...Ein Adler zog in weiten Kreisen durch die Luft, und an ihm hing eine
Schlange, nicht einer Beute gleich, sondern einer Freundin: denn sie hielt
sich um seinen Hals geringelt. "Es sind meine Tiere" sagte Zarathustra und
freute sich von Herzen....
Ich verstehe einfach nicht, was Nietzsche damit meint. Wofür stehen Schlange
und Adler??
Kann mir jemand weiterhelfen???
Vielen Dank
Peter
Beim Adler ist jedenfalls nicht Alfred Adler gemeint :-)
Zur Schlange kommt mir Hegel und seine Umdeutung der Bibel in den
Sinn. Nach Hegel *musste* die Schlange Eva zum Suendenfall (essen
des verbotenen Apfels) verfuehren, damit die Menschen wissen,
"was gut und boese ist". D.h: es war - nach Hegel - Gottes Wille,
dass dies geschah. Gut und Boese sind Thema des Zarathustra. Ob
der Adler fuer mehr steht als nur fuer Macht (Zeus, Iuppiter)?
Ob Nietzsche *das* meinte, musst Du leider selbst
herausfinden. ;-)
Gruss
Walter
Jörg
Hallo,
mit einer vernünftigen Zitatangabe hätte ich den Anfang des zehnten
Abschnittes schneller gefunden,
um direkt nach dem von dir Zitierten weiter zu lesen:
"Das stolzeste Tier unter der Sonne und das klügste Tier unter der
Sonne ..." usw..
worauf Nietzsche das Bild von Adler und Schlange weiter durchspielt.
Noch Geheimnisse?
--
Wolfgang Schmidhuber - Riemerling bei Muenchen
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Hallo Wolfgang,
ich bin davon ausgegangen, daß meine Frage nur von jenen beantwortet werden
kann, die ohne Probleme die von mir zitierte Stelle finden. Wie Dein mail
beweist, zu Recht.
Peter
Hallo Peter!
Was für eine Ausgabe besitzt Du?
In der Goldmann-Taschenbuchausgabe ist unter Anmerkungen angeführt:
meinen Adler und meine Schlange:
wiederholt vorkommende Tierallegorien für Stolz (Adler) und Klugheit
(Schlange); stehen in enger Beziehung zu Zarathustras Intellekt und Willen
zur Freiheit.
Freundliche Grüße
Rudolf
>>Ich verstehe einfach nicht, was Nietzsche damit meint. Wofür stehen
>Schlange
>>und Adler??
(...)
>meinen Adler und meine Schlange:
>wiederholt vorkommende Tierallegorien für Stolz (Adler) und Klugheit
>(Schlange); stehen in enger Beziehung zu Zarathustras Intellekt und Willen
>zur Freiheit.
>
wenn wir hier schon ein Zitaten-Raten veranstalten, moechte ich in eine
aehnliche Kerbe hauen: (wer den Autor raet, raet den Autor und gewinnt den
Preis des Autorenratens:)
(S. 299)
"Der Adler zieht seine weiten Kreise in der Hoehe. Das Kreisen ist
Sinnbild der ewigen Wiederkunft - aber ein Kreisen, das sich sogleich in
die Hoehe schraubt und in der Hoehe haelt.
Am Adler haengt die Schlange, um seine Hals geringelt; wieder ist das
Ringeln und Geringel der Schlange Sinnbild des Ringens der ewigen
Wiederkunft. Aber mehr: sie haelt sich geringelt um den Hals dessen, der
weite Kreise in der Hoehe zieht; eine eigentuemliche und und wesentliche,
aber fuer uns noch dunkle Verschlingung, wodurch die Bildkraft dieses
Bildes ihren eigenen Reichtum entfaltet. Die Schlange nicht als Beute in
den Faengen niedergehalten, vielmehr frei um den Hals sich ringelnd, als
Freundin, und im Ringeln sich im Kreisen mit emporschraubend! In dieser
Versinnlichung der ewigen Wiederkehr des Gleichen - des Kreisens im Ring
un des Sich-Ringelns im Kreisen muessen wir das einbeziehen was die Tiere
selbst sind.
Der Adler ist das stolzeste Tier. (...)
Die Schlange ist das kluegste Tier. (...)"
bernd
--
"Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer."
reply: bp...@alnilam.toppoint.de
Hallo Bernd!
Ich habe nicht erwähnt, daß der gesamte Anhang und somit auch die
Anmerkungen im Goldmann-Taschenbuch von Peter Pütz stammt. Es schien mir
auch nicht so wesentlich. Wesentlich schien mir, Peter zur Kenntnis zu
bringen, daß diese Ausgabe Anmerkungen zum Text enthält, was mir fast
unverzichtbar erscheint, wenn man sich nicht einen eigenen Kommentar zu
diesem Werk anschaffen will.
>(S. 299)
>
>"Der Adler zieht seine weiten Kreise in der Hoehe. Das Kreisen ist
>Sinnbild der ewigen Wiederkunft - aber ein Kreisen, das sich sogleich in
>die Hoehe schraubt und in der Hoehe haelt.
>
>Am Adler haengt die Schlange, um seine Hals geringelt; wieder ist das
>Ringeln und Geringel der Schlange Sinnbild des Ringens der ewigen
>Wiederkunft. Aber mehr: sie haelt sich geringelt um den Hals dessen, der
>weite Kreise in der Hoehe zieht; eine eigentuemliche und und wesentliche,
>aber fuer uns noch dunkle Verschlingung, wodurch die Bildkraft dieses
>Bildes ihren eigenen Reichtum entfaltet. Die Schlange nicht als Beute in
>den Faengen niedergehalten, vielmehr frei um den Hals sich ringelnd, als
>Freundin, und im Ringeln sich im Kreisen mit emporschraubend! In dieser
>Versinnlichung der ewigen Wiederkehr des Gleichen - des Kreisens im Ring
>un des Sich-Ringelns im Kreisen muessen wir das einbeziehen was die Tiere
>selbst sind.
>
Das ist schon ein ausführlicherer Kommentar bzw. Interpretation. Keine
Ahnung, von wem er stammt.
>Der Adler ist das stolzeste Tier. (...)
>
>Die Schlange ist das kluegste Tier. (...)"
>
Freundliche Grüße
Rudolf