On 7 Nov., 22:03, "Horst-D.Winzler" <
horst.d.winz...@web.de> wrote:
> Die frühen Farmer zumeißt im Süden der USA haben mW das Land auch nur
> solange bebaut, bis es ausgelaugt war. Dann zog man weiter.
Um sich die Vorgaenge bewusster zu machen, lese man
z.B. das Buch von Andrea Wulf: Founding Gardeners - The
Revolutionary Generation, Nature, and the Shaping of the
American Nation. New York, 2011.
Die Politiker und Unabhaengigkeitskaempfer, wie Washington,
Jefferson, Madison, Adams, usw., auch die meisten der
Delegierten in den Continental Kongress, usw. waren leiden-
schaftliche Gaertner und Farmer. Sie kauften sich die gesamte
Literatur zusammen, die sich mit den neuesten Agrartechniken
und dem Gartenbau beschaeftigten. Sie sammelten als Botaniker
Pflanzen, experimentierten mit ihnen und suchten nach Wegen,
wie die Boeden der Felder verbessert und der Ertrag gesteigert werden
kann. Man malte sich die Vereinigten Staaten als eine hoch-
wertige Agrarlandschaft aus, wo in weit groesserem Massstab
und erfolgreicher als in Europa gewirtschaftet wird.
Das angesammelte Wissen wurde, so gut das damals in der
jungen Vereinigten Staaten ging, an die Masse der Farmer
weitergegeben. Dazu gruendete man Agrarvereinigungen
und Fachzeitschriften.
Jefferson etwa hatte auf Monticello, sein Agrarbetrieb, eine
riesige Terrasse neben Wohnhaus und Park an der sonnigen
Hangseite anlegen lassen. Dort probierte er die Pflanzensamen
aus, was diese Pflanzen erbringen, wozu sie sich eignen.
Die Samen wurden aus aller Welt von Sammlern zusammen-
getragen und untereinander ausgetauscht. Jefferson, Adams,
Washington, Madison, usw. belieferten mit den Samen ihrer
amerikanischen Pflanzen leidenschaftliche Sammler in Europa
und anderswo, dafuer erhielten sie im Austausch Samen
aus deren Kollektion. Es ging dann darum, die Samen zum
Wachstum zu bringen, zu sehr vielen Samen zu kommen,
um diese dann im eigenen Land unter die Farmer zu bringen.
Man wusste dann, was auf welchen Boeden in welchem
Klimagebiet bestens geeignet ist. Natuerlich kam von den
Farmern viel Wissen zurueck. Es macht richtig Spass, zu
lesen, wie dieser ganze Austausch funktionierte und wie die
Landwirtschaft dadurch vorankam. Witzig fand ich auch, dass
die sogenannten "englischen Landschaftsparks" nicht nur deshalb
so aesthetisch wirkten, weil sie so naturnah angelegt worden
waren, sondern der springende Punkt war, dass man besonders
attraktive Baeume, Straeucher und Blumen aus Nordamerika
dazu einsetzte, um die Parks zu verschoenern. Als die
amerikanischen Delegierten in London mit den Englaendern
erste Wirtschaftsbeziehungen knuepften, um sich einen Ab-
satzmarkt fuer ihre Produkte zu sichern, reisten sie durch
England, um sich die beruehmten Gaerten und Parks anzu-
schauen. Mit Erstaunen stellten sie fest, dass in diesen
Parks eigentlich die amerikanische Pflanzenvielfalt und
-schoenheit zur Schau gestellt ist.
Natuerlich gab es, wie in Europa, Ignoranten, die sich nicht
darum scherten, wenn das Land ausgelaugt war. Davon wusste
man andererseits auch noch nichts. Der Tabakanbau und die
Baumwollanpflanzungen waren solche Faelle. Es musste
erst entdeckt sein, dass Duenger auf die Felder zu geben ist,
damit sie weiterhin Ertrag bringen.
Schlimm waren natuerlich die kapitalistischen Strukturen, al-
so wenn sich Investoren in die Landwirtschaft ausrechneten,
wir kaufen oder pachten das Land, pflanzen ueber eine ge-
wissen Zeit an, bis ein rascher Gewinn erzielt ist, und stossen
das Land danach ab, wenn kaum noch Ertrag zu erwirtschaften
ist. Dann handelt es sich aber bereits um Kriminalitaet.
K.L.