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Nulleiter in Elektronetz geerdet ?

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Christian Peitz

unread,
Oct 10, 2001, 5:43:17 AM10/10/01
to
Ist es korrekt das in Deutschen Elektronetzen
der Neutralleiter (0 /N) geerdet ist ?

Gleich zur info, Ich meine _nicht_ den Erdleiter.
Das der geerdet sein _muss_ ist mir wohl bekannt.
Er erfüllt ja schließlich eine Schutzableitfunktion
gegen Erde.

Warum aber sollte der Neutralleiter geerdet sein ?

Danke für alle Antworten.

Christian


Tobias Lang

unread,
Oct 10, 2001, 6:11:19 AM10/10/01
to
Ja in der nächsten Trafostation


"Christian Peitz" <ChP...@strakat.de> schrieb im Newsbeitrag
news:9q152k$nov$06$1...@news.t-online.com...

Volker Gringmuth

unread,
Oct 10, 2001, 6:53:25 AM10/10/01
to
"Christian Peitz" <ChP...@strakat.de> wrote:

>Ist es korrekt das in Deutschen Elektronetzen der Neutralleiter (0
>/N) geerdet ist ?

Ja. Du kannst jeden beliebigen Verbraucher zwischen Außenleiter und
Blitzableiter anklemmen, und es müsste funktionieren (ansonsten stimmt
mit deinem Blitzableiter was nicht).

>Warum aber sollte der Neutralleiter geerdet sein ?

Weil sonst der Schutzleiter seine Schutzfunktion nicht mehr wahrnehmen
könnte, SCNR...

Wäre das Netz nicht geerdet, könntest du beide "Löcher" der Steckdose
gefahrlos anfassen (einzeln natürlich). Du würdest ja niemals eine
Spannung überbrücken, weil kein elektrischer Bezug zum Erdboden
besteht. Die Gefahr durch den Außenleiter entsteht also erst dadurch,
dass sein Potenzial Erdbezug hat.

Daher erscheint es zunächst sicherer, das Netz *nicht* zu erden - und
tatsächlich gibt es eine Schutzmaßnahme namens "Schutztrennung", die
für einige Anwendungen sogar vorgeschrieben ist. Die macht genau das:
Über einen 1:1-Transformator wird der Erdbezug der Spannung
aufgehoben.

Warum erdet man also das Versorgungsnetz und lässt nicht gleich alles
elektrisch "in der Luft hängen", wenn das doch sicherer ist?

Vor allem deshalb, weil sonst das Netz sehr störanfällig gegen alle
möglichen elektrischen Felder wäre (das muss gar kein Blitzeinschlag
in die Freileitung sein; das elektrische Feld unter einem Gewitter
würde schon völlig ausreichen). Unerwünschte Überspannungseffekte
lassen sich nur dadurch vermeiden, dass man dem Außenleiter einen
festen Bezug zur Erde spendiert und damit immer ein definiertes
Potenzial auf der Leitung hat. Und dazu muss man sein Bezugspotenzial,
den Neutralleiter, eben erden.

Bin nicht vom Fach, alles angelesen oder -gehört, also IIRC und CMIIW.

vG

Christian Peitz

unread,
Oct 10, 2001, 7:21:35 AM10/10/01
to
Hallo Volker.

Vielen Dank für die ausführliche Erklärung.

So ganz vollständig hab ichs zwar noch nicht geschnallt
aber ich seh jetzt etwas klarer.

Nur den bezug zwischen geerdetem Nulleiter und der
Schutzfunktion des Erdleiters hab ich noch nicht ganz verstanden.

Gruß

Christian


Hartmut Schneider

unread,
Oct 10, 2001, 7:58:20 AM10/10/01
to
"Christian Peitz" <ChP...@strakat.de> wrote:
>Ist es korrekt das in Deutschen Elektronetzen
>der Neutralleiter (0 /N) geerdet ist ?
>
>Gleich zur info, Ich meine _nicht_ den Erdleiter.
>Das der geerdet sein _muss_ ist mir wohl bekannt.
>Er erfüllt ja schließlich eine Schutzableitfunktion
>gegen Erde.
>
>Warum aber sollte der Neutralleiter geerdet sein ?


Vereinfacht - für Laien erläutert:
Also vorab mal Begriffsklärung:
Wir sprechen vom 230/400 Volt Netz!
Nulleiter gab es früher, heute nicht mehr.
Neutralleiter (N) heißt im Drehstromnetz der Sternpunktleiter oder Mittelleiter,
Der Schutzleiter (PE) ist ausschließlich Schutzleiter, ist nicht (im
Normalbetrieb) stromführend.
Unter gewissen Voraussetzungen kann man PE und N in einem Leiter zusammenfassen
(PEN), diese Vorraussetzungen sind im Wohnungs- oder Kleingewerbebereich fast nie
gegeben.


Dr Schutzleiter ist fast immer (jawohl, fast) gut geerdet, die Ausnahmen sind
"exotisch".


Der N ist nach VDE im Netz, also mindestens am Trafo, zu erden. (Achtung:
Ausnahme siehe unten)
Grund:
In einem erdfreien Netz würde sich durch Erdschlüsse und ggf. unterschiedliche
Leiter-Erdkapazitäten ein undefinierter Spannungszustand aufbauen, sodaß einzelne
Außenleiter weit höhere Spannungen gegen Erde aufweisen könnten als die 250 Volt,
für die das Material dimensioniert ist.
Jetzt unterscheidet man zwei Netzformen: TT-Netz und TN-Netz, letztlich vor allem
unterschieden durch die "Qualität" der Netz-Erdung.
Im TT-Netz muß die Erdung so gut (niederohmig) sein, daß auch bei einem
metallischem Erdschluß eines Außenleiters keiner der beiden anderen mehr als 250
Volt gegen Erde führt. Dabei kann der N vorübergehend (bis zum evt. verzögerten
Ansprechen von Sicherungen) durchaus Spannungen bis 40 Volt gegen Erde führen.
Aus diesem Grund ist ein solcher N als Schutzleiter unbrauchbar.
Im TN Netz sind die Forderungen schärfer: Die Erdung muß unter 2 Ohm bleiben und
es genügt nicht, nur am Trafo zu erden, sondern vielfach im gesamten Netz,
außerdem muß gewährleistet sein, daß der einphasige Kurzschluß an jeder Stelle
die nächste vorgeschaltete Sicherung (oder Automat) in definierter kurzer Zeit
auslösen läßt. In einem solchen Netz kann man den sehr gut geerdeten N
gleichzeitig als Schutzleiter benutzen, mithin als PEN, also die getrennten PE im
Haus zentral an den PEN des Netzes anschließen. (Im Netz ist PEN erlaubt).
Heute muß der PEN außerdem in jedem Haus zentral mit allen Haus-Erden verbunden
werden (Potentialausgleich), was beiden nützt, dem Netz und dem Hausbesitzer.


Es gibt durchaus kleine begrenzte Netze ohne Erdung (IT-Netze) , z.b. für
Operationssäle. Dort ist die ununterbrochene Stromversorgung wichtiger als die
sofortige Abschaltung beim ersten Fehler. Es wird dann die Spannung des nicht
geerdeten Mittelleiters gegen Erde überwacht und bei Überschreiten von gewissen
Grenzwerten angezeigt, die Operation kann zu Ende geführt werden, repariert wird
anschließend...
Nicht geerdeter SCHUTZleiter: Bei tragbaren Stromerzeugern z.B., wenn die Länge
aller angeschlossenen "Gummikabel" gewisse Grenzen nicht überschreitet,
Genaueres muß man in Normen und Vorschriften nachlesen, es gibt auch schlaue
Bücher, im Zeifelsfall : Elektroinstallateurlehre und spätere Meisterprüfung...
Gruß
Hartmut
--
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Kai Uwe Bachmann

unread,
Oct 10, 2001, 8:11:46 AM10/10/01
to

Hallo,

das ganze ist recht einfach.

Es gibt 2 gründe für geerdeten nullleiter.

1.) ohne geerdeten nullleiter erkennt man einen erdschluß (defekt) erst,
wenn ein zweiter vorliegt. zudem erkennt man auch nur einen der beiden
defekte.
ist der nulleiter dagegen geerdet, so fällt der defekt dank sicherung
sofort auf.

2.) hat der defekt keinen erdschluß zur folge (z.B. defektes kabel mit
offenem draht) so hat man ohne erdung 400V über den körper anliegen
(wenn es an anderer stelle einen erdschluss gibt). bei geerdetem
nullleiter
sind das "nur" 230V.

Gruß
--
PIIT GmbH Zum Riesenberg 4
Kai Uwe Bachmann 78476 Allensbach
Softwareentwickler Germany

Tel: (0049)7533/91030 Fax: (0049)7533/91032

Matthias Kordell

unread,
Oct 14, 2001, 12:25:03 PM10/14/01
to
Volker Gringmuth tut geschreibselt haben:

> "Christian Peitz" <ChP...@strakat.de> wrote:
>
> >Ist es korrekt das in Deutschen Elektronetzen der Neutralleiter (0
> >/N) geerdet ist ?
>
> Ja. Du kannst jeden beliebigen Verbraucher zwischen Außenleiter und
> Blitzableiter anklemmen, und es müsste funktionieren (ansonsten
> stimmt mit deinem Blitzableiter was nicht).

Das hatte sich die RAF in HD auch mal gedacht, als sie die Baustelle
des Klinikums in die Luft sprengen wollten. Der FI war schneller...

Matthias

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