ich moechte gern meinen Leistenbruch operieren lassen.
Wie ich erfahren habe (auch aus dieser Newsgroup) gibt es
da verschiedene Methoden:
laparaskopisch/endoskopische vs. offen
Netz-einlage aus Polypropylen vs. "klassisch" Naehen
Nun meine Frage: Was ist fuer mich das beste?
Der Bruch hat ungefaehr die Groesse eines Huenereies (einseitig, links).
Ich bin 25 Jahre alt und spiele Trompete, das Bindegewebe wird also
regelmaessig sehr beansprucht. Beim Trompetespielen habe ich mir auch
den Bruch geholt.
Mein lokaler Chirurg empfahl mir die offene Methode ohne Netz. Mir
erscheint ein laparaskopisches Einsetzen eines Netzes aber sinnvoller,
es nimmt ja die Spannung aus dem Gewebe. Wenn man einfach nur
"zusammennaeht" ist doch dann immer Zug drauf. Und bei meinem
verhaeltnismaessig jungem Alter und der Beanspruchung durchs
Trompetespielen kommt der Bruch doch iregendwann wieder.
Mein Chirurg ist wahrscheinlich nur an der offenen Methode interessiert,
weil er die laparaskopische nicht durchfuehren kann -- ist aber eben
alles nur die Vermutungen eines Leien.
Kann mir jemand Tips geben? Wo kann man sich beraten lassen?
Gibt es in Deutschland Spezialzentren (ala "The British Hernia Centre"
London)?
Welche Buecher sind zum Thema zu empfehlen (deutsch oder englisch)?
Schoenen Dank fuer Eure Hilfe schon im voraus
Lars Goehler
lg...@hrz.tu-chemnitz.de
Davon ausgehend, dass es erstmalig zu einem Leistenbruch auf dieser Seite
gekommen ist folgende Feststellungen:
- Laparoskopisch ueber die Bauchhoehle mit Netzeinlage
Bauchhoehle wird eroeffnet mit daraus resultierenden Komplikationen und
Verletzungen von Bauchorganen. Das Netz stellt ein Fremdmaterial dar fuer
das es noch keine Langzeiterfahrung (> 20 Jahre) gibt hinsichtlich Wanderung
und Fremdkoerperreaktion. Es gibt dazu noch keine Langzeiterfahrung an einer
groesseren Patientenzahl bzgl. eines erneuten Leistenbruches.
- Laparoskopisch ausserhalb der Bauchhoehle mit Netzeinlage
Nutzen fraglich, technisch schwierig (unuebersichtlich). Bzgl Netz siehe
oben. Sehr wenig Erfahrung.
- Offen mit Netzeinlage
(Z.B. OP nach Lichtenstein) Nur zwei gute (prospektiv, randomisiert)
Studien. Nachbeobachtungszeit allerdings nur 5 Jahre (international wird
inzwischen 10 Jahre gefordert). Wird in den meisten Kliniken bei einem
Rezidiv nach vorangegangener "klassischer Versorgung" eingesetzt. Problem
Netz siehe oben. Bei einem Rezidiv kann eine erneute Versorgung nach
vorangegangener Lichtenstein-OP sehr schwierig werden, aufgrund von
entsprechenden Verwachsungen. Trotzdem manche Kliniken favorisieren diesen
Eingriff.
- Offen mit Raffung ("klassisch")
Ausser bei Kindern gilt die Versorgung in der Technik nach Shouldice als
Golden-Standard. Bei richtiger Durchfuehrung, sind hier die niedrigsten
Rezidivraten zu erwarten. Einzige Methode mit ausreichender
Langzeiterfahrung im Rahmen prospektiv, randomisierter Studien.
Anbieten kann man immer viel, aber nicht alles was technisch machbar und neu
ist, muss auch das Beste sein. In diesem Sinne gute Besserung...
Peter Collet
> - Offen mit Raffung ("klassisch")
> Ausser bei Kindern gilt die Versorgung in der Technik nach Shouldice als
> Golden-Standard.
Hallo, meine Frage: was ist dann bei Kindern der beste Standard?Susann
Aufgrund des Wachstums und der fehlenden Schwaeche der Leistenkanalhinterwand
sind bei Kindern Erwachsenenmethoden mit Doppelung der Faszie (bzw. Raffung)
oder Einbringen von Fremdkoerpern (Netz) kontraindiziert. Es erfolgt nur die
hohe Abtragung des Bruchsackes nach Reposition des Inhalts.
Die geringen technischen Varianten (nach Bastianelli, Ferguson, Czerny) sind
unerheblch, das Ziel ist in jedem Fall die moeglichst anatomische
Rekonstruktion.
Im Gespraech, bzw. umstritten, ist die Notwendigkeit der Exploration der
Gegenseite, wird aber AFAIK ueberwiegen nicht durchgefuehrt.
Gruss,
Raul.
>- Offen mit Netzeinlage
>(Z.B. OP nach Lichtenstein) Nur zwei gute (prospektiv, randomisiert)
>Studien. Nachbeobachtungszeit allerdings nur 5 Jahre
...
>Problem Netz siehe oben.
Zum Thema Netz: Natürlich kann es zu Gegenreaktionen kommen, so etwas
kann man aber im voraus durch entsprechende Tests klären.
Langzeiterfahrung fehlt, das ist wohl wahr. Dennoch, auch ich gehöre
zu den Befürwortern der Lichtenstein-OP, denn viel stabiler kann man
es wirklich nicht machen, was für Dich als Trompeter von Interesse
sein sollte.
>
>- Offen mit Raffung ("klassisch")
>Ausser bei Kindern gilt die Versorgung in der Technik nach Shouldice
als
>Golden-Standard. Bei richtiger Durchfuehrung, sind hier die
niedrigsten
>Rezidivraten zu erwarten. Einzige Methode mit ausreichender
>Langzeiterfahrung im Rahmen prospektiv, randomisierter Studien.
>
>Anbieten kann man immer viel, aber nicht alles was technisch machbar
und neu
>ist, muss auch das Beste sein. In diesem Sinne gute Besserung...
>
Nicht alles, was schon seit Jahrzehnten bewährt ist, muß auch heute
noch die Methode der Wahl sein. Beispiel Bassini.
Alles Gute
Patrick
Welche Tests meinst Du?
Gibt es Allergie-Tests auf Polypropylene?
Fuehrt Ihr solche Tests praeoperativ durch?
Ich waere an Literaturhinweisen sehr interessiert.
Gruss,
Raul.
> Zum Thema Netz: Natürlich kann es zu Gegenreaktionen kommen, so etwas
> kann man aber im voraus durch entsprechende Tests klären.
> Langzeiterfahrung fehlt, das ist wohl wahr. Dennoch, auch ich gehöre
> zu den Befürwortern der Lichtenstein-OP, denn viel stabiler kann man
> es wirklich nicht machen, was für Dich als Trompeter von Interesse
> sein sollte.
Entsprechende Tests sind mir nicht bekannt, insbesondere es sich bei
Problemen um eine Typ IV-Reaktion handelt. Da meines Wissens aber bislang
der genaue Mechanismus nicht bekannt ist bei entsprechender
ueberschiessender Granulation durch Polypropylen wuesste ich auch keinen
sinnvollen Test.
Mein Hauptkritikpunkt an der OP nach Lichtenstein, die in der Tat gute
Resultate zeigt und eine elegante Operationsmethode darstellt, ist aber v.a.
der Einsatz bei Primaeroperationen. Bei Rezidiven kann ein erneuter Repair
nach vorausgegangener Netzeinlage zum regelrechten Debakel werden. Solange
genuegend autologes Material (Fascia transversalis) zur Verfuegung steht,
sehe ich nicht ganz ein Fremdmaterial zu verwenden.
In diesem Sinne...
Peter