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Empfehlung: Maple oder Mathematica?

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Kaya Memisoglu

unread,
Sep 27, 2001, 1:10:49 PM9/27/01
to
Hallo NG,

ich möchte mit diesem Posting keinen Flame-War entfachen, habe
aber eine Frage: Welches Programm (Maple oder Mathematica) könnt
ihr einem Mathematik-Studenten eher empfehlen?

Da leider nur von Maple eine Testversion existiert, kann ich
Mathematica nicht beurteilen. Der Funktionsumfang von Maple
reicht auf jeden Fall dicke aus.

Wie "fühlt" sich denn Mathematica im Gegensatz zu Maple an, oder
existieren keine nennenswerte Unterschiede?

Und was geht den Funktionsumfang an? Haben beide Programme
unterschiedliche Schwerpunkte?

Wie sieht die Programmierung eigener Routinen bei beiden Programmen
aus?

Wie sieht das eigentlich mit dem TeX-Export aus? Ist der brauchbar?

Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt, wenn nicht der entscheidende,
ist einfach: Welches der Programme wird denn mehr an Unis in
Deutschland eingesetzt?

Fragen über Fragen, aber vielleicht könnt ihr mir helfen.

Grüße,
Kaya


KK

unread,
Sep 30, 2001, 5:30:40 PM9/30/01
to
In article <9ovmka$rif$03$1...@news.t-online.com>,
"Kaya Memisoglu" <k.mem...@majix.de> wrote:

> ich möchte mit diesem Posting keinen Flame-War entfachen, habe
> aber eine Frage: Welches Programm (Maple oder Mathematica) könnt
> ihr einem Mathematik-Studenten eher empfehlen?

Ich benutze Mathematica, aber ich kenne auch viele Leute, die Maple
verwenden. Evtl. hat Deine Uni beide Programme im Computerpool, und
Anleitungen sollten dann auch zu finden sein. So koenntest Du Dir selber
ein Bild machen.

> Wie "fühlt" sich denn Mathematica im Gegensatz zu Maple an, oder
> existieren keine nennenswerte Unterschiede?

Ich glaube, bei Mathematica kann man etwas einfacher drauflos rechnen,
aber so gut kenne ich Maple nicht. Beide Programme sind sehr
fehlerbehaftet.

> Und was geht den Funktionsumfang an? Haben beide Programme
> unterschiedliche Schwerpunkte?

Das bleibt sich ziemlich gleich, denke ich.

> Wie sieht die Programmierung eigener Routinen bei beiden Programmen
> aus?

Mathematica ist eine Lisp (d.h. Listen)-basierte Programmiersprache, die
aber auch Fortran-Elemente anbietet. Maple weiss ich nicht.

> Wie sieht das eigentlich mit dem TeX-Export aus? Ist der brauchbar?

Bei Mathematica auf gar keinen Fall. Schon weil Terme in Gleichungen auf
etwas sonderbare Weise sortiert werden. Ausserdem braucht man
irgendwelche riesige Makropackete, um den TeX-Export ueberhaupt TeXen zu
koennen.

> Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt, wenn nicht der entscheidende,
> ist einfach: Welches der Programme wird denn mehr an Unis in
> Deutschland eingesetzt?

Ueberall wird beides und vieles anderes benutzt...

KK

Christian Ohn

unread,
Oct 1, 2001, 5:21:57 AM10/1/01
to
Kaya Memisoglu wrote:
> Welches Programm (Maple oder Mathematica) könnt
> ihr einem Mathematik-Studenten eher empfehlen?

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: http://www.mupad.de

Natürlich hängt das auch davon ab, was evtl. im Unterricht gebraucht wird;
dann muß man sich ggf. an Mathematica oder Maple anpassen. Weiter sind
diese Programme wahrscheinlich auch etwas besser ausgestattet als MuPAD.

Aber MuPAD hat einen entscheidenen Vorteil: für Studenten und Lehrpersonal
ist die Lizenz gratis (unter MS-Windows allerdings nur die Light-Version).
Einen Versuch ist es also schon wert.

(Disclaimer: ich bin nur ein glücklicher Benutzer von MuPAD und habe
keinerlei Verbindung mit den Autoren oder den Verkäufern diese Programms.)

--
Christian Ohn
email: fr.rei...@ohn.christian (Reihenfolge umdrehen)
Web: http://christian.ohn.free.fr/math/

Kaya Memisoglu

unread,
Oct 1, 2001, 11:53:40 AM10/1/01
to
Vielen Dank für die Empfehlungen! Ich habe mir auch noch einmal
Mupad angesehen (ich hatte noch eine 1.4er Version, die unter
Windows 2000 jedoch nicht lief, die 2.0 tuts jedoch bestens).

Ich glaube, meine Wahl wird auf Mathematica fallen - ich habe
ebenfalls den Eindruck, dass man mit Mathematica durch die
Paletten schneller losrechnen kann, ohne dass man zu lange
nach den Namen der gewünschten Funktion suchen muss. Auch
der Syntax gefällt mir (was ich auf Wolframs Webseite gesehen
habe) besser als Maple.

Mupad hat zwar auch in den Menüs eine ganze Reihe von Funktionen,
aber mich überzeugen die grafischen Fähigkeiten von Mupad nicht
so ganz.

Schließlich ist Mathematica für Studenten auch rund 100DM
billiger als Maple für Studenten.

Vielen Dank und viele Grüße,
Kaya

Christian Eissner

unread,
Oct 1, 2001, 12:06:55 PM10/1/01
to

"Kaya Memisoglu" <k.mem...@majix.de> schrieb:

> Hallo NG,
>
> ich möchte mit diesem Posting keinen Flame-War entfachen, habe
> aber eine Frage: Welches Programm (Maple oder Mathematica) könnt
> ihr einem Mathematik-Studenten eher empfehlen?

Diese Frage kommt mir immer so vor wie: "Was ist besser, eine Mercedes
oder ein BMW?"

Ich persönlich bevorzuge Mathematica. Die Version 4.1 ist auch vom
FrontEnd mittlerweile sehr schön und intuitiv. Bei Maple ist mir
aufgefallen, daß der Syntax nicht immer "durchgängig" ist. Das hat mich
ein wenig genervt.

Viele Grüße
Chris!

Hendrik van Hees

unread,
Oct 1, 2001, 1:47:57 PM10/1/01
to
Kaya Memisoglu wrote:


> Ich glaube, meine Wahl wird auf Mathematica fallen - ich habe
> ebenfalls den Eindruck, dass man mit Mathematica durch die
> Paletten schneller losrechnen kann, ohne dass man zu lange
> nach den Namen der gewünschten Funktion suchen muss. Auch
> der Syntax gefällt mir (was ich auf Wolframs Webseite gesehen
> habe) besser als Maple.

Das ist der richtige Ansatz, aber es sei gewarnt: Wie alle eierlegenden
Wollmilchsäue kann Mathematica zwar fast alles aber auch fast nichts
richtig. Wenn Du z.B. bestimmte Integrale mit Funktionen mit Schnitten in
der komplexen Ebene hast (kommt schon bei sehr einfachen Integralen wie
1/(1-x^2), integriert über x, vor), kommt oft nicht heraus, was man gerade
meint (Bugs, von den Wolfram behauptet, es seien Features, bestimmt nicht
Wolfram persönlich, aber diejenigen, die in der von Wolfram Research
moderierten Newsgroup antworten). Es ist dann immer geraten, mit der
numerischen Integration nachzuprüfen, ob das Resultat auch stimmt, was dann
natürlich immer nur stichprobenhaft für bestimmte Parameterwerte geht!

Ich will Mathematica nicht schlecht machen. Es leistet eine hervorragende
Arbeit, aber man muß die Ergebnisse sehr kritisch beäugen, bevor man sie
glaubt, aber als Mathematiker (insbesondere Numeriker) sollte man sowieso
immer einen kritischen Blick auf Resultate werfen :-)).

Ich weiß nicht, ob Maple besser oder schlechter ist, weil ich es nicht
kenne.

MuPAD habe ich auch schon mal über mehrere Versionen hinweg ausprobiert.
Nur leider kann man keine "Sessions" gescheit abspeichern, womit es für
mich nicht sinnvoll ist, es für "echte" Production work zu benutzen, denn
die hätte ich dann doch gerne gespeichert und wiederverwendet.

Vom Funktionsumfang her kann es sich aber durchaus mit den teureren
Konkurrenten messen. Wenn Du nur mal in die Computeralgebrawelt
hineinschnuppern und damit herumspielen willst, ist es bestens geeignet.
Mathematica & Co. sollte man sich erst mal gut angucken (z.B. an einem
Unirechner), bevor man sie kauft, obwohl die Studentenversionen für den
gelieferten Funktionsumfang höchst fair sind. Ein Kollege von mir rechnet
sogar aktuelle Forschung mit Mathematica (Gebiet: Fermionische Atome in
Fallen), und das mit bestem Erfolg. Für meine Numerik bevorzuge ich
allerdings gutes altes Fortran, weil's für prozedural zu programmierendes
Number Crunching immer noch um Klassen schneller ist als Mathematica.

Weiter ist es gut, wenn man sich erkundigt, ob die Hochschule, an der man
studiert, Campuslizenzen für eines der beiden Programme besitzt. Dann
kriegst Du eine Vollversion für Deinen Privat-PC praktisch geschenkt, und
das auch noch legal.


>
> Mupad hat zwar auch in den Menüs eine ganze Reihe von Funktionen,
> aber mich überzeugen die grafischen Fähigkeiten von Mupad nicht
> so ganz.

Man sollte die graphischen Fähigkeiten des Frontends nicht überbewerten.
Wichtig ist nicht, daß alles schön "klicky-bunty" ist (sowas ist auch oft
störanfällig), sondern welche mathematischen Funktionen wie gut
implementiert sind.

Ein etwas anderes CA-System ist FORM. Das arbeitet nur in der Konsole und
kann so gut wir gar nichts. Dafür läßt es sich sehr leicht mit
selbstprogrammierten algebraischen Strukturen füttern (wen wundert's dafür
ist's gemacht ;-)). Es kostet nichts und ist *sehr* schnell. Du findest
eine bequeme Zusammenstellung dieses Programms auf meiner Homepage. Es sei
betont, daß es nicht von mir stammt. Ich fand nur die Originalhomepage so
unbequem, was die Downloads betrifft, so daß ich das ganze als tar.gz oder
zip-File zusammengebastelt habe.


--
Hendrik van Hees Home: http://theory.gsi.de/~vanhees/
c/o GSI-Darmstadt SB3 3.183 FAQ: http://theory.gsi.de/~vanhees/faq/
Planckstr. 1
D-64291 Darmstadt mailto:h.va...@gsi.de

Kaya Memisoglu

unread,
Oct 1, 2001, 4:06:03 PM10/1/01
to
"Hendrik van Hees" <h.va...@gsi.de> schrieb im Newsbeitrag
news:9paa8e$hcmq4$1...@fu-berlin.de...

> Mathematica & Co. sollte man sich erst mal gut angucken (z.B. an einem
> Unirechner), bevor man sie kauft, obwohl die Studentenversionen für den
> gelieferten Funktionsumfang höchst fair sind.
Das denke ich auch. Mit 300 Märker kann man, glaube ich, nicht wirklich
einen Fehler machen, solange Ernährung und Miete durch diese Ausgabe
nicht beeinträchtigt werden ;)

> Für meine Numerik bevorzuge ich
> allerdings gutes altes Fortran, weil's für prozedural zu programmierendes
> Number Crunching immer noch um Klassen schneller ist als Mathematica.

Das ist Geschmackssache - ich konnte mich mit Fortran als Programmiersprache
bis jetzt nicht so recht anfreunden. Aber vielleicht sieht die Sache aus der
Sicht eines Mathematikers, der kein tolles Programm mit vielen Klassen
schreiben will, sondern ein numerisches Problem lösen möchte, anders
aus...

> Weiter ist es gut, wenn man sich erkundigt, ob die Hochschule, an der man
> studiert, Campuslizenzen für eines der beiden Programme besitzt. Dann
> kriegst Du eine Vollversion für Deinen Privat-PC praktisch geschenkt, und
> das auch noch legal.

Es gab bei uns mal eine Maple-Lizenz - allerdings wurde die AFAIK nicht
verlängert, und es handelte sich um eine alte Version, die ebenfalls
nicht unter Windows 2000 lief.

> Man sollte die graphischen Fähigkeiten des Frontends nicht überbewerten.
> Wichtig ist nicht, daß alles schön "klicky-bunty" ist (sowas ist auch oft
> störanfällig), sondern welche mathematischen Funktionen wie gut
> implementiert sind.

Ich meinte damit nicht das GUI, sondern die Fähigkeiten, Daten zu
visualisieren.

> Ein etwas anderes CA-System ist FORM. Das arbeitet nur in der Konsole und
> kann so gut wir gar nichts. Dafür läßt es sich sehr leicht mit
> selbstprogrammierten algebraischen Strukturen füttern (wen wundert's dafür
> ist's gemacht ;-)). Es kostet nichts und ist *sehr* schnell.

Das werde ich mir auf jeden Fall mal anschauen. Hört sich
ziemlich interessant an, allerdings kann man damit wohl nicht
"mal schnell was ausrechnen"...

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Grüße,
Kaya


Thomas Skora

unread,
Oct 1, 2001, 5:46:18 PM10/1/01
to
Kaya Memisoglu schrieb:

> Schließlich ist Mathematica für Studenten auch rund 100DM
> billiger als Maple für Studenten.

Wie? Bekommt man zu Mathematica auch noch 50DM hinterhergeworfen? ;-)
An der RWTH Aachen kostet die Studentenversion von Maple 50DM. Scheint wohl
irgendeine Sondervereinbarung zu geben...

Thomas

Hendrik van Hees

unread,
Oct 2, 2001, 4:07:13 AM10/2/01
to
Thomas Skora wrote:


> Wie? Bekommt man zu Mathematica auch noch 50DM hinterhergeworfen? ;-)
> An der RWTH Aachen kostet die Studentenversion von Maple 50DM. Scheint
> wohl irgendeine Sondervereinbarung zu geben...

Yep, das muß so eine Campuslizenzregelung sein. Hier *muß* man einfach
kaufen. eine Maple-Vollversion für DM 50,- ist wirklich geschenkt!

KK

unread,
Oct 2, 2001, 9:30:07 AM10/2/01
to
In article <9paa8e$hcmq4$1...@fu-berlin.de>,

Hendrik van Hees <h.va...@gsi.de> wrote:

> Das ist der richtige Ansatz, aber es sei gewarnt: Wie alle eierlegenden
> Wollmilchsäue kann Mathematica zwar fast alles aber auch fast nichts
> richtig. Wenn Du z.B. bestimmte Integrale mit Funktionen mit Schnitten in
> der komplexen Ebene hast (kommt schon bei sehr einfachen Integralen wie
> 1/(1-x^2), integriert über x, vor), kommt oft nicht heraus, was man gerade
> meint (Bugs, von den Wolfram behauptet, es seien Features, bestimmt nicht
> Wolfram persönlich, aber diejenigen, die in der von Wolfram Research
> moderierten Newsgroup antworten). Es ist dann immer geraten, mit der
> numerischen Integration nachzuprüfen, ob das Resultat auch stimmt, was dann
> natürlich immer nur stichprobenhaft für bestimmte Parameterwerte geht!

Ich glaube, das Grunduebel ist die Weigerung von Wolfram, folgende
grundlegende Einsicht zu akzeptieren: Dass viele Funktionen nicht
einfach auf der komplexen Ebene definiert sind, sondern auf einer
riemannschen Flaeche, die diese ueberlagert. Damit haben sie sich
zahllose Probleme eingebrockt, die seit der ersten Implementierung von
MMA eine stetige und unerschoepfliche Quelle von Bugs sind.
Groesstenteils lebt die ganze Firma in der Mathematik von vor 150 Jahren
(bis auf die Numerik und neuerdings ein paar kleine Teile der Algebra).
Und das wird auch noch eine Weile so weitergehen, weil sie unglaublich
langsam darin sind, offensichtlichste Fehler einzugestehen.

KK

Roland Franzius

unread,
Oct 2, 2001, 10:14:29 AM10/2/01
to

KK schrieb:

Es ist genau umgekehrt.

Um es mal gemessen auszudrücken: Es sind wohl eher die User, die keine Ahnung von
komplexen Funktionen und Suchalgororithmen nach kürzesten Ausdrücken haben.
Natürlich hat jedes Programm Bugs und gerade die Bugs der Integrationsroutinen
beruhen zu einem großen Teil auf der bekannten Unbeherrschbarkeit großer
Softwarepakete, die möglichst ohne Training von unerfahrenen Benutzern möglichst
noch mit geklauter Software fehlerfreie Resultate liefern sollen.

Mathematica ist konzeptionell ein großer Wurf und hat schon in den ersten
Versionen deutlich die (Druck)Fehlerhäufigkeit der üblichen Integrationstafeln
unterboten.

Bei der Integration und beim Lösen von Gleichungen aller Art gilt auch weiterhin:
Eine angebotene Lösung sei es von Mathematica/Maple etc. oder einem Poster hier
ist erst dann eine, wenn gezeigt ist, sie die definierende Gleichung befriedigt
und den weiteren Anforderungen des gestellten Problems genügt.

Wer eine falsche Antwort von Mathematica erhält und den Grund für diesen Fehler
nicht erkennen kann, dem kein Workaraound einfällt etc. ist eben arm dran: Er ist
so dumm wie zuvor. Das gilt eben für alle ingenösen heuristischen Verfahren. Die
Fähigkeit mit Ergebnissen und Scheinergebnissen kritisch umzugehen macht in der
klassischen Definition den Unterschied zwischen Grundlagenwissenschaften und
angewandten oder Ingenieurwissenschaften aus.

Wie Leute von Wolfram Res. ausführen, sind einige Bugs der Integrationsroutinen
so tief im algemeinen algebraischen Teil des C-codierten Kernels verankert, dass
eine Beseitigung eine vollständige Neuentwicklung bedeuteten würde. Und das ist
eine reine Preis- und Manpowerfrage. Und dann besteht immer noch die Möglichkeit,
dass eine neue Version für jeden beseitigten Fehler 2 neue enthält, wie das nach
meiner Erfahrung bisher bei jedem Genarationswechsel auch tatsächlich aufetreten
ist.

--
Roland Franzius


Hendrik Hakenes

unread,
Oct 2, 2001, 11:26:44 AM10/2/01
to
> Ich persönlich bevorzuge Mathematica. Die Version 4.1 ist auch vom
> FrontEnd mittlerweile sehr schön und intuitiv. Bei Maple ist mir
> aufgefallen, daß der Syntax nicht immer "durchgängig" ist. Das hat mich
> ein wenig genervt.

Das ist exakt auch meine Meinung. Mit Mathematica komme ich 1a
zurecht, an Maple bin ich schon mehrfach verzweifelt. Bei uns gibt es
eine kostenlose Maple-Lizensz, trotzdem habe ich mir Mathematica
gekauft.

Grüße
Hendrik

Hendrik van Hees

unread,
Oct 2, 2001, 12:06:22 PM10/2/01
to
KK wrote:


> Ich glaube, das Grunduebel ist die Weigerung von Wolfram, folgende
> grundlegende Einsicht zu akzeptieren: Dass viele Funktionen nicht
> einfach auf der komplexen Ebene definiert sind, sondern auf einer
> riemannschen Flaeche, die diese ueberlagert. Damit haben sie sich

Yep, sie verstehen das noch nicht einmal, jedenfalls nicht die, die für
"User-Gemeckere" zuständig sind. Ich habe leider letzthin den Mailverkehr
mit ihnen gelöscht. Er sollte sich aber im google noch nachvollziehen
lassen (Newsgroup war comp.soft-sys.math.mathematica).

Jedenfalls war der Gipfel der Realsatire, daß man mir weißmachen wollte,
Integrate sei sowieso ein komplexes Integral. Auf meinen Einwand, daß dann
der "Slot" für die Angabe des Integrationspfades fehlt, hat man mit
völligem Mißverständnis und Deinteresse reagiert.

> zahllose Probleme eingebrockt, die seit der ersten Implementierung von
> MMA eine stetige und unerschoepfliche Quelle von Bugs sind.

Es ist ärgerlich, daß man so wenig mit Switches beeinflussen kann. I.a. ist
die Sache ja ok, wenn man unbestimmte Integrale rechnet. Dann kriegt man
eine Stammfunktion. Bevorman bestimmte Integrale auswertet, muß man sich
halt "zu Fuß" auf das richtige Sheet setzen. Im Prinzip finde ich das als
Praktiker ganz ok, weil man eine weitaus größere Klasse von Funktionen
integriert kriegt, als wenn man allzu pingelig ist. Aber ich würde halt
gerne den "Pingeligkeitsgrad" einstellen können, damit ich wenigstens
prüfen kann, ob die Resultate stimmen.

In der Quantenfeldtheorie treten nämlich aus rein physikalischen Gründen
stets Funktionen mit Schnitten auf, also solche, die nicht eindeutig in C,
sondern eben nur in der besagten Riemannschen Ebene, die man irgendwo
schlitzt, definiert sind. Zum Glück liegen die Schnitte der numerisch
definierten Funktionen zumeist dort, wo sie hingehören, nämlich nach den
üblichen Konventionen. Leider fehlt aber auch da eine hinreichend
sorgfältige Doku, so daß man auch das noch checken muß.

Ich will Mathematica nicht schlechtreden. Ich finde, daß es sogar ein sehr
gutes Tool ist. Nur wollte ich davor warnen, es einfach naiv einzusetzen,
ohne die Resultate kritisch zu prüfen.

Mathematica hilft oft Trivialorechenfehler (Faktoren -1 und 2 pi oder i
;-)) zu vermeiden. In kritischen Fällen sollte man von Hand nachrechnen und
Mathematica als Check verwenden.

> Groesstenteils lebt die ganze Firma in der Mathematik von vor 150 Jahren
> (bis auf die Numerik und neuerdings ein paar kleine Teile der Algebra).
> Und das wird auch noch eine Weile so weitergehen, weil sie unglaublich
> langsam darin sind, offensichtlichste Fehler einzugestehen.

Der Witz ist, daß man als Physiker vornehmlich Mathematik von vor 150
Jahren braucht. Zuweilen wäre es nett, wenn Mathematica etwas sauberer mit
Distributionen umginge. Es verwendet noch mehr dirty tricks als selbst in
Physikerkreisen toleriert werden kann ;-)).

KK

unread,
Oct 2, 2001, 2:09:10 PM10/2/01
to
In article <9pcolu$hqunq$1...@fu-berlin.de>,

Hendrik van Hees <h.va...@gsi.de> wrote:

> Es ist ärgerlich, daß man so wenig mit Switches beeinflussen kann. I.a. ist
> die Sache ja ok, wenn man unbestimmte Integrale rechnet. Dann kriegt man
> eine Stammfunktion.

Leider treten die Probleme schon bei viel elementareren Aufgaben als
Integrieren auf; viele der speziellen Funktionen in MMA haben einfach
falsche Werte, wenn man sich etwas weiter in die komplexe Ebene
hinauswagt, oder Umkehrfunktionen sind keine solchen, elementare
Funktionalgleichungen stimmen nicht etc.. Die elliptischen Funktionen
waren bis vor ein paar Jahren voellig falsch implementiert und gaben
reine Phantasiewerte.

> In der Quantenfeldtheorie treten nämlich aus rein physikalischen Gründen
> stets Funktionen mit Schnitten auf, also solche, die nicht eindeutig in C,
> sondern eben nur in der besagten Riemannschen Ebene, die man irgendwo
> schlitzt, definiert sind.

Dafuer braucht man ja keine Quantenfeldtheorie; schon die Quadratwurzel
sollte man eigentlich mit Werten auf einer zweifachen Ueberlagerung
betrachten, vom Logarithmus ganz zu schweigen. Fuer diese hat MMA
inzwischen einen Notbehelf eingebaut, der die eigentlichen Probleme
ueberhaupt nicht beruehrt; bei weniger elementaren Funktionen sind sie
sogar von Notbehelfen noch weit entfernt.

KK

Hendrik van Hees

unread,
Oct 2, 2001, 3:23:43 PM10/2/01
to
KK wrote:

>
> Dafuer braucht man ja keine Quantenfeldtheorie; schon die Quadratwurzel
> sollte man eigentlich mit Werten auf einer zweifachen Ueberlagerung
> betrachten, vom Logarithmus ganz zu schweigen. Fuer diese hat MMA
> inzwischen einen Notbehelf eingebaut, der die eigentlichen Probleme
> ueberhaupt nicht beruehrt; bei weniger elementaren Funktionen sind sie
> sogar von Notbehelfen noch weit entfernt.

Das hat immerhin den Vorteil, daß man sich mit Spence's function et al noch
"zu Fuß" beschäftigt und weiß, was rauskommen muß. Sonst rostet das Hirn
bei den speziellen Funktionen noch genauso katastrophal ein wei beim
Kopfrechnen ;-)).

Ralf Muschall

unread,
Oct 1, 2001, 9:06:49 PM10/1/01
to
"Kaya Memisoglu" <k.mem...@majix.de> writes:

> Wie "fühlt" sich denn Mathematica im Gegensatz zu Maple an, oder
> existieren keine nennenswerte Unterschiede?

Ein paar Uralterfahrungen (ich habe ein paar Jahre lang keins von
beiden in der Hand gehabt - bitte korrigieren, soweit veraltet, da
das IMHO wichtige Unterschiede waren):

Mma hat eine durchdachte (und daher leider etwas geblähte) Syntax, und
lokale Variablen sind lexikalisch (IIRC wurde das als Feature mit
"Program" eingeführt, vorher gab es "Block" mit dynamischen Variablen,
welche ganz schlimm böse saugen). Bei Maple musste man
nicht-sofort-auszuwertende IIRC als Strings quoten, was auf dynamische
Variablen hinauslief.

Die Einarbeitung war leichter als in Maple, da ungewohnt nur die
Syntax auf der Zeichenebene war ("[" statt "(" bei Funktionsaufrufen
und "[[" statt "[" bey Arrays), danach ging alles so, wie man sowieso
denkt. Maple ging für mich nur mit rumliegender Literatur, so wie
MuPad jetzt. Bei häufiger Arbeit sollte der Unterschied verschwinden.

Mma war das erste System überhaupt, welches die speziellen Funktionen
mit beliebiger Genauigkeit in der ganzen komplexen Ebene konnte. Der
Autor davon (Jerry Keiper (sp?)) verunglückte kurz danach, den
jetzigen Stand bei der Konkurrenz kenne ich nicht. Damals war es
jahrelang das einzige, der ganze Rest der Welt konnte gerade mal die
achtstelligen Näherungen der reellen Besselfunktionen aus dem
Abramowitz und abstruseres gar nicht. Das dürfte sich geändert haben.

Maple machte schönere Bilder (glatt durchcolorierte Flächen), Mma
machte grobgeditherte Polygonflächen (man stelle sich gnuplot mit pm3d
auf einem 4-bit-Monitor vor).


Falls man nicht auf den vollen Umfang angewiesen ist, kommt man mit
MuPad (für diverse Zielgruppen kostenlos) oder Maxima (GPL) hin, für
meinen momentanen Beruf reicht in 95% aller Fälle das in emacs
eingebaute calc.

Ralf

--
GS d->? s:++>+++ a C++++ UL+++ UH++ P++ L++ E+++ W- N++ o-- K- w--- !O M- V-
PS+>++ PE Y+>++ PGP+ !t !5 !X !R !tv b+++ DI+++ D? G+ e++++ h+ r? y?

Kaya Memisoglu

unread,
Oct 3, 2001, 5:56:24 AM10/3/01
to

"Hendrik Hakenes" <21h...@wiwi.uni-muenster.de> schrieb im Newsbeitrag
news:fce95df4.01100...@posting.google.com...

> Das ist exakt auch meine Meinung. Mit Mathematica komme ich 1a
> zurecht, an Maple bin ich schon mehrfach verzweifelt. Bei uns gibt es
> eine kostenlose Maple-Lizensz, trotzdem habe ich mir Mathematica
> gekauft.
Ich habe mir gestern auch Mathematica zugelegt, und im Vergleich zu
Maple (ich hatte mir die 30Tage Trial Version installiert) gefällt
es mir vom Feeling her wesentlich besser. Ich konnte sehr schnell
und intuitiv drauf los rechnen. Das Prinzip des Syntax bei Mathematica
ist schnell zu verstehen, bei Maple bin ich mir da nicht so sicher.

Alles in allem macht mir MMA einen sehr guten Eindruck!

Grüße,
Kaya


Heike Koch-Beuttenmüller

unread,
Oct 9, 2001, 8:48:12 AM10/9/01
to

Hendrik van Hees schrieb:

> Thomas Skora wrote:
>
> > Wie? Bekommt man zu Mathematica auch noch 50DM hinterhergeworfen? ;-)
> > An der RWTH Aachen kostet die Studentenversion von Maple 50DM. Scheint
> > wohl irgendeine Sondervereinbarung zu geben...
>
> Yep, das muß so eine Campuslizenzregelung sein. Hier *muß* man einfach
> kaufen. eine Maple-Vollversion für DM 50,- ist wirklich geschenkt!
>

An der Uni Ulm können dort eingeschriebene Studenten im Augenblick Maple
auch für 50,-DM kaufen ( bis November)
Bedingung: Abschluss eines Campusvertrages und zusätzlich Kauf der
Berechtigung ( z. Bsp. jährlicher Kauf) an Studenten zu verkaufen (Vertrag
kann z. Bsp.über das örtliche Rechenzentrum abgeschlossen werden) . Wie
teuer es für Studenten wird, kann die Uni dann selber entscheiden.

Und sonst: Ernsthafte CAS-Benutzer haben beim Integrieren schon immer
empfohlen, die Ergebnisse von 2 CAS zu vergleichen, um die
Wahrscheinlichkeit , dass die Lösung des Integrals richtig ist , zu erhöhen.
Aber leider sinkt die Zahl der unterstützten CAS immer mehr.

Tipps: Wenn möglich differenzieren oder/ubd numerische Werte aus exaktem und
numerischen Verfahren vergleichen, aber die richtige Wahl des numerischen
Verfahrens beachten !!!

Sowohl in Maple als auch in Mathematica gibt es falsch berechnete Integrale.

Ansonsten: Was war eigentlich mit dem Thread, der diskutierte, dass
Integrieren (an der Schule) so trivial sei ???

Heike

Heike Koch-Beuttenmüller

unread,
Oct 9, 2001, 8:52:02 AM10/9/01
to

Kaya Memisoglu schrieb:

Ich arbeite lieber mit Maple, weil ich weniger Probleme habe die Syntax zu
verstehen.
Es kommt mir vor wie die Diskussion , was bevorzugt man , C oder Fortran
95.

Heike

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