Am 29.08.22 um 13:52 schrieb JVR:
> Da vermutlich für andere von Interesse -
> Ich habe bisher über die Jahrzehnte für LaTex und Tex verschiedene Bearbeitungsprogramme, TeXworks, Texmaker usw benutzt; und
> natürlich Miktex. Das hat auch gut funktioniert und da sind auch keine
> entscheidenden Unterschiede.
MiKTeX und TeX Live sind gängige TeX-Distributionen.
TeXworks und TeXmaker sind Eingabe-Editoren/Schreibprogramme, mit denen
man .tex-Dateinen schreiben kann. Sie bieten auch etwas Infrastruktur, um
TeX bzw LaTeX nicht "von Hand" an der Kommandozeile aufrufen zu müssen,
um die .tex-Datei zu compilieren und so einen Haufen wichtiger, aber von
vielen nicht verstandener Fehlermeldungen und eine .pdf-Datei zu erhalten.
> Overleaf ist wesentlich moderner
Overleaf ist eine online-Plattform. Wenn man einen Account hat kann man
im Web-Browser einen Eingabeeditor für .tex-Dateien mit Benutzeroberfläche
aufrufen und auch eigene .tex-Dateien auf den Servern von Overleaf speichern.
Über die Benutzeroberfläche kann man auch die .tex-Datei compilieren lassen.
Unter der Haube verwendet Overleaf die TeX-Distribution TeX Live - man kann
in der Benutzeroberfläche einstellen welches Relese, d.h., ob TeX Live 2019
oder TeX Live 2020 oder TeX Live 2021.
Die beim Einloggen gestartete Session läuft aus einem Docker-Image, in
dem Linux mit TeX Live installiert ist.
Was ich nett finde, ist, dass auch knitr installiert ist.
Da kann man fröhlich in TeX, Lua und R gleichzeitig programmieren.
Was mich extrem nervt, ist, dass bei Overleaf der jobname immer auf "output"
eingestellt ist, die ausgegebene .pdf-Datei also immer output.pdf heißt und
es deshalb zB nicht möglich ist, verschieden benannte untereinander verlinkte
pdf-Dateien, gar mit gegenseitig ausfüllenden Formularen, zu erzeugen.
Was mich am meisten nervt, ist, dass TeX im nonstop-Modus ausgeführt wird,
bei wegen Tippfehlern nicht definierten Kontrollsequenzen also nicht anhält
um einen etwas eingeben zu lassen, und dass man auch die von TeX an die
Konsole gegebenen (Fehler-)Meldungen nicht zu Gesicht bekommt und einem
nach dem TeX- bzw LaTeX.-Lauf nur ein bizarres Exzerpt der beim LaTeX-Lauf
erzeugten .log-Datei angezeigt wird, mit dem man in der Regel nicht viel
anfangen kann, außer, dass man aus dem Umstand, dass es angezeigt wird,
schließen kann, dass man sich durchklicken und das richtige/komplette/
unverstümmelte .log-file anschauen sollte, weil es mit dem Quelltext, den
man geschrieben hat, beim Compilieren Probleme gegeben hat.
Außerdem hat man nicht die Möglichkeiten wie mit einer in die eigene
"Infrastruktur" eingebetteten TeX-Installation - zB kann man, wenn man
Overleaf nutzt, nicht mal eben LaTeX-Pakete nachinstallieren oder den
Compiler zB mit einer \write18-Anweisung Befehle an den Rechner geben
lassen, zB den Befehl, einen Datenbankserver - ich verwende MariaDB -
aufzurufen und Datensätze in einer Form auszugeben, die von TeX eingelesen
werden kann.
Für ernsthaftes Arbeiten bevorzuge ich eine TeX-Installation auf dem
eigenen Rechner.
Sowohl unter Windows 7/10/11 als auch unter Debian derzeit TeX Live 2022.
Als Eingabeeditor nehme ich unter Linux gerne Emacs oder Vim, aber das ist
Geschmackssache. Unter Linux tuts auch Leafpad. Unter Windows tuts auch
Notepad/Editor. Solange ich eine Shell habe, mit der ich TeX aufrufen kann.
> und offensichtlich brauchbar, aber nach
> einigen Probekäufen war mir die Umstellung zu mühsam bzw ich hatte zu wenig Bedarf für die zusätzlichen Möglichkeiten.
Meiner Wahrnehmung nach ist man bei Verwendung von Overleaf - aus dem
Blickwinkel der Plattformbetreiber aus gutem Grund - diversen Einschränkungen
unterwworfen, denen man nicht unterworfen ist wenn man TeX Live nicht über
Overleaf nutzt sondern auf dem eigenen Rechner installiert.
> Jetzt schreibe ich einige längere Texte, so dass sich die Ineffizienz
> der veralteten Editoren bemerkbar macht, und da habe ich eine modernere
> Lösung gesucht.
Welche "veralteten" Editoren findest du warum ineffizient?
Mein Emacs mit AucTeX tut wie ich mag.
Mit Visual Studio Code habe ich bisher kein SyncTeX vernünftig hinbekommen,
dass also der zum im pdf-Betrachter angeklickten Element gehörende
Quelltext im TeX-Eingabeeditor hingescrollt wird, was aber eh so eine
Sache für sich ist...
> Visual Studio Code, das es seit einigen Jahren gibt, kommt von MS,
> ist aber Open Source und gratis. Ich benutze es seit Jahren als
> 'Development Environment' für diverse Programmiersprachen;
> ist vergleichbar mit Atom und Sublime (aber für Apps ist Android Studio
> geeigneter).
Ich bin zu alt - ich bin einer dieser Dinosaurier, die keine Apps
entwickeln sondern Programme schreiben. ;-)
> Jetzt war ich überrascht zu sehen, dass es für VSCode ein Latex
> Plugin gibt und dass dieses ausgezeichnet funktioniert. Alles sehr
> viel schneller und sauberer, PDF output praktisch sofort Seite an Seite.
Hast Du mit VSCode SyncTeX hinbekommen?
> Habe gleichzeitig auf saubere Bibtex Bearbeitung ungestellt usw.
> Aber das Beste sind die 'Snippets'. Das sind Abkürzungen für die
> häufigsten Funktionen; z.B. wird @/ umgewandelt in \frac{}{},
> BEQ -> \begin{equation} \end{equation} usw usw
> Man hat richtig Freude dran und wenig unangenehme Überraschungen.
Hatte ich mit Emacs schon vor 20 Jahren. ;-)
Kann das VSCode eigentlich auch PASCAL, ALGOL, Fortran, BASIC und COBOL?
Mit freundlichem Gruß
Ulrich