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projektarbeit / ferchau / euro engineering

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lilith hurrtz

unread,
Dec 21, 2002, 4:30:17 PM12/21/02
to
Hallo

Hat jemand Erfahrungen gemacht mit Projektarbeit mit z.B. o.g. Firmen?
Gibt es was Allgemeingültiges zu sagen wie es aussieht, wenn man bei
so einer Firma angestallt ist und dann z.B. bei Bosch oder Siemens in
einem Projekt arbeitet? Ist es zu empfehlen, bei solch einen
Ingeneieurbüro zu arbeiten? Wie sehen Perspektiven und Einkommen
langfristig aus? Kann man langfristig vernünftig verdienen? Arbeitet
man dauernd im Ausnahmezustand, weil man dauernd was neues macht, das
schnell fertig sein muss?

Vielen Dank schonmal fürs Antworten
em

Johannes Pietsch

unread,
Dec 27, 2002, 2:25:35 AM12/27/02
to
lilith hurrtz schrieb:

Ich habe zwar selbst keinerlei Erfahrungen vorzuweisen, kann aber auf
die Empirie von mehreren anderen Personen zurückgreifen: Die Arbeit bei
sogenannten Zeitarbeitsfirmen unterscheidet von regulären
Anstellungsverhältnissen im Ingenieurbereich vor allem dadurch, daß man
an andere Firmen "ausgeliehen" wird. Das hat ein klein wenig den
Charakter des modernen Sklavenhandels, bietet allerdings auch einige
durchaus nennenswerte Vorteile:

* In der Firma, in der man dann tätig ist, hat man es nur mit Kollegen,
aber nicht mit disziplinarischen, allenfalls mit fachlichen Vorgesetzten
zu tun. Die eigenen Vorgesetzten sitzen weit entfernt im Büro der
Zeitarbeitsfirma. Das kann nun, je nach Situation, Vor- und Nachteile
haben (kannste Dir ja selbst überlegen, wann und wo Du einen
Vorgesetzten direkt vor Deiner Nase brauchst und wann eher nicht)

* Die Besoldung bei einer Zeitarbeitsfirma ist durchweg niedriger als in
einem regulären Angestelltenverhältnis (schließlich will die
Zeitarbeitsfirma auch was mitverdienen an der Überlassung)

* Man hat wenig Chancen, dort, wo man eingesetzt wird, intensiv
eingearbeitet zu werden. Je nach Vertrag und Gesetzeslage darf man
nämlich nur einen klar begrenzten Zeitraum an eine bestimmte Firma
ausgeliehen werden, und die wird natürlich darauf erpicht sein, daß man
in dieser Zeit ein Maximum an produktiver Leistung erbringt. Wenn man
zum Beispiel als CAD-Konstrukteur eingesetzt werden soll, wird man diese
Fähigkeiten mitbringen müssen.

* Die Tatsache, daß man alle paar Monate zwangsweise (auf Grund
Gesetzeslage) den Ort seines Arbeitseinsatzes zu wechseln hat, bedingt,
daß man vergleichsweise wenig wirklich kollegiale Beziehungen aufbauen
kann. Auch kann es durchaus passieren, daß man in dem jeweiligen Betrieb
von den festangestellten Kollegen ein wenig wie ein Fremdkörper,
vielleicht sogar als unliebsame Konkurrenz betrachtet wird. Das ist aber
sehr stark von der Firmenstruktur, dem dortigen Sozialgefüge und dem
allgemeinen menschlichen Miteinanders des Unternehmens abhängig. Ich
kenne genügend Erfahrungsberichte, in denen sich Zeitarbeiter mit den
fest angestellten Mitarbeitern einer Firma (es war grundsätzlich im
Ingenieursbereich) bestens verstanden haben und beide Seiten sehr
traurig waren, als die Überlassungsfrist endete.

* Der Wechsel des Einsatzortes hat wiederum den Vorteil, daß man
innerhalb einer vergleichsweise kurzen Zeit viele unterschiedliche
Firmen, Arbeitsgebiete, Verfahrensweise, Technologien etc. kennenlernt
und dadurch natürlich einen recht hohen Erfahrungsschatz aufbauen kann,
wenn man sich clever anstellt.

* Nachteil ist wiederum, daß dem Arbeitnehmer ein hohes Maß an Mobilität
abverlangt wird. Schlecht für Freundin, Katze, Familie, Kino...

* Beschäftigungsverhältnisse bei Zeitarbeitsfirmen sind häufig von der
Arbeitszeitregelung flexibler als normale, tarifgebunde
Angestelltenverhältnisse. Das bietet zum Beispiel für Mütter (aber
inzwischen natürlich auch Väter) die Möglichkeit, nach einer Babypause
zunächst mit reduzierter Wochenarbeitszeit wieder in ihrem Ingenieursjob
zu starten.

* Die Chancen, nach dem Einsatz als Zeitarbeitskraft von der jeweiligen
Firma, in der man tätig war, in ein Festanstellungsverhältnis übernommen
zu werden, werden allgemein als recht hoch angesehen. Viele Firmen
nutzen die Möglichkeit, die Zeit einer Arbeitnehmerüberlassung quasi als
Probezeit anzusehen. Allerdings hat die Sache einen dicken
Schönheitsfehler: Will eine Firma einen Zeitarbeiter direkt nach seinem
Einsatz bei sich fest anstellen, muß sie ihn mit einer happigen
Ablösesumme von seinem Arbeitgeber, der Zeitarbeitsfirma, freikaufen
(is' wie im Fußball). Das können der Zeitarbeiter und die jeweilige
Firma nur umgehen, indem sie zwischen Zeitarbeit und Festanstellung eine
Frist von vier Monaten verstreichen lassen.

HTH

Johannes
--
Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul,
ash nazg thrakatulûk agh burzum-ishi krimpatul.
http://www.filmstarts.com

Johannes Pietsch

unread,
Dec 27, 2002, 4:33:25 AM12/27/02
to
lilith hurrtz schrieb:

Ich habe zwar selbst keinerlei Erfahrungen vorzuweisen, kann aber auf
die von mehreren anderen Personen zurückgreifen: Die Arbeit bei


sogenannten Zeitarbeitsfirmen unterscheidet von regulären
Anstellungsverhältnissen im Ingenieurbereich vor allem dadurch, daß man
an andere Firmen "ausgeliehen" wird. Das hat ein klein wenig den

Charakter von modernem Sklavenhandels, bietet allerdings auch einige
nicht zu unterschätzende Vorteile:

Arbeitszeitregelung her flexibler als normale, tarifgebunde


Angestelltenverhältnisse. Das bietet zum Beispiel für Mütter (aber
inzwischen natürlich auch Väter) die Möglichkeit, nach einer Babypause
zunächst mit reduzierter Wochenarbeitszeit wieder in ihrem Ingenieursjob
zu starten.

* Die Chancen, nach dem Einsatz als Zeitarbeitskraft von der jeweiligen
Firma, in der man tätig war, in ein Festanstellungsverhältnis übernommen
zu werden, werden allgemein als recht hoch angesehen. Viele Firmen
nutzen die Möglichkeit, die Zeit einer Arbeitnehmerüberlassung quasi als
Probezeit anzusehen. Allerdings hat die Sache einen dicken
Schönheitsfehler: Will eine Firma einen Zeitarbeiter direkt nach seinem
Einsatz bei sich fest anstellen, muß sie ihn mit einer happigen
Ablösesumme von seinem Arbeitgeber, der Zeitarbeitsfirma, freikaufen
(is' wie im Fußball). Das können der Zeitarbeiter und die jeweilige
Firma nur umgehen, indem sie zwischen Zeitarbeit und Festanstellung eine
Frist von vier Monaten verstreichen lassen.

Fazit: In Zeiten eines schwierigen Arbeitsmarktes ist ein
Zeitarbeits-Job als Sprungbrett für eine Ingenieurskarriere mit Anlauf
durchaus bedenkenswert.

Ralf Pfeifer

unread,
Dec 28, 2002, 5:47:40 AM12/28/02
to
Johannes Pietsch wrote:
> lilith hurrtz schrieb:
>
>>Hat jemand Erfahrungen gemacht mit Projektarbeit mit z.B. o.g. Firmen?
>>Gibt es was Allgemeingültiges zu sagen wie es aussieht, wenn man bei
>>so einer Firma angestallt ist und dann z.B. bei Bosch oder Siemens in
>>einem Projekt arbeitet? Ist es zu empfehlen, bei solch einen
>>Ingeneieurbüro zu arbeiten? Wie sehen Perspektiven und Einkommen
>>langfristig aus? Kann man langfristig vernünftig verdienen? Arbeitet
>>man dauernd im Ausnahmezustand, weil man dauernd was neues macht, das
>>schnell fertig sein muss?
>
>
> Ich habe zwar selbst keinerlei Erfahrungen vorzuweisen, kann aber auf
> die von mehreren anderen Personen zurückgreifen:

Ich auch ...


> * Die Besoldung bei einer Zeitarbeitsfirma ist durchweg niedriger als in
> einem regulären Angestelltenverhältnis (schließlich will die
> Zeitarbeitsfirma auch was mitverdienen an der Überlassung)

Dazu gibt es meines Wissens folgende gesetzliche Regelungen:

- Reine Arbeitnehmerüberlassung ist auf ein Jahr begrenzt
- Ausleihen für projektbezogene Arbeit ist dagegen unbegrenzt
- Nach einem Jahr beim gleichen Arbeitgeber hat der Leiharbeiter
Anspruch auf den gleichen Lohn wie die Mitarbeiter in der Firma,
in der er arbeitet

Aber vielleicht weiß das in diesem Forum noch jemand genauer.


> * Die Chancen, nach dem Einsatz als Zeitarbeitskraft von der jeweiligen
> Firma, in der man tätig war, in ein Festanstellungsverhältnis übernommen
> zu werden, werden allgemein als recht hoch angesehen. Viele Firmen
> nutzen die Möglichkeit, die Zeit einer Arbeitnehmerüberlassung quasi als
> Probezeit anzusehen. Allerdings hat die Sache einen dicken
> Schönheitsfehler: Will eine Firma einen Zeitarbeiter direkt nach seinem
> Einsatz bei sich fest anstellen, muß sie ihn mit einer happigen
> Ablösesumme von seinem Arbeitgeber, der Zeitarbeitsfirma, freikaufen
> (is' wie im Fußball).
> Das können der Zeitarbeiter und die jeweilige
> Firma nur umgehen, indem sie zwischen Zeitarbeit und Festanstellung eine
> Frist von vier Monaten verstreichen lassen.


Nicht unbedingt, denn es gilt folgendes:
- Der Arbeitnehmer bei einer (Zeitarbeits-)Firma kann kündigen und darf
zu einem Kunden wechseln. Entsprechende Regelungen (besonders in
älteren Arbeitsverträgen), nach denen der Arbeitnehmer nicht zu
einem Kunden des bisherigen Arbeitgebers wechseln darf, sind nichtig,
da sie einen unzulässigen Eingrif in die grundgesetzlich garantierte
Freiheit der Berufswahl bedeuten würden.
Der alte Arbeitgeber kann höchstens über eine Konkurrenzklausel mit
Gehaltsausgleich (Arbeitnehmer darf für bestimmte Zeit nicht zur
Konkurrenz, bekommt aber so lange als Gegenleistung Gehalt ohne Arbeit)
den Wechsel verhindern.

- So gesehen hat die Zeitarbeitsfirma keinen großen Hebel, eine
Ablsöesumme vom Kunden für den Arbeitnehmer zu fordern.
Sie würde höchstens ihren Kunden los.

Ich kenne sogar Fälle, in denen die Zeitarbeitsfirma einen neuen
Leiharbeiter angeboten hat, den sie gar nicht unter Vertrag hatte.
Es handelte sich um Arbeitslose, die den Vertrag vom Verleiher erst
dann bekommen hätten, wenn der Kunde sie angefordert hätte.

Speziell mit Euro-engineering habe ich persönlich allerdings einmal
schlechte Erfahrungen gemacht. Der Leiter der Filiale hat eine Bezahlung
angeboten, bei denen ein großer Teil des Gehaltes als Spesen deklariert
war - mein Steuerberater hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

Als ich das Stellenangebot dann aus diesem und anderen Gründen abgelehnt
habe, gab's erst einmal einen bösen Brief an mein Arbeitsamt. Da durfte
ich dann die Zusammenhänge erklären und zum Schluß hat auch der
Arbeitsberater den Kopf geschüttelt.

Was ich nie verstanden habe, wie eine Firma -nach eigenen Aussagen-
innerhalb von 3-4 Jahren mehrere hundert Miratbeiter haben kann und
das im Geschäft mit Automobilherstellern ...


Hoffe geholfen zu haben,

Gruß, Ralf.

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