>`.

.. [81]
In Truzzis Lexikonartikel “Was ist Anomalistik?” `findet man
<https://web.archive.org/web/20180613123941/https://www.anomalistik.de/ueber-gfa/was-ist-anomalistik>`
Parapsychologie, Kryptozoologie, Ufologie, Telepathie,
Alternativmedizin und Hellsehen. Dort wird die “Society for
Scientific Exploration” hervorgehoben, die sich u.a. um
Wünschelruten, Neo-Astrologie, außersinnlicher Wahrnehmung und
Kräften, Psychokinese, UFOs, Parapsychologie `kümmert.
<https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Society_for_Scientific_Exploration&oldid=863338488#Criticism>`
Als innerhalb der Anomalistik besonders fortgeschritten nennt Truzzi
die `Parapsychologie
<https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Parapsychology&oldid=864624589#Scope>`,
die u.a. Präkognition, Hellsehen, Psychokinese, Telepathie,
Nahtodeserfahrungen, Reinkarnation, Geister-Erscheinungen als
Unterthemen hat. An anderer Stelle nennt Truzzi als Beispiele für
Anomalien kleine grüne Männer, fliegende Untertassen, Astrologie
(“astrobiological correlation”), außersinnliche Wahrnehmung,
Telepathie, Psychokinese, Dämonenbesessenheit, Schneemenschen,
Vampire, Prophezeiungen, Loch-Ness-Monster, Einhörner und Bigfoot.
Siehe Marcello Truzzi: “On the extraordinary: an attempt at
clarification”, Zetetic Scholar 1, No. 1, 1978, S.11-19, `PDF
<http://tricksterbook.com/truzzi/ZS-Issues-PDFs/ZeteticScholarNo1.pdf>`.

.. [82]
“List of topics characterized as pseudoscience”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_topics_characterized_as_pseudoscience>`.

.. [83]
“Korrespondenzprinzip”, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Korrespondenzprinzip>`.

.. [84]
*“Der Begriff wird praktisch als Alternativbegriff zu Para- und
Kryptowissenschaften verwendet. Hier handelt es sich um Ideen, die
eine wissenschaftliche Basis haben, bei denen ein allgemein
akzeptierter Forschungserfolg aber noch ausständig ist.”* Aus
“Grenzwissenschaft” von `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Grenzwissenschaft&oldid=176435161#Grenzwissenschaft_als_Alternativbegriff_f%C3%BCr_Para-_und_Kryptowissenschaften>`.
*“Fringe science is an inquiry in an established field of study
which departs significantly from mainstream theories in that field
and is considered to be questionable by the mainstream.”* Aus
“Fringe science” von `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Fringe_science&oldid=863126421>`.

.. [85]
Dass sich die Anomalistik mit “außergewöhnlichen” Ereignissen
beschäftigt, scheint eine gewisse Verwandtschaft zu Kuhns
“außerordentlicher”, d.h. zu theoretischem Wandel führender
Wissenschaft nahe zu legen. Es gibt jedoch gravierende Unterschiede:
Ob es die “außergewöhnlichen” Ereignisse, mit denen sich die
Anomalistik beschäftigt, tatsächlich gibt, ist nämlich
außerordentlich umstritten, was bedeutet, dass die Existenz der
Untersuchungsgegenstände der Anomalistik abseits von Erzählungen
massiv in Frage gestellt wird, während die intersubjektive Präsenz
der Untersuchungsgegenstände im Mainstream kaum umstritten ist. In
der Physik ist es z.B. nicht umstritten, dass es überzeugende Belege
für Wechselwirkungen zwischen subatomaren Quanten gibt, während etwa
das Vorhandensein parapsychologischer Effekte auch mehr als 130
Jahre nach Gründung der `Society for Psychical Research
<https://de.wikipedia.org/wiki/Society_for_Psychical_Research>`
immer noch höchst zweifelhaft erscheint.

.. [86]
*“The orientation represented by Cell D [extraordinary event
claim with extraordinary explanation] may commonly be viewed as the
most ‘far out,’ but it is actually quite scientifically proper if
all ordinary explanations for an established extraordinary event
have been found inadequate. Thus, if a truly replicable psi
experiment were produced that would convince any reasonable person
that significant non-chance guessing scores took place, and if such
any reasonable person could be convinced that all ordinary
explanations are inadequate, an extraordinary explanation (such as
that a psi process like telepathy was at work) could be invoked and
considered to explain the extraordinary guessing scores.”* Siehe
S.13 in Marcello Truzzi: “On the extraordinary: an attempt at
clarification”, Zetetic Scholar 1, No. 1, 1978, S.11-19, `PDF
<http://tricksterbook.com/truzzi/ZS-Issues-PDFs/ZeteticScholarNo1.pdf>`.

.. [87]
James E. Alcock: “Give the null hypothesis a chance: reasons to
remain doubtful about the existence of psi”, in J.E. Alcock, J.E.
Burns & A. Freeman (Hrsg.): “Psi wars: Getting to grips with the
paranormal”, Imprint Academic, Charlottesville, 2003, S.29-50.

.. [88]
Zwischen Naturgesetzen und Naturgesetzaussagen ist zu
unterscheiden. Naturgesetzaussagen beziehen sich approximativ auf
Naturgesetze, die auf irgendeine Weise unabhängig von den Aussagen
bestehen müssen. Wären Naturgesetze und Naturgesetzaussagen nämlich
identisch, so könnten die Aussagen schließlich gar nicht empirisch
scheitern. Unter den Naturgesetzen kann man z.B. die regelhaften
Muster im Verhalten der Dinge verstehen. Das berührt das Problem des
Realismus; dieser Aspekt wird aber erst in einem weiteren Artikel
behandelt.

.. [89]
Konträr sind zwei Aussagen genau dann, wenn beide zwar nicht
zugleich wahr, jedoch zugleich falsch sein können. Es gilt (P ⇒ ¬N)
= (¬P ∨ ¬N) = ¬(P∧N) sowie (N ⇒ ¬P) = (¬N ∨ ¬P) = ¬(P∧N). Siehe
`“Square of opposition”
<https://en.wikipedia.org/wiki/Square_of_opposition>` und
`“Kategorisches Urteil”
<https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kategorisches_Urteil&oldid=160811227#Kontradiktorische,_kontr%C3%A4re_und_subkontr%C3%A4re_Gegens%C3%A4tze,_Sub-_und_Superalternation>`
auf Wikipedia.

.. [90]
Telekinese, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Telekinese>`.

.. [91]
Blindstudie, `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Blindstudie>`.

.. [92]
Inge Hüsgen und Wolfgang Hell: “Parapsychologie” auf `gwup.org
<https://www.gwup.org/infos/themen/334-parapsychologie>` und Martin
Mahner: “Der Tod der Parapsychologie”, Skeptiker 2, 2010, `gwup.org
<https://www.gwup.org/component/content/article/63/998-der-tod-der-parapsychologie>`.
Siehe auch `Psiram
<https://www.psiram.com/de/index.php/Parapsychologie#Experimente>`
und `Wikipedia
<https://de.wikipedia.org/wiki/Parapsychologie#Kritik>`.

.. [93]
M. Truzzi: “On Pseudo-Skepticism”, Zetetic Scholar 12&13, 1987,
`HTML <http://www.anomalist.com/commentaries/pseudo.html>`.

.. [94]
M. Truzzi: “On Pseudo-Skepticism”, Zetetic Scholar 12&13, 1987,
S.3.

.. [95]
“One Million Dollar Paranormal Challenge”, `Wikipedia
<https://en.wikipedia.org/wiki/One_Million_Dollar_Paranormal_Challenge>`.

.. [96]
"Man kann Menschen nicht ändern, aber man kann sie behelligen."
Dieter Hildebrandt
http://feodor.de
http://grausig.info

Rudolf Sponsel

unread,
Jan 17, 2019, 5:35:53 AM1/17/19
to
Man kann nichts klären, wenn man im Abstrakten und Allgemeinen verharrt.


Am 19.05.2018 um 18:13 schrieb Manfred Feodor Koerkel:
>
> ================================================================
> Skepsis, Wissenschaft und Skeptikerbewegung
> ================================================================
> Die Online-Version mit Verlinkung der Fußnoten befindet sich auf
> http://feodor.de/node/25
>
> Pankritizismus selbstwidersprüchlich?
> =====================================
...

Manfred Feodor Koerkel

unread,
Feb 27, 2019, 4:09:37 PM2/27/19
to
Rudolf Sponsel expressed:

> Man kann nichts klären, wenn man im Abstrakten und Allgemeinen
> verharrt.

Zum einen habe ich diese Bemerkung leider übersehen und zum anderen
ist der Kommentar so allgemein, dass ich nicht recht weiß, was ich
damit anfangen soll. :-)

> Am 19.05.2018 um 18:13 schrieb Manfred Feodor Koerkel:
>>
>> ================================================================
>> Skepsis, Wissenschaft und Skeptikerbewegung
>> ================================================================
>> Die Online-Version mit Verlinkung der Fußnoten befindet sich auf
>> http://feodor.de/node/25
>>
>> Pankritizismus selbstwidersprüchlich?
>> =====================================

--
"Ich spreche nur zwei Sprachen: Englisch und schlechtes Englisch und
mit denen habe ich schon Probleme."
http://feodor.de
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Rudolf Sponsel

unread,
Mar 5, 2019, 7:39:22 PM3/5/19
to
Am 27.02.2019 um 22:09 schrieb Manfred Feodor Koerkel:
> Rudolf Sponsel expressed:
>
>> Man kann nichts klären, wenn man im Abstrakten und Allgemeinen
>> verharrt.
>
> Zum einen habe ich diese Bemerkung leider übersehen und zum anderen
> ist der Kommentar so allgemein, dass ich nicht recht weiß, was ich
> damit anfangen soll. :-)
>
Dann wird es wohl nichts werden.
rs

Manfred Feodor Koerkel

unread,
Mar 6, 2019, 3:59:38 PM3/6/19
to
Am 06.03.2019 um 01:39 schrieb Rudolf Sponsel:
> Am 27.02.2019 um 22:09 schrieb Manfred Feodor Koerkel:
>> Rudolf Sponsel expressed:
>>
>>> Man kann nichts klären, wenn man im Abstrakten und Allgemeinen
>>> verharrt.
>>
>> Zum einen habe ich diese Bemerkung leider übersehen und zum anderen
>> ist der Kommentar so allgemein, dass ich nicht recht weiß, was ich
>> damit anfangen soll. :-)
>>
> Dann wird es wohl nichts werden.

Mit was?

--
Auf dieser Welt gibt es zwei Kategorien von Menschen: Die einen haben
einen geladenen Revolver und die anderen buddeln...
http://feodor.de http://grausig.info

Rudolf Sponsel

unread,
Mar 7, 2019, 1:17:46 PM3/7/19
to
Am 06.03.2019 um 21:59 schrieb Manfred Feodor Koerkel:
> Am 06.03.2019 um 01:39 schrieb Rudolf Sponsel:
>> Am 27.02.2019 um 22:09 schrieb Manfred Feodor Koerkel:
>>> Rudolf Sponsel expressed:
>>>
>>>> Man kann nichts klären, wenn man im Abstrakten und Allgemeinen
>>>> verharrt.
>>>
>>> Zum einen habe ich diese Bemerkung leider übersehen und zum anderen
>>> ist der Kommentar so allgemein, dass ich nicht recht weiß, was ich
>>> damit anfangen soll. :-)
>>>
>> Dann wird es wohl nichts werden.
>
> Mit was?
>
Mit Klären.

Manfred Feodor Koerkel

unread,
Mar 14, 2019, 11:17:51 AM3/14/19
to
Rudolf Sponsel expressed:
Man kann nichts kritisieren, wenn man im Abstrakten und Allgemeinen
verharrt.

--
"Und täglich grüßt das Murmeltier."
http://feodor.de
http://grausig.info

Verena

unread,
Mar 21, 2019, 8:21:32 AM3/21/19
to
Dass die endliche menschliche Erkenntnis keine endgültigen Aussagen über den unendlichen Gegenstand (die Welt) machen kann, ist doch ein alter Hut, den die Skeptiker aber immer wieder besonders gerne aufsetzen, um ihren Standpunkt als überlegen darzustellen.
Anders ist es bei Gegenständen, welche die menschliche Vernunft selbst hervorbringt, wie zB bei logischen und mathematischen Sachverhalten, da die Vernunft Gegenstände/Sachverhalte, die sie selbst erzeugt, VOLLSTÄNDIG kennt (selbst bei einer aus den logischen Prämissen resultierenden Kontingenz).
Inwieweit soll diesbezüglich deiner Meinung nach hier eigentlich Skepsis legitim und angebracht?

Koerkel:
"[37] Karl Popper hat in “Logik der Forschung”, 10. Auflage, 1994,
Mohr, S.378 darauf hingewiesen, dass sich auch Aussagen über
Einzelgegenstände nicht verifizieren lassen, denn *“selbst
gewöhnliche singuläre Sätze sind stets **Interpretationen der
‘Tatsachen’ im Lichte von Theorien**. (Und das gilt sogar für die
jeweiligen ‘Tatsachen’. Sie enthalten **Universalien**, und wo
Universalien gelten, liegt immer **gesetzmäßiges** Verhalten vor.)”*
Das berührt jedoch nicht die hier untersuchte *logische Struktur*
der Aussagen."

Da deine Ausführunge ebenfalls jede Menge Universalien beinhalten, darf sich mein Skeptizismus also auch auf den Wahrheitsgehalt deiner Ausführungen erstrecken.
übrigens: Auch die o.a. von dir angeführte "*logische Struktur* der Aussagen" hat hinsichtlich ihrer Extension genauso universalen Charakter, wie irgendwelche Allgemeinbegriffe.

Gruß, Verena (hochplausibel)


Manfred Feodor Koerkel

unread,
Mar 22, 2019, 12:47:54 PM3/22/19
to
Antwort auf die schnelle....

Verena expressed:

> Dass die endliche menschliche Erkenntnis keine endgültigen
> Aussagen über den unendlichen Gegenstand (die Welt) machen kann,
> ist doch ein alter Hut, den die Skeptiker aber immer wieder
> besonders gerne aufsetzen, um ihren Standpunkt als überlegen
> darzustellen.

Das ist tatsächlich ein alter Hut, da nun mal immer noch kein
Letztbegründungsverfahren bekannt ist, obwohl es immer wieder
Versuche gibt eines zu entwickeln, etwa:
https://feodor.de/node/21#Abd

Alter, Neuheit oder Originalität einer These geben jedoch kaum
Hinweise auf ihre Angemessenheit oder Plausibilität.

> Anders ist es bei Gegenständen, welche die
> menschliche Vernunft selbst hervorbringt, wie zB bei logischen
> und mathematischen Sachverhalten, da die Vernunft
> Gegenstände/Sachverhalte, die sie selbst erzeugt, VOLLSTÄNDIG
> kennt (selbst bei einer aus den logischen Prämissen
> resultierenden Kontingenz). Inwieweit soll diesbezüglich deiner
> Meinung nach hier eigentlich Skepsis legitim und angebracht?

Ich schrieb im ersten Teil zunächst von "Aussagen über die Welt".
Aussagen über die Welt haben *für mich* empirischen Gehalt.
(Kann ich noch als Fußnote nachtragen.)
Mathematische Aussagen betrachte ich hingegen als Fiktionen und
nicht als Aussagen über die Welt (was den Wert der Mathematik in
keiner Weise schmälert). Freilich sehen das z.B. Platoniker anders.
Des weiteren kennt man auch in der Mathematik kein
voraussetzungsloses Letztbegründungsverfahren. Was es gibt sind
Konstruktionsbeweise oder Widerspruchsbeweise, die alle von
Vorannnahmen abhängen.

Auch wird unter dem Wort "Welt" alles mögliche verstanden, wie z.B.
Vorstellungswelt, Weltbild, Universum, Realität o.ä. Das wird erst
im 2. Teil näher erläutert. Aussagen mit empirischem Gehalt können
offenbar maximal Aussagen über unser *endliches* ca 14 Mrd Jahre
altes Universum betreffen, so dass Welt innerhalb der (nicht hoch
spekulativen) Wissenschaft mit Universum zusammenfällt.

Kurz: Die im Beitrag behandelte Skepsis betrifft Aussagen über
nichtfiktionale Sachverhalte, wie z.B. die der Naturgesetzlichkeit.

In der Philosophie gibt es über das alles keine Einigkeit. Das
beste, was man tun kann, ist es, die Konzepte möglichst verständlich
vergleichend darzustellen und ihre hinsichtlich gewisser Kriterien
bedingten Vor- und Nachteile herauszuarbeiten.

> Koerkel:
> "[37] Karl Popper hat in “Logik der Forschung”, 10. Auflage, 1994,
> Mohr, S.378 darauf hingewiesen, dass sich auch Aussagen über
> Einzelgegenstände nicht verifizieren lassen, denn *“selbst
> gewöhnliche singuläre Sätze sind stets **Interpretationen der
> ‘Tatsachen’ im Lichte von Theorien**. (Und das gilt sogar für die
> jeweiligen ‘Tatsachen’. Sie enthalten **Universalien**, und wo
> Universalien gelten, liegt immer **gesetzmäßiges** Verhalten
> vor.)”* Das berührt jedoch nicht die hier untersuchte *logische
> Struktur* der Aussagen."
>
> Da deine Ausführunge ebenfalls jede Menge Universalien beinhalten,
> darf sich mein Skeptizismus also auch auf den Wahrheitsgehalt
> deiner Ausführungen erstrecken.

Selbstverständlich! Ich habe ja die Irrtumsanfälligkeit
wissenschaftlicher und auch metatheoretischer Aussagen besonders
betont.

Bevorzugt werden sollten aber Aussagen, die nicht mit beliebigen
Vorkommnissen in Einklang zu bringen sind, so dass sie in
praktischer Hinsicht scheitern können. Die metatheoretisch wichtige
Voraussetzung der Naturgesetzlichkeit könnte durch bestimmte
Ereignisse durchaus erschüttert werden:
https://feodor.de/node/25#nama

> übrigens: Auch die o.a. von dir angeführte "*logische Struktur*
> der Aussagen" hat hinsichtlich ihrer Extension genauso
> universalen Charakter, wie irgendwelche Allgemeinbegriffe.

Ja. Ein Letztbegründungsverfahren ist mir nicht bekannt.
Die Annahme der Asymmetrie zwischen Existenz- und Allaussagen
scheint mir aber noch Bestand zu haben.

> Gruß, Verena (hochplausibel)

Dito... :-)

--
"It's only Rock'n Roll but I like it."
http://feodor.de
http://grausig.info

Franz Glaser

unread,
Mar 30, 2019, 7:41:25 AM3/30/19
to
Ich finde es schön, hier mit zu lesen :-)

Allerdings krieg ich "immer" so einen Hals, sobald ich das Ansinnen
entdecke, dass sich "die Philosophen" über die anderen quasitheologisch
erheben möchten.


GL
--
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders
handeln und anders leben als er es für richtig hält und muß sich
abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
(Ludwig von Mises: Liberalismus, Teil I, Kapitel 11)

Verena

unread,
Apr 1, 2019, 8:33:05 AM4/1/19
to
Am Samstag, 30. März 2019 12:41:25 UTC+1 schrieb Franz Glaser:

>
> Allerdings krieg ich "immer" so einen Hals, sobald ich das Ansinnen
> entdecke, dass sich "die Philosophen" über die anderen quasitheologisch
> erheben möchten.

DIE Philosophen?

> --
> Ein freier Mensch MUSS es ertragen können,
> ... und MUSS sich abgewöhnen...
> (Ludwig von Mises: Liberalismus, Teil I, Kapitel 11)

Wenn Freiheit mit soviel Imperativen verbunden wird, dann kann es mE damit nicht weit her sein.

Gruß, Verena

Manfred Feodor Koerkel

unread,
Apr 1, 2019, 9:43:46 AM4/1/19
to
Franz Glaser expressed:
> Am 07.03.2019 um 19:17 schrieb Rudolf Sponsel:
>> Am 06.03.2019 um 21:59 schrieb Manfred Feodor Koerkel:
>>> Am 06.03.2019 um 01:39 schrieb Rudolf Sponsel:
>>>> Am 27.02.2019 um 22:09 schrieb Manfred Feodor Koerkel:
>>>>> Rudolf Sponsel expressed:
>>>>>
>>>>>> Man kann nichts klären, wenn man im Abstrakten und
>>>>>> Allgemeinen verharrt.
>>>>>
>>>>> Zum einen habe ich diese Bemerkung leider übersehen und zum
>>>>> anderen ist der Kommentar so allgemein, dass ich nicht recht
>>>>> weiß, was ich damit anfangen soll. :-)
>>>>>
>>>> Dann wird es wohl nichts werden.
>>>
>>> Mit was?
>>>
>> Mit Klären.
>>
>
> Ich finde es schön, hier mit zu lesen :-)

Ich grüße dann auch mal ganz herzlich. :-)

--
"So wie Plato einst gesagt hat: Scheißegal wie man dort hingelangt,
solange man dort hingelangt!"
http://feodor.de
http://grausig.info

W23

unread,
Apr 26, 2022, 9:40:20 AMApr 26
to
Ausgegangen wird hier davon, daß eine Letztbegründung von Aussagen nicht möglich ist. Dabei ist wiederum von einer allgemeingültigen, objektiven Letztbegründung die Rede, einer die allgemein zwingend logisch notwendig ist. Dies gilt meiner Meinung nach für Aussagen über die sogenannte "Außenwelt" genauso wie für das, was allgemein "Innenwelt" genannt wird. Eine "unmittelbare" Erfahrung oder "unmittelbare" Wahrnehmung, bzw. Vorstellung ist ein Unding, denn alles, was bewußt wird, wird als "Gegenstand", d. h. als Geformtes bewußt und ist dann abstrahiert indem es auf einen Nenner gebracht wird. Wird der Begriff "Erkenntnis" für ein allgemeingültiges, objektives Wissen "ansich" gebraucht, und ist damit ein Wissen gemeint, das von Dingen, Ereignissen etc. handelt, die unabhängig von einem bestimmten Subjekt existieren oder wahr sein sollen, dann ist eine solche Erkenntnis [Allaussagen] unmöglich. Mit Skepsis hat das nichts zu tun, denn beim Gebrauch dieses Wortes ist ja der Bezug zu einem allgemeingültigen Wissen hergestellt. Fällt dieser Bezug weg, weil ein solches unmöglich ist, macht auch die Skepsis keinen Sinn mehr. Die Ablehnung einer allgemeingültigen Erkenntnis bedeutet aber nicht, daß es keine "subjektive" Erkenntnis geben kann [wenn man dafür überhaupt den Begriff "Erkenntnis" weiter benützen will]. Die Dinge sind dann für mich "so oder so", weil ich diese oder jene Interessen verfolge. Durch Konvention und Vereinbarung ist sogar ein gewisser Grad an Verallgemeinerung / Allgemeinheit möglich, wobei aber eine Geltung immer auch die persönliche Anerkennung, bzw. Zustimmung erfordert. Freilich muß ein Erfahrungswissen zugestanden werden, das sich durch regelmäßige Wiederholungen und eine gewisse Konstanz bewährt hat, mehr als Zweckgemäßheit springt dabei aber nicht heraus. Es kommt bisweilen auch auf die Risikobereitschaft des Einzelnen an, ob eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent schon genügt, um ein Unternehmen zu wagen. Entscheidend aber ist, daß man es hier nicht um Wissen, Wahrheit oder Erkenntnis zu tun hat, sondern mit Bedürfnissen, Zwecken, Interessen, bzw. einem Wollen [Ordnung, Sicherheit etc.] womit wir auf dem Gebiet der Ethik wären. Schon die Logik muß als ethische Disziplin betrachtet werden [Denknormen], so daß es im Wissen um die Berechtigung der Urteile geht, um ihre Legitimation. Damit verwandelt sich die berühmte "quaestio facti" in eine "quaesto juris" und will man nicht mit Lyotard eine übergreifende Regelungsinstanz überhaupt aufgeben, weil damit ein "Terror der Vereinheitlichung" betrieben wird, dann besteht die Aufgabe der denkenden Menschen darin, Überlegungen darüber anzustellen, wie sich eine Welt ohne allgemeingültiges Wissen und objektive Realität gerechtfertigt [begründet nach welchen Kriterien] ordnen läßt. Eine fallibilistische Haltung kommt für mich nicht in Frage, denn es gibt keine größere Wahrheitsnähe, wenn es keine (unbedingte, bzw. nicht zweckbedingte) Wahrheit gibt. Dieses "vorläufig" von "am Bewährten festhalten" kann sich sehr lange hinziehen [Warten auf Godot] und ist immer daran zu messen, wie eifrig man nach dem "Fehler" sucht, durch den sich eine scheinbare Klarheit auf einmal in eine Verwirrung verwandeln kann. Für mich ist es z. B. sehr verwirrend, warum kaum jemand begreift, daß nichts "erkennbar" gegeben ist? [Starke These !] (tl;dr?)
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