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Gummi aufloesen

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Olaf Richter

unread,
Sep 9, 1998, 3:00:00 AM9/9/98
to
Moin -

Ich habe eine defekte Zuendelektronik-Blackbox (CDI-Einheit) fuer mein
Motorrad geerbt und moechte jetzt wissen, was da drin ist. Neu kostet so
eine DM 900,- und ich habe den Verdacht, dass da nur fuer 10 Mark
Leistungselektronik drinsteckt.

Leider ist das Ding komplett mit Vergussmasse ausgefuellt. Die
Vergussmasse ist schwarz, matt und laesst sich mit dem Fingernagel
leicht eindruecken. Die Eindruecke verschwinden sofort wieder. Ich tippe
also auf eine Art Gummi.

Hat jemand einen heissen Tip, wie ich die Vergussmasse entferne, ohne
die Innereien (vermutlich Platine mit elektronischen Bauteilen, Kabel)
zu beschaedigen? In den Ofen legen und ausbrennen kommt wohl nicht in
Frage. Mit einem Messer mechanisch sezieren geht, ist aber ein
Geduldsspiel.
Gibt es ein Loesungsmittel fuer Gummi? Ab welcher Temperatur werden
uebliche Gummimischungen fluessig?

Vielen Dank fuer eure Beitraege - Olaf.

Dipl. Ing. Olaf Richter
Schiffstechnische Konstruktionen und Berechnungen
Technische Universitaet Hamburg-Harburg
email: O.Richter AT tu-harburg.de

Armin Langenbach

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Sep 9, 1998, 3:00:00 AM9/9/98
to
Hallo,

In <35F621...@tu-harburg.de>, on 09/09/98
at 08:35 AM, Olaf Richter <o.ri...@tu-harburg.de> said:

[...]


>Ab welcher Temperatur werden
>uebliche Gummimischungen fluessig?

Gummi wird nicht fluessig, da es IDR 3D vernetzt ist, sondern zersetzt
sich. Beim Vulkanisieren werden Schwefelbruecken eingebaut, die die
oragnische Grundstruktur in alle Raumrichtungen vernetzen. Daher ist
auch ein aufloesen von Gummi nicht ganz einfach bzw. nicht möglich. Es
gibt aber AFAIR Flüssigkeiten, die Gummi zersetzen. Ich würde aber davon
ausgehen, das diese dann in jedem Fall die eingegossene Leiterplatine
schädigen.

Armin


Christian Bergner

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Sep 9, 1998, 3:00:00 AM9/9/98
to
Olaf Richter wrote:
>
> Moin -
>
> Ich habe eine defekte Zuendelektronik-Blackbox (CDI-Einheit) fuer mein
> Motorrad geerbt und moechte jetzt wissen, was da drin ist. Neu kostet so
> eine DM 900,- und ich habe den Verdacht, dass da nur fuer 10 Mark
> Leistungselektronik drinsteckt.

Kurz gesagt: Vergiss es.

Auch ich bin schon durch dieses Tal der Traeenen gegangen.
In den CDI-Einheiten, die ich kenne, stecken allesamt sog.
ASICs (Application Specific Integrated Circuit), d.h. ein
Verstehen der Schaltung ist nicht drin. Das interne
_Wiring-Diagram_ ist unmöglich zu beschaffen, kein Zulieferer
wird sich sein eigenes Grab schaufeln. Und der ASIC selber
dürfte schwieriger zu beschaffen sein als die Kronjuwelen
der Queen.

Der Gang zum Gebrauchtteilhaendler scheint unausweichlich.

Falls Du es trotzdem versuchst: Viel Glueck. Wie Du das
Gummizeug rauskriegst, weiss ich nicht, ich hatte nur mit
(noch) nicht vergossenen Teilen zu tun.

================================================
Christian Bergner BMW Rolls-Royce GmbH
Eschenweg 11
D-15827 Dahlewitz

Musterpruefleitstelle / Airworthiness

Telefon: ++49 (33708) 6 - 2345
Fax: ++49 (33708) 6 - 4345
E-Mail: christia...@brr.de
================================================

Wilhelm Grzenkowski

unread,
Sep 9, 1998, 3:00:00 AM9/9/98
to Olaf Richter
Vielleicht gelingt es mit TRICHLORETHYLEN (Tri). Die Schwefelbrücken werden
aufgebrochen und der Gummi wird "flüssig", bzw. schwemmt auf. Ich würde aber
davon ausgehen, daß die eingegossene Leiterplatine auch geschädigt wird. Je
nach dem wie dick die Gummischicht ist, kann es reichen, die Blackbox einige
Stunden einzuweichen, um zu vermeiden, daß das Tri bis an die Leiterplatine
durchgedrungen ist. Vielleicht ist es ein Versuch wert.

Wilhelm

Olaf Richter schrieb:

> Moin -
>
> Ich habe eine defekte Zuendelektronik-Blackbox (CDI-Einheit) fuer mein
> Motorrad geerbt und moechte jetzt wissen, was da drin ist. Neu kostet so
> eine DM 900,- und ich habe den Verdacht, dass da nur fuer 10 Mark
> Leistungselektronik drinsteckt.
>

> Leider ist das Ding komplett mit Vergussmasse ausgefuellt. Die
> Vergussmasse ist schwarz, matt und laesst sich mit dem Fingernagel
> leicht eindruecken. Die Eindruecke verschwinden sofort wieder. Ich tippe
> also auf eine Art Gummi.
>
> Hat jemand einen heissen Tip, wie ich die Vergussmasse entferne, ohne
> die Innereien (vermutlich Platine mit elektronischen Bauteilen, Kabel)
> zu beschaedigen? In den Ofen legen und ausbrennen kommt wohl nicht in
> Frage. Mit einem Messer mechanisch sezieren geht, ist aber ein
> Geduldsspiel.

> Gibt es ein Loesungsmittel fuer Gummi? Ab welcher Temperatur werden
> uebliche Gummimischungen fluessig?
>

Armin Langenbach

unread,
Sep 9, 1998, 3:00:00 AM9/9/98
to
In <35F68448...@metronet.de>, on 09/09/98
at 03:36 PM, Wilhelm Grzenkowski <wilh...@metronet.de> said:

>Vielleicht gelingt es mit TRICHLORETHYLEN (Tri). Die Schwefelbrücken
>werden aufgebrochen und der Gummi wird "flüssig", bzw. schwemmt auf.
>Ich würde aber davon ausgehen, daß die eingegossene Leiterplatine auch
>geschädigt wird. Je nach dem wie dick die Gummischicht ist, kann es
>reichen, die Blackbox einige Stunden einzuweichen, um zu vermeiden, daß
>das Tri bis an die Leiterplatine durchgedrungen ist. Vielleicht ist es
>ein Versuch wert.

Mal ganz abgesehen davon, daß man Trichlorethylen nicht an jeder
Strassenecke kaufen kann, ist es giftig (nicht nur für Menschen, sondern
vor allem für die Umwelt) und kann Krebs auslösen! Also wenn, dann mit
großer Vorsicht und vor allem nur dann, wenn Du anschließend weißt, wo
Du den Rückstand entsorgen kannst!

Die Leiterplatte wird mit Sicherheit von TRI angegriffen, daher ist der
Gewinn IMO minimal, weil das Auflösen gerade im Bereich der Leiterplatte
wichtig ist, da mechanische Arbeiten dort wesentlich gefährlicher sind.

Gruß
Armin


Ralf Schmode

unread,
Sep 9, 1998, 3:00:00 AM9/9/98
to
Wilhelm Grzenkowski schrieb:

> Vielleicht gelingt es mit TRICHLORETHYLEN (Tri). Die Schwefelbrücken werden
> aufgebrochen und der Gummi wird "flüssig", bzw. schwemmt auf. Ich würde aber
> davon ausgehen, daß die eingegossene Leiterplatine auch geschädigt wird. Je
> nach dem wie dick die Gummischicht ist, kann es reichen, die Blackbox einige
> Stunden einzuweichen, um zu vermeiden, daß das Tri bis an die Leiterplatine
> durchgedrungen ist. Vielleicht ist es ein Versuch wert.

Aber dann am offenen Fenster, unter dem Abzug oder mit NATO-Maske, am besten
auch mit dicken undurchlässigen (!) Handschuhen, wenn Dir Deine Leber lieb ist.
Tri ist nämlich ein recht übles Lebergift (und in hohen Dosen außerdem
narkotisch).

Gruß

Ralf


Achim Gratz

unread,
Sep 9, 1998, 3:00:00 AM9/9/98
to
Olaf Richter <o.ri...@tu-harburg.de> writes:

> Ich habe eine defekte Zuendelektronik-Blackbox (CDI-Einheit) fuer mein
> Motorrad geerbt und moechte jetzt wissen, was da drin ist. Neu kostet so
> eine DM 900,- und ich habe den Verdacht, dass da nur fuer 10 Mark
> Leistungselektronik drinsteckt.

Das ist mit Sicherheit so, nur reparieren kannst Du das trotzdem
nicht, weil Du die Teile nicht bekommst.

> Leider ist das Ding komplett mit Vergussmasse ausgefuellt. Die
> Vergussmasse ist schwarz, matt und laesst sich mit dem Fingernagel
> leicht eindruecken. Die Eindruecke verschwinden sofort wieder. Ich tippe
> also auf eine Art Gummi.

Gummi bestimmt nicht, da muesste es ja irgendiwe vulkanisiert worden
sein. Ich tippe auf gefuellten Silikonkautschuk oder Acryl. Alle
drei Stoffe sind halbwegs nichtagressiven Loesungsmitteln nicht
sonderlich zugetan. Wenn Du an Fluessigstickstoff oder Klimakammern
rankommst, kannst Du es mal mit Versproedung durch Kaelteeinwirkung
und anschliessender mechanischer Entfernung probieren. Widersteh'
bitte der Versuchung, an dem Teil irgendetwas zu arbeiten bevor es
wieder halbwegs warm geworden ist und besorg Dir vorher die
entsprechende Schutzkleidung zum Hantieren mit der Fluessigluft.


Achim Gratz.

--+<[ It's the small pleasures that make life so miserable. ]>+--
WWW: http://www.inf.tu-dresden.de/~ag7/{english/}
E-Mail: gr...@ite.inf.tu-dresden.de
Phone: +49 351 463 - 8325

Martin Schmidt

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Sep 9, 1998, 3:00:00 AM9/9/98
to
Olaf Richter wrote:
>
> Moin -
>

> Hat jemand einen heissen Tip, wie ich die Vergussmasse entferne, ohne


> die Innereien (vermutlich Platine mit elektronischen Bauteilen, Kabel)
> zu beschaedigen? In den Ofen legen und ausbrennen kommt wohl nicht in
> Frage. Mit einem Messer mechanisch sezieren geht, ist aber ein
> Geduldsspiel.
> Gibt es ein Loesungsmittel fuer Gummi? Ab welcher Temperatur werden
> uebliche Gummimischungen fluessig?
>

Hallo Olaf,
meiner Erfahrung nach ist die Vergussmasse kein Gummi, sondern ein
Silikonkautschuk. Frag mich aber nicht, wie Du den rauskriegst.
Dann hat Christian richtig geschrieben, dass da in der Regel ASICs
drinstecken. Wenn Du Glück hast, ist der noch heile und das Gerät
streikt nur wegen Feuchtigkeit (war bei mir so) oder einer
durckgebrannten Diode. Ansonsten null Chance auf Reparatur.
Gruesse, Martin

Patrick Schelauske

unread,
Sep 10, 1998, 3:00:00 AM9/10/98
to
In article <35f6a767$3$yna$mr2...@news.uni-siegen.de>, Armin Langenbach <l...@mail.pc.chemie.uni-siegen.de> writes:

>Die Leiterplatte wird mit Sicherheit von TRI angegriffen,

echt?
und ich dachte Epoxy wuerde die allermeisten Chemikalien
aushalten.
Die Platine wird ja ziemlich sicher aus Epoxy und Glasgewebe sein
(plus Kupferauflage).


Patrick Schelauske

Ralf Schmode

unread,
Sep 10, 1998, 3:00:00 AM9/10/98
to
Patrick Schelauske schrieb:

> und ich dachte Epoxy wuerde die allermeisten Chemikalien
> aushalten.
> Die Platine wird ja ziemlich sicher aus Epoxy und Glasgewebe sein
> (plus Kupferauflage).

Hallo, Patrick,

sehe ich auch so. In der E-Industrie wurden/werden CKW zur Reinigung bestückter Platinen eingesetzt; dabei passiert
weder den Leiterplatten noch den Bauelementen etwas.

Trotzdem würde ich, wenn ich nicht die Möglichkeit habe, das Ganze in einem Abzug (noch besser wäre wohl eine
belüftete Glovebox) zu erledigen, die Finger davon lassen; die Giftigkeit von Tri wurde ja hier bereits diskutiert.

Gruß

Ralf


Armin Langenbach

unread,
Sep 10, 1998, 3:00:00 AM9/10/98
to
Hallo,

In <35F7E943...@gmx.net>, on 09/10/98

at 04:59 PM, Ralf Schmode <rsch...@gmx.net> said:

>Patrick Schelauske schrieb:

>> und ich dachte Epoxy wuerde die allermeisten Chemikalien
>> aushalten.
>> Die Platine wird ja ziemlich sicher aus Epoxy und Glasgewebe sein
>> (plus Kupferauflage).

>sehe ich auch so. In der E-Industrie wurden/werden CKW zur Reinigung


>bestückter Platinen eingesetzt; dabei passiert weder den Leiterplatten
>noch den Bauelementen etwas.

um Gummi auflösen zu können, wird man das Tri nicht nur kurz einwirken
lassen können, wie es bei der Reinigung von Leiterplatten gemacht wird
(? / dabei gehe ich auch davon aus, daß nicht Tri, sondern andere CKW's
verwendet werden?), sondern es muß über einen längeren Zeitraum und
wahrscheinlich bei erhöhter Temperatur eingesetzt werden. Dabei lößt
dieses Sauzeug fast alles an, was ihm unter die Finger kommt. Wenn ich
noch Tri irgendwo rumstehen habe, werd ich es einfach mal ausprobieren
und euch berichten.

Armin

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