Google Groups no longer supports new Usenet posts or subscriptions. Historical content remains viewable.
Dismiss

Dienstübergabe am Krankenbett

273 views
Skip to first unread message

david bayer

unread,
Jan 27, 2001, 1:58:27 PM1/27/01
to
hi group...

ich bin grad auf informationssammlung quer durchs netz bzgl.
übergabekultur in der pflege.
soll eine diplomarbeit werden.
insbesondere die übergabe beim patient interessiert mich.

hat jemand von euch damit schon erfahrung? wer von euch hat erfahrung
in entsprechenden projekten? gibts stationen wo das konsequent
durchgeführt wird? wenn ja, welche probleme und spürbare
verbesserungen sind eingetreten?

antworten gerne als mail, vielleicht könnten wir auch mal wieder hier
ein bissl diskutieren... ;-)

+lg, david

Sebastian Kokemohr-Schmidt

unread,
Jan 27, 2001, 10:26:25 PM1/27/01
to

"david bayer" <red...@yahoo.com> schrieb im Newsbeitrag news:dc667tkaisq3vlp91...@4ax.com...

> hi group...
>
> ich bin grad auf informationssammlung quer durchs netz bzgl.
> übergabekultur in der pflege.
> soll eine diplomarbeit werden.
> insbesondere die übergabe beim patient interessiert mich.
>
> hat jemand von euch damit schon erfahrung? wer von euch hat erfahrung
> in entsprechenden projekten? gibts stationen wo das konsequent
> durchgeführt wird? wenn ja, welche probleme und spürbare
> verbesserungen sind eingetreten?

Bei uns wird es auf einigen Stationen mehr, auf einigen weniger konsequent durchgeführt.
Meines Erachtens nach hat es sowohl Vor- als auch nicht unerhebliche Nachteile.
Hier die Faktoren, die ich als am wesentlichsten empfinde:
Vorteil: Der Patient wird direkt in die Übergabe mit einbezogen,
er lernt die Bezugsperson aus der übernehmenden Schicht direkt kennen und
hat somit einen Ansprechpartner, erhält die Möglichkeit zu ergänzen,
richtig zu stellen oder zu fragen.Ausserdem lerne ich als
Pflegender neue Patienten nicht nur mit Namen und Diagnose, sondern auch als Person kennen.
Nachteil: In Mehrbettzimmern m.E. datenschutzrechtlich bedenklich.
Gerade bei Patienten, die über Ihre Erkrankung noch nicht aufgeklärt sind,
habe ich es schon oft genug beobachtet, daß direkt vor der Tür auf dem Flur
noch etwas nachgetragen wurde, äußerst sensible Inhalte, und der Flur ist nun auch nicht immer
der Raum, an dem soclghe Informationen sicher weitergegeben werden können.
Noch schlimmer: Es ist sogar vorstellbar, daß jemand den Patienten
"unabsichtlich" aufklärt, indem er Inhalte übergibt, die dem Patienten
noch gar nicht bekannt sind, weil er ärztlicherseits noch nicht aufgeklärt wurde.

Persönlich bevorzuge ich eine gemischte Übergabe: Zuerst im Dienstzimmer, dann
nochmal im Patientenzimmer. Das vereint die Vorteile und eleminiert zumindest einige der
Nachteile.
Wie ist es eigentlich mit dem Datenschutz? Schon alleine aufgrund des Gesundheitszustandes
einiger Patienten ist es ja nun weiss Gott nicht immer möglich, die Mitpatienten kurz
aus dem Zimmer zu bitten.


MfG,
Sebastian


Veronika Dunkel

unread,
Jan 29, 2001, 4:51:28 AM1/29/01
to
Hi,
bist Du lediglich auf der Suche nach Übergabemodalitäten in der Klinik? Ich
habe für unseren häuslichen Palliativpflegedienst ein Übergabeformular
entwickelt, um die Umgabe aus der häuslichen Umgebung in die Klinik zu
vereinfachen. Das lief manchmal recht chaotisch ab, da die Klinikeinweisung
meist in Notfall-Situationen erfolgte und dann an so simple Sachen wie: Wann
war die letzte Medikamentengabe, der letzte Stuhlgang? usw. nicht gedacht
wurde. Solltest Du daran Interesse haben, mail mich bitte direkt an, dann
schicke ich sie Dir als Word-Dokumente.
Gruß, Veronika

Behnke

unread,
Feb 4, 2001, 7:16:05 AM2/4/01
to

david bayer schrieb:

Übergabe beim Patienten ...Cooles Thema :-) - besonders der kulturelle
Aspekt... Dieser dürfte sich wohl aus dem sonstigen Stationsklima und der
grundsätzlichen Einstellung zum Patienten (Menschenbild) ergeben. Bsp:
Schwester kommt mit Spritze --- Pat. fragt: was ist denn das für eine
Spritze? --- Antwort: Wenn Sie keine Spritze haben wollen, bekommen Sie
auch nichts gegen die Schmerzen... --- Pat.: *Unterkieferrunterklapp* ---

Dieses Beispiel ist eine wahre Begebenheit und hat im 21. Jahrhundert
stattgefunden.
Bei der Übergabe, die auf dieser Station mit Sicherheit nicht beim
Patienten stattfinden wird, wird dann diese Krankenschwester den Pat.
als "schwierig" darstellen, obwohl dieser nur eine berechtigte
Information wollte.
Wenn ich darüber eine Diplomarbeit machen wollte - würde ich u. a. an
diesem Punkt ansetzen.

Andererseits - es wird für einen Stationsbetrieb wohl sehr schwierig
sein, eine tägliche Übergabe mit dem Patienten zu machen. Vielleicht ist
die Pflegevisite da geeigneter...nur mal so ein Gedanke...

Viel Spass beim sammeln und diskutieren

Gruss
Angelika

--------------------------------------------------
please visit:
http://www.pflegeportal-online.de/pflege
--------------------------------------------------

Joerg Moeller

unread,
Feb 5, 2001, 3:31:01 AM2/5/01
to
Behnke <webm...@mediatrans.com> schrieb:

>Bei der Übergabe, die auf dieser Station mit Sicherheit nicht beim
>Patienten stattfinden wird, wird dann diese Krankenschwester den Pat.
>als "schwierig" darstellen, obwohl dieser nur eine berechtigte
>Information wollte.
>Wenn ich darüber eine Diplomarbeit machen wollte - würde ich u. a. an
>diesem Punkt ansetzen.

Das würde aber ein völlig anderes Thema ergeben. "Unmotiviertes
Personal" würde mir da spontan einfallen.

>Andererseits - es wird für einen Stationsbetrieb wohl sehr schwierig
>sein, eine tägliche Übergabe mit dem Patienten zu machen.

Nicht unbedingt. Besonders wenn die Station
Bereichspflege/Gruppenpflege oder primary nursing bietet dürfte das
sehr einfach sein. Störfaktoren (Schelle, Telefon) müßten minimiert
werden, und die geliebte Tasse Kaffee mit Zigarette würde entfallen,
aber sonst spräche nicht viel dagegen finde ich. (Kann auch sein, daß
ich was übersehen habe...)

>Vielleicht ist
>die Pflegevisite da geeigneter...nur mal so ein Gedanke...

Völlig andere Baustelle.

mfg
Jörg

Karl Reif

unread,
Feb 5, 2001, 5:10:54 AM2/5/01
to
"Joerg Moeller" <Joerg....@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
news:95loc4$3gi$06$6...@news.t-online.com...
> Behnke <webm...@mediatrans.com> schrieb:

> >Vielleicht ist
> >die Pflegevisite da geeigneter...nur mal so ein Gedanke...
>
> Völlig andere Baustelle.

Wie meinst du denn das? Welchen Unterschied siehst du (und auch Angelika im
Posting davor) zwischen Übergabe am Bett und Pflegevisite?
Ich habe eine umfassende Literaturrecherche über Pflegevisite gemacht,
deutsch- und englischsprachige Literatur. Eines der Ergebnisse ist, daß es 8
Definitionen für Pflegevisite gibt. Die in Deutschland am gebräuchlichsten
ist: Dienstübergabe am Krankenbett.
Grüße, Karl


Joerg Moeller

unread,
Feb 5, 2001, 7:07:24 PM2/5/01
to
"Karl Reif" <karl...@t-online.de> schrieb:

>> >Vielleicht ist
>> >die Pflegevisite da geeigneter...nur mal so ein Gedanke...
>>
>> Völlig andere Baustelle.
>
>Wie meinst du denn das? Welchen Unterschied siehst du (und auch Angelika im
>Posting davor) zwischen Übergabe am Bett und Pflegevisite?

Ich sehe in einer Pflegevisite zuallererst die Möglichkeit, mich
umfassend über den Stand der pflegerischen Intervention auszutauschen.
(Welche Maßnahmen wurden durchgeführt, was haben sie konkret zur
Rekonvaleszenz beigetragen, wo muß ggf. angepaßt werden).
Dies in Gemeinschaft mit dem Pat. zu erheben erfüllt meinen Anspruch
an ganzheitliche Krankenpflege. Zudem hätte man im Rahmen der
Pflegevisite auch die Möglichkeit des pflegerischen Konsils, so der
Rahmen dies zuläßt.
All das würde den Rahmen einer Dienstübergabe (die ja auch den
administratorischen Teil umfasst) sprengen.

Auf einer Station, auf der ich war (Herz-Thorax-Chirurgische Intensiv)
wurde eine solche Übergabe am Krankenbett durchgeführt. (Zuerst kurzes
Briefing der nachfolgenden Schicht über Belegung und
organisatorisches, Aufteilung der Pat., dann ging es zu den Pat., dort
umfassende Übergabe)
Meiner Meinung nach hat dies den Vorteil, daß weniger Dinge
"vergessen" werden. (Wenn man z.B. gemeinsam sämtliche
Geräteeinstellungen durchgeht). Vieles kann gezielter nachgefragt
werden.

>Ich habe eine umfassende Literaturrecherche über Pflegevisite gemacht,
>deutsch- und englischsprachige Literatur. Eines der Ergebnisse ist, daß es 8
>Definitionen für Pflegevisite gibt. Die in Deutschland am gebräuchlichsten
>ist: Dienstübergabe am Krankenbett.

Zeigt nur, wieviel Unsicherheit und Uneinigkeit in diesem (recht
neuen) Bereich noch besteht. Oder würdest du die ärztliche Visite auch
als Diensrübergabe auffassen?

Bitte versteh das nicht als Angriff. Ich wollte nur deutlich machen,
wie meine Ansicht dazu ist. Jetzt würde ich gerne deine hören, damt
ich meine ggf. anpassen kann.

mfg
Jörg

Joerg Moeller

unread,
Feb 6, 2001, 3:06:22 AM2/6/01
to
"Karl Reif" <karl...@t-online.de> schrieb:

>> >Vielleicht ist
>> >die Pflegevisite da geeigneter...nur mal so ein Gedanke...
>>
>> Völlig andere Baustelle.
>
>Wie meinst du denn das? Welchen Unterschied siehst du (und auch Angelika im
>Posting davor) zwischen Übergabe am Bett und Pflegevisite?

Ich sehe in einer Pflegevisite zuallererst die Möglichkeit, mich


umfassend über den Stand der pflegerischen Intervention auszutauschen.
(Welche Maßnahmen wurden durchgeführt, was haben sie konkret zur
Rekonvaleszenz beigetragen, wo muß ggf. angepaßt werden).
Dies in Gemeinschaft mit dem Pat. zu erheben erfüllt meinen Anspruch
an ganzheitliche Krankenpflege. Zudem hätte man im Rahmen der
Pflegevisite auch die Möglichkeit des pflegerischen Konsils, so der
Rahmen dies zuläßt.
All das würde den Rahmen einer Dienstübergabe (die ja auch den
administratorischen Teil umfasst) sprengen.

Auf einer Station, auf der ich war (Herz-Thorax-Chirurgische Intensiv)
wurde eine solche Übergabe am Krankenbett durchgeführt. (Zuerst kurzes
Briefing der nachfolgenden Schicht über Belegung und
organisatorisches, Aufteilung der Pat., dann ging es zu den Pat., dort
umfassende Übergabe)
Meiner Meinung nach hat dies den Vorteil, daß weniger Dinge
"vergessen" werden. (Wenn man z.B. gemeinsam sämtliche
Geräteeinstellungen durchgeht). Vieles kann gezielter nachgefragt
werden.

>Ich habe eine umfassende Literaturrecherche über Pflegevisite gemacht,


>deutsch- und englischsprachige Literatur. Eines der Ergebnisse ist, daß es 8
>Definitionen für Pflegevisite gibt. Die in Deutschland am gebräuchlichsten
>ist: Dienstübergabe am Krankenbett.

Zeigt nur, wieviel Unsicherheit und Uneinigkeit in diesem (recht

Söhnker Grünefeld

unread,
Feb 6, 2001, 4:32:22 AM2/6/01
to
Hi, wirklich cooles Thema,

finde allerdings Übergabe am Bett (besonders bei Frühschicht) in
Einzelfällen (neurol.Int.) einfach nur störend für den Patienten. Auf
Kriseninterventionsabteilungen z.B. HTG-Int sind komi-Übergaben sicher
sinnvoll.
Unter einer Pflegevisite verstehe ich allerdings ein Forum von behandelnden
Stations-/Oberärzten und (ltd.) Pflegepersonal (min.2 !) sowie natürlich die
pflegenden, zugeteilten Pflegekräften. Hat sich bewährt, moderne Medizin und
langjährige Erfahrung zu kombinieren

viel Spaß noch beim weiterdiskutieren

Gruß Söhnker


"Joerg Moeller" <Joerg....@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag

news:95ob9u$ee5$00$1...@news.t-online.com...

Karl Reif

unread,
Feb 6, 2001, 4:13:50 AM2/6/01
to
"Joerg Moeller" <Joerg....@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
news:95ob9u$ee5$00$1...@news.t-online.com...

> Ich sehe in einer Pflegevisite zuallererst die Möglichkeit, mich
> umfassend über den Stand der pflegerischen Intervention auszutauschen.
> (Welche Maßnahmen wurden durchgeführt, was haben sie konkret zur
> Rekonvaleszenz beigetragen, wo muß ggf. angepaßt werden).
> Dies in Gemeinschaft mit dem Pat. zu erheben erfüllt meinen Anspruch
> an ganzheitliche Krankenpflege. Zudem hätte man im Rahmen der
> Pflegevisite auch die Möglichkeit des pflegerischen Konsils, so der
> Rahmen dies zuläßt.
> All das würde den Rahmen einer Dienstübergabe (die ja auch den
> administratorischen Teil umfasst) sprengen.

Auch das ist eine Definition der Pflegevisite, die ich in der Literatur
gefunden habe.

> Auf einer Station, auf der ich war (Herz-Thorax-Chirurgische Intensiv)
> wurde eine solche Übergabe am Krankenbett durchgeführt. (Zuerst kurzes
> Briefing der nachfolgenden Schicht über Belegung und
> organisatorisches, Aufteilung der Pat., dann ging es zu den Pat., dort
> umfassende Übergabe)
> Meiner Meinung nach hat dies den Vorteil, daß weniger Dinge
> "vergessen" werden. (Wenn man z.B. gemeinsam sämtliche
> Geräteeinstellungen durchgeht). Vieles kann gezielter nachgefragt
> werden.
>
> >Ich habe eine umfassende Literaturrecherche über Pflegevisite gemacht,
> >deutsch- und englischsprachige Literatur. Eines der Ergebnisse ist, daß
es 8
> >Definitionen für Pflegevisite gibt. Die in Deutschland am
gebräuchlichsten
> >ist: Dienstübergabe am Krankenbett.
>
> Zeigt nur, wieviel Unsicherheit und Uneinigkeit in diesem (recht
> neuen) Bereich noch besteht. Oder würdest du die ärztliche Visite auch
> als Diensrübergabe auffassen?

Der ärztliche Dient ist anders organisiert als der pflegerische, es gibt
dort eben nicht die "große" Übergabe zur Mittagszeit. Diese Dinge ändern
sich auch dort in der Pflege, wo die Kernarbeitszeit eingeführt wird. Und
wenn wir dann noch das Bezugspflegesystem haben, ist die Mittagsübergabe, wo
alle alles über alle erfahren, vollkommen überflüssig.

> Bitte versteh das nicht als Angriff.

Tu ich nicht. Ich gebe auch gar nicht meine Ansicht wider, sondern sage nur,
daß der Begriff Pflegevisite in 8facher Weise benutzt wird. Das ist übrigens
in der Pflege keine Seltenheit (und auch sonst nicht, es ist eben
allzumenschlich). Vor 2-3 Jahren habe ich die Verwendung von Begriffen aus
der Pflegeorganisation untersucht und bin zu einem ähnlichen Ergebnis
gekommen. Was heißt denn eigentlich "Bezugspflegesystem" genau? Da versteht
auch jeder was anderes drunter. Je abstrakter die Begriffe werden, desto
schlimmer wirds, z.b. was versteht man unter "ganzheitlicher Pflege"? Da
wirds schon fast kriminell :-)

> Ich wollte nur deutlich machen,
> wie meine Ansicht dazu ist. Jetzt würde ich gerne deine hören, damt
> ich meine ggf. anpassen kann.

Meine Ansicht ist, daß jede Abteilung ihre eigenen Präferenzen von Übergabe
und Visite entwickeln und einführen kann (denn die Sachlage auf einer
kardiologischen Intensivstation ist eine andere als in der Augenklinik), nur
sollten wir uns auf eine gemeinsame Terminologie einigen. Aber das muß
ausgehandelt werden, sprich diskutiert. Leider bürgern ich oft in der
Alltagssprache unlogische Begriffsverwendungen ein, die die Wissenschaft
dann zu klären und zu ordnen hat.
Grüße, Karl

0 new messages