Am 18.04.2013 08:18, schrieb Oliver Betz:
> vielleicht habe ich ja eine überraschend einfache Methode nicht
> mitbekommen, Feuchte in Festkörpern billig und schnell zu messen, kann
> mich jemand aufklären?
>
> Unlängst erzählte mir ein Fachmann, mit seinem Bosch PTD1
> IR-Thermometer könne er Feuchte im Mauerwerk bis zu einer Tiefe von
> mehreren Zentimetern bestimmen.
Kann er definitiv nicht. Ein Thermometer misst Temperaturen und keine
Feuchte. Ein Luftfeuchtemessgerät misst die Luft- und keine Mauerfeuchte.
Es KANN natürlich unter bestimmten Voraussetzungen ein Zusammenhang
zwischen Luft- und Mauerfeuchte vorhanden sein. Messtechnisch aber
nicht. Dementsprechend ist auf der Bosch-Seite
http://www.bosch-ptd1.com/de/de/product/der+ptd+1.html auch zu lesen:
"Denn er ist das einzige Messgerät, das nicht nur die Raum- und
Oberflächentemperatur sowie die Luftfeuchtigkeit misst, sondern
gleichzeitig auch interpretiert."
Es geht also um die INTERPRETATION der Messwerte und NICHT um MESSWERTE
der Mauerfeuchtigkeit. Dafür gibt es eigene Messgeräte, die einen etwas
besseren Zusammenhang mit Mauerfeuchte und Messergebnis zeigen. Das sind
für oberflächennahe Werte kapazitive Messgeräte und wenn's etwas tiefer
reingehen soll, welche auf Radarbasis. Interpretation ist halt immer so
eine Sache. Ist das Fenster offen, kann die Luft furztrocken und die
Mauer klitschnass sein. Oder umgekehrt.
> Und auch die Feuchtigkeit im Estrich
> würde man heutzutage damit messen, Löcher in den Estrich zu klopfen
> (für CM-Methode) sei nicht mehr nötig.
Aufklopfen muss man nicht unbedingt. Aber mit besagtem Messgerät misst
man diese Feuchtigkeit ganz sicher NICHT.
> Nun, ein PTD1 misst rel. Luftfeuchte, Lufttemperatur und
> Oberflächentemperatur.
Damit kriegt man raus, ob was an der OBERFLÄCHE kondensiert. Ob und wie
viel Wasser davon in die Mauer EINGEDRUNGEN ist, kriegt man damit SICHER
NICHT heraus.
> Taupunkt und Kondensation leuchtet mir ein, dazu ist das Ding gebaut.
Es ist für oberflächliche (im wahrsten Sinne des Wortes), schnelle Suche
gebaut.
> Im stationären (Gleichgewichts-) Zustand kann ich _vielleicht_ auch
> etwas über das Wasser im Festkörper raten - ist das praktikabel bzw.
> üblich? Wie rechnet man?
"Raten" ist hier genau der richtige Begriff.
> Aber beim trocknenden Estrich kann das doch gar nicht mehr nicht
> klappen, oder?
In der Tat. Will man Feuchtigkeit IM Mauerwerk oder IM Estrich
feststellen, braucht man etwas, das direkt mit dem Wasser DORT in
Verbindung steht. Das beschriebene Messgerät leistet das definitiv
NICHT. Dafür gibt's für Oberflächennahes kapazitive und für
Volumenorientiertes radarbasierte Messgeräte. Aber auch diese Messgeräte
zeigen oft Artefakte z.B. durch Bewehrung oder Stromleitungen,
Werkstoffinhomogenitäten usw. Selbst mit solchen Messgeräten muss man
also noch viel interpretieren. Will man's genau wissen, muss man ein
Loch bohren und in dessen Tiefe die Luftfeuchtigkeit messen. Geht ganz
gut mit einem Endoskop. Ist die Mauer ernsthaft feucht, beschlägt es
sofort und versperrt den Durchblick. Bei Ziegelmauerwerk zeigt sich die
Feuchtigkeit auch durch die dunkle Farbe des Aushubs.
> P.S.: Er hat mir auch erzählt, in fünf Jahren gäbe es Photovoltaik auf
> dem Markt, die die nächtliche UV-Strahlung nutzbar macht.
:-)
--
Servus
Christoph Müller
http://www.astrail.de
(Leckorter)