Rainer Rosenthal <
r.ros...@web.de> wrote:
> Am 17.10.2023 um 06:25 schrieb Ralf Bader:
> bezüglich ...
> #
> # "Testfrage", RB 15.10.2023, 02:56
> # ---------------------------------
> # Es sei z die kleinste nichtabzählbare Ordinalzahl.
> # Kann es dann eine Folge (a_i)_(i e IN) abzählbarer
> # Ordinalzahlen geben, die im Sinne der erwähnten(*)
> # Ordnungstopologie gegen z konvergiert?
> #
Ja, ich wollte Ralf auch schon zu dieser Übungsaufgabe
gratulieren: Wenn man sich mit der Thematik auskennt,
ist die Antwort offensichtlich, und ansonsten muss man
sich wohl erst so weit einlesen, *dass* man sich mit der
Thematik auskennt.
> ... folgende Auflösung ...
> >
> > Die Vereinigung a = U(a_i)_(i e IN) ist eine abzählbare Ordinalzahl,
> > und kein a_i liegt in dem Intervall (a,z); damit kann die Folge
> > (a_i) in der Ordnungstopologie nicht gegen z konvergieren.
> >
>
> Oh, raffiniert! Auf Anhieb scheint es paradox, als ob der Grenzwert zur
> Folge gehört.
???
Ich wage mal die Behauptungen:
Wenn die Menge {a_i:i e IN} kein Maximum hat, dann ist a der Grenzwert
der Folge a_i - unabhängig von der Nummerierung - und a muss dann
zwangsläufig eine Limes-Ordinalzahl sein.
(Beides scheint mir offensichtlich zu sein, auch wenn ich für den
Beweis wohl ziemlich nachdenken müsste. Insbesondere bin ich nicht
sicher, ob man "unabhängig von der Nummerierung" auch ersetzen
könnte durch "unabhängig von der Wahl der gerichteten Quasiordnung").
Wenn die Menge {a_i:i e IN} jedoch ein Maximum hat, ist dieses
Maximum natürlich a, und die Sache ist komplizierter.
In diesem Fall wage ich die Behauptung:
Wenn a *keine* Limesordinalzahl ist, dann konvergiert die Folge nur
dann gegen a, wenn a_i = a für alle bis auf endlich viele i gilt.
Wenn a jedoch zufälligerweise Limesordinalzahl ist, konvergiert die
Folge aber auch dann gegen a, falls U{a_i: a_i != a} = a gilt,
wieder unabhängig von der Nummerierung.
> Klingt fast so lustig wie die falsche Aussage
> "die Vereinigung endlicher Mengen" ist stets eine endliche Menge.
Du meinst hier vermutlich die Tatsache, dass die kleinste
überabzählbare Ordinalzahl aleph_1 die Gleichheit
aleph_1 = U { alpha : alpha ist abzählbare Ordinalzahl }
erfüllt. Ja, daraus kann man schließen, dass tatsächlich sogar schon
aleph_1 = { alpha : alpha ist abzählbare Ordinalzahl }
gilt.
Tatsächlich argumentiert man umgekehrt (Satz von Hartog):
Wenn man aleph_1 durch die rechte Seite oben definiert, dann
kann man daraus folgern, dass aleph_1 nicht abzählbar sein
kann und daher die kleinste überabzählbare Ordinalzahl sein muss.
Den selben Schluss kann man mit jeder Kardinalzahl \kappa machen:
{ alpha : alpha ist Ordinalzahl der Mächtigkeit höchstens \kappa }
ist eine Ordinalzahl, die echt mächtiger ist als \kappa.
Dies ist die Nachfolgerkardinalzahl von \kappa.
> Wenn die Vereinigung a = U(a_i)_(i e IN) eine abzählbare Ordinalzahl
> ist, wobei alle a_i abzählbare Ordinalzahlen sind
Wieso schreibt Du "Wenn"? Das gilt immer.
> Wenn es ein n mit a_n = a gibt, dann ist a = omega.
In obiger Sprechweise hat die Menge {a_i:i e IN} also ein Maximum.
Nein, das Maximum muss keineswegs omega sein. Das Maximum kann
z.B. omega + 1 oder omega + 70 oder die Limesordinalzahl
omega + omega sein oder noch eine viel größere Limesordinalzahl
oder auch eine größere Nachfolgerzahl wie omega + omega + 1.
> P.S. Das Wort "Netz" im unten zitierten Wikipedia-Artikel war mir in dem
> Zusammenhang unbekannt. Könnte es einfach durch das Wort "Menge" ersetzt
> werden?
[...]
> Oder ist "Netz" schon im Sinne von Halb- oder sonstiger Ordnung zu
> verstehen?
Letzteres. Für ein Netz ist eine gerichtete Quasiordnung
wesentlich. Der Begriff der Konvergenz eines Netzes hängt eng
mit dieser Quasiordnung zusammen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Netz_(Topologie)
Der Begriff der Konvergenz einer "Menge" ist ohne Angabe
einer Quasiordnung nicht definiert. (Außer, bei der "Menge"
handelt es sich um einen Filter, aber das ist wieder eine
andere Geschichte.)