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Imap als Beruhigungsmittel

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Helmut und Manu

unread,
Jul 9, 1998, 3:00:00 AM7/9/98
to
Hallo Christian!

Ich kann nur bestaetigen, was Du da schreibst! Ich selbst musste schon
erfahren,
wie unprofessionell Aerzte damit umgehn! Ich war einmal bei einem
Allgemeinarzt,
weil ich leichte Magenschmerzen hatte und irgendetwas gegen Sodbrennen
verschrieben
haben wollte. Auf die Frage, ob die Schmerzen auch vom Stress kommen
koennten, bejahte
ich, da ich zu dieser zeit wegen dem Abitur tatasechlich Stress hatte.
Sie meinte,
das sei kein Problem, sie haette da ihre "Wunderspritze", die mich
gleich wieder
fit machen wuerde. Ich wollte wissen, was das fuer ein Zeug ist und sie
meinte "Imap,
das sagt ihnen ja doch nichts". An sich dachte ich, sie wollte mir eine
Vitaminspritze
verabreichen oder so etwas. Ich hatte Glueck, denn ich kannte Imap aus
meiner Facharbeit,
die ich ueber den Missbracuh von Psychopharmaka schrieb. Ich war
ziemlich entsetzt, denn
Imap ist ja zudem noch ein Depotneuroleptika, das heisst die Inhalts
bzw. Wirkstoffe
verweilen mittels einer Emulsion mehrere Tage im Koerper. Meiner Meinung
nach wird
ein Depotneuroleptika nur bei der Behandlung von akut psychotischen
Patienten verabreicht
und auch dann nur, wenn Gefahr bestuende, dass diese ihre taegliche
Tabletteneinnahme
"sabotieren" wuerden. Wegen der sehr schlimmen und teilweise
irreversiblen Nebenwirkungen
der Neuroleptika finde ich gerade Depotneuroleptika so gefaehrlich, weil
im Falle einer
Nebenwirkung das Medikament nicht abgesetzt werden kann!

Aber wen wundert es, dass Hausaerzte zu solchen unverantwortliche
Mitteln greifen?
Schon die Pharmaindustrie wendet ihre Werbung konkret an den
Allgemeinmediziner,
nun ist der Bereich der psychischen Erkrankungen auch fuer den Hausarzt
erschliessbar,
er kann mittels Medikamenten die "Probleme" seiner Patienten behandeln.
Die Herstellerfirma von Imap wirbt mit folgenden Spruechen:

Ein Foto,- abgebildet ist eine junge Frau, die nur halb einen Stuhl
besetzt -, ist
folgendermassen betextet: "Ich brauch was fuer den Magen, hatte sie
forsch gesagt, und
nach einem ausfuehrlichen Gespraech wusste ich, sie braucht was fuer die
Psyche und
gab Imap 1,5 mg."

Wenn ich das schon lese kocht mir die Wut hoch! Sicherlich sind
Magenschmerzen
oft durch Probleme bedingt, aber da ist noch lange keine Berechtigung
sie mit
so einem chemischen Hammer zu beseitigen.

Ich rate daher jedem gruendlich, sich ueber die Medikamente zu
informieren,
bevor man sich leichtfertig etwas verabreichen laesst!

Vielle Gruesse, Manu



> Ich wollte in dieser Diskussionsgruppe einmal ein Thema zur Diskussion
> stellen, das meiner Meinung nach nicht unbedeutend ist, nämlich den
> meiner Meinung nach allzu leichtfertigen Einsatz des Neuroleptikums
> Imap.
>
> Ich selbst bin (glücklicher Weise) niemals mit diesem Mittel in
> Verbindung gekommen, aber ich weiß, daß bei Ärzten in meiner Region der
> Einsatz sehr, sehr weit verbreitet ist. Mir sind in diesem Zusammenhang
> etliche Fälle, mit einer Ausnahme übrigens ausnahmlos Frauen, bekannt,
> die wegen leichten Streßsituationen oder auch nur leichten
> Herzrhythmusstörungen zu ihren Hausärzten gegangen sind. Dort erhielten
> sie auf der Stelle eine Imap-Spritze. Ich weiß, daß dieses Mittel ihnen
> wörtlich als "leichtes Beruhigungsmittel" beziehungsweise als
> "aufbauendes und leicht entspannendes Präparat" angepriesen wurde. Eine
> Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen fand in keinem Fall statt.
> Die Reaktionen dieser Personen auf das Mittel war in allen Fällen wohl
> erschreckend und extrem unangenehm. Sie beschrieben mir die Wirkung als
> "ein schwebendes Gefühl im Kopf", "Abstumpfung gegenüber der Außenwelt",
> etc..
>
> Mir stellen sich in diesem Zusammenhang mehrere Fragen.
> 1. Ist die Verwendung von einem Neuroleptikum, das ja eigentlich gegen
> Psychosen entwickelt worden ist, als Beruhigungsmittel überhaupt zu
> vertreten?
> 2. Wie weit ist die Verwendung als Beruhigungsmittel verbreitet?
> 3. Wäre es nicht wenigstens erforderlich gewesen, genaue Informationen
> über das verabreichte Mittel zu geben, statt bewußt verschleiernde und
> irreführende Begriffe zu gebrauchen?
>
> Gruß,
> Christian


Matthias Zwing

unread,
Jul 9, 1998, 3:00:00 AM7/9/98
to

Helmut und Manu <Dusch...@t-online.de> schrieb im Beitrag
<6o2rag$gh1$1...@news02.btx.dtag.de>...

> > Ich wollte in dieser Diskussionsgruppe einmal ein Thema zur Diskussion
> > stellen, das meiner Meinung nach nicht unbedeutend ist, nämlich den
> > meiner Meinung nach allzu leichtfertigen Einsatz des Neuroleptikums
> > Imap.
> >
> > Ich selbst bin (glücklicher Weise) niemals mit diesem Mittel in
> > Verbindung gekommen, aber ich weiß, daß bei Ärzten in meiner Region der
> > Einsatz sehr, sehr weit verbreitet ist. Mir sind in diesem Zusammenhang
> > etliche Fälle, mit einer Ausnahme übrigens ausnahmlos Frauen, bekannt,

[...]

Nun, ich kenne auch einige tolle Fälle aus dem klinischen Alltag. Aber um
diese Diskussion sachlich zu halten, interessieren Einzelfälle (und darum
handelt es sich!) aus dem Bekanntenkreis eigentlich nicht.

Aber zur Sache: Neuroleptika sind - im Gegensatz zu Antidepressiva und
Sedativa (wie Benzodiazepine) - eben KEIN "gutes Gefühl" für die Patienten,
sondern eher eine unschöne "Distanziertheit".

> > Mir stellen sich in diesem Zusammenhang mehrere Fragen.
> > 1. Ist die Verwendung von einem Neuroleptikum, das ja eigentlich gegen
> > Psychosen entwickelt worden ist, als Beruhigungsmittel überhaupt zu
> > vertreten?

Bei Fluspirilen und ähnlichen Medikamenten handelt es sich um relativ
moderne Medikamente. Ich denke, sie sind nicht primär gegen Psychosen
entwickelt worden (das ist ja nur ein relativ kleiner Markt). Indikationen
sind u.a. psychomotorische Erregungszustände, Unruhe, Agitiertheit und
Schlafstörungen. Der Vorteil dieser Medikamente liegt in den nur geringen
vegetativen Nebenwirkungen !

Prinzipiell kommt also der Einsatz in Betracht, allerdings sollte IMHO die
Indikation sehr streng gestellt werden. Ein bißchen Streß, Unruhe o.ä.
gehören IMHO überhaupt NICHT dazu!

> > 3. Wäre es nicht wenigstens erforderlich gewesen, genaue Informationen
> > über das verabreichte Mittel zu geben, statt bewußt verschleiernde und
> > irreführende Begriffe zu gebrauchen?

Unbedingt! Alles andere ist zumindest verantwortungslos, wenn nicht gar
strafbar.

> Ich kann nur bestaetigen, was Du da schreibst! Ich selbst musste schon
> erfahren,
> wie unprofessionell Aerzte damit umgehn! Ich war einmal bei einem
> Allgemeinarzt,

Auch das ein - wenn auch erschreckender - Einzelfall.

[...] Ich war


> ziemlich entsetzt, denn
> Imap ist ja zudem noch ein Depotneuroleptika, das heisst die Inhalts
> bzw. Wirkstoffe
> verweilen mittels einer Emulsion mehrere Tage im Koerper.

Nicht unbedingt. Imap KANN als Depotneuroleptikum verabreicht werden, muß
aber nicht. Bei einer Erstgabe wird es in aller Regel NICHT als Depot
gespritzt.

> Wegen der sehr schlimmen und teilweise
> irreversiblen Nebenwirkungen
> der Neuroleptika finde ich gerade Depotneuroleptika so gefaehrlich, weil
> im Falle einer
> Nebenwirkung das Medikament nicht abgesetzt werden kann!

Welche irreversiblen Nebenwirkungen gibt es denn Deiner Meinung nach?

Eben weil man ein Depot-Medikament nicht absetzen kann, spritzt man den
Stoff erstmal NICHT als Depot und schaut nach.

> Ein Foto,- abgebildet ist eine junge Frau, die nur halb einen Stuhl
> besetzt -, ist
> folgendermassen betextet: "Ich brauch was fuer den Magen, hatte sie
> forsch gesagt, und
> nach einem ausfuehrlichen Gespraech wusste ich, sie braucht was fuer die
> Psyche und
> gab Imap 1,5 mg."

Ja, eine Unverschämtheit. Auf solchen Müll dürfte man aber als STUDIERTER
Arzt eigentlich nicht reinfallen. Imerhin steht ja "NACH einem
ausführlichen Gespräch" dabei - als Alibi gewissermaßen.

> Ich rate daher jedem gruendlich, sich ueber die Medikamente zu
> informieren,

Gilt immer und für alle Behandlungen!

> bevor man sich leichtfertig etwas verabreichen laesst!

Na ja, ich weiß nicht, ob ein Arzt etwas "leichtfertig" verabreicht. Mit
solchen Unterstellungen sollte man vorsichtig sein.

In der Tat haben wir aber ein Psychopharmaka-Problem in Deutschland aber
wohl vor allem mit Antidepressiva und Benzodiazepinen. Viele Patienten
geraten in einen Teufelskreis, weil die medikamentöse Flucht vor
unangenehmen Gefühlen so schön und einfach ist. Neuroleptika sind dabei
IMHO kein großes Problem.


Gruß,
Matthias

Ralph Eisermann

unread,
Jul 11, 1998, 3:00:00 AM7/11/98
to

>
> Na ja, ich weiss nicht, ob ein Arzt etwas "leichtfertig" verabreicht. Mit

> solchen Unterstellungen sollte man vorsichtig sein.
Naja, also Aerzte sind Menschen. Und Menschen handeln oft leichtfertig. Daher
werden auch Aerzte haeufig leichtfertig handeln, auch ich koennte da ein paar
Geschichtchen zum Besten geben. Am Besten sind diese ganzen Trottel mit ihren
Antibiotika-Kurztherapien bei Sinusitiden :(((

Ich: Das ist aber nur fuer 4 Tage
Arzt: Das reicht schon, das ist ja ein starkes Medikament.


>
> In der Tat haben wir aber ein Psychopharmaka-Problem in Deutschland aber
> wohl vor allem mit Antidepressiva und Benzodiazepinen. Viele Patienten

> geraten in einen Teufelskreis, weil die medikamentoese Flucht vor
> unangenehmen Gefuehlen so schoen und einfach ist. Neuroleptika sind dabei
> IMHO kein grosses Problem.
Ich glaube nicht dass wir bei Antidepressiva ein grosses Problem haben. Es
ist eben so dass wir bei ADs einen Wachstumsmarkt haben weil a) Depressionen
momentan eine Modethema sind und b) weil seit Anfang der 90er etliche neue
Medikamente eingesetzt worden sind, zugleich entdeckt man seit den spaeten
80ern ein Mittel aus der Naturheilkunde wieder, das Johanniskraut.

So wie Du redest kann nur jemand schreiben der selbst nicht betroffen ist.
Antidepressiva, mit der Ausnahme von Johanniskraut das es inzwischen sogar
als wirksames Praeparat beim Aldi gibt ( die angegebene Dosis duerfte wirksam
sein, bis zu 6 x 180 mg Extrakt ) und das mit Ausnahme einiger Praeparate
fuer diffuse traditionelle Indikationen im Umfeld der Depression verkauft
wird, sind Medikamente die man nicht ohne Grund nimmt, weil sie eben auch
saftige Nebenwirkungen haben, wenngleich einige moderne ADs weniger
Nebenwirkungen haben.
ADs sind auch Medikamenten die nicht so schnell rezeptiert werden, bei Benzos
sieht das anders aus, auch meine Oma wurde mal von einem Trottel abhaengig
gemacht, "fuer die Nerven"...naja, nun ist meine Oma eine stabile,
willensstarke Frau, die sich dann eben selbst entzogen hat...
Depressionen sind nicht einfach "unangenehme Gefuehle", Depressionen engen
die Lebensfuehrung ein, behindern Deinen beruflichen Werdegang und loesen
Suizide aus... eine Depression ist ein komplexes Krankheitsbild.
Offengestanden bin ich jetzt ein wenig sauer dass Du das so trivialisierst
und bagatellisierst.
Zudem gibt es eben keine Alternative zu Medikamenten, die die Medikamente, im
speziellen Antidepressiva als Irrweg geisseln braeuchten IMO allzuoft selbst
welche....
Ich kann uebrigens nicht erkennen, dass Antidepressiva den Patienten in einen
Teufelskreis fuehren wuerden...


Mit Ausnahme einiger weniger Meds kann man ADs zudem nicht kurzfristig
einnehmen, man muss wochenlang das Medikament einnehmen bis es wirkt.

Bei Benzos ist das anders, hier gab und gibt es viele approbierte Dealer,
ebenso gibt es auch viele Menschen die sich damit "beruhigen", aber das
aendert nichts daran dass es Menschen gibt die ohne diese Medikamente nicht
leben koennen.


Bei Depressionen bestehen m.E. auch wenig Alternativen zur medikamentoesen
Therapie, Verhaltenstherapie kann man machen aber sonst...
Psychoanalyse ist m.E. ein teures Placebo...OK, nicht in jedem Fall aber
meistens...


Im uebrigen ist m.E. das Marketing der Pharmaindustrie bei Neuroleptika seit
Jahren skandaloes und Politik und Verwaltung muessten hiergegen einschreiten.
So hilfreich Neuroleptika manchmal sein moegen, so verwerflich ist das
Marketing.

>
>
>
>
> Gruss,
> Matthias

--

Ralph Eisermann
Wuermstrasse 1c
Karlsfeld bei Muenchen
D - 85757

r.eis...@link-m.de
a2c...@sunmail.lrz-muenchen.de ungueltig !

ISDN: 49-8131-505338

Matthias Zwing

unread,
Jul 11, 1998, 3:00:00 AM7/11/98
to

Christian <cff...@gmx.de> schrieb im Beitrag <35A5C6BC...@gmx.de>...

> Aber der Anstieg der Verschreibung von Neuroleptika beträgt jährlich
> ca. 5%. Es stellt sich in diesem Zusammenhang erstmal die Frage, ob das
> proportional zum Anstieg schwerer psychischer Erkrankungen in der
> Gesamtbevölkerung ist.

IMHO nein.

> Zum zweiten wurden von Seiten der Pharmaindustrie in jüngster Zeit
folgende
> Anwendungsfelder für Neuroleptika angegeben: "[...]

Ja, und es gibt Haifisch-Flossen-Kapseln und ähnlichen "Scheiß der Woche".
Die Pharmaindustrie ist sich für nichts mehr zu blöd.

> Neuroleptika hingegen bei Schlafstörungen anzuwenden, wie Du es
schreibst,
> möchte ich doch einmal näher erläutert bekommen.

Nun, ich mach' sowas ja nicht, aber vor allem bei Melperon und Dipiperon
gehören Schlafstörungen zur Indikation.

> Ja. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle eine nette Anzeige aus dem
Lokalteil
> meiner Tageszeitung zitieren: "Lieber Dr. XY, zu Ihrem Praxisjubiläum
> gratulieren Ihnen Ihre Sprechstundenhilfen Frau X und Frau Y. Noch einmal
zehn
> Jahren mit Ihnen, und wir brauchen IMAP!"

LOL ! Ärzte sind eben auch nur Menschen.

> > Welche irreversiblen Nebenwirkungen gibt es denn Deiner Meinung nach?
>

> Gemeint sind vermutlich die sogenannten Spätdyskinesien, die Dir als Arzt
> sicher bekannt sein dürften. Symptome sind Bewegungsstörungen,
Kaubewegungen,
> Schmatzen, unwillkürliche Grimassen und rhythmisches Wippen von
Körperteilen.
> Auch bei niedriger Dosierung können diese unheilbaren Nebenwirkungen
meines
> Wissens nach nicht ausgeschlossen werden.

Ja, bei Versuchstieren. Da sind wohl auch Störungen im Menstruationszyklus
und der Ovulation beobachtet worden.

> > Ja, eine Unverschämtheit. Auf solchen Müll dürfte man aber als
STUDIERTER
> > Arzt eigentlich nicht reinfallen. Imerhin steht ja "NACH einem
> > ausführlichen Gespräch" dabei - als Alibi gewissermaßen.
> >
>

> Noch ein Beispiel aus nicht allzu ferner Vergangenheit: "Der alternde
Mensch
> fühlt sich allein gelassen... In dieser Situation benötigt Ihr Patient
ein
> schonendes Psychopharmakon. Buronil." Offensichtlich versprechen sich
die
> Werbestrategen der Pharmakonzerne trotz allem, mit dieser Art von Werbung
> Erfolg bei studierten Ärzten zu haben.

Wo hast Du nur den ganzen Werbemüll für Psychopharmaka her?

> > > Ich rate daher jedem gruendlich, sich ueber die Medikamente zu
> > > informieren,
> >
> > Gilt immer und für alle Behandlungen!
>

> Ja. Leider ist der durchschnittliche Mensch aber nicht unbedingt in der
Lage,
> komplizierte medizinische Zusammenhänge zu verstehen. Er/sie vertraut dem
Arzt.
> In den allermeisten Fällen natürlich auch gerechtfertigter Weise.

"Vertrauen ist der Anfang von allem !"


> Gerade wegen der Gefahren von Benzodiazepinen werden ja vermutlich die
> Neuroleptika immer öfters verwendet. Nur tauscht man dabei ein Übel gegen
das
> andere aus.

In der Tat.

> Wir kommen aber an dieser Stelle zu einem anderen Diskussionspunkt,
> nämlich wie weit Psychopharmaka als alleinige Therapieform geeignet sind.
Da
> das aber absolut über den Punkt, den ich zur Sprache bringen wollte
hinausgeht,
> nämlich den Einsatz von Neuroleptika bei vollkommen gesunden Menschen,
und zwar
> "gegen" Streß, Herzrhythmusstörungen, Magenschmerzen, etc., möchte ich
die
> Diskussion in dieser Richtung bitte nicht fortsetzen.

Ok.


Gruß,
Matthias

Matthias Zwing

unread,
Jul 11, 1998, 3:00:00 AM7/11/98
to

Ralph Eisermann <r.eis...@link-m.de> schrieb im Beitrag
<6xdd7...@link-m54.link-m.de>...


> > Na ja, ich weiss nicht, ob ein Arzt etwas "leichtfertig" verabreicht.
Mit
> > solchen Unterstellungen sollte man vorsichtig sein.
> Naja, also Aerzte sind Menschen. Und Menschen handeln oft leichtfertig.
Daher
> werden auch Aerzte haeufig leichtfertig handeln, auch ich koennte da ein
paar
> Geschichtchen zum Besten geben.

Na ja, wieder ein paar Geschichten aus dem Nähkästchen. Ich kenne auch
einen Patienten, der die Zäpfchen gelutscht hat.

> Am Besten sind diese ganzen Trottel mit ihren
> Antibiotika-Kurztherapien bei Sinusitiden :(((
>
> Ich: Das ist aber nur fuer 4 Tage
> Arzt: Das reicht schon, das ist ja ein starkes Medikament.

Nun, zur Prophylaxe von Spätfolgen (Rheumatisches Fieber, Endokarditis
lenta, AGN) bei Infektion mit GAS - und das ist nunmal der häufigste
Erreger von Angina, Tonsillitis etc. - ist eine Antibiose sehr sinnvoll und
da können 5 - 7 Tage durchaus ausreichen. Aminoglykoside beispielsweise
dürfen teilweise allerhöchstens eine Woche gegeben werden.

Allerdings bastelt man sich durch inkonsequente Antibiose in der Tat
irgendwelche Resistenzen selbst. Allzuoft werden aber auch verschriebene
Antibiotika eigenmächtig vom Patienten abgesetzt, sobald die Symptome
gebessert sind. Und das kommt wohl häufiger vor als zuwenig rezeptierte
Tabletten. Da könnt ich Dir Geschichten erzählen...

> > In der Tat haben wir aber ein Psychopharmaka-Problem in Deutschland
aber
> > wohl vor allem mit Antidepressiva und Benzodiazepinen. Viele Patienten
> > geraten in einen Teufelskreis, weil die medikamentoese Flucht vor
> > unangenehmen Gefuehlen so schoen und einfach ist. Neuroleptika sind
dabei
> > IMHO kein grosses Problem.
> Ich glaube nicht dass wir bei Antidepressiva ein grosses Problem haben.
Es
> ist eben so dass wir bei ADs einen Wachstumsmarkt haben weil a)
Depressionen
> momentan eine Modethema sind und b) weil seit Anfang der 90er etliche
neue
> Medikamente eingesetzt worden sind, zugleich entdeckt man seit den
spaeten
> 80ern ein Mittel aus der Naturheilkunde wieder, das Johanniskraut.

Nur weil neue Medikamente eingesetzt werden, wird doch nicht automatisch
der Verbauch höher. Es werden auch neue Antihypertonika eingesetzt, und der
Verbrauch steigt trotzdem nicht sprunghaft an.

Johanniskraut ist kein Antidepressivum. Es ging auch nicht darum, sondern
vor allem die ärztliche Verschreibungspraxis rezeptpflichtiger Sedativa.

> So wie Du redest kann nur jemand schreiben der selbst nicht betroffen
ist.

Wie meinst Du denn das?

> ADs sind auch Medikamenten die nicht so schnell rezeptiert werden, bei
Benzos
> sieht das anders aus,

Unsinn. Wie schnell hat jemand Aponal, Sinquan, Ludiomil, Stangyl, Tofranil
usw usw. in der Hand - alles trizyklische Antidepressiva!

> Depressionen sind nicht einfach "unangenehme Gefuehle", Depressionen
engen
> die Lebensfuehrung ein, behindern Deinen beruflichen Werdegang und loesen

> Suizide aus... eine Depression ist ein komplexes Krankheitsbild.

Das ist sehr richtig. Und genau für diese Aussage bin ich vor Wochen in
dieser Newsgroup an die Wand genagelt worden, weil ich FÜR den Einsatz von
Psychopharmaka (BEI KORREKTER INDIKATION) eingetreten bin, auch bei
endogener Depression!

> Offengestanden bin ich jetzt ein wenig sauer dass Du das so
trivialisierst
> und bagatellisierst.

Das tue ich nicht. Ich habe auch nie behauptet. Psychopharmaka seien
schlecht oder prinzipiell zu verteufeln. Genau das Gegenteil ist der Fall!
Aber gleichzeitig gibt es auch gerade bei Sedativa und Antidepressiva einen
erheblichen Mißbrauch, und genau DAS (und NUR das) habe ich beklagt!

> Zudem gibt es eben keine Alternative zu Medikamenten, die die
Medikamente, im
> speziellen Antidepressiva als Irrweg geisseln braeuchten IMO allzuoft
selbst
> welche....

Na ja, das halte ich für Schwachsinn.

> Ich kann uebrigens nicht erkennen, dass Antidepressiva den Patienten in
einen
> Teufelskreis fuehren wuerden...

Bei falscher Anwedung oder ohne Indikation können sie das durchaus tun.

> Bei Benzos ist das anders, hier gab und gibt es viele approbierte Dealer,

> ebenso gibt es auch viele Menschen die sich damit "beruhigen", aber das
> aendert nichts daran dass es Menschen gibt die ohne diese Medikamente
nicht
> leben koennen.

Auch das ist richtig, und ich habe nie das Gegenteil behauptet.

> Bei Depressionen bestehen m.E. auch wenig Alternativen zur
medikamentoesen
> Therapie, Verhaltenstherapie kann man machen aber sonst...
> Psychoanalyse ist m.E. ein teures Placebo...OK, nicht in jedem Fall aber

> meistens...

Nun ja, das muß man schon etwas differenzierter sehen. Psychoanalyse - na
ja, aber Psychotherapie ist KEIN Plazebo, auch wenn sie nicht immer wirkt
(eben beispielsweise bei endogener Depression).

> Im uebrigen ist m.E. das Marketing der Pharmaindustrie bei Neuroleptika
seit
> Jahren skandaloes und Politik und Verwaltung muessten hiergegen
einschreiten.
> So hilfreich Neuroleptika manchmal sein moegen, so verwerflich ist das
> Marketing.

Richtig.

Gruß,
Matthias

Monika Winz

unread,
Jul 12, 1998, 3:00:00 AM7/12/98
to
Ich konnte leider die Anfangsnachrichten zu diesem Thema abfragen, weil ich
zu spät war, aber mich interessiert es doch, weil ich über eine längere Zeit
Imap i.m. gespritzt bekommen habe.

Ich bekam sie, wegen meiner massiven Konversationsstörungen und sie half
eigentlich immer. Nur eine Nebenwirkung bekam ich massiv zu spüren:
GEWICHTSZUNAHME.
Ich bekam außerdem ca. 4 Monate das Medikament Saroten, welches diese
Nebenwirkung auch hat, worunter ich jetzt noch leide. Denn ich habe über
30kg deswegen zugenommen.

Monika

Matthias Zwing

unread,
Jul 12, 1998, 3:00:00 AM7/12/98
to

Christian <cff...@gmx.de> schrieb im Beitrag <35A89951...@gmx.de>...

> > Ja, und es gibt Haifisch-Flossen-Kapseln und ähnlichen "Scheiß der
Woche".
> > Die Pharmaindustrie ist sich für nichts mehr zu blöd.
>

> Beschrei es nicht zu laut! Sonst kommt gleich wieder die Esoterikerfront
und
> behauptet, daß Haifischflossen doch wirken!!! ;-)

Nun ja, Haifischflossen wirken ja auch, besonders in Meerwasser und wenn
der restliche Fisch noch dran ist! Dann wirken sie wie die Hölle! :-)

> Es stellt sich sogar die Frage, ob nicht ein kurzzeitiger und
kontrollierter
> Einsatz von Benzodiazepinen in vielen Fällen sinvoller als der Einsatz
von
> Neuroleptika ist. Will ich aber weder mit einem ja, noch mit einem nein
> beantworten, weil ich davon wirklich nicht genug Ahnung habe.

Nun ja, sicher eine Einzelfall-Entscheidung, für die der betreffende Arzt
schließlich ja auch verantwortlich ist.
Vielleicht ist es hier gerade die Tatsache, daß Ärzte eben NICHT
leichtfertig sind und wegen des Schreckgespenstes der Abhängigkeit von
Benzodiazepinen auf (von der Pharmaindustrie angepriesene) Neuroleptika
ausweichen.


Gruß,
Matthias

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Bonita Montero

unread,
May 24, 2018, 8:25:14 AM5/24/18
to
Am 23.05.2018 um 18:36 schrieb mackelhi...@gmail.com:
> Das ist so schrecklich besonders das keiner einem sagt,dass das auch paradox wirken kann. Statt ruhiger wird mal nach jeder Spritze aufgekratzter. Das ist das Schlimmste was ich je erlebt habe.

Ich find Imap scheiße! Das gibt's nur als Depot-Neuroleptikum und wenn
es nicht vertragen wird, dann macht das die ganze Zeit bis es abgebaut
ist Probleme. Andere Depot-Neuroleptika gibt es auch als Nicht-Depot
-Tablette, womit man schnell die Verträglichkeit festsellen kann ehe
man ein Depot spritzt.
Außerdem gehört Imap zu den Neuroleptika mit den höchsten EPS-Raten,
weswegen oft noch zusätzlich Akineton gegeben werden muss.
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