Am 13.08.2012 09:51, schrieb Tim Ritberg:
>>> darauf wetten)_Silargetten_.
...
> Und gabs die auf Rezept?
Im Prinzip ja. Man konnte sie allerdings auch ohne Rezept in der
Apotheke kaufen.
Für Kinder unter 12 gäbe es die sogar heute noch auf (Kassen-)Rezept,
wenn sie denn noch zugelassen und im Handel wären.
Einfache Erkältungsmedikamente für sog. Bagatellerkrankungen waren IIRC
Mitte der 80er für Erwachsene nicht mehr zu Lasten der GKV
verschreibbar, wohl aber für Jugendliche unter 18.
Die strikte Regelung (mit wenigen genau gefassten Ausnahmen), dass
Arzneimittel, die nur apotheken-, nicht aber verschreibungspflichtig
sind grundsätzlich nicht zu Lasten der GKV verschrieben werden können,
gilt erst seit 2004.
Silargetten sind in der Roten Liste 1991 noch aufgeführt, 1992 nicht
mehr. Ob die Firma einfach nur Herstellung und Vertrieb eingestellt
hatte, oder ob die Zulassung widerrufen wurde, weiß ich nicht mehr. Eine
große Rolle auf dem Markt der Halsschmerzmedikamente hatten Silargetten
damals definitiv nicht mehr gespielt.
Das 1978 in Kraft getretene Arzneimittelgesetz sah vor, dass für alle
Arzneimittel ein Wirkungsnachweis erbracht werden musste. Für AM, die
schon vorher auf dem Markt waren, sah das AMG zunächst eine
Übergangsfrist von 12 Jahren vor, die aber 'zigmal verlängert wurde. So
ein AMG-konformer Wirkungsnachweis ist nicht ganz billig, so dass man es
bei den wirtschaftlich völlig unbedeutend gewordenenen Silargetten
wahrscheinlich gar nicht erst probiert hatte.
Der Wirkstoff (in Kieselsäure (SILiziumdioxid) dispergiertes
Silberchlorid (ARGentum chloratum) - daher der Name) ist auch -
zurückhaltend formuliert - nicht ganz unproblematisch. Oral aufgenommene
Silberverbindungen können bei dauerhafter Verwendung zu irreversiblen
dunkelgrauen Hautverfärbungen führen. Literarisch wurde das z. B. in
Wilkie Collins' "Lucilla" verarbeitet, falls das wen interessiert.
Ich habe selbst noch einen Patienten kennengelernt, dem man das deutlich
ansah, allerdings waren bei ihm nicht Silargetten, sondern vielmehr ein
früher relativ gängiges silberhaltiges Magenmedikament dafür verantwortlich.
Tschüs, Jürgen