Stephan Gerlach schrieb:
> Folgende Aufgabe zur Wahrscheinlichkeitsrechnung (aus dem Gedächtnis):
>
> [Aufgabe]
> Zwei Schützen schießen mit ihrem jeweiligen Gewehr auf eine Ente.
Jetzt weiss ich immerhin, dass es um irgendwelche Vorgänge geht,
bei denen zwei Schützen, deren jeweiliges Gewehr, eine Ente,
und die von den beiden Schützen jeweils irgendwie ausgeübte
Tätigkeit des Schießens auf besagte Ente, eine Rolle spielen.
Allerdings ist das insgesamt so nebulös formuliert, dass unklar ist,
was genau vor sich geht.
Wie oft wird wann von welchem Schützen auf die Ente geschossen?
Allgemein: Was für Vorgänge genau laufen ab? Wie viele Vorgänge
genau laufen ab?
Dies zu wissen ist eine Voraussetzung, bei der es _notwendig_ ist,
sie zu erfüllen, dafür, beurteilen zu können, welche Ereignisse genau
im Rahmen dieser Abläufe mit welcher jeweiligen Wahrscheinlichkeit
eintreten können.
> Schütze 1 hat eine Trefferwahrscheinlichkeit 70%,
> Schütze 2 hat eine Trefferwahrscheinlichkeit 40%.
Jetzt sind "Trefferwahrscheinlichkeiten" eingeführt und darüber hinaus
sind sie den _Schützen_ zugeordnet.
Allerdings wird nachher nach Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten
von _Ereignissen_ im Rahmen irgendwelcher Vorgänge gefragt.
Daher wäre es, sofern es in Hinblick auf das nachher Gefragte relevant
ist, gut, diese ominösen "Trefferwahrscheinlichkeiten" nicht nur Schützen,
sondern auch Vorgängen/Ereignissen zuzuordnen.
Auf was für Vorgänge/Ereignisse genau beziehen sich jeweils diese
"Trefferwahrscheinlichkeiten"?
> S1 schießt mit einer normalen, S2 jedoch mit einer Doppelflinte.
Warum steht da das Wörtchen "jedoch"?
Stehen diese Angaben in irgendwelchen Korrelationen zu den
angegebenen "Trefferwahrscheinlichkeiten"? Falls ja: In welchen?
Was soll aus diesen Angaben hinsichtlich des Ablaufs
welcher Vorgänge (und damit hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit
für das Eintreten welcher Ereignisse) geschlossen werden?
Und warum/woraus soll das geschlossen werden?
Wenn etwas geschlossen werden soll, ohne dass die für
die zu ziehenden Schlüsse notwendigen Angaben in der
Aufgabe gemacht werden, sind dann damit in Zusammenhang
stehende Schlüsse unter dem Begriff "Spekulation" subsumierbar?
Falls ja:
Seit wann ist es bei für den deutschen schulischen Rahmen
konzipierten Mathematikaufgaben der Job des Schülers (,
der - wenn man von dem in Deutschland für den Rechenunterricht
allgemein üblichen Konzept ausgeht - üblicherweise lediglich
das Erfragte berechnen soll), fürs Ziehen von Schlüssen
ungenügende Darlegungen durch Spekulationen zu ergänzen?
> Gefragt sind die Wahrscheinlichkeiten für:
> A = die Ente wird getroffen
> B = Schütze 1 trifft
> [/Aufgabe]
Gefragt ist nach den Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten bestimmter
Ereignisse.
Aber da aus dem Aufgabentext nicht eindeutig/nicht genau hervorgeht,
was für Abläufe/Vorgänge genau zu berücksichtigen sind, geschweige
denn, wieviele Abläufe/Vorgänge im Einzelnen zu berücksichtigen sind,
geschweige denn, worauf sich welche mitgeteilten Fakten genau
beziehen, kann man nichts genaues über die dabei möglichen
Ausgänge/Ereignisse und die damit in Zusammenhang stehenden
Wahrscheinlichkeiten sagen.
Inwiefern ist es wichtig, dass immer auf die selbe Ente geschossen wird?
Im folgenden spekuliere ich:
Es wäre vielleicht auch etwas in der folgenden, genauso unklaren
Art möglich gewesen:
Schütze 2 schießt auf ein Element einer nicht leeren Menge von Enten.
Schütze 2 schießt mit einer Doppelflinte.
Schütze 2 hat eine Trefferwahrscheinlichkeit 40%.
Schütze1 schießt auf ein Element einer nicht leeren Menge von Enten.
Schütze 1 schießt mit einer normalen Flinte.
Schütze 1 hat eine Trefferwahrscheinlichkeit 70%.
Gefragt sind die Wahrscheinlichkeiten für:
A = Mindestens ein Element einer nicht leeren Menge von Enten wird getroffen.
B = Schütze 1 trifft mindestens ein Element einer nicht leeren Menge von Enten.
> "Doppelflinte" soll wohl heißen, daß da beim Schießen "irgendwie" 2
> Projektile rauskommen.
Diese durch das Wörtchen "wohl" als solche gekennzeichnete
Spekulation widerlegt nicht, dass aus dem Aufgabentext nicht
eindeutig hervorgeht, was für Vorgänge genau ablaufen und
wieviele Vorgänge genau ablaufen, geschweige denn, welche
Voraussetzungen dabei wann erfüllt sind, geschweige denn,
welche Ereignisse dabei unter welchen Voraussetzungen
mit welchen Wahrscheinlichkeiten eintreten können.
> Ob die Aufgabe in der ursprüngliche Originalfassung exakt diesen
> Wortlaut hat, ist mir leider auch nicht bekannt.
Ich hoffe, die Originalfassung ist besser formuliert.
So dient die Aufgabe allenfalls der Schülerverarsche und der
Selbstbebauchpinselung der Egos von solchen Lehrern, die gerne
mal jene Schüler dumm aussehen lassen möchten, welche diverse
Tricks, die beim Darlegen/Verschleiern von Zusammenhängen
möglich sind, noch nicht durchschauen und/oder welche gegen die
Darlegenden und deren Deutungshoheit machtlos sind.
Solche Lehrer solls auch geben. An meiner Schule gab es die zuhauf.
Das war gut so - mir ist klar, dass es bitter nötig war, mich auch
diesbezüglich auf den derzeitigen Universitätsbetrieb, die Verlautbarungen
von Politikern, Juristen, Ärzten, Statistikern, IT-Verkäufern, Behörden,
Versicherungen, Banken, Telekommunikationsdienstleistern,
Bordellbetreibern, Glücksspielanbietern, Verkäufern, Sachbearbeitern
allgemein - kurz: auf das Leben generell - vorzubereiten.
> Abkürzungen:
> S1 = Schütze 1
> S2 = Schütze 2
> G = Ente wird getroffen
> NG = Ente wird nicht getroffen
>
> Von einer von mir hier nicht näher spezifizierten Autoritätsperson
> stammt der Ansatz bzw. Lösungsvorschlag, die Aufgabe mit folgendem
> Baumdiagramm zu lösen:
Wenn der Lösungsvorschlag von einer Autoritätsperson kommt,
dann ist er schon deswegen richtig, weil er von einer Autoritätsperson
kommt. Alles andere wäre im deutschen Verdummungs-Ausbildungs-
system, das die Leute gefügig und korrumpierbar-aus-Dummheit
machen soll, systemwidrig und kann deshalb nicht sein.
Timo