Ich bin Krankenschwester auf der Neurologie der Uniklinik Heidelberg.
Wir haben öfters onkologische Patienten mit Hirnmetastasen zum Sterben
ohne ausreichende Schmerztherapie. Ein Morphinperfusor wird
von ärztlicherseite aus oft abgelehnt, mit der Begründung, er wirke
atemdepressiv. Bitte teilt mir Eure Erfahrungen mit.
Mit kollegialen Grüßen
Martina Hubel
habe letztens ein Urteil gelesen, welches sagt, dass Ärzte zu
Schmerzensgeld verklagt werden können, sollte ein Patient länger als
eine Stunde unnötig Schmerzen leiden müssen. Hab´ den Artikel leider
nicht mehr, werde ihn aber suchen. Oder vielleicht kennt ja jemand
anderes dieses Urteil.
Meine Erfahrung zeigt mir, dass gerade bei onkologischen Pat. mit einer
langen "Schmerzmittel-Odysee" in der Vorgeschichte sehr hohe Dosen
benötigen um atemdepressiv zu werden. Und wenn, lieber sterb´ ich doch
ohne Schmerzen und atemdepressiv, als unter Schmerzen (ich weiss, ist
jetzt nicht besonders sachlich!).
MfG frank
P.S. auch UKL HD
eure Situation zeigt, dass auch die Docs probleme mit dem thema Tod haben.
Kann ich verstehen. trotzdem, ein unheilbar Kranker hat das recht auf einen
schmerzfreien Tod, wenn das sein wille ist. Einen Patienten in dieser
Situation Schmerzfrei zu halten ist oberstes gebot, auch wenn eine
ungewünschte nebenwirkung eine atemdepression ist (Passive Sterbehilfe ist
straffrei laut Stgb.) Das richtige Mass zu finden ist oft schwierig.
Desweiteren können schmerzen auch lebensverkürzend wirken.
Das pflegepersonal sollte auf eurer Station die Ärzte immer wieder darauf
hinweisen, dass der Patient immer noch schmerzen hat.
Läuft bei uns nicht anders. Ist traurig mitanzuschaun, wenn moribunde
Patienten stöhnend im Bett liegen, nicht genügend schmerzmittel bekommen,
dafür aber eine komplette parenterale ernährung einschliesslich
Herz-Kreislauf-medikamente. Das schwierige ist, zu erkennen, wann keine
menschenwürdige lebensverlängernde Hilfe mehr möglich ist. es kann nun mal
niemand den zeitpunkt des Todes voraussagen. Aber deshalb den Patienten bis
zum schluss mit allen Mitteln am leben halten??? Deshalb mit Schmerzmitteln
sparen, weil sie Lebensverkürzend wirken könnten??? Die Fähigkeit,
entscheidungen zu treffen, und Verantwortung zu übernehmen machen einen
guten Arzt/Schwester aus.
--
Eine gute Startseite:
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> Ich bin Krankenschwester auf der Neurologie der Uniklinik Heidelberg.
> Wir haben öfters onkologische Patienten mit Hirnmetastasen zum Sterben
> ohne ausreichende Schmerztherapie. Ein Morphinperfusor wird
> von ärztlicherseite aus oft abgelehnt, mit der Begründung, er wirke
> atemdepressiv. Bitte teilt mir Eure Erfahrungen mit.
Es gibt von der WHO ein Stufenschema zur Schmerztherapie, daß Schmerzen in 3
Stufen unterscheidet:
I. geringe bis mittelstarke Schmerzen: Nichtopioide (z.B. Ibuprofen) und
adjuvante Medikamente (bspw. Cortison)
II. mittelstarke bis starke Schmerzen: schwach wirksame Opioide (z.B.
Tramadol, Codein) und Nichtopioide (z. B. Ibuprofen),
evtl. adjuvante Medikamente (z. B. Cortison)
III. starke bis stärkste Schmerzen: stark wirksame Opioide (z. B. Morphium)
und Nichtopioide (z.B. Ibuprofen), evtl adjuvante Medikamente
(z. B. Cortison).
Durch die richtige Anwendung dieses Schemas können 70 - 80 % der
Tumorschmerzpatienten adäquat behandelt werden und ich denke, daß ein Mensch
im Endstadium Schmerztherapie benötigt. Vor allem ist mir unverständlich,
daß die Atemdepression plötzlich so eine große Rolle spielen soll. Müssen
Menschen den Sterbeprozeß unter Schmerzen erleiden?
Vielleicht hilft Dir auch das Buch von McCaffery/Beebe/Latham "Schmerz" vom
Ullstein-Mosby Verlag weiter, darin ist Geschichtliches, Schmerztherapie
usw. ausführlich beschrieben und ich denke, es könnte auch gut als
Diskussionsgrundlage dienen.
Gruß
Anita
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> Das Grundproblem dahinter ist auch meiner Meinung nach die
> versteckte Unfaehigkeit einiger Aerzte(aber auch Schwestern),
> den Tod als natuerliche Folge zu akzeptieren.
> Wenn ihnen klar ist, dass sie diese Menschen ohne Morphin nur quaelen
> und das Sterben akzeptieren, ist es meist kein Problem mehr.
Hallo Juergen,
ich gebe Dir grundsätzlich recht. Eines sollte man aber auch bedenken - Die
Diskussion von Seiten des Pflegepersonals wird leicht geführt, da sie
letzendlich nicht verantwortlich sind für die indirekte aktive Sterbehilfe,
die nur seitens des / der Arzt/in durchgeführt werden kann/ darf. Nur der
Arzt, der dies anordnet trägt allein die rechtliche , was aber auch zum
tragen kommt , die moralische Verantwortung. Teilweise erinnern mich
Diskussionen im Rahmen der Sterbehilfe an Kaffeehausdiskussionen. Leicht
kann man Sterbehilfe fordern im Sinne einer Schmerztherapie, die das Leben
verkürzt, besonders wenn dies andere durchführen müssen. Wie anfangs gesagt
gebe ich Dir im Grundsatz recht, nur liegt der " schwarze Peter " nicht bei
den Ärzten, sondern bei einer Gesellschaft, die sich nicht eindeutig äußert
zur Sterbehilfe. Solange noch starke gesellschaftliche Kreise den Ärzten,
die diese Sterbehilfe leisten würden ein schlechtes Gewissen einredet,
solange werden wir dieses Problem haben. Dies sehe ich kaum mit Gesetzen
lösbar, denn indirekte aktive Sterbehilfe ist auch heute schon straffrei,
sondern nur mit einer intensiven öffentlichen Auseinandersetzung, in der
auch das Pflegepersonal eindeutig Stellung nehmen muß. Forderungen zur
Sterbehilfe sehe ich häufig auch beim Pflegepersonal als Weg sich nicht der
Auseinandersetzung mit dem Tode stellen zu müssen.
Gruß Ralf
da an Deiner email-Adresse irgendwas nicht stimmt schreib ich Dir eben
hier. Wendt Euch doch mal an die Schmerzambulanz der UKL. Wird von
Anästhesisten betreut und wird auch außerhalb der Chirurgie tätig, wenn
man sie kontaktiert.
Wenn jemand ein Schmerzkonzept "mit Hand und Fuß" anbieten kann, dann
doch wohl ein Anä..
Vielleicht nimmt es ja auch die Angst eurer Ärzte vor einem
Morphin-Perfusor, wenn sie von "Fachleuten" beraten werden. Zumindest
bis der nächste Arztwechsel kommt und alles wieder von vorne beginnt.
MfG frank
> Ich bin Krankenschwester auf der Neurologie der Uniklinik Heidelberg.
> Wir haben öfters onkologische Patienten mit Hirnmetastasen zum Sterben
> ohne ausreichende Schmerztherapie. Ein Morphinperfusor wird
> von ärztlicherseite aus oft abgelehnt, mit der Begründung, er wirke
> atemdepressiv. Bitte teilt mir Eure Erfahrungen mit.
>
das ist ja das letzte, was da abgeht. Da bekundet schmerzpapst prof. Zens
vor laufender kamera, daß in deutschland niemand mehr schmerzen erleiden
muss und dann so etwas. Was ist denn das für eine station, wo den ärzten
dann keine (überflüssige) alternative einfällt?
z.b. durogesic-pflaster.
Viele grüsse
Alex
Martina Hubel <"Werbeagentur R.Zaglmayr"@t-online.de> schrieb in im
Newsbeitrag: 392464AC...@t-online.de...
> Liebe Kollegen
"Martina Hubel" <"Werbeagentur R.Zaglmayr"@t-online.de> schrieb im
Newsbeitrag news:392464AC...@t-online.de...
Ciao Stefan