Gruß,
Karl
Karl Jahn wrote:
> [...]
> Inzwischen hat mein Bekannter den fünften HNO-Spezilaisten besucht, der
> ihm erklären wollte, dass er wohl psychische Problem habe und sich das
> Druckgefühl im Hals nur einbilden würde. Das ist doch eine Frechheit so
> etwas zu behaupten, oder?
Gerade im Halsbereich treten sog. funktionelle Störungen durchaus nicht
selten auf; oft kommen dabei Patienten mit einem vor allem während des
Schluckens auftretenden sog. Globusgefühl ("Kloss im Hals") in die
HNO-Sprechstunde, wobei sich in der Folge jedoch trotz intensiver
Untersuchungen nichts finden lässt. Oft kann den Patienten dann durch
den kurzzeitigen Einsatz von stresslösenden Medikamenten oder auch eine
psychologische Kurzzeit-Therapie nachhaltig geholfen werden; mir selbst
sind zwei unterschiedliche Fälle bekannt, in welchen Patienten durch
einen einzigen(!) Termin bei der psychosomatischen Sprechstunde
innerhalb weniger Tage komplett beschwerdefrei wurden.
Ganz so eine Frechheit ist die Behauptung der entsprechenden HNO-Ärzte
aus meiner Sicht also nicht.
Irritierend finde ich, dass dein Kollege bereits mehrfach wegen einer
Hyperplasie operiert wurde, was ja bedeutet, dass bereits mehrfach
sowohl eine entsprechende Diagnose gestellt wurde als auch der
dazugehörige Befund vorgelegen haben muss. Dieser Tatsache stehen nun
die aktuellen Aussagen gleich mehrer HNO-Ärzte entgegen, was die
Beurteilung des aktuellen Sachverhalts für mit dem Fall nicht betraute
Personen natürlich zusätzlich erschwert. Persönlich sehe ich folgende
drei Möglichkeiten:
1) drei unnötige Operationen resp. drei mal eine falsche Diagnose
-> eher unwahrscheinlich
2) der aktuelle Fall unterscheidet sich effektiv von den früheren und
es kann wirklich keine erneute Hyperplasie festgestellt werden
-> durchaus möglich!!
3) diagnostische Unsicherheit, hier müssten ev. weitere Untersuchungen
eingeleitet werden
-> möglich
> Kurzum, wo gibt es im Raum Frankfurt noch (richtige) HNO-Spezialisten,
> die in diesem Fall helfen können. Die UNI - Klinik Frankfurt war der
> Meinung, es handelt sich hierbei um gar nichts (kein Kommentar dazu!).
Ich kann nachvollziehen, dass dein Kollege sich wohl stark verunsichert
fühlt; trotzdem muss er ab einem gewissen Punkt den Aussagen der
Spezialisten vertrauen. Bei der mir leider nicht näher bekannten
Vorgeschichte kann ich gut verstehen, dass dein Kollege sich nicht mit
zwei sich deckenden Fremdmeinungen zufriedengibt; wenn jedoch eine ganze
Reihe von Spezialisten der selben Meinung sind, sollte dies ein Indiz
für die richtige Diagnose sein.
Nun kann ich dir nicht sagen, vieviel Fremdmeinungen sich dein Kollege
einholen darf/soll; es besteht jedoch die Gefahr, dass er solange sucht,
bis er jemanden findet, dessen Diagnose ihm zusagt/gefällt, was auch
nicht der Sinn der Sache sein kann.
Ich würde am ehesten nochmals auf der Uniklinik vorstellig werden, den
Fall genau schildern, inklusive der aufgrund der Vorgeschichte wohl
vorherrschenden Angst, nun etwas zu übersehen; gegebenenfalls auch darum
bitten, aufgrund der Vorgeschichte in diesem Fall einen erfahrenen
Kollegen aktiv in den Fall mit einzubeziehen sowie ggf. nochmals um eine
abschliessende, gründliche Diagnostik zu bitten, verbunden mit der klar
kommunizierten, ehrlichen Bereitschaft, wenn effektiv nichts gefunden
wird, zumindest versuchsweise eine psychologische Hilfe in Anspruch zu
nehmen. Zur Erinnerung: es ist effektiv absolut *keine* Seltenheit, dass
gewisse Druckgefühle im Hals sich am Ende als Manifestation eines - oft
auch durchaus kleinen - psychischen Problems (Stress, Ängste) entpuppen!
HTH, Ben.
Vielen Dank für die umfangreiche Info. Ich habe den Text kopiert und
meinem Bekannten gemailt. Er will sich auf jeden Fall noch einmal einem
Spezialisten widmen ;-)
Grüsse,
Karl