On Sun, 31 May 2020, Brigitta wrote:
> Sabrina will im Zoogeschäft Tiere kaufen. Folgende Angebote
> findet sie vor:
>
> Junger Hund 15 €
> Junge Katze 1 €
> Maus 0,25 €
>
> Wie viele Tiere kann sie von jeder Sorte kaufen, wenn sie genau 100 Tiere
> benötigt und genau 100 € ausgeben will ?
>
> Ansatz: Sabrina kauft x Hunde, y Katzen und z Mäuse.
>
> (1) Preisbedingung : 15x + y + 1/4z = 100
> (2) Mengenbedingung : x + y + z = 100
Also alles linear.
Man kann sich das von Anfang an räumlich vorstellen:
Der Raum der möglichen Punkte ist dreidimensional. Die beiden Gleichungen
legen je eine Ebene fest. Die beiden Ebenen haben als Schnittmenge eine
Gerade, und von der will man eine Parameterdarstellung haben: ein Punkt p auf
der Geraden (gegeben als Vektor vom Ursprung) und ein Vektor v, so dass die
Lösungen die Gestalt p + λ·v haben. Damit sind die beiden Gleichungen vom
Tisch und man hat nur noch die Bedingungen:
* alle drei Koordinaten der Lösung sind ganzzahlig (nur ganze Tiere werden
gekauft), d.h. man will nur Gitterpunkte auf der Geraden
* alle drei Koordinaten der Lösung sind nicht negativ (keine Tiere werden
ins Geschäft gebracht); d.h. man will nur Punkte im 1. Oktanten
Da die Ebene der Preisbedingung den 1. Oktanten nach außen abschließt,
liegen die Lösungen in einer dreieckigen Teilfläche dieser Ebene.
Realistischer ist vielleicht eine Preisbedingung 15x + y + 1/4z <= 100;
dann kann sich Sabrina von Rest vielleicht noch ein Eis kaufen. Dann
liegen die Lösungen in einem dreidimensionalen, abgeschlossenen, endlich
großen Gebiet, wo es auch nur endlich viele Gitterpunkte gibt. Also hilft
Probieren theoretisch immer; praktisch kanns anders sein.
Das geht so für alle solchen Aufgaben mit k linearen Gleichungen mit n
Unbekannten, und es dürfte da auch immer Lösungsverfahren geben, nicht nur im
eindimensionalen Fall wie hier, wo es eine Gerade gibt, auf der die Lösungen
liegen.
Wie man systematisch an *eine* diophantische lineare Gleichung rangeht,
wird in
https://www.arndt-bruenner.de/mathe/scripts/diophant.htm recht
nett vorgeführt. (Ich kannte vorher weder das Verfahren in dieser Form
noch den Webauftritt von Arndt Brünner.)
Ich nehme an, dass die Lösungen mehrerer solcher Gleichungen sich mit dem
Chinesischen Restsatz kombinieren lassen. Vielleicht lässt sich der
Chinesische Restsatz selbst auch einfach als diophantische lineare
Gleichung formulieren und dasselbe Verfahren anwenden. Aber wenn ich damit
jetzt anfange, sind ein paar Stunden weg, bevor ich weiß, ob’s so geht,
dann ein paar Tage, bis ichs wasserdicht aufgeschrieben habe, und
mindestens eine Woche, bis ich eingesehen habe, dass es anders nicht
offensichtlich viel einfacher gegangen wäre. Und die Zeit will ich jetzt
nicht investieren.
+++
Deine vorhergehende Aufgabe war aber kubisch, d.h. es kamen in den
Gleichungen auch Produkte von bis zu drei Unbekannten vor. Das ist ganz
anders. (In deiner Beschreibung kam „LGS“ vor. wenn das „lineares
Gleichungssystem“ heißen soll, war das falsch.)
> Mich hat das fast umgehauen, als ich diese Herangehensweise das erste Mal
> gesehen habe, weil ich hier die Schönheit der Mathematik wiederfinde.
> Diese Systematik ist wie ein Magnet, der dich zur Lösung führt.
> Aber vielleicht ist mein Gemüt ja auch etwas schlicht :-) und echte
> Mathematiker lachen darüber.
Da gibts nichts zu lachen. Mathematik ist nun mal Kunst: Ergebnisse
erzielt man um ihrer Schönheit willen, und sie sind erst dann ganz richtig
dargestellt, wenn auch ihre Darstellung schön ist.
--
Helmut Richter